Ausgabe 
20.3.1921
 
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Gegen Abend ging ich auf die Höhe 584, an deren unterem Hang sich unsere Stellung befindet, und ergötzte mich beim Sonnen⸗ untergang an dem herrlichen Blick. Ringsum Berge, teilweise in Schnee gehüllt, hie und da am Horizont die Wölkchen zerplatzender Artilleriegeschosse. Bis nach dem Uszoker Paß hin kann man sehen. 5

10. April 15. Nach dem Mittagessen sitze ich. eine Zigarette rauchend, im wär⸗ menden Sonnenschein auf einer hinter der Beobachtungsstelle gezimmerten Bank mit dem Blick auf die Ostbeskiden, auf deren Kamm. etwas über 5 Kilometer von uns

zieren; heute morgen lag frisch gefallener Schnee auf den Höhen. f

Mit dem Wohnen in Häusern ist es nun vorbei; tagsüber bin ich auf der Beobach⸗ tungsstelle, abends und nachts in der gestern fertiggestellten Hütte. Diese ist in einer an der Südseite der Batteriestellung herunterziehenden, von einem birgs⸗ bach herausgespülten schmalen Schlucht errichtet, an der dem Feind zugekehrten Wand eingebaut. An den Ecken sind Stämme eingerammt, diese mit Draht verbunden, und dazwischen Tannenreisig gesteckt. Sehr warm ist sie also nicht. Da es in den letzten Tagen viel geregnet hat, sind die Rück- und Seiten⸗ wände, sowie der Boden sehr naß. Auf diesen sind Holzroste gelegt, darüber Fichten⸗ reisig, auf das abends in Ermangelung von Stroh die Nachtlager gebreitet werden. Weich ich dieses Lager gerade nicht, auch wird es nachts recht frisch in der Hütte. Ich ziehe nachts die Katzenfelle um die Knie und Oberschenkel, hülle mich in die wollene Decke und die gutwärmende Hindenburgjacke und krieche in den Schlafsack. Aus meinen Kleidern komme ich seit Dezember auch nachts nicht. Da die Hütte nicht sehr ge⸗ räumig ist, in der Leutnant Thüre, Wacht⸗ meister Nebel und ich wohnen, muß das Waschen immer vor der Hütte im Freien geschehen. In der Hütte steht noch ein kleiner Herd, auf dem für uns gekocht wird. Das Ganze ist primitiv aber doch gemütlich. Ackermann und Heldemann, mein Bursche

eine Hütte errichtet. (Fortsetzung folgt.)

Uleine Mitteilungen.

Am 10. März wiederholte der Evan⸗ gelische Arbeiterverein die Aufführung des VolksstückesDer Meineidbauer von Anzengruber und bestimmte den Reinertrag für unsere Glockenspende. Die große Turn⸗ halle an der Nordanlage war dicht be⸗ setzt, und die Teilnehmer folgten schweigend und mit Spannung der Darbietung, um am Schlusse lebhaften Beifall zu spenden. Alle Mitwirkenden, die durch viele Wochen hindurch mit der Vorbereitung der Auf⸗ führung beschäftigt waren, haben sich den

Dank nicht nur bei der Aufführung An⸗ wesenden, sondern der ganzen Kirchen⸗ gemeinde verdient.

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In den letzten Nummern unseres Ge⸗ meindeblattes haben wir eine Erzählung Am Martinsturm veröffentlicht, in der die Explosion des Martinsturms zu Mainz am 18. November 1857 geschildert wurde. Herr Joseph Ampt-Gießen hatte die Freund⸗ lichkeit, uns ein altes Mainzer Zeitungsblatt zu übergeben, in dem der frühere öster⸗ reichische Korporal Michael Twardowski

ert. Die Mitteilungen Twardowskis wei⸗ chen in einigen Punkten von der in un⸗ serem Blatte gegebenen Darstellung ab, was aber leicht erklärlich ist, da die Augenzeugen dieser furchtbaren Katastrophe selbstverständ⸗ lich sehr erregt waren und infolgedessen nicht immer in der Lage waren, genaue Bekundungen zu machen. Der österreichische Korporal schreibt:

Es war im Jahre 1857, als ich mit meinem Artillerieregimente in der alten Bundesfestung Mainz in Garnison lag. Ich war damals Korporal und führte die dienst⸗ liche Aufsicht über die Bastionen, die außer⸗ halb der Stadt lagen; es waren dies die drei Pulvermagazine St. Martin, Bonifazius und Nikolaus, für deren Ordnung, Reinhaltung und Lüftung ich Sorge zu tragen hatte, weshalb mir auch ein Paar Schlüssel zu den Bastionen von dem manipulierenden Hauptmann anvertraut war, ein zweites Paar, welches noch existierte, hatte dieser in eigener Verwahrung.

Der 18. November des erwähnten Jahres war ein trüber, feuchtkalter Herbsttag. Es war 4 Uhr nachmittags und ich mit dem Schließen der eisernen Fensterläden auf der Außenseite der St. Bonifaziusbastion be⸗ schäftigt, als plötzlich ein unterirdisches Ge⸗ töse den Boden weit umher erzittern und schwanken machte, die klafterdicken Stein⸗ mauern des Magazins erbebten, die ge schlossenen Fenstertüren sprangen auf, die offenen schlugen zu, die Erde geriet in

eic baden sich auch 1 förmliche Wallungen, so daß ich mich nicht

auf den Füßen zu halten vermochte. Der Donner in der Tiefe wurde immer betäuben⸗ der, plötzlich folgte ein Krach, als wäre die Erde mitten entzwei geborsten, eine riesen⸗

große grelle Feuergarbe schlägt zum Him⸗

mel empor und scheint sein Gewölbe er⸗ schüttern zu wollen, dann alles in raben⸗ schwarze Nacht gehüllt. l

Dies waren meine letzten Empfindungen, dann verlor ich das Bewußtsein. Als ich wieder aus der Betäubung erwachte les mochte dieselbe nicht lange gedauert haben), lag ich unter Balken und Sparren ver⸗ schüttet. Ich fühlte, daß ich auf dem Kopfe und im Gesicht blutete, die Hände waren mit Wunden bedeckt, aus denen ebenfalls Blut strömte; ringsumher ein wildes Chaos,

entfernt, die Russen vergnügt herumspa⸗ 5 55 Erlebnisse an dem Unolückstage schil⸗