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auf diese Art auch keinen Lehrer oder Staats⸗ beamten. Ebensowenig wird man das als den einheitlichen Willen der Gemeinde an⸗ sehen, wenn ein halbes Dutzend Frauen sich für irgendeinen Bewerber verwendet. Der Kirchenvorstand ist die durch das Vertrauen der Gemeindeglieder gewählte Körperschaft, die die Interessen der Gemeinde vertritt. Daß die Männer, die zu dieser Körperschaft gehören, bei einer Pfarrerwahl gewissenhaft zu Werk gehen, darf vorausgesetzt werden. Leider wird oft versucht, den Kirchenvor⸗ stand dabei in unzulässiger Weise zu beein⸗ flussen. Von allen Seiten kommen Briefe, alle möglichen Personen werden in Be⸗ wegung gesetzt, um bestimmte Kandidaten
durchzubringen. Daß es dabei menschlich, oft sehr menschlich zugeht, wird jeder begreifen. Da schlägt der eine seinen Vetter, der an⸗ dere seinen Schwiegersohn, der dritte seinen Freund vor, und jeder ist tief verstimmt, wenn sein Vorschlag nicht durchgeht. Städ⸗ tische Stellen sind oft sehr begehrt, weil man
sich von der Stadt sehr viele Anregungen verspricht, ohne zu bedenken, daß auf dem. Pfarrer einer Stadtgemeinde eine solche Ar⸗ beitslast liegt, daß er weder an künstlerischen noch an geselligen, noch an wissenschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen kann. Viele Ge⸗ meindeglieder machen sich keine rechte Vor⸗ stellung davon, was man von dem Pfarrer einer Stadtgemeinde verlangen muß. Der verstorbene Darmstädter Pfarrer Widmann hat einmal in der Landessynode gesagt, in die Stadt solle man keinen Mann versetzen, der vorher nicht mindestens 10 Jahre lang eine Pfarrstelle auf dem Lande gehabt habe. Das ist unzweifelhaft richtig. Stadtgemein⸗ den setzen sich aus allen Schichten der Be⸗ völkerung zusammen, jeder Grad der Bil⸗ dung ist in ihnen vertreten, Menschen ver⸗ schiedenen Gepräges gehören zu ihnen. Da ist klar, daß nur ein erfahrener Mann in einer solchen Gemeinde mit Erfolg arbeiten kann. Nicht nur erfahren muß ein solcher Mann sein, er muß sich auch bewährt haben, er muß gezeigt haben, daß er schwierigen. Verhältnissen gewachsen ist. Hierzu kommt, daß er körperlich rüstig sein muß. Die Ar⸗ beit in städtischen Gemeinden stellt an die Leistungsfähigkeit und Arbeitskraft die größ⸗ ten Anforderungen. Trotzdem werden für städtische Stellen oft genug schwächliche und kränkliche Kandidaten in Vorschlag gebracht, von denen man voraussehen muß, daß sie nach kurzer Zeit zusammenbrechen oder zum mindesten ihren Pflichten nicht mehr recht nachkommen können, was für die Gemeinde ein großes Hemmnis ist. Schwerhörige Her⸗ ren werden z. B. mitunter für Gemeinden vorgeschlagen, die Jahr für Jahr mehr als 100 Konfirmanden haben. Selbstverständlich kann man nicht jedem Gemeindegliede das Recht zugestehen, bei der Auswahl des Pfar⸗ rers mitzuwirken, dazu gehört ein gewisses Maß von Bildung und Erfahrung.
Ungerecht und unschön in hohem Maße aber ist es, wenn der Verfasser des er⸗ wähnten„Eingesandt“, der sich„einen kirch⸗ lich gesinnten Laien“ nennt, der Kirche— das sind hier die Pfarrer und Kirchenvor⸗ steher— Herrschsucht vorwirft. Die Kirchen⸗ vorsteher herrschen ganz und gar nicht, sie haben im wesentlichen die Aufgabe, das Kirchengut zu verwalten. Wir Pfarrer in⸗ sonderheit, wir herrschen nicht, sondern wir dienen. Wir fügen uns in allem, wenn es irgend geht, den Wünschen unserer Ge⸗ meindeglieder. Ich habe manchmal, wie auch
meine Kollegen, an einem Tage zweimal den weiten Weg nach dem Neuen Friedhof ge⸗
macht, weil Begräbnisse zu ganz bestimmten
Stunden verlangt wurden. Würden wir herrschen, so würden wir diese Amtshand⸗
lungen so legen, daß der Weg nur einmal zu machen wäre. Wir kümmern uns jahr⸗ aus, jahrein um die Kranken, die Armen,
die Taubstummen, die Trauernden, die An⸗
gefochtenen, die Einsamen, die verwahrloste
Jugend. Wie vielen Männern habe ich in
meiner früheren Gemeinde Arbeit verschafft,
indem ich für sie auf den Fabrikkontoren
vorgesprochen habe. Wie viele Wege gehen wir, oft sehr unerquickliche Wege, um Für⸗
sprache für Glieder unserer Gemeinden ein⸗
zulegen, wie viele Briefe schreiben wir in ihrem Interesse. Wie viele Gesuche um Ver⸗ legung in die Heimatlazarette oder in an⸗ deren militärischen Angelegenheiten haben wir während des Krieges geschrieben, wobei wir das Schreibmaterial meist aus unseren eigenen Mitteln bestritten haben. Und da wagt der„kirchlich gesinnte Laie“ vor einem großen Leserkreis verschiedenen Bekenntnisses uns herabzusetzen, indem er uns die Mahnung gibt:„Ihr, denen dieselbe(die Kirche) heute noch anvertraut ist, bedenkt, daß Ihr nicht
zum Herrschen, sondern zum Dienen berufen
seid!“ Ich kann nicht anders, als daß ich seine Ausführungen als äußerst unbedacht und ungerecht ansehe. 5 Zum Schluß noch die Frage: Wie groß ist wohl die Zahl der„vielen“ kirchlich gesinnten Laien, in deren Namen der Verfasser angeb⸗ lich schreibt? H. B. was die Uirche durch ihre innere Mission für den Staat tut. Man rechnet, so lesen wirezn der neuesten Nummer der„Monatsblät für Innere Mission“, in unseren Tagen der Kirche gerne vor, wie viel der Staat bisher für sie getan
habe. Der Staat gibt der Kirche, das ist
wahr. Die Behauptung aber, die Kirche leiste ihm nichts dafür, ist eine grobe Entstellung der Wahrheit. Zur Abwehr des Unrechts, das man ihr vielfach tut, seien hier einige Zahlen namhaft gemacht. 9 Denken wir an die Diakonissen⸗ sache in Deutschland. Zu 86 Anstalten ge⸗ hören im deutschen Vaterland über 25 000 Diakonissen. Die Zahl der Schwestern, die im Kriege den Verwundeten und Sterbenden
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