Ausgabe 
10.7.1921
 
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zerschellte und das Federvieh dadurch erst recht rebtllisch machte. Ich hielt es nur noch an den Beinen krampfhaft fest, mußte es aber schließlich, da mir von den Flügel⸗ schlägen der Kopf zu saussen anfing, los⸗ lassen zumal es sich auch sonst noch un⸗ manierlich benahm. Herr Franz kam mit seiner Hilfe zu spät. Die Gans flatterte in die rechte Zimmerecke, woselbst sich die ganze Gesellschaft auf sie warf und unter sich be⸗ grub. Herr Franz, besorgt um seinen zwei⸗ beinigen Braten, stürzte über alles, was ihm im Wege stand hinweg, zog die Gans aus dem Knäuel der Buben noch recht zeitig heraus und trug sie mit Geschwinds⸗ schritten in den Stall hinunter. (Fortsetzung folgt.)

Uleine Mitteilungen.

Im Jahre 1908 wurde der Professor an der Universität Sapporo in Japan Josinao Niijima hier in der Lukasgemeinde getraut, er hatte hier unter den Herren Professoren Heß und Wimmenauer Forstwissenschaft stu⸗ diert und hat in deutscher Sprache mehrere forstwissenschaftliche Werke veröffentlicht, die

sich namentlich mit den im Walde vorkom⸗ menden Insekten beschäftigen. Selbstverständ⸗

lich ist Niijima Christ, sonst hätte er hier nicht getraut werden können, er selbst leitet in Sapporo eine Kinderkirche. Am 23. Mai hat er einen Brief folgenden Inhaltes an den Pfarrer der Lukasgemeinde gerichtet: Durch die Zeitung und auch von Bekann⸗ ten, die sich längere Zeit in Deutschland auf⸗ hielten, hörten wir von der schwierigen Lage dort und fühlen tiefes Mitleid mit allen. Im vergangenen Jahre erzählte ein Lehrer der japanisch⸗christlichen KircheNippon⸗ Kirisuto⸗Kiokwai in Soul(Korea) im Kin⸗ dergottesdienst, daß die deutschen Kinder jetzt so viel Not und Mangel leiden müßten. Es machte auf die Kinder einen tiefen Eindruck, und ihr Bestreben war, etwas helfen zu können, um ihnen ihre Liebe und ihr Mit⸗ leid zu zeigen. Von da ab sammelten sie jeden Sonntag bis Ende Januar Geld, das sie dem Lehrer in Verwahrsam gaben. Zur Weihnachtsbescherung wollten sie kein Back⸗ werk haben, dieses Geld möchte man auch zu dem gesammelten fügen und es den deut⸗ schen Kindern senden, das war ihr einziger Wunsch. Der Betrag ist nur 102 Yen(2040 Mark). Es ist nicht viel, aber ein warmes Liebeszeichen japanischer Kinder einer korea⸗ nischen Kirche. Herr Forstrat a. D. Saito in Soul ist Vorstandsmitglied dieser Kirche, er und seine Frau sind unsere besten Freunde, sie haben uns gebeten, dieses Geld nach Deutschland zu schicken. Wir dachten, es dem deutschen Botschafter zu überweisen, aber Herr Saito meinte, der Betrag sei zu gering, darum möchte man das Geld nur einer Kirche überweisen und damit den Kindern eine kleine Freude bereiten. Heute senden wir an Sie den Betrag per Post

mit der Bitte, nach ihrem Gutdünken es für arme notleidende Kinder verwenden zu wollen. Unsere japanischen Kinder werden glücklich sein, eine fröhliche Nachricht von den deutschen Kindern zu erhalten. Dann möchte ich Sie bitten, wenn Sie das Geld er⸗ halten haben, es an Herrn Saito mitteilen zu wollen. Seine Adresse ist: Otosaku Saito, Nr. 2, Shin⸗Kio⸗Do, Soul, Korea.

Mit freundlichen Grüßen verbleiben wir

Prof. J. Niijima und Frau.

Das Geld ist unterdessen angelangt, ist

vorläufig bei der Bezirkssparkasse verzins⸗

lich angelegt und wird nach Bedarf im Sinne des Gebers verwendet werden. Es ist

rührend, daß christliche Kinder im fernen

Osten für deutsche Kinder, von deren Notlage sie gehört haben, sammeln und daß Männer,

die wohl einer anderen Nation angehören, mit uns aber im Glauben eins sind, dieses Liebeswerk fördern und in die rechte Wege leiten. Einst haben deutsche Kinder für arme Kinder in fremden Erdteilen gesammelt, jetzt sind sie selber Almosenempfänger geworden. Das ist eine schmerzliche und bittere Fest⸗ stellung.

*

Am 29. Juli werden 100 Jahre verflossen sein, daß die neuerbaute Stadtkirche einge⸗ weiht worden ist. Zur Erinnerung an diesen Tag soll Sonntag, 31. Juli, in beiden Kirchen eine einfache Feier veranstaltet werden. Die Frauenvereine der Matthäus- und Markus⸗

gemeinde werden an dem genannten Tage

die Stadtkirche mit frischem Grün und Blu⸗ men schmücken. Im Laufe der nächsten Mo⸗ nate wird imSonntagsgruß die Geschichte der 17 der Stadtkirche veröffentlicht werden.

Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 10. Juli. 7. nach Trinitatis.

In der stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. Vormittags 9/ Uhr: Pfarrer Becker. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarrer Becker. Montag den 11. Juli abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde.

In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr: zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde. Pfarrer Bech⸗ tolsheimer. Vormittags Uhr: Pfar⸗ rer Ausfeld. Vormittags 11 Uhr: Kin⸗ derkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. 5

Wartburg⸗Verein. Sonntag, den 10. Juli: Schlagballspiel. Abmarsch Uhr vom Heim Abends 8½¼/ Uhr: Vortrag im Heim(Pfr. Ausfeld).

Berantworllich: Pfarrer Bechtolshelmer, Druck und Verlag der Brühlschen Unswersitäts⸗Buch⸗ und Steindruckere R. Lange, Gießen.

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