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Den ersten Anstoß zur Gründung gab der Fabrikant Eugen Kauffmann im Jahre 1887. Herr Kauffmann machte damals dem im Jahre 1915 verstorbenen Pfarrer Dr. Naumann den Vorschlag, doch einen Auf⸗ ruf zwecks Gründung eines Jünglingsver⸗ eins in der Gemeinde zu erlassen, welchem Ersuchen der Genannte gern Folge leistete. Wir lassen hier die Aufzeichnungen der ersten Protokolle des Vereins folgen:„Gießen, den 14. Oktober 1887. Einem Aufruf des Herrn Pfarrers Dr. Naumann zufolge versammelten sich heute in einem Saale der„Herberge zur Heimat“ fünf junge Leute nebst einigen älte⸗ ren Freunden dieser Sache zu einer Besprech⸗ ung über die Gründung eines evangelischen Jünglingsvereins dahier und die Grund⸗ züge, die dabei leitend sein sollten. Anwesend war auch ein Gast, Herr Kaufmann Rusche don Elberfeld, ein eifriger Freund der Jüng⸗ lingssache, der auf seinen Reisen vielfach Vereine dieser Art besucht und dankenswerte Vorschläge zur Gründung unseres Vereins erteilte. Herr Pfarrer Dr. Naumann über⸗ nahm das Präsidium des Vereins und machte den Vorschlag, im wesentlichen die Statuten des Rheinisch-Westfälischen Jüng⸗ lingsbundes zu den unserigen zu machen; es wurde beschlossen, Samstag um 8 Uhr zu erscheinen. Mit einem Gebet wurde gegen 10 Uhr geschlossen.“„Samstag, den 15. Oktober 1887. Die fünf jungen Leute versammelten sich, die Gründung eines „Jünglingsvereins“ wurde beschlossen. Ein Mitglied tritt noch bei, Schriftführer wird Sommerlad. Dann gemeinsame Unterhal⸗ tung, Lesen, Spielen, Gesang. Sonntag, den 16. Oktober 1887. Neue Mitglieder werden aufgenommen, die Vereinsabende festgesetzt und eine Vereinsliste angefertigt. Sie lautet: J. Präses: Pfarrer Dr. Naumann. II. Ko⸗ mitee: Bibliothekar Dr. Heuser, Fabrikant
Eugen Kauffmann, Hausvater Kahle, Schreinermeister Lenz. III. Vorstand: Fink, Götze, Manderbach, Sommerlad, Gerbe,
Kaus, Jünger. IV. Mitglieder: Habermehl, Roll, Rohde, Haas I., Haas II., Geiße, Rörig, Heuß, Brückel, Bickel, Weiner, Schul, Joist. V. Bibliothekar: Götze. VI. Kassierer: Gerbe. VII. Schriftführer: Jünger.“
Aus den weiteren Aufzeichnungen ersieht man, daß eifrig gearbeitet und für die gute Sache geworben wird. Am 22. November wurde bei einem Teeabend in der Wohnung des Herrn Pfarrers Dr. Naumann Herr Dr. Heuser für seine besonders rührige Ar⸗ beit und Mitwirkung bei den Vereinsabenden zum Ehrenmitglied ernannt. Auch die Herren Kauffmann, Lenz und Kahle beteiligten sich sehr an der Vereinsarbeit, alle drei waren im Laufe der Jahre abwechselnd 2. Vor⸗ sitzender des Vereins.
Die eigentliche Vereinsarbeit war damals ast so, wie sie auch jetzt noch ist. Sie be⸗ stand darin, eine gesunde, fromme und fröh⸗ siche Jugend zu erziehen, daneben die
Freundschaft und den Familiensinn zu för⸗ dern, zu stärken und zu befestigen. In diesem Sinne wurden Familienabende veranstaltet. Eine Gesangsabteilung wurde unter der Lei⸗ tung des Herrn Lehrers Görlach gegründet, Turnstunden wurden abgehalten, Familien⸗ ausflüge und Tagesausflüge gemacht.
In reger Arbeit vergingen die Jahre. Viele Jünglinge gingen durch den Verein, der eine kürzer, der andere länger. Bei jedem aber konnte der Leiter sagen: er hat etwas für sein ferneres Leben empfangen und be⸗ halten. Am 29. November 1903 legte Herr Pfarrer Dr. Naumann wegen vorgerückten Alters und Ueberlastung mit Gemeindearbeit sein Amt als 1. Vorsitzender nieder. Das Protokollbuch des Vereins besagt darüber folgendes:„Gießen, den 29. November 1903. Herr Pfarrer Dr. Naumann hat infolge hohen Alters und Arbeitsüberlastung den Vorsitz des Vereins niedergelegt und wird wegen seiner hervorragenden Leistung in der Jünglingsvereinssache zum Ehrenpräses des Vereins ernannt. Mit Gottes Hilfe hat sich nun nach langem Suchen und manchen Miß⸗ erfolgen ein neuer Vorsitzender gefunden. Es ist dies Herr Pfarrer Schwabe, Pfarrer der Markusgemeinde. Derselbe erklärte, gern die Leitung des Vereins zu übernehmen, wies unter anderem auf den Wert der Jünglings⸗ vereinssache hin und schloß mit der Bitte, auch ihm das Vertrauen entgegen zu bringen und in derselben Liebe beizustehen, wie Herrn Pfarrer Dr. Naumann.“
Der Verein lag von nun au wieder in be⸗ währten Händen. Wie Herr Pfarrer Schwabe für den Verein gelebt und gearbeitet hat, wissen nur die, die mit ihm zusammen in der Sache gearbeitet haben. Fünfzehn Jahre war es ihm beschieden, den Verein zu leiten. In dieser Zeit war das Interesse für die Jünglingsvereinssache in weiten Kreisen der evangelischen Kirche lebendig geworden. Demgemäß steckte auch der Gießener Verein seine Ziele weiter als vorher. Er nahm jetzt junge Leute aus allen Gemeinden auf und suchte durch seine Veranstaltungen auch die Schüler höherer Lehranstalten zu erreichen und zwar mit gutem Erfolg. Im Jahre 1908 beschloß der Vorstand auf Anregung des Herrn Pfarrers Schwabe, aus dem „Westdeutschen Jünglingsbund“ auszutreten und dem„Hessenbund“(vereinigte Wart⸗ burg⸗ und Jugendvereine Hessens) beizu⸗ treten und von nun an, wie die übrigen Vereine in Hessen, den Namen„Wartburg⸗ verein Gießen“ anzunehmen. Im Jahre 1911 wurde ein Beirat gebildet, der Männer und Frauen aus allen Kreisen unserer Ge⸗ meinde umfaßt. Lag bis dahin die ganze Arbeit der Leitung auf den Schultern des Herrn Pfarrers Schwabe, so wurde er jetzt von dem Pfarrassistenten und dem Ge⸗ meindehelfer, von letzterem in seiner Eigen⸗ schaft als Jugendpfleger und Vereinsleiter, unterstützt. Auch Herr Pfarrer Adolph, der


