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onntagsgruß

Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen

Nr. 18

Gießen, Rogate, den J. Mai 1921

10. Jahrg.

Obstbaumblüte und Frostnacht. Joel 2, 13. Bekehret euch zu dem Herrn,

eurem Gott; denn er ist gnädig, barm⸗

herzig, geduldig und von großer Güte.

Wir stehen in diesem Frühling vor der traurigen Tatsache, daß ein großer Teil der Obstbaumblüte durch den Frost ver⸗ nichtet ist. Im vorigen Jahre war der Obst⸗ segen besonders groß, reich beladen waren die Bäume, nun mögen wir gar nicht nach ihnen hinsehen; denn die Blüten, die vorher weiß und rot waren, sind braun und abge⸗ storben und bieten einen jämmerlichen An⸗ blick. Es ist nicht leicht, sich im Glauben mit einer Tatsache dieser Art abzulinden. Unser Glaube sagt uns, daß Gott die Blüten an den Bäumen hat hervorgehen lassen. Da fragt sich mancher bekümmerten Herzens: Wie kann derselbe Gott sein Werk wieder vernichten? Tut das doch kaum der Mensch, daß er das, was sein Geist und seine Hände geschaffen haben, zerstört, es sei denn, daß sein Werk mißlungen wäre!

Der Prophet Joel hat sich mit einer ähnlichen Frage auseinandergesetzt. Zu seinen Lebzeiten waren Heuschrecken in solcher Menge in das Land Israel ein⸗ gefallen, daß Felder und Bäume weithin verwüstet waren. Von dieser Vernichtung entwirft er ein ergreifendes Bild.Das Feld ist verwüstet, und der Acker steht jämmerlich; das Getreide ist verdorben, der Wein steht jämmerlich und das Oel kläglich. Die Ackerleute sehen jämmerlich, und die Weingärtner heulen um den Weizen und um die Gerste, daß aus der Ernte auf dem Felde nichts werden kann. So steht der Weinstock auch kläglich und der Feigenbaum läglich; dazu die Granatbäume, Palm⸗ bäume, Apfelbäume und alle Bäume auf dem Felde sind verdorret; denn die Freude der Menschen ist zum Jammer geworden. Der Same ist unter der Erde verfault, die Kornhäuser stehen wüst, die Scheuern zer⸗ fallen; denn das Getreide ist verdorben O wie seufzt das Vieh! Die Rinder sehen kläg⸗ lich; denn sie haben keine Weide, und die Schafe schmachten. In dieser traurigen Lage tröstete der Gottesmann die Verzwei⸗ felten, indem er sie an die Güte Gottes er⸗ innerte, die kein Ende nimmt. wenn auch noch so schwere Züchtigungen über die Men⸗ schen einhergehen.Fürchte dicht nicht, so sprach er.liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost; denn der Herr kann auch

große Dinge tun. Freuet euch im Herrn, der euch herabsendet Frühregen und Spätregen wie zuvor, daß die Tennen voll Korn wer⸗ den und die Keltern Ueberfluß von Most und Oel haben sollen. Dem fügte Joel die Mahnung hinzu:Bekehret euch zu dem Herrn, eurem Gott!

Wir wollen unter dem Eindrucke des Schadens, der uns in diesen Frühlings- tagen getroffen hat, beides aus Gottes Wort entgegennehmen, den Trost und die Mah nung. Den Trost, daß Gott allezeit gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte ist und uns versorgen wird, wenngleich wir noch so viele Fehlschläge erleben. Und die Mahnung wollen wir beachten, daß jede leidvolle Fügung ein Ruf ist, daß wir näher zu ihm kommen und in der Gemein⸗

schaft mit ihm unsere Seligkeit finden.

Näher, mein Gott, zu dir,

Näher zu dir!

Drückt mich auch Kummer hier, Drohet man mir,

Soll doch trotz Kreuz und Pein Dies meine Losung sein:

Näher, mein Gott, zu dir,

Näher zu dir! H. B.

Ein Gießener Buchdrucker aus dem 17. Jahrhundert.

In unseren Kirchenbüchern aus dem An fang des 17. Jahrhunderts kehrt öfters der Familienname Chemlin(auch Chemlinus geschrieben) wieder. Das Taufbuch meldet, daß am 25. Februar 1619 dem Kaspar Chemlin und seiner Ehefrau Ursula eine Tochter Anna Elisabeth getauft worden ist. Am 6. Januar 1621 erhielt das Kind Mar⸗ gareta Ursula das Sakrament der Taufe. In den Sterberegistern lesen wir am 31. August 1615Caspar Chemlino seine Hausfrau am 13. Februar 1617 heißt esChemlino ein megtlein begraben. Weitere Kinder starben in den beiden darauffolgenden Jah ren. Der Name Chemlin kommt in den späteren Kirchenbüchern nicht mehr vor. Ueber Kaspar Chemlin aber wissen wir aus führlich Bescheid durch die Gedächtnisrede, die ihm der am 5. Juli 1643 in Marburg verstorbene, der Pfarrer und Pro essor Meno Hanneken gehalten hat. Dieser Rede ist der Lebenslauf des Verstorbenen zugefügt. Rede wie Lebenslauf sind im Drucke erschienen und in der hiesigenUnirerfitätsbibliothek erhalten.

Wir geben den Lebenslauf, am Schlusse