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meraden, die zum Baden gingen, so mach— ten wir Kehrt und liefen wieder mit, einer⸗ lei, ob die Begegnung an der Lahn, in der Neustadt oder vor der Wohnung stattfand. Freilich schimpfte der alte Badediener Kraus⸗ kopf, welcher sich durch seine Anzeige im „Gießener Anzeiger“.„Eine frischmelkende iege, ein Konfirmandenrock und ein Hau⸗ fen Mist sind zu verkaufen bei Heinrich Krauskopf“ damals einen Namen gemacht hatte, er jagte uns auch verschiedentlich fort, aber da die Neuangekommenen dagegen pro⸗ testierten und er diese von den anderen nicht unterscheiden konnte, so zog er regel- mäßig den Kürzeren und verschwand brum⸗ mend in seiner Badehosenbude. (Fortsetzung folgt.)
Eine Uriegsgefangenschaft im Jahre 1860.
Aus den hinterlassenen Papieren des Ge— heimerats Theodor Goldmann mitgeteilt von Dr. Karl Esselborn.
.(Fortsetzung) 2
In einer der hiesigen Zellen hat ein Offi⸗ zier, der früher darin inhaftiert war, ein wahres Zeichentalent, unter andern Wand⸗ malereien sich selbst konterfeit, und zwar ein⸗ mal hoch zu Roß, und das anderemal gleich darunter in seiner Zelle, und hat darunter geschrieben:
Gestern noch auf stolzen Rossen, heute hier fest eingeschlossen.
So geht es mir. Habe ich doch in mei⸗ nem ganzen Leben so viel unverdientes Glück gehabt, daß auch ein wenig unverdientes Unglück kommen muß. Und ich betrachte diesen jetzigen Unfall noch nicht einmal als eigentliches Unglück; es ist ja nichts als nach langem klaren Sonnenschein eine Regen— wolke, die sich bald verzieht.
16. August.
.Was ist es denn auch Schlimmes, das uns betroffen hat? Eine kurze unfrei⸗ willige Trennung, auf die ein fröhliches,
glückliches Wiedersehen folgt, eine Frage Gottes, ob der Knecht über dem wenigen, über das er gesetzt ist, treu sein wolle
Gestern war ich bei Herrn Professor Lan⸗ ges Schwiegervater, Domherr uno Gymna⸗ sialdirektor Blum. Er und seine Frau, ein liebes altes Paar, nahmen mich sehr freund lich auf, und ich verplauderte bei einer deli— katen Tasse Kaffee ein paar Stunden mit denselben. Uebermorgen(Samstag) wollen sie auf vierzehn Tage nach Gießen veisen und werden Grüße an. Euch alle mit⸗
nehmen. Einen Brief gebe ich ihnen nicht mit, weil ich auch den Schein vermeiden will, als ob ich eine Korrespondenz hinter dem Rücken des Kommandanten führte.
Fortgesetzt am Nachmittag.
Ich habe einen langen schönen Spazier- gang gemacht. Wesel ist in einem weiten
Bogen von einer parkähnlichen Anlage(zum Festungsterrain gehörig und Glacis ge⸗ nannt) umgeben, die einen reizenden Spa⸗ ziergang bietet; an einem Punkt dieser An⸗ lage kommt man an den Rhein, der hier eine stattliche Breite hat. Da die Gegend sehr flach ist, so gewährt der Fluß und der Park eine gar schöne Abwechslung. Hier und da sieht man Windmühlen in der Gegend, und dies, sowie die auf einzelnen größeren Wiesendistrikten weidenden Rindviehherden (meistens schwarzgescheckte Tiere) erinnern daran, daß man nicht weit von der hollän⸗ dischen Grenze ist. Wirklich soll man in drei Stunden zu Fuß die Grenze erreichen oenn
Bei der schauderhaften Langeweile, die mich hier plagt, benutze ich die mir gestattete Freiheit zu fleißigen Spaziergängen; wenn ich noch lange hier bleibe, so komme ich mir vor, wie der Vetter Blaurock, den man in Gießen beständig auf der Schor sieht.
18. August.
.. Ueber meine Gesundheit könnt Ihr außer Sorge sein, ich lebe gut, gehe viel spazieren, hingegen schlafe ich auch nicht wenig. Ich lege mich abends früh zu Bette und steige erst gegen sieben Uhr morgens auf, und dabei gelte ich hier noch für einen Früh⸗ aufsteher; denn mein Hannöverischer Kammerherr schläft bis nach neun Uhr. Am Tage lese ich, gehe spazieren, schreibe Briefe und rauche Zigarren; da ich aber nichts be⸗ sonderes zu lesen habe und zu Romanen aus der Leihbibliothek keine Lust verspüre, so... wird mir der Tag oft sehr lang, und ich freue mich, wenn der Abend kommt.
Das Schicksal von Hannover, Nassau, Kurhessen und Frankfurt ist nach der„Neu⸗ sten Kölnischen Zeitung“ nun entschieden, nicht aber das von Oberhessen. Mir scheint's zweifellos, daß Preußen diese Provinz nicht zwangsweise einverleiben, sondern auf dem Weg des Friedensvertrags erwerben und den Großherzog durch Bayerische Abtretungen entschädigen will. Wenn es sich nur mit Meisenheim, Homburg und der Herrschaft Itter zufrieden erklärte und dem Großherzog den Rest ließe! Ich habe keine große Hoff- nung.
24. August.
.. Wir dürfen wirklich nicht ungedul— dig werden über unsere Trennung, wir müssen das Leid, das ja auch wieder eine Freude in sich birgt, ruhig tragen, denn wir haben schon gar viel Glück genossen. Wie gering ist dieses Leid gegen dasjenige, was vielen andern Familien in dieser trauri— gen Zeit beschieden war, was ist die kurze Trennung weniger Wochen gegen die lange, lange Trennung, die unserm lieben Königer und seiner ihn zärtlich liebenden Gattin, beschieden ist....
Es scheint wirklich, als ob die Provinz. Oberhessen hessisch bleibt, und da der An—


