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angenehme Schnaken vereitelt. 30 Schritte rechts von mir hat sich der Abteilungs- führer, 30 Schritte links der Regiments- kommandeur niedergelassen.. Abends. Vormittags feuerte ich ziemlich viel; nachmittags konnte ich mir in einem etwas kurzen Unterstand ein Mittagsschläf⸗ chen gestatten. Später beschoß ich offen⸗ bar erfolgreich eine feindliche Beobach⸗ tungsstelle. Mein Freund Schmitt kam bei

mir vorüber und erzählte mir, daß ihn

dieser Tage eine Schrapnellkugel traf, die

aber glücklicherweise zwischen Helmüberzug

und Helmkappe stecken blieb.

10. Juni 15. Noch befinden wir uns in derselben Stellung. Ich bin sehr froh, daß ich meine Beobachtungsstelle im Wald, an dessen Rand schöne Heckenrosen blühen, habe, wo es trotz der Sonnenglut immer angenehm ist, und nur Fliegen, Raupen und sonstiges Ungeziefer den Aufenthalt ungemütlich machen, während die übrigen Batterieführer, wie ich seither auch, im Feld den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt

find. Die Russen wehren sich hier wieder

ganz energisch. Am 8. war ich von6 Uhr morgens an der Beobachtungsstelle. Zunächst verlief der Tas ruhig, gegen Abend sollte unsere Infanterie angreifen. Die feindlichen Schützengräben uns gegenüber befinden sich teilweise in Wäldern, in denen durch Draht⸗ und Astverhaue starke Hindernisse gebildet worden sind. Um 4 Uhr nachmittags be⸗ gann auf einer langen Linie die gesamte deutsche und österreichische Artillerie bis zu recht schweren Kalibern das ganze Ziel⸗ feld, in dem jeder Batterie ein bestimmter Abschnitt zugewiesen ist, lebhaft unter Feuer zu nehmen, so daß bald die feindlichen Stellungen in Rauch und Staub eingehüllt waren, unter deren Schutz unsere Infan⸗ terie vorkam. Doch erhielt diese auch wieder starkes feindliches Artilleriefeuer. Diese ohrenbetäubende Knallerei dauerte bis nach 6 Uhr. Später mußte ich noch einen vom Feind besetzten Ort beschießen, und kam so erst nach 8 Uhr von der Beobachtungsstelle weg. Die Batterie verfeuerte 551 Schuß. Der gestrige Tag verlief ähnlich. Von 6 Uhr morgens bis 8 Uhr abends war ich an der Beobachtungsstelle. Der Infanterieangriff wurde später angesetzt, und die energische Artillerievorbereitung dauerte von /5 bis 6 Uhr. Die Batterie verfeuerte 517 Schuß. Aber unsere Infanterie erhielt so starkes Feuer, daß sie nicht vorkam. In der Nacht hat sie sich dann aber näher an den Feind herangearbeitet. In einem russischen Gene⸗ ralstabsbericht vom Ende Mai steht, unsere Infanterie sei durch die Artillerie verwöhnt. Damit wird auf die eben geschilderte, gründ⸗ liche artilleristische Vorbereitung des In⸗ fanterieangriffs hingewiesen. Mackensen, der über sehr viel Artillerie, namentlich auch schwere, verfügt, soll durch dieses, den

zähesten Feind zermürbendes Artilleriefeuer

die großen Erfolge seiner Armee ermöglicht haben. Dazu gehört allerdings ungeheuer viel Munition, woran es uns aber, Gott sei Dank, nicht zu mangeln scheint, obwohl wir darin ganz auf uns selbst angewiesen find, während unsere Gegner trotz der kräf⸗ tigsten Unterstützung Amerikas stets über Munitionsmangel klagen.

Gestern abend wurde gemunkelt, es fänden mit Rußland aussichtsvolle Verhandlungen über einen Sonderfrieden statt. Käme er doch bald zustande, dann wollten wir mit den andern schon bald fertig werden und namentlich auch Italien seinen verdienten Lohn geben.

In dem vor uns gelegenen Ort Trziniec wurde gestern auf Anzeige eines Einwoh⸗ ners ein in ein Haus eingebautes Telephon entdeckt, das Verbindung mit den Russen hatte. Die es bedienenden Leute sind in zwischen wohl erschossen worden.

Die Kameraden an der Westfront meinen,

sie hätten es am schwersten; aber darin irren sie. Hier haben die Truppen es zweifel⸗ los schwerer. Unsere Infanterie muß nun schon seit Wochen angreifen und stürmen, und unsere Division war noch nie in Re⸗ serve. Wir Artilleristen haben es ja besser wie die Infanterie; aber wir sind an jedem Gefechtstag im Feuer, während, bei der Infanterie immer ein Bataillon jedes Re- giments, meist alle 6 Tage, für 3 Tage in Reserve, weit zurückgezogen, liegt. Aber ich streite auch mit keinem darüber, wer es schwerer hat. Jeder, der in der Front steht, hat es schwer, und jeder muß da, wo er hin⸗ gestellt ist, seine Schuldigkeit tun und setzt dabei täglich sein Leben ein.

Abends. Ich konnte meinen heutigen Ge burtstag, meinen 151. Gefechtstag, ruhig verbringen und meinen Gedanken nach⸗ hängen. Es waren viele liebe Briefe recht- zeitig angekommen.

Major Wangemann ist am 7., offenbar gut erholt, wiedergekommen und hat die Führung der Abteilung wieder übernommen. Hauptmann von Hirschberg führt jetzt die leichte Munitionskolonne.

12. Juni 15. Der gestrige und heutige Tag verliefen auch ruhig, aber es ist die Ruhe vor dem Sturm. Unsere Infanterie mußte sich etwas erholen, um dann mit erneuter Kraft anzugreifen. Die feindliche Artillerie war allerdings recht tätig, na⸗ mentlich die schwere schoß viel, doch weit über uns weg nach hinten, wo die Stäbe und Kolonnen liegen, bei denen auch mancherlei Unheil angerichtet wurde.

Unsere Verpflegung ist jetzt wieder reich⸗ lich, auch bringt die Post wieder regelmäßig Päckchen heran. Von der Cholerazulage be⸗ kommen wir auch in den nächsten Tagen Getränke und Eßwaren, die ein Offizier für etwa 15000 Mark für das Regiment in Breslau gekauft hat.