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Zimmer der Zitadelle, das mir zum Woh nen angewiesen wurde, ist zwar nicht groß, aber hoch, luftig und freundlich; das Fen⸗ ster geht auf den großen Hof der Zitadelle mit schönen Lindenalleen und einem kleinen Gärtchen unmittelbar vor dem Hause, so daß das Auge doch einen wohltuenden An⸗ blick hat. Für die materiellen Bedürfnisse ist gesorgt, das Mittagessen, das ich aus dem Militärkasino bekomme, ist gut und überreichlich, so daß ich darüber nicht zu klagen habe. Auch sonst wird durch die nicht genug zu rühmende Freundlichkeit des Kom⸗ mandanten, Herrn Obersten von Bültzings⸗ löwen, dem hiesigen Aufenthalt so viel als möglich das Unangenehme benommen, das Zimmer ist nicht verschlossen und der Spa⸗ ziergang innerhalb der Zitadelle ganz frei⸗ gegeben, natürlich nach vorherigem Ver⸗ sprechen, daß man keinen Fluchtversuch machen wolle.(Fortsetzung folgt.)

von den Glocken. Wenn rings die Glocken schallen, geht es mir durch den Sinn,

daß wir doch alle wallen

zur ew'gen Heimat hin.

Wenn die Glocken läuten, sollen sie uns eine Mahnung sein, unsere Gedanken him⸗ melwärts zu richten. Mir ist es stets eine Erbauung, wenn an Sonntagen in der Stille der Morgenfrühe die Glocken über die noch ruhige Stadt ihren gleichmäßigen Ruf erschallen lassen. Besonders eindrucksvoll war mir das vor kurzem, nachdem ein wunderbar schönes Morgenrot eine ganze Weile über der Stadt geleuchtet und mein Herz andäch⸗ tig gestimmt hatte. Wie ist dann die Seele geöffnet, den himmlischen Gruß in sich auf⸗ zunehmen, und wie schön ist es, die Morgen⸗ andacht in aller Stille zu halten, alle Sor⸗ gen dem treuen Vaterherzen zu übergeben und die Lieben dem anzuvertrauen, der unser aller Geschicke leitet.

Dennoch scheinen nur wenige sich dessen bewußt zu sein, wie öde unser Leben wäre ohne Glockengeläute. Ich erinnere mich noch aus meiner Jugendzeit, die, wie jedermann weiß, lange zurückliegt, daß ein Verwandter meiner Mutter, der in seiner Jugend nach Amerika ausgewandert war, in einem seiner seltenen und darum viel gelesenen Briefe schrieb, er freue sich, bei einem nun endlich in Aussicht stehenden Besuch in der Heimat wieder Kirchenglocken zu hören. Er lebte tief im Lande, fern von jedem größeren Ort, nun ersehnte er neben dem Wiedersehen mit sei⸗ nen Verwandten, die Kirchenglocke seines Hei⸗ matdorfes zu hören; auch wolle er seinen Kindern diese Freude gönnen, er habe ihnen schon so viel von dem alten Kirchlein erzählt und von der Glocke, deren tiefen Ton er nicht vergessen könne.

Ich denke mir, daß wohl viele, die ihre Heimat verlassen müssen, die gleiche Sehn⸗ sucht im Herzen tragen wie einen Ruf der

Heimat. So wie die Kirchturmspitze gen Himmel weist, so sollen auch die Glocken uns mahnen, der Heimatdroben im Licht zu gedenken und unsern Sinn aus dem Ver⸗ gänglichen in die unvergängliche Herrlichkeit zu richten, wo nach fröhlich getaner Arbeit uns ein Feierabend winkt.

Vom Dorfe her ein Glöcklein klingt,

das mahnt: Legt euch zur Ruh!

's ist Feierabend,'s ist Feierabend,

das Tagwerk ist getan;

wir ziehen unsrer Heimat zu,

wir wandern himmelan! Baronin R.

. Kleine Mitteilungen.

Kommenden Sonntag findet in allen Gottesdiensten die feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts statt, für die Matthäus⸗ und Lukasgemeinde um 10, für die Markus⸗ und Johannesgemeinde um 6 Uhr. Hierzu sind besonders die Eltern und

sonstigen Angehörigen der Konfirmanden eir⸗

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In der Ueberschrift des Schlußartikels in Nr. 39 muß es stattOmina heißen

Omnia.

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag den 9. Oktober, 20. nach Trinitatis. Feier zur Eröffnung des Konfirmanden⸗ unterrichts.

In der Stadtkirche. Vormittags Uhr: Pfarrer Mahr. Vorm. 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. Abends 6 Uhr: Pfarrer Becker. Montag den 10. Oktober, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. Donners⸗ tag den 13. Oktober, abends 8 Uhr: Verei⸗ nigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde.

In der Johanneskirche. Vorm. Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal: Pfarrassistent Müller. Montag den 10. Oktober, abends 7% Uhr: Jugendvereinigung der Lukasgemeinde(weib⸗ liche Abteilung). Sonntag den 16. Oktober findet im Abendgottesdienste Feier des hl. Abendmahls für die Lukas- und Johannes⸗ gemeinde statt.

Evang. Arbeiterverein.

Sonntag den 9. Oktober Pilzwanderung. Abmarsch 3 Uhr Ecke Schiffenberger Weg und Licher Straße.

Wartburgverein.

Sonntag den 9. Oktober Tagesausflug nach Dianaburg, Greifenstein. Anmeldung bei Herrn R. Richter, an den auch der Fahrpreis von 5 Mk. zu entrichten ist. Bei ungünstiger Witterung musikalischer Abend im Heim.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Unsversstdts-Such⸗ und Steindruckere

R. Lange,

Gießen