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rechte Arbeit verursachte. Wir haben durch eifriges und andauerndes Beobachten beraus— gefunden, auf welchen Wegen die Ablösungen der Russen am Höhenlamm herunter nach den vorderen niedrigeren Höhen gehen und umgekehrt. Ich habe die einzelnen Geschütze auf verschiedene Punkte bzw. Pfade einge— schossen und tagsüber dahin eingestellt. Kommt nun ein Trupp den Weg daher, und nähert sich dem Punkt, dann sausen ein paar Schrapnells hinüber. So habe ich er⸗ reicht, daß die Russen nur noch in kleineren Trupps marschieren. Auch eilen sie sich furchtbar, und man merkt, in welcher Angst die Leute sind. Es ist die reinste Jagd vom Anstand aus, eine Jagd auf Edelwild, auf Menschen.
Heute nachmittag schoß ich auf Befehl sehr viel, da ein Schweizer Artillerieoberst den Gebirgskrieg kennen lernen will und uns zusah. Ichs fürchte, das wird schlimme Fol- gen haben, da ich glaube, daß die Russen dadurch meine Stellung en deckt haben. Gegen Abend waren die Batterie führer zur Besprechung auf den Regimentsgesechtsstand bei Vilag befohlen.
Morgen abend wollen wir den Eintritt in den wunderschönen Monat Mai bei einer Maibowle feiern. Ich habe noch den Batte riewachtmeister Engisch und den Gefreiten Nebel dazu eingeladen. Außer Leutnant Thüre und Offizierst llvertreter Nebel wer— den noch Offizierstellvertreter Obenauer, Wachtmeister Da len und Matthäi die alle hinten bei den Protzen wohnen und dort ein sehr beschauliches Dasein führen, dabei sein; vielleicht etwas viel für unsere kleine Hütte.
2. Mai 15. Herrlich sind die warmen Frühlingstage, das Blühen und Grünen ringsum, die schönen mondhellen Nächte. Wenn nur der böse Krieg nicht wäre!
Wir lesen mit Freuden von den an— haltenden Erfolgen im Westen. Auch im Osten wird es wohl bald wieder zu einer größeren Schlacht kommen; wir wissen nur nicht wo.
Während der Ruhezeit habe ich mit viel Interesse das Nibelungenlied gelesen, nun wird es aber mit der Ruhe vorbei sein.
8. Mai 15. Am Nachmittag des 29. April mußte die Batterie zu Ehren eines schweizerischen Artillerieobe sten, der Erfah— rungen im Gebirgskrieg ammeln wollte, ein großes Schießen veranstalten. In 1/ Stun— den verfeuerte die Batlerie 83 Schuß. Es war sehr klares Wetter und meine Befürch— tung, daß der Feind durch das andauernde Schießen unsere Stellung erkennen werde, erwies sich nur zu bald als begründet. Noch gegen Abend ermittelte die feindliche Ar⸗ tillerie die Entfernung mit Schrapnells. Am andern Morgen um 7½ Uhr begann das Feuer, zunächst der feindlichen Feld— artillerie, auf die Batteriestellung, später folgten 12-Zentimeter- und schließlich 185
Zentimeter-Geschütze. Die Schüsse lagen sehr gut, und es ist nur ein Wunder, daß trotz mehrstündiger Beschießung nicht der geriigste Schaden angerichtet wurde. Merkwürdiger— weise kommen an den folgenden Tagen immer nur vereinzelte Schüsse in die Batterie.
Am Abend des 30. April hatten wir eine Maibowle brauen und din Wonnemond nach studentischer Weise mit Gesang begrüßen wollen. Da sich aber kein Maikraut im Wald sand, gab es nur eine Apfelfinenbowle. Aber es wollte auch keine rechte fröhliche Stim— mung aufkommen. Die heftige Beschießung des Vormittags, der Gedanke, daß es nun mit der verhältnismäßigen Ruhe unserer schönen Waldstellung zu Ende sei, drückte auf uns
Am 6. Mai mittags erhielt ich den Befehl, zwei Geschütze aus der Feuerstellung beingen und vorrücken zu lassen da der Feind be gann, zurückzugehen. Erst viel später er fuhren wir, daß dies die Folge des Durch bruchs der Mackensenschen Armee bei Gor lice war. Wie ich mir dachte, bemerkte der Feind sofort die Bewegung der Geschütze und begann hestig zu feuern. Ich ließ die Mannschaft in Deckung treten und machte dem Regiment Meldung, erhielt aber den bestimmten Befehl, die 2 Geschütze vor— bringen zu lassen. Sobald die Geschütze wieder bewegt wurden, setzte das feindliche Feuer wieder ein. Zunächst mußten die Geschütze zwischen den niedrigen Fichtenbäumchen einige hundert Meter herum sergerollt wer— den. Dann kam das Schwierigste. Die Ge schütze mußten an einem fast senkrechten, über 20 Meter hohen Hang mit Langtauen heruntergelassen werden. Un en standen die Protzen bereit. Es gelang, den Be sehl aus zuführen, ohne daß Verluste eintraten, ob wohl die feindlichen Gruppen sehr gut lagen. Auf der Straße nach Virava die auch unter Artilleriefeuer lag, trabten dann die 2 Ge— schütze unter Offsizierstellvertreter Nebels Führung vor.
Als es düster wurde, verließ ich befehls gemäß auch mit den beiden anderen Ge— schützen die Feuerstellung, in der wir gerade einen Monat gestanden hat'en. Die ganze Munition mußte aus der Feuerstellung in das Tal heruntergetragen werden, wobei sich die Tragtiere, die wir von den Oester reichern erhalten hatten sehr gut bewährten. Es war 10%% Uhr geworden bis ich abrücken konnte. Auf einer Höhe kurz hinter Virava trasen wir die beiden vorge andten Geschütze noch an; das Herausziehen derselben am Tag im feindlichen Feuer war also ganz, unnötig gewesen. Wir aßen hier nachts 12 Uhr aus der Feldküche eine warme Suppe, und dann ging es weiter. Hinter einer deckenden Höhe ließ ich die Fahrzeuge auffahren. Am andern Tage kam hier feind— liches Artillexiefeuer hin. Ein Ausbläser (d. i. ein Geschoß, dessen Zünder während


