genusses unnatürlich entbehrten, die Freiheit zurückgegeben würde.
Von diesen Vorstellungen durchdrungen, schrieb ich am Fuße der Burg wo er lebte und starb, die folgenden Zeilen und sandte sie, nebst einigen am alten Gemäuer ge⸗ brochenen Blumen, meinen Kindern.
Erhebe dich aus deiner stillen Gruft Und schaue von den Trümmern deiner Burg Auf deines Deutschlands große Trümmer hin.
Beschwöre— eh er ganz von uns entweicht Den alten Geist, der dich zu Taten trieb, Dich fest an Hutten band und Götz und Luther.
Erhebt euch, ihr Gewaltigen! Berührt Mit eurem Hauch, was noch übrig ist Von Hermanns Stamm, dem ihr Ae
seyd.
Ach es verschwindet sonst, was ihr erkämpft,
Und untergeht der Freiheit Heiligtum, Die deutsche Sitte mit der deutschen Kraft.
Und unsre Sprache, unser Stolz und Ruhm, Löst sich in Galliens Wortgeweben auf,
Und mit dem Wort verschwindet auch der Sinn.
Doch— ist's zu spät— so ruh' in deiner f Gruft, Damit du nicht der Zeiten Jammer siehst, Die Thräne nicht, die meinem Aug' entfließt.
Ein Todtenopfer, welches ungesehn Ein Pilger weint, den fern vom freyen Heerd Der Sturm der Zeit ins Land der Knecht⸗ schaft reißt.“
Sehr niederschlagend war für diese Män⸗ ner, die unfreiwillig nach Frankreich reisten, daß sie deutsches Land weithin von franzö⸗ sischen Soldaten besetzt sahen, daß sie Spanier nach Deutschland marschieren sahen und zahllosen preußischen Kriegsgefangenen begegneten. Am 25. Juli 1807 erfuhr Nie⸗ meyer mit seinen Schicksalsgenossen von dem in Tilsit geschlossenen Frieden und dem gan⸗ zen über Preußen gekommenen Unglück. In dieser Stadt wohnte er bei einem Herrn Martin, der ihn sehr gastfreundlich aufnahm. In der Rückerinnerung an den Abschied von diesem Manne schrieb Niemeyer später:„Sehr ungern sah uns unser Wirth sein Haus ver⸗ lassen. Hätte mir eine Prophetenstimme ge⸗ sagt: Eh sieben Jahre verflossen seyn wer⸗ den, wird einer deiner Söhne als preußischer Freywilliger in diesem Hause bey Herrn. Martin einsprechen, von ihm Gefälligkeiten erfahren, dann den Marsch nach Paris fort⸗ setzen, dort einem zweyten Sohne bey Mont⸗ martre begenen und mit ihm an einem Tage in die eroberte Hauptstadt einziehen, wie hätte ich ihr glauben mögen? Und doch ist es im Jahre 1814 also gekommen.“
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Besonders bemerkenswert war diesem Rei⸗ senden, der damals ein Mann von 53 Jahren war, auch der Umstand, daß allenthalben in Frankreich die Menschen in großer Zahl in ihre Kirchen gingen und die kirchlichen Feste gern mitfeierten, nachdem 15 bis 18 Jahre früher die französische Revolution dem from⸗ men Leben so großen Abbruch getan hatte.
Wir wissen, daß die Geschichte sich niemals ganz wiederholt, aber was in der Vergangen⸗ heit geschehen ist, ist und bleibt lehrreich und
B.
trostreich für die Gegenwart. H
Kleine Mitteilungen.
Nachdem die Sommerferien ihr Ende er⸗ reicht haben, nimmt auch die Kinderkirche wieder ihren Anfang. Am 7. September ist wieder Kinderkirche für die Markus⸗ und
Johannesgemeinde, am 14. September für
die Matthäus⸗ und Lukasgemeinde.
Worte zum Nachdenken.
Solange wir in dieser Hütte sind, gibt's immer etwas zu kämpfen und abzutun, das bringt einen aber nicht um. Im Gegenteil ist dieser Kampf besser, als die freudige Ruhe derer, die alles überwunden zu haben meinen. Alles kommt auf die Harmonie unseres Willens mit dem Willen Gottes an; im übrigen muß eine heilige Ruhe in der Seele sein. Bengel.
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Das Schicksal muß ertragen werden; im Ertragen bringt Geduld die Siegespalme.
Philipp Julius, Herzog von Pommern.
Was getragen werden muß, kann auch getragen werden. Das Hindernis, an dem wir uns die Stirn blutig stoßen, soll uns
nicht niederschlagen. Das bedeutet immer
nur, daß wir höher hinauf sollen, darüber
hinaus. J. M. Sick, Hochlandspfarrer. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, 7. September. 12. n. Trinitatis
Kollekte für die Kaiser⸗Wilhelm⸗Stiftung zu Gunsten der deutschen Kriegsinvaliden. Gottesdienst.
In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— Vormittags 9½ Uhr: Divisions⸗ pfarrer Tiesmeyer.
In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Ausfeld.(Zugleich Militärgottesdienst. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas⸗ und Johannesgemeinde. Anmel⸗ dungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.— Vormittags 11 ¼ Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.
. Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Undversitäts⸗Buch⸗ und Steindrucherel
R. Lange, Gießen.
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