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dieser aus dem Geschäft gekommen und ihm in meiner Gegenwart das Vorkommnis recht umständlich und eindrucksvoll geschildert worden war, sagte er barsch:Wart' Bürsch⸗ chen, ich werde dir das Durchbrennen ver⸗ treiben! Er holte dann einen Nagel, hier⸗ auf den Hammer und dann einen meter⸗ langen Faden Zwirn. Der Nagel wurde vor der Zimmertür in die Wand geschlagen; und der kleine Sünder mit dem Zwirnsfaden an⸗ gebunden; alles in übertrieben wichtiger und weitschweifiger Weise, damit es seinen Ein⸗ druck nicht verfehlen sollte. Hierauf holte mein Vater ein kleines Fußschemelchen und sagte:So, da setz dich drauf, du Durch⸗ brenner! So saß ich allein auf dem Korri⸗ dor, während die anderen im Zimmer auf⸗ fällig mit den Tellern und Tassen klapperten und vor unterdrücktem Lachen kaum essen konnten. Das Anbinden mit dem Zwirns⸗ faden war auch zu komisch. Schließlich sieate das Mitleid, und meine Mutter holte mich mitsamt dem Zwirns'aden ins Zimmer. Man hielt mich für kuriert. Vierzehn Tage später befand ich mich wiederauswärts, aber in Gesellschat. Wir waren einem Ita⸗ liener, der einen abgerichteten Affen hatte, bis ans Walltor nachgelausen. Diesmal wurde die Sacheverduckelt.

Ein anderes Ereignis erregte damals auch

die Gemüter der guten Mäusburger und

Kreuzer. Auch da fehlte nicht viel, so wäre die Hilfe der Polizei in Anspruch genom- men worden. Einige drei- bis vierjährige Jungen waren eines Tages wie vom Erd⸗ boden verschwund n. Schließlich entde kte man die kleine Gesellschaft zufällig in der soge⸗ nanntenSaubrodkammer im Hinter aufe des Bäckermeisters August Noll im Stern, vergnüglich wie die Mäuse an dem für die Schweine aus Kleie gebackenen Brot nagend. Der kleine Fried Noll hatte seine Freunde zu dem Luxusschmause eingeladen. Die zu Hunderten in der Kammer aufgestapelten kleinen Brotlaibe waren teilweise beim Backen aufgeplatzt und dadurch mit knuspe⸗ rigen Krüstchen versehen, auf die es die Kleinen abgesehen hatten. Diese damals mit so viel Aufregung begonnene und so spaßbaft 9 1250 Geschichte wurde damals viel be⸗ acht.

Einen Hauptanziehungspunkt, wie dies ja auch heute noch der Fall ist, bildeten die bei Baustellen übrig geb iebenen Sand⸗ und Lehmhaufen, in die förmliche Höhlen hinein⸗ gewühlt wurden. Dabei kam es vor daß der eine oder der andere in das Loch hinein⸗ kroch und nicht mehr zurück konnte und jämmerlich brüllte Ein gerade Vorüber⸗ gehender zog ihn dann gewöhnlich an den Beinchen heraus. Hierher gehöet auch folgen⸗ des drollige Begebnis: Zwei kleine Buben vergnügten sich damit, vor ihres Vaters Neubau auf einem Haufen Lehm herumzu⸗ rutschen, allerhand zu sormen und zu bauen. Da kam plötzlich der große Bernhardiner

des domaligen katholischen Geistlichen, des Herrn Pfarrers Rady, gesprungen und machte Anstalten mit den Kleinen zu spielen, die aber die Sache falsch verstanden und fürchter⸗ lich zu brüllen anfingen. Schnell eilte der Herr Pfarrer herbei, sprach den Kindern freundlich zu und brachte es auch fertig, sie zu beruhigen.Ei sieh' mal da, ihr habt ja auch etwas gebaut, was ist denn das? E Tirch, antwortete der ältere der Klei⸗ nen.Ei, der Tausend, das ist ja großartig. Habt ihr denn auch einen Pfarrer? Na, noch net, awwer, wann mer' noch Lahme(Lehm) iwwerig behalte, dann dnutsche mer aach noch en Parrer. Be⸗ friedigt ob der zielbewußten Auskunft, strich der freundliche Herr dem Jungen über den Kopf und entfernte sich lächelnd mit seinem Hund.

Mit der zunehmenden Sicherheit auf den Beinen wuchs auch der Unternehmungsgeist des Gießener Jungen. Er wagte jetzt schon, im Gegensatz zu den früheren planlosen Durchbrennereien, mit Gleichalt igen ver⸗ abredete En deckungs touren in die Nachbar⸗ schaft zu machen! nach dem Elephanten⸗ plätzchen, dem Marktplatz, nach der Bach⸗ gasse, dem Brand und sogar nach der ver⸗ pönten Lahn; vor allen Dingen aber aufs Kreuz und in dieSonne. Das Ele⸗ phantenplätzchen auf dem einst das Schlacht⸗ haus stand, war ein schmuckloses, unge⸗ pflastertes Viereck gezenüber der S ad schule in der Schulgasse(jetzt steht die Sl adtpost an dieser Stelle) und diente als Tummel⸗ platz der Stadtschüler in den Schulpausen. Es war auf zwei Seiten von der Schulgasse und der Wagengasse, auf der Rückseite von den Lehmwänden alter Scheunen. die un⸗ gefähr die gleiche Front hatten wie jetzt die an ihrer Stelle stehenden neuen Häuser. be⸗ grenzt. Nach der Neuen Bäue zu fristeten eine Anzahl kleiner, hochgiebetizer Häuschen ihr Dasein, die ihre Fas aden nach der Sonne und der engen Schulgasse hatten und trübselig in diese herabschauten, wie wenn sie sich über die Vergänglichseit alles Irdischen im allgemeinen und über ihr Schicksal im besonderen schwere Gedanken machten. Ihr Abbruch erfolgte dann auch im Jahre 1868/69 zugunsten der Durch⸗ führung der Schulstraße.

(Fortsetzung folgt.)

Beim deutschen Beskidenkorps. Aus dem eee des Hauptmanns

d. R. a. D. Landgerichtsrat Trümpert⸗

ö Gießen. (Fortsetzung.)

2 9. April 15. Unsere Hütte ist jetzt mit Brettern verschalt worden und dadurch wärmer. In den letzten Tagen war das Artilleriefeuer recht lebhaft. Ich ließ gestern abend ein Geschütz, das vielleicht erkannt war, seitlich weit herausstellen, was eine