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Geschichte an. Von da ab stand das Keller- loch nicht mehr offen. a g
In jedem Jahre, wenn die Ernte einge bracht wurde, war ein Teil der Gießenen Buben natürlich auch dabei. Wer einen Gie⸗
ener Landwirt zum Freund hatte, lief mit half da so gut wie es ging, und
hinaus und wenn dann abends die hochbeladenen Leiter wagen heimfuhren, saß auf jedem derselben mindestens einer der Buben, oder sie ritten auf den Pferden, denn das war die Haupt⸗ sache. Führte dann der Weg übers Kreuz, an den Kameraden vorbei, so begrüßten sie sich beiderseits mit indianischer Freuden bezeugung.
Auch beim Obsternten halfen die Buben tüchtig mit, denn das Klettern bereitete ihnen so wenig Schwierigkeiten wie das Vertilgen der Aepfel und Birnen. Bis in die höchsten Baumspitzen stiegen sie empor, und das war
ein Vorzug, den die Gartenbesitzer zu schätzen
wußten. Was die Buben dabei verzehrten, fiel nicht in die Wagschale. Man nahm das damals nicht so genau wie heute. Im Gegen— teil, es wurde den Eltern noch ein Körbchen voll Zwetschen oder Aepfel für einen Kuchen zugeschickt.
(Fortsetzung folgt.
vom alten hessischen Gesangbuche.
Bevor das Gesangbuch, das jetzt in den hessischen evangelischen Gemeinden gebraucht wird, eingeführt war, benützte man in Hessen das„Allgemeine Evangelische Gesangbuch für das Großherzogtum Hessen“, das erst⸗ malig im Jahre 1814 in Gebrauch genom- men worden ist. Es dauerte lange, bis es überall in Hessen durchgedrungen war, noch im Jahre 1838 wurde darüber geklagt, daß einzelne Gemeinden es noch nicht angenom⸗ men hatten. Aber schon in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte man ein- gesehen, daß dieses Gesangbuch verbessert werden müsse. Doch traf man erst in den 70er Jahren Anstalten, ein neues Gesang⸗ buch zu schaffen, 1879 waren die Vorberei⸗ tungen hierzu abgeschlossen, und am 11. Juni des genannten Jahres wurde das Gesang⸗ buch, das wir jetzt in Händen haben, von der Landessynode zur Einführung ange- nommen. Nach; wenigen Jahren war es allgemein in Hessen zur Einführung ge— langt.
Wenn man heute das alte Gesangbuch, das viele unserer Gemeindeglieder in ihrer Jugend noch benützt haben, durchsieht, so erstaunt man, daß es sich verhältnismäßig so lange in Hessen hat behaupten können. Es enthält sehr viele Lieder, die ohne reli⸗
Gale Tiefe, auch völlig ohne dichterischen
chwung sind, im wesentlichen war es ein Gesangbuch der Vernunftreligion, des Ratio⸗ nalismus. Viel wurde darin von Tugend, Vernunft, Irrtum, Wahn, Weisheit ge⸗ redet, nichts erfährt man jedoch von den
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ewigen Wahrheiten, von Sünde, Gnade, Frieden und Erlösung. Direkt trivin wird das Buch da, wo es Lieder für die einzelnen Berufsstände bringt. So wird da dem Rich ter zugerufen:
„Gewöhne dich, durch Wort und Tat Gerechtigkeit zu üben, Und wandle stets den rechten Pfad, Den Gott dir vorgeschrieben! Ein Richter, der dies je vergißt, Parteiisch und bestechlich ist, Zerstört das Glück der Erde.“ Der Soldat muß hören: „Bewaffnete, der Krieger Stand Bewacht, beschützt das Vaterland Und stehet dem Gesetze bei, Damit sein Anspruch wirksam sei.“ Der Landmann spricht mit Befriedigung: „Des Weisen Achtung fehlt mir nicht, Erfüll' ich redlich meine Pflicht, Ich bin ein Mann fürs Vaterland, Ich nähr' es und durch meine Hand Lebt Volk und Fürst.
Wohl mir, wohl mir! Ich baue gern Den Acker Gottes, meines Herrn,
Und ernt' ich nicht schon hier den Lohn, Ich ernt' ihn einst vor Gottes Thron In Ewigkeit.“
Wenn dieses Gesangbuch heute noch in Ge brauch wäre, so müßte dieser letzte Vers etwas umgedich tet werden; denn der tugend— hafte Landmann wird heutzutage gewiß nicht behaupten wollen, daß er hienieden keinen Lohn erntet.
Lieder, die zu dem herrlichsten Bestand der evangelischen Christenheit gehören, fehlten in dem alten Gesangbuche, so die Lieder: Seelenbräutigam, Jesu Gottes Lamm— O Haupt voll Blut und Wunden Ein Lämmlein geht Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen Jesu, geh voran— Nun laßt uns gehen und treten— Wach auf, du Geist der ersten Zeugen.
Ganz unbegreiflich ist, daß man einzelne der alten Kernlieder in völlig veränderter, den Sinn entstellender Form umgedichtet hat. Man muß freilich beachten, daß auch das neue Gesangbuch die Lieder des 16. und 17. Jahrhunderts nicht ganz in der ursprüng. lichen Form bringt. Da die Sprache sich im Laufe der Jahrhunderte ändert, so waren kleine Aenderungen nötig, niemals aber ist eine Umbiegung des Sinnes erfolgt. Anders im alten Gesangbuch. So erkennt man das Lied„Jesu, deine tiefen Wunden“ in der ersten Strophe fast nicht wieder, es heißt da;
„Jesu, deine tiefen Wunden,
Deine Qual, dein bittrer Tod,
Geben mir in bangen Stunden
Kraft zur Tugend, Trost in Not.
Mich sollt ich durch Sünd' entweih'n? Nein, ich denk' an deine Pein.“


