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schlesischen Feldzug mit, nahm an der Schlacht bei Leipzig teil und wurde hierbei am 19. Oktober leicht verwundet. Auch für die Jahre 1813 und 1814 liegt ein Notiz⸗ buch vor mit genauen Angaben der einzelnen Stationen des Marsches. Von Gießen ging der Marsch zuerst nach Niederweisel. Hier machte der Musikfreund die Bemerkung: „Ich hatte hier das Vergnügen, Klavier⸗ sonaten der Mademoiselle Tochter des Amt⸗ manns, mit der Violine zu accompagnieren.“ Ueber Okarben, Langen, Darmstadt, Würz⸗ burg ging es nach Thüringen, von da über Lützen, Görlitz, Bunzlau, Bautzen, Leipzig Erfurt, Gotha, Eisenach, Hünfeld, Lauterbach nach Gießen, wo Bieler schon am 26. Oktober 1813 eintraf. Die Nachricht von der Leip⸗ ziger Schlacht war erst einen Tag vorher
nach unserer Stadt gekommen. Am 8. De⸗ Abmarsch von
zember erfolgte wieder der Gießen, es ging über Bensheim, Durlach, Kandern, wo der junge Mann seinen Ge⸗ burtstag feierte, hinüber auf das französische Gebiet nach Ly en, wo Bieler längere Zeit im Quartier lag. Von dieser Stadt, ihren Be⸗ wohnern, dem Leben und Treiben daselbst entwirft er eine sehr lebendige Schilderung. Bei dem Arzte Dr. Desgranges fand er eine sehr gastliche Aufnahme. In ergötzlicher Weise erzählt er, daß sein Bursche Heinrich Acker aus Berstadt sich mit den beiden Dienstmädchen Fanchette und Nannette in Pantomimen unterhalten habe. In dieser Art ist auch 1870/71 und 1914 bis 1918 manche Unterhaltung geführt worden. Ueber Frei⸗ burg ging es wieder zurück, am 11. August 1814 erreichte das Regiment die Stadt Gießen.
Im Jahre 1815 kam Bieler nicht mehr in das Feuer. In dem südfranzösischen Städt⸗ chen Varzy lag er vom 21. August bis 21. November im Quartier. Dort knüpfte er mit der Familie, die ihn aufgenommen hatte, freundschaftliche Beziehungen an. Na⸗ mentlich waren ihm die Kinder Philbert, Onesime und Justine lieb geworden.
Am 18. Dezember richtete er an seinen ehe⸗ maligen Quartiergeber einen Brief, der sich in Urschrift in seinem Nachlasse befindet und folgenden Wortlaut hat:
„Mein theuerster Freund! Mit Freude er⸗ greife ich die Feder, Sie von meinem glück⸗ lichen Eintreffen in mein Vaterland zu be⸗ nachrichtigen: sie ist noch viel größer, indem ich mich zugleich durch diese Zeilen, eine ausgezeichnete Freundschaft in der Mitte Ihrer werthen Familie genossen zu haben, erinnern darf. Ich schätze mich glücklich, wenn mir ferner der Weg zu Ihrem Herzen offen sein wird, glücklicher noch, wenn mir stets Ihre ganze Familie ihre Wohlgewogenheit schenkt. Ich ermangle nicht, Ihnen nochmal meinen innigsten Dank für Ihre gütige Freundschaftsbezeichnungen sowie für die
Achtung, die mir in Ihrem Haus zu Theil
wurde, mit schwachen Worten zu danken. Das Glück ist unschätzbar, in einem fremdem Lande, bei einer fremden Sprache, bei einer gegen uns Krieg führenden Nation in einem häuslichen Cirkel als Kind aufgenommen zu werden und das Zutrauen, welches mir zu Theil wurde, genießen zu dürfen. Ich er⸗ innere mich mit Thränen an die kindliche Liebe meines kleinen Freundes Onesime; ich werde mich immer freuen, Angenehmes von Philbert und Justine hören zu dürfen. Das Fläschchen Burgunder ist auf Ihr Wohl⸗ ergehen, bei der herzlichsten Freude meines Eintreffens bei meinen Eltern, geleert wor⸗ den. Ich empfehle mich Ihrer, sowie der Frau Gemahlin ferneren Freundschaft, auch den Monsieur Dangerville und Mons-Fardy nebst Angehörigen. Leben Sie wohl und schreiben Sie bald
Ihrem aufrichtigen Freund.“
Daß die Beziehungen Bielers zu dieser französischen Familie sehr innig waren, geht daraus hervor, daß er vierzig Jahre später, im Jahre 1854, abermals einen Brief nach, Varzy schrieb, um sich nach seinen einstigen Freunden zu erkundigen. Dieser Brief hat folgenden Wortlaut:„Meine sehr geliebten Freunde! Ich kann dem heißen Drange meines Herzens nicht widerstehen,
mich noch einmal vor meinem Hinscheiden
derer recht lebhaft zu erinnern, deren Ge⸗ dächtnis so tief in meine Seele eingegraben ist. Meine Unachtsamkeit vermag ich leider nicht zu entschuldigen, ich bitte aber, meinem vielbewegten Leben einige Rücksicht zu schenken. Erst in neuerer Zeit habe ich die „Erinnerungen aus meinen vier Feldzügen“ zusammengestellt, und bei dieser Veran⸗ lassung kamen mir auch die beiden in Ab⸗ schrift angebogenen lieben Briefe von 1815 und 1816 in die Hände, und ich habe die um deswillen abschriftlich beigefügt, weil sie sonst schwerlich den Zusammenhang mit diesem Schreiben hätten entziffern können. Vier Jahrzehnte sind beinahe verflossen, und
nur noch wenige der geliebten alten Freunde
werden von diesen Zeilen Kenntnis nehmen können. Es genügt mir aber, wenn sich die noch meiner Liebe erinnern, die damals Kinder waren und jetzt schon lange Männer und Frauen geworden sind. Möchten sich diese noch alle in bestem Wohlsein befinden, und ich würde mich glücklich schätzen, woll⸗ ten Sie mich einer baldgefälligen Antwort würdigen, und namentlich wäre ich begierig, zu erfahren, was aus meinen Freunden Onesime, Philbert und Justine geworden, sowie aus den Kindern der Madame Boulu, Jean und Nannette und Monsieur Danger⸗ ville. Was meine Wenigkeit anbelangt, so trat ich im Jahre 1820 aus dem Militär⸗ dienst in den Zivildienst über und lebe jetzt als Pensionär in meiner Vaterstadt mit meiner Frau, zwei Söhnen und einer Toch⸗ ter, wovon der ältere Kaufmann, 33 und


