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Gefreiter Nebel, der Bruder des Leut⸗ nants N., hat sich beim Ausbessern der

Telephonleitung am Auge verletzt und mußte

ins Lazarett.

15. Juni 15. Am 13. begann das Feuer unserer gesamten Artillerie bereits morgens um Uhr, und wir schossen fast ohne Unterbrechung in ruhigem Feuer bis abends ½%8 Uhr. Meine Batterie gab 492 Schuß ab. Die Infanterie kam nach dieser Vorberei tung auch etwas vor, und gestern morgen waren die Russen verschwunden. Nun setzt sich alles in Bewegung. Da hier viele Di⸗ visionen auf kleinem Raum vereinigt waren, gab es auf der Vormarschstraße oft Stockun⸗ gen. Ich ritt auf der großen Straße nach Moszisca vor, wo ich in den feindlichen Schützengräben und auf der Chaussee die furchtbare Wirkung der österreichischen Motormörser sah. Sie rissen furchtbare Löcher, und man kann sich, ohne es gesehen zu haben, kein richtiges Bild von der an⸗ gerichteten Verwüstung machen. Dann sah ich in dem Dorf Kalwze, das von den Russen stark besetzt und von schwerer Ar- tillerie heftig beschossen worden war, sehr viele tote, arg verstümmelte, sowie viele schwer verwundete Russen. Ein trauriger Anblick! Unser Vormarsch ging weiter über Wola⸗Laka, Hodynie, durch den Fluß Wesznia nach Sokola, etwa 18 bis 20 Kilo⸗ meter weit. Hier wurde gerastet, und ich stellte ein Flugzeugabwehrgeschütz auf, da die feindlichen Flieger hier eine rege Tätigkeit entwickeln. Mit den drei anderen Geschützen ging ich abends noch etwa 3/ Kilometer weiter vor und bei Kalodki in Stellung. Heute früh um 6 Uhr begann ich hier das Feuer. Die Beobachtungsstelle ist an einem Waldrand. Da weiter vorn auch noch Wald ist, mußte die Beobachtungsleiter aufgebaut werden, auf der in etwa 3 Meter Höhe über dem Boden das Scherenfernrohr be⸗ festigt ist. Man sitzt aud einen Fahrradsattel; ganz bequem ist es nicht. Hier befinden sich auf einem Raum von 60 Schritten die Beobachtungsstellen der Brigade, des Regiments, der Abteilung, der 4. und 6. Batterie verteilt, was eine lebhafte Be⸗ wegung verursacht und auch das feindliche Feuer auf den Waldrand lenkte. Ich bin im allgemeinen lieber für mich allein.

Während die Gegend, in der wir seither waren, sehr guten Boden hatte, ist hier Sandboden und dadurch entsetzlicher Staub. Die Kiefernwälder erinnern an die Wälder von Darmstadt. Die Männer haben hier eine komische Tracht. Sie tragen die weiß⸗ leinenen, bis zu den Knieen reichenden Hem⸗ den über den Hosen, große Strohhüte und lange Haare.

Abends. Wir schossen viel bis abends gegen 8 Uhr. Es war den ganzen Tag über kühl, vegnete auch zeitweise. Unsere In⸗ fanterie macht gute Fortschritte.

Kleine Mitteilungen.

Es wird gebeten, bei der Anmeldung zum Konfirmandenunterrichte, die am 22. und 23. September erfolgen soll, die Anmelde⸗ formulare ausgefüllt mitzubringen. Diese Formulare sind von den Kirchen- und Schul⸗ dienern, auch von den Pfarrern zu erhalten. Die feierliche Eröffnung des Unterrichtes findet in allen Gemeinden Sonntag den 9. Oktober statt, der Unterricht beginnt am 10. Oktober.

Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 18. Sept., 17. nach Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. Vorm. Uhr: Pfarrassistent Ramge. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarrassistent Ramge. Montag den 19. Sept., abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer. Vorm. Uhr: Pfarrer Ausfeld. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche * die Johannesgemeinde: Pfr. Ausfeld. *

Evang. Arbeiterverein. Sonntag den 18. l. Mts. in der Turn⸗ halle Konzert des Gernhardtschen Zither⸗ und Mandolinenchors, wozu wir eingeladen sind. Eintrittskarten bei Herrn Musiklehrer Gernhardt und an der Kasse. Der für Sonn⸗ tag den 25. l. Mts., abends 8 Uhr, in der Turnhalle geplante Volksunterhaltungs⸗ abend(Bunter Abend) zum Besten unserer Bildungs- und Wohlfahrtsbestrebungen ver⸗ spricht auch diesmal wieder allen Teilneh⸗ mern eine Reihe genußreicher Stunden. Man sorge sich rechtzeitig für Eintrittskarten. Diese sind auch für Nichtmitglieder zum Preise von 3 Mk.(numeriert), 2 Mk. lun⸗ numeriert) zu haben bei Herrn Challier,

Neuenweg, bei den Mitgliedern Bingel, Lindenplatz, Scholz, Kreuzplatz, an der

Abendkasse pro Karte 50 Pf. mehr, Galerie⸗ karten nur an der Kasse 1 Mk.

Wartburg verein.

Sonntag den 18. Sept., abends 8 Uhr, im Maxkussaal. Familiena bend. Musi⸗ kalische Darbietungen, Deklamationen, tur⸗ nerische Vorführungen, Siegerverkündigung betr. Schwimmfest und Bundesturnfest. Ein⸗ tritt für Mitglieder und deren Angehörige 1 Mk., Nichtmitglieder 2 Mk.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtolshesmer, Druck und Verlag der Brühl'schen Undwersitãts-Buch⸗ und Steindruckere R. Lange, Gießen