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der jüngere, Finanzaccessist, 27 Jahre alt ist, recht glücklich. Leider fällt mir mein Alter von 63 Jahren, namentlich durch die Strapazen des russischen Feldzuges, oft sehr beschwerlich. Ich schließe diese Zeilen mit der aufrichtigen Versicherung der Fortdauer einer ungeheuchelten Freundschaft und mit dem Versprechen, dann eine ausführliche Antwort an Sie ergehen zu lassen, falls dieselbe für Sie von Interesse sein sollte. Leben Sie wohl und glücklich, dies der innigste Wunsch Ihres unwandelbaren Freundes Bieler.“ a Ob auf diesen Brief eine Antwort ein⸗ gelaufen ist, ist nicht mehr zu ermitteln. Als der Krieg des Jahres 1815 zu Ende war, scheint Bieler noch einige Jahre Offi⸗ zier geblieben zu sein, indem er sich gleich⸗ zeitig für den Zivildienst vorbereitete. Nach einer unverbürgten Nachricht soll er das Abiturientenexamen noch nachträglich ab⸗ gelegt haben, ein Jahr arbeitete er auf der Großherzoglichen Hofkammer zu Gießen. Im Jahre 1820 wurde er Distriktseinnehmer zu Petterweil, dann zu Großkarben. Einige Jahre später trat er in den Zolldienst. Als infolge des Zustandekommens des Zoll⸗ vereins die Beamten der einzelnen Terri' torien ausgetauscht wurden, kam er nach Stendal. Dort seint es ihm nicht gefallen zu haben; denn schon 1829 kam er nach Vilbel und wurde 1834 Vorstand des Zoll- amtes Neu⸗Isenburg mit dem Titel „Rendant“. Im Jahre 1836 kam er als Kontrolleur der Gießener Spar- und Leih⸗ kasse in seine Vaterstadt zurück. Wann er in den Ruhestand trat, ist nicht festzustellen, nach seiner Angabe in dem mitgeteilten

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Haar war weiß gewesen; es zeigte, na⸗ mentlich an den Rändern, eine bräunliche Tönung, wie angerauchter Meerschaum möchte man fast sagen. Sein Sohn Karl Bieler, Rendant in Höchst, 1846/47 Student in Gießen und Mitglied des Korps Hassia, ah f im höheren Alter dieselbe Haarfarbe; er ah seinem Vater überhaupt sehr ähnlich. Die ganze Persönlichkeit Adolf Belers war ehr⸗ furchtgebietend. Er war ein liebenswürdiger alter Herr, von wundervollem Mutterwitz, dabei ein Kinderfreund. Bei seinem ausge⸗ zeichneten Gedächtnis und seinerGeistesfrische war er sozusagen die lebende Chronik, und zwar im guten Sinne; gelegentlich konnte er sarkastische Bemerkungen machen, sie waren aber nie verletzend. Kannte er doch die alten Familien seiner Vaterstadt und des Groß⸗ herzogtums schon in der vierten oder fünften Generation. Wir Geschwister staunten, wie er sich unsrer Urgroßeltern erinnerte. Unsern Großvater und dessen Geschwister wußte er nach etwa 70 Jahren noch mit ihren Vor⸗ namen zu nennen und sogar mit den Ab— kürzungen, wie sie zuhause gerufen wurden.

Als verdienter Soldat und als einer der letzten Ueberlebenden aus großer Zeit wurde Bieler allgemein geehrt, ebenso der Bleicher Schürz, gleichfalls Veteran aus den Be freiungskriegen. Ich entsinne mich, daß diese beiden alten Herren und der alte Herr Gail“) beim Jugendfest in vierspänniger Ehren kutsche im Festzuge gefahren wurden; wohl bei mehreren solchen oder ähnlichen Festen.

(Fortsetzung folgt.)

Uleine Mitteilungen.

Nach einer Zeitungsmeldung hat der preu

Briefe ist das schon vor 1854 erfolgt. Seine ßische Minister für Landwirtschaft verfügt, Kriegserinnerungen hat er um das Jahr daß die Bezeichnung„Knecht“ nicht mehr 1853 geschrieben. Bis in das hohe Alter war geführt werden solle, statt dessen soll es in er ungebeugt und gesund. Er war zuletzt nur

einige Tage nicht ganz wohl, nachdem er sich bei einer Beerdigung, bei der er zu lange mit unbedecktem Haupte gestanden hatte, er⸗ kältet hatte. H. B.

3. Erinnerungen an Adolf Bieler. Von Oberkriegsgerichtsrat Wilhelm Koch.

In seiner gewinnenden Erscheinung war Adolf Bieler der alte Soldat, ein Mann von straffer Haltung, der gegen jede Witterung abgehärtet war. In dem besonders kalten Winter 1879/80 ging er ohne Halstuch. Von einem Freunde ermahnt, sich wärmer zu halten, erklärte er, seine Frau habe ihm einen„Palentin“ aufdrängen wollen.„Ich hab' ihr schließlich den Gefallen getan und das Ding umgeknüppelt. Wie ich in den Spiegel guckte, sah ich aber aus wie ein alter Judd, und da habe ich ihr ihren Palentin wiedergegeben.“ Das Gesicht Bie— lers war von vielen kleinen Fältchen durch⸗ zogen, hatte aber nichts Welkes; es war frisch und gebräunt. Er hatte die Haarfarbe,

Zukunft

wie man sie bei sehr alten Leuten findet. Das

„landwirtschaftlicher Ge— wird und muß

heißen

hilfe“. Diese Verfügung

weittragende Folgen auch für die deutsche

Sprache haben. Vor allem muß in der Bibel, wie sie uns Luther übersetzt hat, der Aus⸗ druck„Knecht“ durch den neuen Ausdruck ersetzt werden. Es wird also in der bekann⸗ ten Mahnung des Apostels Paulus nicht mehr heißen: Ihr Knechte seid gehorsam euren Herren, sondern: Ihr Landwirtschafts⸗ gehilfen seid gehorsam euren Herren. Sa⸗ muel wird nicht mehr sagen dürfen:„Rede, Herr, denn dein Knecht höret, sondern: Rede, Herr, denn dein Landwirtschaftsge

) Ludwig Jakob Schürz war geboren am 26. November 1793 und starb am 19. März 1877, Ludwig Gail war geboren am 8. Februar 1792 und starb am 8. Februar 1888. Der Letztgenannte hatte keine ver wandtschaftlichen Beziehungen zu der Fa milie Gail, die mit Georg Philipp Gail nach Gießen gekommen ist, sondern war ein Enkel sohn des Johann Peter Gail aus Win

ningen an der Mosel.