Ausgabe 
6.7.1919
 
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gedient haben, beträgt 1213 000. Im Frieden dienen die Schwestern dem ganzen

Volk, allen Notleidenden ohne Unterschied,

den Aermsten am meisten. Was die Für⸗ sorge für die gefährdete und ver⸗ wahrloste Jugend betrifft, existieren über 500 kirchliche Anstalten auf diesem Gebiete

im deutschen Vaterland. Man hat berechnet,

daß die Familie eines trunksüchtigen oder straffälligen Mannes in drei Generationen dem Staate etwa Million kostet.(Diese Zahl ist sicher übertrieben. D. Red.) Eine Familie! Wer rechnet nach, wieviel hundert Millionen Mark an Nationalvermögen diese eine Kirchenarbeit dem Staat erhält? Hinsichtlich der Fürsorgeerziehung hat der Staat von der Kirche gelernt. Als

der Staat sie vor 18 Jahren übernahm,

konnte die Kirche in ihren Anstalten 10 000 Plätze zur Verfügung stellen. Sie hat jetzt 2025 000 solche Zöglinge in Pflege und wahrscheinlich mit größerem Erfolg, als nichtkirchliche Anstalten ihn haben. Die Herbergen zur Heimat, kirchliche Veranstaltungen, haben Millionen Ver⸗ pflegungstage jährlich; 540 000 geben sie umsonst, die anderen billig und gut. Den guten Geist des Hauses geben sie obendrein. Welchem Volksteil kommt das zugute? Denken wir an die Arbeiterkolonien. Die Kirche wußte es eher als der Staat, daß Gefängnisse eine schlechte Kapitalanlage find. Sie beugt lieber vor und erzieht die Arbeitsscheuen zu einem neuen geordneten Leben. Wer dem Volke in wenigen Jahr⸗

zehnten 200 bis 300 000 Arbeitskräfte zu⸗ rückgewinnt, der hebt unser Volksvermögen

um Milliarden. Die Kirche hat es getan. Noch ein Wort von der Krüppel⸗ und Armenpflege. Etwa 250 000 Krüppel gab es vor dem Kriege in Deutschland, 80 v. H. aus den bedürftigen Volksklassen. Die ZeitschriftBausteine sagt sehr richtig:

Wer einen solchen Menschen erwerbs⸗

fähig macht, gibt ihm Lebensfreude er schenkt auch dem Staat viel Geld. Die Kirche schenkt es. Sie gab dem Staat ihre Anstalten für Blinde, Taubstumme, geistig Minder⸗ wertige, Sieche, Alte, Einsame, Trunkfäl⸗ lige, Epileptische. Aus kirchlichen Kreisen kam das musterhafte Armenpflegesystem, das man das Elberfelder nennt. Die Kirche zuerst richtete Volksbibliotheken ein und

hat deren in Deutschland eine große Menge.

Und wenn man dazu noch rechnet, was sie in ihrer weitverzweigten Armen⸗ und Kranken⸗ pflege gerade den Bedürftigsten des Volkes zuliebe tut, wie sie dadurch Staat und Ge⸗ meinde entlastet, so wird man wohl nicht bestreiten: sie gibt dem Staat! Nach zuver⸗ lässigen statistischen Berechnungen sind es weit über 100 Millionen, was die kirch⸗ lichen Kreise jährlich fürs Volksganze auf⸗ bringen. Das ist mehr als doppelt so viel, als die sämtlichen Landeskirchen Deutschlands zusammen bisher an jährlichen Staatsbeihilfen bezogen!

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Di.iese Statistik beweist, daß die Kirche dem

Staat mehr gibt als der Staat der Kirche.

Johann henrich Schaffstädts Gießener Chronik 1776 1825. (Fortsetzung.)

D. 28ten Novem ist unser Leibregiment aus Frankreich wieder bey uns in Gießen eingerückt, haben sie 5 Täge beköstigen müssen.

D. Iten Decem ist der Franßchösische Marschall Ney als Anhänger Bonnobarths und Refluthsner(Revolutionär) des Könnigs Tod geschossen worden in Paris.

Im Decemper ist der Teusche Alte Held Marschall Blücher Fürst von Wahlstatt nach seinem Vatterland nacher Berlin wieder aus Frankreich abgereist. Dießes ist der Held welchem die Teusche Nathion ihre Freiheit von dem Truck der Fransoßen zu verdanken hat. Ist den öten Jenner 1816 des Mittags 11 Uhr durch Gießen gemacht.

D. 7ten April ist des Keißers von Oest⸗ reich seine Gemahlin gestorben in Verrona in Idalgen(Italien).

D. 25ten April ist der Prins Leobold von Sachs⸗Coburg mit der Enlischen Prin⸗ seßin von Wallis Coplirt worden. Ist im Kindbette gestorben.

D. Igten May ist der Feill(Pfeil) Brieftröcher worden.

D. 24ten May ist des Rathsdinners Balsers Wirdsschafthäusgen mit der Kegel⸗ bahn bey der gewessenen Klein Mühl ver⸗ strichen(versteigert) worden.

D. 26ten May ist die Vestung Landau an die Beuren(Bayern) übergeben worden mit seinen Besietzungen. D. Iten May ist Wormß und Maintz mit seinen Umgebungen an unsern Großherzog von Darmstadt über⸗ geben worden. Hat dagegen das Hertzogtum Westfallen an Preußen müssen abtreten. Der Tag der Uebergabe war der 8. Juli.

D. 18ten July ist der Brauknecht Derr in den Braukessel gefallen in dem Brauhaus beim Stockhaus ist in etlichen Stunden drauf gestorben. Nach dem Kirchenbuche verun⸗ glückte Jakob Dörr im Alter von 40 Jahren, er starb acht Stunden nachdem er in den Kessel gefallen war.

In dem August ist das Brauhaus bey der Schul auf 6 Jahr von der Wittib Busch an den Kiefer Loos verlenth worden. Auch ist zur nemlichen Zeit der Neue Kirchhof zum Beerdigen gemacht worden. Auch ist die Neue Schließ an dem Aus⸗ grinne bey der Pipenschantz gemacht worden. In dem Septem ist der allhießige Marck⸗ brunnen abgebrochen worden mit dem Männgen und 3 Löwen und ist eine bomp (Pumpe) dahin gemacht worden von Conrad Lony(undeutlich geschrieben, kann auch Lang heißen). D. 14ten October ist das Mänchen der Nebthun(Neptun) drauf gestellt worden. D. Sten October ist der alte Gärtner Grunnenberg am Selßersberg von einem Nußbaum Tod gefallen.