Ausgabe 
3.8.1919
 
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umso schamloser, da sie unter der heuchle⸗ rischen Maske der Gerechtigkeit erhoben werde. In Verurteilung der Haltung unserer Gegner sind alle Deutsche, die noch einen Funken nationalen Empfindens besitzen, einig. Der Aufruf schließt dann aber mit den Worten:Wir erklären hiermit feier⸗ lich, daß, wenn die Erfüllung dieser Forde⸗ rung erzwungen werden sollte, wir uns mit vollster Verachtung von den Nationen ab⸗ wenden, in denen sich die sittlichen Kräfte nicht fanden, dieses verbrecherische Gaukel⸗ spiel zu unterdrücken, und daß wir alles dar⸗ an setzen werden, um diese Gesinnung auf Kinder und Kindeskinder zu vererben und in der deutschen Nation dauernd lebendig zu erhalten. 5

Bei aller Achtung vor der berechtigten, patriotischen Aufwallung der Gefühle ange- sichts der Schmachforderung können wir uns zu dieser Art ihrer Zurückweisung nicht be⸗ kennen. Es ist bezeichnend, daß eine deutsche Zeitung den Aufruf in Plakatlettern mit der Ueberschrift versieht:Haß soll sein bis auf Kind und Kindeskinder. Von tiefster natio⸗ naler Verachtung fremder Nationen durch Generationen bis zum Haß ist theoretisch noch ein Schritt, praktisch kaum mehr. Bei⸗ des aber ist unethisch, unchristlich und gar in dieser Verallgemeinerung unge⸗ recht! Den Gelehrten konnte nicht verborgen bleiben, daß auch bei einem erheblichen. Bruchteil der Bevölkerung des feindlichen Auslandes, die noch dazu vor Abschluß des Schmachfriedens um ihr Urteil gar nicht be⸗ fragt worden war, ernster Widerspruch gegen, die Auslieferungsparagraphen besteht. Die Verfasser des Aufrufs sind also zum min⸗ desten ein Opfer der unseligen Verallge⸗ meinerung geworden.

Heiliger Schmerz, seelische Erschütterung über uns zugefügte Schande ist etwas an⸗

deres, als nationales Haßempfinden, das in

Fangtismus und Weckung aufrührendster menschlicher Leidenschaften ausartet. Auch hier heißt es:Wer Wind säet, wird Sturm.

ernten! Die Wunden, die dem deutschen

Volk geschlagen wurden, werden ohnedies schwer verharschen. Aber nachdem Deutsch⸗ land sich dem Frieden in seiner jetzigen Ge⸗ stalt gebeugt hat, dürfte es vornehmlichste

Aufgabe der Führer unserer heranwachsenden

Geschlechter sein, im Unglück die Würde zu wahren und, trotz allem, gerade auf völker⸗ ethischem Gebiete Brücken eines neuen, bes⸗ seren Verständnisses zu schlagen, als sie in ohnmächtigem Zorne noch weiter abzu⸗ brechen.

Kleine Mitteilungen.

Am Sonntag, dem 3. August, findet für die Lukasgemeinde noch einmal Kinderkirche statt, dann fällt die Kinderkirche, weil die Schulferien begonnen haben, für alle vier Kirchengemeinden an einigen Sonntagen aus. Sie beginnt wieder am 7. September

und zwar an diesem Tage für Markus⸗ und Johannesgemeinde. Für die Matthäus⸗ und Lukasgemeinde findet am 14. September wieder zum erstenmal nach den Ferien Kin⸗ derkirche statt.

In kirchenfeindlichen Organen werden von Zeit zu Zeit die Geldleistungen des Staates für die Kir che gewaltig über⸗ trieben, ja eigentlich als völlig unnötig und zwecklos hingestellt. Man las kürzlich:Der preußische Staat leistet an Zuschuß für Uni⸗ versitäten und höhere Lehranstalten zusam⸗ men nicht so viel, wie an die Kirche. Hier⸗ zu bemerkt der bekannte Kirchenstatistiker D. Schneider(in seiner SchriftStaat, Kirche und Volk):Das Gegenteil ist wahr. Für Universitäten und höhere Lehranstalten sind etwas über 60 Millionen ausgesetzt, für alle Kirchen die katholische eingeschlossen höchstens 40 Millionen. Für die Polizei⸗ verwaltung allein zahlte der Staat seither über 90 Millionen, für das Volksschul.vesen sind über 180 Mill. ausgeworfen, also 6mal so viel wie für die evangelische Kirche. Niemand neidet das der Schule. Ja die Kirche zahlt für den Staat in vereinigten Schul- und Küsterstellen noch fast 5 Mil⸗ lionen jährlich aus alten Kirchenfonds für Lehrer und entlastet mit dieser Summe den Schuletat des Staates. Der Kirchenhaß be⸗ hauptet, die Kirche sei ein unnützer Kost⸗ gänger des Staates. Gerade das Gegenteil trifft zu. An reinem Geldeswert hat die Kirche Jahr um Jahr mindestens das drei⸗ oder vierfache dessen, was sie vom Staat empfing, dem Volkswohl geopfert. Die Zu⸗ schüsse, die der Staat der Kirche gab, sind das darf rund heraus behauptet werden das bestangelegte Geld im Staatsbetrieb gewesen. Sie haben sich reichlich verzinst.

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag den 3. August(7. nach Trinitatis). Kollekte für die Innere Mission. Gottesdienst.

In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde. Pfarrassistent Schaefer. Vormittags Uhr: Professor D. Schian. Kinderkirche fällt aus.

In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde. Pfarrer

Ausfeld. Vormittags Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr:

Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfar⸗ rer Bechtolsheimer. Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal.

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Wartburg, evgel. Jünglings⸗ und Männer⸗ verein, Diezstraße 15. Sonntag, 3. August: Vortrag. Freunde des Vereins herzlichst eingeladen. Samstag, 9. Aug.: Unter⸗ haltungsabend der älteren Abteilung. Gäste stets willkommen.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen.

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