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Trotz alledem haben vereinzelte Gemeinden in falsch angebrachter Anhänglichkeit sich von dem alten Gesangbuch nicht trennen. wollen. Das alte Gesangbuch enthielt, ehe ihm der Anhang beigegeben war, 500 Lieder, das neue wies 714 Nummern auf. Ein alter Mann aus einem Dorfe der Wetterau wollte das alte Gesangbuch absolut beibehalten mit der Begründung:„Das ahl hot mih Learer mehr Lieder) wie das nau.“
Der Wiesbadener Pfarrer und Schrift⸗ steller Fritz Philippi erzählt in seinem Buche „Hasselbach und Wildendorn“ in ergötzlicher Weise, wie eine Westerwälder Gemeinde sich der Einführung eines neuen Gesangbuches heftig widersetzt:„Wirklich! Sie haben das neue Gesangbuch rundweg abgelehnt?“ Stof⸗ fels Hampitter zog das alte Gesangbuch aus dem Sack und machte große Augen auf mich. „Sein des kaa Gotteslieder, was mer ge⸗ lernt hunn von Kindsbaa, unn us Altvordern vor us? Das Gesangbuch stiht newig de Bibel uff aam Brett. Wann se mit'm Gesangbuch firtig sei', nochher komme se an die Bibel.“ Und Urschels Schultheiß meinte: „Die Köste!“
Nun kommt der Herr Dekan und sucht durch seine Beredsamkeit und sein verbind⸗ liches Wesen die Kirchenvorsteher zur An⸗
nahme des neuen Gesangbuches zu bewegen:
„Unser Dekan hat eine umfangreiche suada (Rednergabe). Es ist erbaulich, ihm zuzu⸗ hören. Alle Gründe aus der Moral, ratio Vernunft) und Aesthetik führte er an für die Einführung des neuen Gesangbuches. Er hat aber das alte herabgesetzt, und ich sah, wie Stoffels Hampitter an den Sack fühlte. Ordentlich in Eifer geriet der Redner. Er müßte es packen, meinte man. Der Dekan glaubte auch fest, er brächte es fertig. Schon. vorher hatte er das Protokoll abgefaßt, nur die Unterschriften fehlten.
Ja, die Unterschriften! Werde da einer klug daraus. Das eine Mal unterschreiben sie wie die Lämmer ihr Todesurteil, das andere Mal unterschreiben sie gar nicht, und wenn es ihren Hartkopf kostete.
„Also, meine Herren!“— der Dekan ist aus der Stadt„Kommen wir zum Schluß! Geben Sie heute Zeugnis von Ihrer Einsicht, einen Beweis von Ihrer Fürsorge für das geistliche Wohl der Gemeinde! Nicht wahr! Ich darf Ihre Zustimmung zur Eis, führung des neuen Gesangbuches mit he nehmen? Dann bitte ich Sie, das vorliege de Protokoll noch zu unterschreiben.“
Die Dickledernen saßen nach wie vor, steif und stumm.
Der Dekan schob dem Stoffels Hampitter das Papier zu und hielt ihm die Feder ent⸗ gegen:„Bitte!“
Stoffels Hampitter drehte langsam den Kopf rechts und links nach seinen Genossen, nickte und stand auf:„Eich glaab, mer giht
haam!“ Und schritt zur Tür hinaus und
15 9 5 5 hinterdrein. Sonst nichts wie „Adjes!“
Philippis Bücher„Hasselbach und Wilden⸗ dorn“ und„Unter den langen Dächern“ seien denjenigen unter unseren Lesern, die sich für deutsches Volksleben interessieren, sehr emp⸗ fohlen. Das hier fast mit photographischer Treue und großer Kraft der Gestaltung ge⸗ schilderte Westerwälder Volksleben hat große Aehnlichkeit mit dem oberhessischen Wesen; Gießen steht ja auch mit dem Westerwald in vielfacher Beziehung. Erschienen sind die beiden Bücher im Verlage von Eugen Salzer in Heilbronn. H. B.
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag den 17. Juli. 8. nach Trinitatis.
In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becher.— Vormittags 9½% Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und Feier des heiligen Abend⸗ mahls für Matthäus⸗ und Markusgemeinde. — Vormittags 11¼ Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. Donnerstag den 21. Juli, abends 8 Uhr:
Zusammenkunft des Frauenvereins der Markusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr,
zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannes gemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ 55 17 im Johannessaal: Pfarrassistent üller.
Jugendvereinigung der Lukas⸗ gemeinde. Montag den 18. Juli, abends 8 Uhr, weib⸗ liche Abteilung.— Mittwoch den 20. Juli, abends 8 Uhr, männliche Abteilung.
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Wartburg⸗Verein.
Sonntag den 17. Juli, nachmittags 2 Uhr, Spaziergang nach der Badenburg. Treffpunkt Lahnbrücke. Abends 8 Uhr: Familienabend im Markussaal, Kirchstraße 9. Vortrag des Herrn Kaufmann Scholz(Gießen) über „Kraft und Schönheit“, sowie musikalische Darbietungen. Eintritt für Mitglieder und deren Angehörigen frei.— Zu dem am Samstag den 16. Juli auf der Hardt statt⸗ findenden Familienabend des Vereins für das Deutschtum im Ausland ist unser Verein eingeladen Wir bitten um rege Beteiligung.
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Berichtigung. In dem Artikel„Der Gießener Bub..“, Nr. 28, S. 110, Spalte 2, 3. 14 von unten ist statt romantisch“ zu lesen:„renommi⸗
stisch“.
Peranswortssch: pfarrer Bechtols heimer. N und Verlag der Brühl'schen Undversstäts⸗Buch⸗ und Steindruckere Lange,
Gießen.


