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Beleuchtungsapparat demnächst gründlich aufgebe sert werden soll, gefüllt; ungefähr 1200 Teilnehmer hatten sich eingefunden. Ein Präludium von Johann Sebastian Bach, das Herr Organist Habicht in gewohnter, meisterhafter Weise auf der' Orgel darbot, leitete die Feier ein. Ein Doppelquartett, das sich aus Mitgliedern des Kirchengesang⸗ vereins mönsammensetzte und in dankens⸗ werter Weise von Herrn Professor Traut⸗ mann geleitet wurde, sang zuerst den vier⸗ stimmigen Satz„Sie ist mir lieb die werte Magd“ von Michael Prätorius(1671 bis 1721). Erfreulicherweise hatte sich Herr Ge⸗ heimer Kirchenrat Professor D. Dr. Krüger als Festredner in den Dienst der Gemeinde gestellt. Kaum ein Zweiter ist auch so be⸗ fähigt, in lebendiger und fesselnder Weile Luthers große Gestalt den Menschen von heute vor Augen zu stellen. Ueberall grün⸗ dete sich der Redner auf die neuesten For⸗ schungsergebnisse, die er sich in jahrelanger, mühevoller Arbeit zu eigen gemacht hat. dabei war sein Vortrag formvollendet und von Wärme und Begeisterung getragen. Zum Eingang verlas der Vortragende den 46. Psalm und knüpfte daran einige Worte über Luthers Lied„Ein feste Burg ist unser Gott“ dessen Entstehungszeit uns heute noch nicht bekannt ist. Die Personen, die bei dem Reichstage von Worms mitwirkten, wurden

treffend charakterisiert: der junge Kaiser Karl V., auf den man anfangs große Hoff-

nung gesetzt hatte, und der Luther ganz ver— ständnislos gegenüberstand, der kluge bäp pst⸗ liche Legat Aleander, der zu entschlossene Ulrich von Hutten und der be— dächtige, den Namen eines Weisen wohl ver⸗ dienende Kurfürst Friedrich. Die mitgeteilten Ergebnisse haben Neues ermit; telt und Alt⸗ bekanntes als richtig erwiesen. Im Mittel- punkt dieser Ausführungen stand die große Gestalt Martin Luthers, namentlich sein Entwicklungsgang vom 31. Oitober 1517 an bis zum 18. April 1521. Wohl begab sich Luther, indem er zu Worms erschien, in große Gefahr, aber er achtete diese Gefahr nicht. Für ihn war das Beharren auf seinem Standpunkte und das Bekenntnis seines Glaubens zu Christus eine Gewi e sens⸗ befreiung. In diesem Sinne ist sein Wort nach der denkwürdigen Sitzung„Ich bin hindurch“ nicht so zu verstehen, als ob er damit kundgeben wollte, daß er nun ge⸗ rettet sei, sondern er ba sagen, daß sein Weg nun klar vor ihm liege. Sehr inter⸗ essant war die Feststellung, daß Luther schon dadurch gesiegt habe, daß man ihn, den Gebannten, überhaupt vor den Reichstag lud, ebenso der Hinweis, daß die öffentliche Meinung, die sich damals zum erstenmal in Deutschland gebildet hatte, ganz auf der Seite des Witlenberger Glaubensmannes stand. Seither herrschte die Auffa sung, daß Luther im Augenblicke, da er die Bannbulle ins Feuer warf, gesagt habe:„Weil du den

rascher Tat

Heiligen des Herrn betrübt hast, verzehre dich das ewige Feuer“, ein glücklicher Fund hat neuerdings gezeigt, daß Luther damals in lateinischer Rede gesagt hat:„Weil du gegen die Wahrheit des Herrn gestoßen hast, stoße ich dich in das ewige Feuer.“ Zum Schlusse verlas der Redner die gewaltige Rede, die Luther am 18. April 1521 vor den Kaiser gehalten hat. Jokaun Sebastian Bachs vierstimmiger Satz„Wär' Gott nicht mit uns diese Zeit“, den hierauf der Sängerchor vortrug. gab gewissermaßen die Antwort auf die Ausführungen des Redners. Zum Schluß Sa die Klänge unserer leider ihrer Pfeifen beraubten Orgel durch die Kirche. Herr Habicht spielte wirkungsvoll eine Va⸗ riation der Melodie„Ein feste Burg ist unser Gott“. Gemeindegesang war ursprüng⸗ lich nicht vorgesehen; wenn die Teilnehmer schließlich ohne Aufforderung den ersten Vers des Schutz- und Trutzliedes der evangelischen Kirche sangen, so war das eine spontane Aeußerung und eine Zustimmung zu dem, was ihnen an. Abend geboten wor⸗ den war.

Montag den 18. April, abends 6 Uhr, in der Stunde, da vor 400 Jahren Luther vor Kaiser und Reich stand, werden die Glocken unserer beiden Kirchen läuten, um die Ge⸗ meinde an die größte Tat der deutschen Geschichte zu erinnern.

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag den 17. April. Jubilate.

Feier der 400jährigen Wiederkehr des Reichs⸗

tages von Worms.

Kollekte für die Hessische Diaspora.

In der Stadtkirche. rm. 8 Uhr: Pfarrer Becker. Mitwirkung der Gesangsabteilung des Evangelischen Arbeitervereins.— Vorm. 9½ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.

In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr:

farrer Ausfeld. Mitwirkung des Kirchen⸗ gesangvereins.— Vorm. 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Mitwirkung cines Streich⸗

orchesters(Freunde und Mitglieder des Wark⸗

Vorm. 11 Uhr: Kinder⸗

burgvereins).— Pfarrer Bech⸗

kirche für die Lukasgemeinde: tolsheimer. Montag den 18. April. Jugendgottesdienste.

In der Stadtkirche. Vorm. 9 Uhr: Pfarrer Better. 10½½ Uhr: Pfarrer Mahr.

In der Johanneskirche. Vorm. 9 Uhr: Pfarrer Ausfeld. 10% Uhr: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer.

Abends 8 Uhr: Lutherfeier in der Turn⸗ halle(Steinstraße 3), veranstaltet vom Ev.

Bund, Ev. Arbeitern und Wartburg⸗

verein. Programm siehe vor. Nr. Karten⸗ ausgabe: für den Ev. Bund und für Nicht⸗ mitglieder bei Challier, für den Ev. Arbeiter⸗ verein bei Scholz. Kreuzplatz; für den Wart⸗ burgverein im Heim an den Vereinsabenden sowie bei Herrn Engels.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühbschen Unsversitäts⸗Buch⸗ und Steindruckere R. Lange, Gießen.