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Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen
Ir. 37 Sießen, I. Sonnt. n. Trinitatis, den IJ. Septbr. 921 0. Jahrg.
Das neue haus. Psalm 127, 2. Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.
In deutschen Städten und in deutschen Dörfern hat man jetzt wieder einen Anblick, an den man seit langer Zeit nicht mehr ge⸗ wöhnt war, einen erfreulichen Anblick, man sieht nämlich, wie neue Häuser gebaut wer⸗ den. Die Arbeiten beginnen mit dem Aus⸗ schachten der Fundamente, bald ragen die
Gerüststangen auf, rasch wächst das Mauer⸗ werk in die Höhe, der Zimmermann richtet
den Dachstuhl auf, der Dachdecker befestigt die Schiefer, Schreiner, Weißbinder und Schlosser machen dann die Innenarbeit. Bei der Wohnungsnot, die riesenhaft über ganz Europa hinweggeht, die besonders auf unser Volk drückt und so viele Widerwärtigkeiten im Gefolge hat, sind uns neue Wohnungen so nötig wie das Brot. Wenn wir auch wis⸗ sen, daß die Häuser, die man in diesem Jahre fertigstellt, dem vorhandenen Bedürfnisse nicht entsprechen werden, so begrüßt man ihre Herstellung doch mit Freuden, sie sind Zukunftsmöglichkeit für unser Volk.
Es ist jedoch damit nicht genug, daß man Häuser baut, in das neue Haus soll auch ein neuer, ein guter, ein Geist aus Gott einziehen. Er, der Herr, soll somit das Haus
bauen, daß alle, die dort einziehen, in Glau⸗
ben, Liebe und Hoffnung beisammen woh⸗ nen. Von einem jeden Hause, das jetzt gebaut wird, soll das Schriftwort gelten: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen. Und die schon bestehenden Häuser, die, die durch ihre altehrwürdigen Formen kundtun, daß sie in Zeiten errichtet wurden, die weit und fern⸗ ab von unserer schweren und harten Zeit liegen, wie die, die in der für Deutschland so segensreichen Zeit von 1871 bis 1914 aus der Erde wuchsen, sie sollen Menschen
eine Heimstätte bieten, die nach Gott ge—
schaffen sind in rechtschaffener N
Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 30. Der Gießener Bub aus dem vorigen Jahrhundert und was mit ihm 5 on Louis Frech. (Fortsetzung.) Es dauerte lange, bis sich im Vorgefühl der Freude, die das Christkindchen am frühen
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Morgen bringen sollte, der Schlaf auf die kleinen Familienangehörigen senkte. Es wurde bis spät in die Nacht hinein geplap⸗ pert und in Gedanken ausgemalt, wie wun⸗ dervoll das Erwachen sein werde. Im gan⸗ zen Hause roch es nach Kuchen und Gebäck, und die feiertägliche Aufmachung der ganzen Wohnung verlieh der freudigen Stimmung gewissermaßen einen Rahmen, in dem man sich so wohl fühlte wie der Fisch im Wasser. So gesättigt, friedlich und behaglich schlief man mit dem kleinen Nachtgebetlein auf den Lippen ein. Es war noch stichdunkel, da er⸗ tönt die Klingel nebenan in der guten Stebe, die Türe geht auf und, vom strahlenden Christbaum beleuchtet, stehen die Eltern bei all den schönen Sachen und rufen:„Her⸗ aus, heraus, ihr kleinen Schläfer; das Christkindchen ist da!“ Hui, wie sie da aus den Betten heraus sprangen, alles bewun⸗ derten, was ihnen beschert worden war, und ihren Eltern um den Hals fielen, sie küßten und ihnen dankten. Dann wurden schnell die Geschenke für diese herbeigeholt, die sich natürlich auch herzlich freuten. Dann mußte aber vorerst Schluß gemacht werden, denn das Zimmer war noch nicht genügend durchwärmt, und unter Mitnahme alles des⸗ sen, was geeignet schien, schlüpften die Kin⸗ der wieder in ihre Betten, so lange bis der Ofen seine Schuldigkeit getan hatte. Dann ging das Spielen los. Mittlerweile wurde der Kaffeetisch gedeckt, und zu der Freude an den Spielsachen kam nun auch die des Genusses der Weihnachtskuchen und des Backwerks, denn erst jetzt wurde beides zum erstenmal verabreicht, obgleich es schon tags zuvor fix und fertig war. Selbstverständlich nahmen die Puppen, Pferdchen, das Bilder- buch, der Schubkarren und was sonst noch das Christkindchen beschert hatte, am Kaffee teil, und es gehörte mitunter eine gute Dosis Langmut und Nachsicht der Eltern dazu, dem Treiben der Kleinen freien Lauf zu lassen. Da damals die Farben, mit denen die Ge— sichter der Puppen und die Pferdchen an⸗ gestrichen waren, abfärbten, so verloren die ersteren bald ihren zarten Teint und die Mäuler der letzteren die Zeichnung, denn die Puppe mußte von dem eingetunkten, Kuchen essen und das Pferdchen direkt aus der Tasse den Kafsee trinken. Im allgemei nen bestanden die Weihnachtsgeschenke für die Kinder in praktischen Sachen, aber auch hier und da wurde neben dem erwähnten üblichen Spielzeug auch einmal ein Werk—
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