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vereinigt.“
6/7. Juni 15. Ein schöner Sommer⸗ sonntag. Um 6 Uhr morgens sitze ich an meiner in den steilen Hang eines Hohlwegs eingebauten Beobachtungsstelle. Ueber das Erdloch, das zur Sicherung für den Fall unserer Beschießung neben dem Standort des Scherenfernrohrs angelegt worden ist, ist eine Zeltbahn gespannt, um am Tage Schutz gegen die Sonne zu gewähren. 50 Schritte von mir liegt malerisch in einer Gruppe mächtiger alter Bäume ein Holz⸗ kirchlein, daneben ein kleiner Holzturm mit den Kirchenglocken. Neben der Kirche be⸗ finden sich wohl zwanzig Gräber russischer Soldaten. Offenbar war in dem kleinen Ort ein Lazarett. a
Einige Russen 8 sich sehr un⸗ eniert hinter ihrem Schützengraben. Ich 8 ihnen einige Schrapnells hinüber, die für den ganzen Tag Ruhe schaffen, kaum daß noch einmal ein einzelner Russe zu sehen ist. Meine Hoffnung, einen ruhigen Sonntag verbringen zu können, erfüllte sich. 30 Schritte neben mir hat der Regi⸗ mentskommandeur seinen Gefechtsstand, und ich suche ihn und seinen Adjutanten zeit⸗ weise auf und unterhalte mich mit ihnen, oder sie kommen zu mir herüber.
Die feindliche Artillerie, die vorgestern und gestern sehr energisch schoß, läßt sich heute gar nicht vernehmen. Wie wohltuend diese Ruhe, dieser Sonntagsfrieden.
(Das Folgende aus einem Briefe an meine Frau):
„Ich lasse meine Gedanken wandern, weit fort nach dem lieben Gießen in unser trautes Heim, wo ich heute vor 6 Monaten. zuletzt geweilt, wo ich abends Abschied ge⸗ nommen von Weib und Kind, um zum zweitenmal hinauszuziehen in den Krieg, nun wirklich wissend, was es heißt, in den Krieg ziehen, sein Leben einsetzen für das Vaterland. Jetzt, da der Krieg so viel länger dauert, als ich damals dachte, da noch kein Ende abzusehen ist, wage ich mir gar nicht mehr auszumalen, ja, ich kann es mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ich endlich wieder heimkäme zu Euch Lieben. Welch ein Glück, daß wir erfolg⸗ reich kämpfen, da nehmen wir all das Schwere doch getrost auf uns; wir freuen uns, daß wir Deutschlands unermeßliche Kraft der Welt beweisen können, und vor allem, daß wir unser Volk vor den Schrecken des Krieges im eignen Land bewahren und das Land unserer Verbündeten vom Feinde befreien konnten.“
Um 6 Uhr reite ich zu den Protzen zurück, die seit gestern früh 20 Minuten. von der Feuerstellung entfernt an einem. Wäldchen stehen, das den Pferden, die morgens und abends auf den Wiesen weiden, Schutz gegen die Sonnenhitze ge— währt. Unser 8 Tage altes Füllen ga⸗
3 9 glückliches Ende des Krieges uns wieder
loppiert vergnügt umher; es hat schon zwei Zähne durchgearbeitet. Wie langsam ist doch dagegen die Entwicklung beim Menschen.
Ackermann hat aus ausgestochenen Rasen und Zeltbahnen eine geräumige Hütte für uns errichtet. Durch Ausheben eines run⸗ den schmalen Grabens ist ein Tisch mit rundumlaufender Bank entstanden, was wir den Russen abgesehen haben.
Ich hatte gehofft, wir könnten noch einige Tage in dieser in jeder Beziehung angeneh⸗ men Feuerstellung bleiben, da kommt gegen Abend der Befehl zum Stellungswechsel, da unsere Division einige Kilometer nach Nord⸗ westen verschoben werden soll.
(Fortsetzung folgt.)
Heimweh.
Es soll uns nicht gereuen Der schmale Pilgerpfad,
Wir kennen ja den Treuen, Der uns gerufen hat.
Heimweh! Wer fühlte nicht in der heutigen Zeit ein brennendes Verlangen nach Ruhe, nach Frieden, was beides dem Erdenrund verloren gegangen ist. Und, mir scheint es der Zusammenhang all derer, die die Heimat suchen, ist nicht so innig, wie er sein müßte, und doch würde er so vielen den Mut stärken bei der Wanderung durch die Nöte des Lebens.
So sollen die lieben Leser des Sonntags- grußes nicht denken, daß ich sie vergessen habe, da ich so lange schwieg. Das unsicht⸗ bare Band, das mich mit vielen von ihnen verbindet, ist mir zu wertvoll, um es sich lockern zu lassen. Fühlen wir doch alle mehr und mehr, daß nur in der Stille unsere Herzen sich sammeln, unsre Seelen sich zu vertiefen vermögen, um den Weg zu finden, der uns zur Heimat führt! Sind wir doch alle in der Fremde und gehen vielfach in der Irre, da wächst die Sehnsucht, die Hand des kreuesten Weggenossen zu ergreifen, sich von ihm führen zu lassen. Die Wege Gottes find stets Wege der Liebe, wenn wir sie meist auch gar nicht verstehen können, aber sie bringen uns einen inneren Segen, wenn wir ihnen nicht widerstreben. Wir erkennen oftmals in späteren Jahren die göttliche Weisheit mit Dankbarkeit, die uns andere Wege führte, als die wir von ihr erbeten haben. 5
Darum, je unruhiger und lauter die Welt um uns wird, um so mehr laßt uns Stunden der Stille uns schaffen; sie machen uns freudiger für die Arbeit, die das Leben von uns verlangt, und schließen mit unsichtbarem Band die heimverlangenden Seelen zu— sammen.
Es wird nicht lang' mehr währen,
Harrt noch ein wenig aus,
Es wird nicht lang' mehr währen,
So kommen wir nach Haus. Baronin R.


