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zeugkasten beschert, und bei unsexem Nachbar Noll erhielt einer der Jungen sogar einmal einen Sägebock mit Säge, mit der er alles, was ihm der Bearbeitung wert schien, so die Stühle, ansägte. Hatte eins von den Ge⸗ schwistern einen Herd erhalten, der aber vom Schlosser angefertigt war, denn im Laden gab's noch keine, dann wurde gebraten oder gebacken, und die Brüder mußten das Zeug essen. Das geschah aber meist nur im An⸗ fang, denn wenn einmal der erste Tag herum war, zogen die Gäste der Speisewirtschaft vor, die vom Metzger gelieferten kleinen Bratwürstchen und anderes in Abwesenheit der Köchin roh zu verzehren. Wo gebacken und gekocht wurde, konnte man bald die Luft im Zimmer schneiden. Die Gewürze spielten eine große Rolle, denn sie waren in der Puppenküche sämtlich vorhanden: Pfeffer, Salz, Muskatnuß, Nelken und Lorbeerblätter und eine richtige Köchin, die ihr Fach ver⸗ stand, servierte kein Gericht, in dem nicht diese fünf Ingredienzien vertreten waren, einerlei, ob Pfannenkuchen gebacken oder Reisbrei gekocht wurde, der überdies aus dem Anbrennen nicht heraus kam. Die Mut⸗ ter sah all diesem Treiben mit glänzenden Augen und stiller Freude zu, während der Vater sich ein über das andere Mal hinter den Ohren kratzte und sich vergeblich be⸗ mühte, vermittels der langen Pfeife die Atmosphäre zu verbessern.
Endlich kam die Zeit, zu den Pettern und Goten zu gehen und bei diesen die Weihnachtsgeschenke einzuheimsen. Der Sonntagsstaat wurde angezogen, das Henkel⸗ körbchen an den Arm gehängt und dann ging's zu Nummer 1. Man klopfte an und schob sich auf das„Herein“ durch die Türe. „Gun Tag; en schöne Gruß vom Vatter und der Mutter, un ich wollt emal seh, was das Krißkinnche beschert hätt.“ Nun ging zunächst das Fragen los.„Was hat derr dann alles das Krißkinnche gebracht?— und deim Bruder?— und deiner Schwester? — un deim Vatter?— un deiner Mutter?“ „Was biste awwer gewachse!“„Un was de awwer für en schöne Anzug anhast!“„Hast de dann auch e gut Zensur heimgebracht?“ „Wie weit seid'r dann in der Schul? Habt r das Einmaleins schon hinner euch?“ „Was habt er dann all für Kuche gebacke? Auch Radanekuche?“ So und ähnlich lau⸗ teten die von der Got gestellten Fragen, denen der Petter in der Regel mit der Auf⸗ forderung ein Ende machte:„Etz laß emal den Jung in Ruh un gew sem sein Kram!“ Der Kram bestand durchweg in einem Gegen⸗ stand, der dem Jungen Freude machte. Das Geschenk wurde herbeigeholt und in Papier eingeschlagen, dem Patchen übergeben, das ihn selbst herauswickeln mußte. Dabei stan⸗ den die guten biederen Leute vor dem Jun⸗ gen mit gespannten Blicken und beobachteten, welchen Eindruck das„Krißkinnche“ machte. „Na freust de dich denn auch? Gefällt
dersch dann? Wann net, dann kannste dersch beim Frohnhäuser am dritte Feiertag um⸗ tausche!“ Aber es gefiel, und das kleine Herz angefüllt mit Freude und das Henkelkörbchen mit den Anismännern, Buttergebackenem, den Nüssen und Aepfeln am Arme, trollte man sich wieder, nachdem man sich bedankt und den Paten die Hand gegeben hatte. Die Got verabreichte mitunter auch noch einen Kuß und en schöne Gruß an die Eltern, dem der Petter durch die Tür hindurch noch den seinigen beifügte mit den Worten:„Von mir aach!“(Fortsetzung folgt.)
Beim deutschen Veskidenkorps. 2. Die Kämpfe um Przemysl. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns
der Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.)
Ich war bis 7 Uhr an der Beobachtungs⸗ stelle. Es regnete bis 10 Uhr. Das Wasser drang durch die Zeltbahnen, auch lief es von außen trotz des Abschlußgrabens in das Zelt. Stroh zum Unterlegen war nicht vorhanden. Ich nahm für die Nacht meine Decke gar nicht, sondern zog die Hindenburgjacke an und deckte den Gummimantel über die Beine. Die nassen Stiefel konnte ich natürlich auch 1 ausziehen, aber trotz der Nässe schlief ich gut.
Heute bin ich wieder seit/ 6 Uhr an der Beobachtungsstelle. Der Himmel ist bedeckt, es ist aber wieder schwül.
Wie lügenhaft die russischen Berichte sind, konnte ich heute an einem mir bekannten Fall feststellen. Ende Mai berichteten die Russen, wir hätten bei Hussakow die Grä⸗ ben von Bataillonen genommen. In Wirklichkeit hatten wir mehrere Höhen ge⸗ nommen und dabei etwa 5000 Gefangene gemacht.
(Aus einem Brief an meine Frau vom 5. 6. 15):„Morgen ist es ein halbes Jahr, daß ich von Dir und den Kindern Abschied nahm. Es war auch ein Sonntag. Ich schied mit der festen Zuversicht und dem Gefühl, daß wir uns wiedersehen würden, und daran wollen wir auch fest⸗ halten. Allerdings glaubte ich nicht, ja hielt es fast für ausgeschlossen, daß die bittere Trennung so lange dauern würde. Und jetzt? Ein Ende ist zur Zeit gar nicht abzu⸗ sehen. Ich habe mich sehr gefreut, aus einem Briefe zu ersehen und von Mutter und Geschwister bestätigt zu erhalten, daß Du in dieser langen Zeit Dich als starke deutsche Frau erwiesen hast. Es ist das Härteste außer dem, was von den Krie⸗ gern draußen im Felde zu leisten ist, was unsere Frauen zu tragen haben. Wessen Kreuz das schwerere ist, darüber wollen wir nicht rechten. Gott gebe uns auch fernerhin die Kraft, daß jeder das seine in Geduld und Hoffnung trägt, bis ein
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