Ausgabe 
9.11.1919
 
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Seelsorger der hiesigen Kliniken, half mit, indem er Bibelstunden und Vorträge hielt. Die Seele des Vereins aber war Herr Pfar⸗ rer Schwabe. Jeder, von dem einmal eine ähnliche Arbeit gefordert worden ist, weiß, daß dazu ein hohes Maß von Hingebung und Pflichttreue gehört. Man kann am besten sein Wirken im Verein mit den Worten bezeichnen: Er war dem Verein und allen Mitgliedern ein Vater. Viel zu früh ist er von uns gegangen. Wie freute er sich, wie er dem Schreiber dieses erklärte, als er am

Schluß des unglückseligen Krieges aus dem

Felde zurückkehrte, und von ihm gleich an sein Krankenlager gerufen wurde, auf die neue Arbeit und besonders in der Jugend⸗ pflege in unserer Gemeinde und des Vereins. Als wir Weihnachten 1918 in schlichter Weise ohne sein Beisein feiern mußten, und ihm von dem schönen Verlauf der Feier berichtet wurde, schrieb er dem Verfasser: Es ist gut, daß Sie wieder da sind, wid⸗ men Sie dem Wartburgverein Ihre ganze Kraft! Auch in seinen letzten Stunden ver⸗ gaß er den Verein nicht. Er sollte aber nicht mehr in unsere Mitte zurückkehren, Gott hatte es anders beschlossen. Am 21. Februar 1919 stand in tiefer Trauer der Verein am Grabe seines allen Mitgliedern undergeß⸗ lichen ersten Vorsitzenden.

Einige Mitglieder hat der Krieg von uns gefordert. 70 Prozent derselben folgten dem Ruf der Fahne. Reinhold Klemm(Vorstands⸗ mitglied), Wilhelm Hüttenberger, Eugen Wirth, Karl Fischer, Ernst Schneider, Konrad Böckner, Wilhelm Hahn, Willy Siegel, Willy Schlemm starben auf dem Felde der Ehre; drei kehrten als Kriegsbeschädigte heim; einer wird vermißt. Otto Hof starb infolge Ueberanstrengung und Entbehrungen auf dem Rückmarsche hier in Gießen. Drei Mit⸗ glieder kehrten vor kurzem aus englischer Gefangenschaft zurück; zwei sind noch in französischer Gefangenschaft.

Von den Anfang dieses Jahres nach und nach aus dem Felde zurückgekehrten älteren Mitgliedern, ebenso von den jüngeren Mit⸗ gliedern des Vereins wurde in diesem Jahre

wir treiben, ist schwere Arbeit, das weiß

genommen hatten, fallen wieder ab, schein⸗

tüchtige und erfreuliche Arbeit geleistet. Eifrig wurde geworben, so daß die Zahl der aktiven und inaktiven Mitglieder schon 200 überschritten hat. Der Verein hat jetzt jeden Abend irgendeine Veranstaltung. Vorträge, oft mit Lichtbildern, Unterhaltungs⸗ und Familienabende wechselten miteinander ab. Reiche Unterstützung fanden wir auch durch die Pfarrer unserer Gemeinde. Die Mitglie⸗ der des Posaunen⸗ und des Streichchors fanden sich wieder zusammen, und manches Konzert und mancher musikalische Abend, die veranstaltet wurden, gaben Zeugnis von dem Fleiß und dem Eifer, mit denen wieder gearbeitet wurde. Die Turn⸗ und Spielabtei⸗ lung, welche in dem Kriege lahmgelegt war, wurde wieder ins Leben gerufen und manche

Preise konnten imHessenbund geholt wer⸗ den. Die über 600 Bände reiche Bihliothg ist neu geordnet und wird fleißig benutzt Eine Wanderabteilung wurde gegründet, Ja⸗ milienausflüge und Tagestouren wurden in schönen Lahntal, im Vogelsberg und in der Wetterau gemacht. Der Verein besitzt ein eigenes Heim in der Kleinkinderschule i der Diezstraße 15, dessen Miete und Unter⸗ haltung mit Unterstützung der Kirchenkasfe bestritten wird. Zwei Mitglieder des Verein sind im Dienste der äußeren und zwei im Dienste der inneren Mission tätig.

Wenn wir auf die verflossenen Monat nach dem Kriege zurückblicken, so können wir zufrieden sein. Freilich, die Arbeit, die

jeder, der sich der heranwachsenden Jugend widmet. Viele, die einen schönen Anlauf

bar ist alle an ihnen aufgewandte Muße vergeblich gewesen, aber wer Jugendpflege treibt, säet auf Hoffnung. J

Alle aber, die an irgendeiner Veranstal⸗ tung unseres Vereins teilgenommen haben, werden unsere Meinung teilen, daß in dem Wartburgverein eine segensreiche Arbeit getrieben wird. Hier werden Verstand und Gemüt unserer Jugend gebildet, hier wird ein, wenn auch kleiner Teil der heranwach⸗ senden Jugend Gießens zur Gottesfurcht, zur Charakterstärke und zur Vaterlandsliebe erzogen. Und wer hierzu unsere Jugend er⸗ zieht, der arbeitet mit an dem Aufbau einer besseren Zukunft unseres Vaterlandes.

W. Engels.

Kirchliche Anzeigen. Sonntag, 9. November, 21. nach Trinitatiz, Gottesdienst.

In der Stadtkirche. Vormittags Uhr: Pfarrer Mahr. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde Pfarrer Mahr. Abends 5 Uhr: Pfarre Becker. Montag, 10. November, abends 7/8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde⸗ Donnerstag, 13. November, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde

In der Johanneskirche. Vormittags g Uhr: Pfarrassistent Schaefer. Vormittagz 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde⸗ Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal. Montag, 10. November, abends ½8 Uhr: Vereini-

gung der konfirmierten weiblichen Jugend

der Lukasgemeinde. Im Vonfirmandensaal, Liebigstraße 5. Nachmittags 2 Uhr: Taubstummengottes⸗

dienst. Pfarrer Bechtolsheimer.

ꝙꝙGꝙꝙFFFTC0000 0 83. 1 Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerel R. Lange,

Gießen.

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