hat er dem frühverstorbenen Dr. Fried⸗ rich Curschmann(18481889) in der Erzählung„Schwelendes Feuer“(S. 129) ein Denkmal gesetzt, indem er dort den verkommenen Studenten Kühnstedt erzählen läßt:„Ich habe auf dem Gymnasium einen Lehrer gehabt, Dr. Curschmann hieß er, an den denke ich gern zurück.“ Ein anderer seiner Darmstädter Lehrer, der einen nach⸗
haltigen Einfluß auf ihn ausübte, war der
feinsinnige Dr. Ferdinand Bender (18471891), der selbst bemerkenswerte Proben seines dichterischen Könnens abgelegt
hat und die von seinen Schülern, die solche
Anlagen verrieten, in ihren Versuchen auf diesen Gebieten ermunterte. Zu diesen ge⸗ hörte auch Gros, der schon als Primaner eine sehr blutige fünfaktige Tragödie„Die Curiatier“ verfaßte und den Plan eines Goethes Egmont fatal ähnlichen. Dramas ausarbeitete. Die erste Arbeit ist verschollen
und die zweite kam, weil er jene Aehnlich⸗
keit rechtzeitig erkannt hatte, über das Sta⸗ dium des Entwurfes nicht hinaus.
Hätte Gros sein Studium frei wählen dürfen, so hätte er sich für Germanistik entschieden; denn Deutsch und Geschichte waren von jeher seine liebsten Fächer. Doch sein Vater willigte nicht ein. So kam er
denn zur Theologie. Die erste Universität,
die er besuchte, war Leipzig. In seinen beiden ersten Semestern befaßte er sich mehr
mit Literatur und Geschichte als mit seinem Fachstudium, und in seinem dritten und
vierten Semester genügte er seiner Militär⸗ pflicht. Dann siedelte er nach Marburg über. Dort waren es Adolf Harnack und Wilhelm Herrmann, die es ver⸗ standen, ihm die innere Beziehung zu seiner Wissenschaft zu geben. Im siebenten Se⸗ mester legte er in Herborn die Prüfung ab, daran schloß sich der einjährige Besuch des dortigen Predigerseminars. Nach Ab⸗ lauf des Kandidatenjahrs wirkte er zwei Monate vertretungsweise an der evange⸗ lischen Schule des oberen Rheingaues zu Erbach, die von dem Prinzen Albrecht von Preußen zum großen Teil unterhalten und von dem Pfarrer Adolf Deißmann, dem Vater des Berliner Theologen gleichen Na⸗
mens, geleitet wurde. Bei dem geistig leben⸗
digen, von religiöser Leidenschaft durch⸗ pulsten Manne von hinreißender, volks⸗ lümlicher Beredtsamkeit lernte er viel, wäh⸗ rend er gleichzeitig seine vier Arbeiten für die zweite Prüfung erledigte. Als er diese bestanden hatte, kam er als Staatsvikar auf den Westerwald zu Dekan Kaspar Naumann einem geborenen Hessen aus Bleichenbach bei Büdingen. Dieser, ein Mann der Praxis und ein guter Bauern⸗ kenner, ist wohl das Urbild des„alten Konsistorialrats“ in dem„Bauernpfarrer“.
Als selbständiger Pfarrer wirkte Gros zuerst in Frohnhausen bei Battenberg (1889). Trotz seiner nur einjährigen Amts⸗
tätigkeit daselbst faßte er doch dort festen Fuß, und wenn er das Dorf des„Bauern⸗ pfarrers“ Frondorf nennt, so läßt sich in diesem Namen unschwer seine erste Gemeinde wiedererkennen. Auf seinen Wunsch wurde er im Jahre 1890 nach Hartenrod yver⸗ setzt. Die sieben Jahre, die ihm dort zu wirken beschieden waren, bezeichnete er selbst als die schönsten seiner Pfarrwirksamkeit, Es galt hier, die Gemeinde wieder zusam⸗ menzuholen, die unter seinem Amtsvor⸗ gänger, einem alten Manne, auseinander⸗ geflossen war. Dabei mußte den Ansprüchen der Gemeinschaftschristen Rechnung getragen werden. Das war keine leichte Aufgabe; denn das Kirchspiel umfaßte neun Dörfer, und im Winter war er fast allabendlich außer Samstags unterwegs, um Bibelstun⸗ den zu halten. Ein besonderes Verdienst um seine Gemeinde, die bei dem damals in jener Gegend vor sich gehenden Ueber⸗ gang von der Naturalwirtschaft zur Geld⸗ wirtschaft die verheerende Wirkung wuche⸗ rischer Ausbeutung unbarmherziger Blut⸗ sauger verspürte, erwarb er sich durch Grün⸗ dung eines Raiffeisenvereins, des ersten im Kreise Biedenkopf. Das war eine Hilfe, die bitter nottat; durch die vielen Hofver⸗ käufe war der Grund und Boden entwertet und der Bodenkredit lag infolgedessen dar⸗ nieder. Es hielt daher schwer, durch Hypo⸗ thekerrichtung Geld geliehen zu bekommen. Früher wohlhabend gewesene Bauern hatten oft kaum noch eine Kuh im Stalle stehen, Der Viehhändler befahl den Bauern, das Rindvieh, das er an Zahlungsstatt genom⸗ men, auf den Markt zu führen. Waren in Gießen die Preise zu niedrig, so konnte der Bauer die nächste Woche mit den Tieren nach Herborn traben, und in der Zwischen⸗ zeit durfte er das Vieh umsonst für seinen Schuldherrn warten und füttern. Für die Anfeindung, die Gros von mancher Seite, sogar auch von dem damaligen Landrate, erfuhr, entschädigte den jungen Pfarrer das Vertrauen, das er sich durch seine atemlose und vielseitige Arbeit in seiner Gemeinde erwarb: der verschlossene Bauer tat ihm sein Herz auf; er lernte ihn kennen und lieben. Von der Fülle der Gestalten und Gesichter jener Zeiten zehrt Gros, wie er einmal eingesteht, zum Teil heute noch. Auch im„Bauernpfarrer“ sind Züge aus der Hartenroder Zeit verwoben, und es ist fer ner kein Zufall, das der Schauplatz seiner ersten größeren Erzählung,„Der Lehrer von Hartenhausen“, im Namen an Harten⸗ rod anklingt. a
Die glückliche Hartenroder Zeit, in die auch die Gründung seines Hausstandes(Np⸗ vember 1890) fällt, fand im Jahre 1897 ein jähes Ende durch eine Strafversetzung, die die Folge des einmal in der Kreissynode Gladenbach ausgesprochenen Tadels gegen die Pfingstjägerei des Regierungspräsidel ten war. Höchst enbach im hohen Wester⸗
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