Ausgabe 
30.1.1921
 
Einzelbild herunterladen

N l

1

. 3

alles in der Welt vorübergeht. Der David

*

A 5 1

e

0

zbuben aus der ganzen Nachbarschaft zu⸗ sammenströmten. Ich hatte Freude am Ge⸗ schäft und wurde zuweilen vom Meister i 1 8 »Die drei Lehrjahre gingen vorüber, wie

12 5 längst das Weite gesucht; vermutlich ebte er irgendwo im Schwabenlande von seinen Zinsen. Da mein Meister mich gut behandelte, so blieb ich noch vier Jahre bei ihm. Das tat ich auch deshalb, weil meine Mutter sich nicht entschließen konnte, mich in die Ferne gehen zu lassen. Meine drei jüngeren Geschwister waren Mädchen, und die Mutter hielt auf mich, den ein⸗ zigen Sohn, große Stücke, ohne jedoch die Töchter zu benachteiligen.

Mittlerweile war ich 21 Jahre alt ge⸗ worden und hatte mich vom Militärdienste losgekauft. Es war damals noch die gute alte Zeit, da die Völker noch nicht in Waffen starrten und jederzeit bereit waren, wie die Tiger aufeinander loszustürzen, in unserem Hessenländchen brauchte man nur sehr wenig Soldaten. Freilich, das war ein

schreiner, kolossales Geld dachte

nach Chicago oder St. Louis zu gehen, und hatte schon mit einem Agenten aus Bingen, der die Schiffsrhederei Lüdering u. Komp. aus Bremen vertrat, Verhand⸗ lungen angeknüpft. Der Mann schickte mir einen Prospekt nach dem andern. 1 ersah ich, daß alle vierzehn Tage Schiffe nach Neuyork und Baltimore und alle vier Wochen Schiffe nach Philadelphig ab⸗ gingen. Ich kaunte die Schiffe der Rhederei mit Namen: Scotia, City of Baltimore, Benjamin Franklin, und wie sie alle hießen, in Gedanken machte ich schon die Ueberfahrt auf einem Schnellsegler. Da bekam ich un⸗ erwartet von dem Schreinermeister Daniel

Gesell einzutreten, es wurde mir ein guter Lohn versprochen. Mein seitheriger Meister hatte mich dem Mainzer Meister empfohlen. Da nahm ich, ohne mich viel zu besinnen, an, und niemand war darüber froher als meine Mutter, da sie mich nun in der Nähe

behielt. (Fortsetzung folgt.)

großer Mißstand, daß man für Geld sich vom Soldatenleben loskaufen konnte. Mein Vater gab 500 Gulden in die Kasse, und ich wurde frei. Meine ärmeren Kame⸗ raden mußten ihre sechs Jahre dienen, allerdings mit vielfachen Beurlaubungen, die oft ein Jahr und noch länger dauer⸗ ten. Mein Kollege aus Pleitersheim, der mit mir gelernt hatte, war in Darmstadt bei den weißen Dragonern; nach der Aus⸗ bildung brachte er den größten Teil seiner Zeit in einer Werkstatt zu. Wer irgendwie das Geld aufbringen konnte, der kaufte sich frei. Man sah es damals noch nicht als eine Ehre an, dem Vaterlande zu dienen. Es gab auch noch kein deutsches Vaterland, es gab nur Preußen, Bayern, Hessen und Reuß⸗Greiz⸗Schleiz⸗Lobenstein. Das war eigentlich das letzte, was mein Vater für mich tat, daß er mich vom Militär los⸗ kaufte, kurz darauf ist er gestorben. Obwohl mir die Mutter immer in den Ohren lag, ich möchte in Siefersheim mein Geschäft anfangen, so konnte ich ihr nicht willfahren. Ich war zum Meister noch zu jung, zu Hause war ich auch nicht nötig; denn meine älteste Schwester hatte einen Steinhauer aus Alsenz geheiratet, der un⸗ seren Steinbruch übernahm. Mich trieb der Drang in die Ferne, ich wollte die Welt sehen. Lange überlegte ich, ob ich nicht nach Amerika gehen solle. Damals in den fünf⸗ ziger Jahren ging ein wahrer Strom von Menschen aus Hessen hinüber über die große Bach. Es waren eben bei uns schlechte Zeiten, viele Leute hatten keinen Verdienst und kamen nicht vorwärts, zu seinem Vergnügen ging keiner hinüber in die neue Welt. Ich hatte von Schreinern aus unserer Gegend gehört, die verdienten

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag den 30. Januar, Sexagesimä.

Stadtkirche. Vorm.: Pfarrassistent Ramge. 11: Kinderkirche für die Markus⸗ gemeinde. Pfarrassistent Ramge. Nachm. 5: Pfr. Mahr. Beichte und Feier des hl. Abendmahls für die Matthäus⸗ und Markus⸗ gemeinde. Montag den 31. Januar, abends 8: Vereinigung der konf. männl. Jugend der Matthäusgemeinde. Dienstag den 1. Februar, nachm. 4: Frauenmissions⸗ verein. Abends 8: Helfervereinigung der Männer⸗ und Frauenvereinigung der Mat⸗ thäusgemeinde. Donnerstag den 3. Fe⸗ bruar, abends 8: Vereinigung der konf. weibl. Jugend der Matthäusgemeinde. Donnerstag den 3. Februar, abends 8: Helferversammlung der Markusgemeinde.

Johanneskirche. Vorm.(zugl. Militär⸗ gottesdienst): Pfr. Ausfeld. 11: Kinder⸗ kirche für die Johannesgemeinde: Pfr. Aus⸗ feld. 5: Pfr. Bechtolsheimer. Beichte und Feier des hl. Abendmahls für die Lukas⸗ und Johannesgemeinde. Abends ½8: Vereinigung der konf. männl. Jugend der Johannesgemeinde. Montag den 31. Ja⸗ nuar, abends ½8: Vereinigung der männl. Jugend der Lukasgemeinde

*

Evang. Arbeiterverein. Sonntag den 30. Januar, abends 8 in der Stadtkirche: Geistl. Musikauffüh⸗ rung. Das Nähere s. vorige Nummer.

Wakrtburg⸗Verein.

Nachm. 2 bei gutem Wetter Wandung

Treffpunkt: Heim. Es wird auf die geistl.

drüben als cabinet-makers, als Kunst⸗

Musikaufführung des Evang. Arbeiter⸗ vereins hingewiesen..

R. Lange,

Gießen.

ich auch,

Daraus

Wocker in Mainz ein Angebot, bei ihm als

e

212

1