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müssen alle Bierlokale um zehn Uhr ge⸗ schlossen werden, eine Einrichtung, die den Beifall aller hiesigen Frauen hat, und die hoffentlich recht streng durchgeführt wird. Morgen werde ich zu den Eltern reisen, um

ihnen Theodors Arrestation mitzuteilen, er reist allein um 588 früh ab.... Mit Geld haben wir ihn auch versehen, er muß alles aus eigenen Mitteln bezahlen, dies hat man ihm gnädigst erlaubt.

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Ueber Goldmanns Erlebnisse in Wesel be richten seine Briefe an seine Frau, seinen Vater und seine Schwester. Ihnen sind die folgenden Auszüge entnommen. Wo nichts besonderes vermerkt ist, handelt es sich um Briefe an seine Gattin.

11. August.

Ich bin heute nachmittag um 4 Uhr glück⸗ lich hier angekommen. Die Eisenbahn führte mich von Mainz an dem schönen Rhein her, vorbei an Stolzenfels, Remagen mit seiner prächtigen Kapelle, an dem herrlichen Sieben- gebirg; das Gasthaus in Königswinter, wo wir vor ein paar Jahren mit Dieburger Freunden einen so schönen Abend verlebten, winkte gar freundlich herüber. All die lieb⸗ lichen Erinnerungen zogen durch meine Seele. Uebrigens, wenn auch bei meiner Fahrt als Kriegsgefangener keine wunderbare Fröh⸗ lichkeit in meiner Seele wogte, so wohnte doch eine wohltuende Ruhe und Heiterkeit in derselben nach der beständigen Aufregung der letzten Tage, nach der qualvollen Stim⸗ mung, die sich meiner bis zu dem Augen blick bemächtigt hatte, wo ich wußte, was über mich beschlossen sei. Von diesem Augen- blick an wurde ich ruhig und heiter, ich bin mir bewüßt, meine Schuldigkeit getan zu haben, und würde, wenn es noch einmal zu geschehen hätte, in keinem Stücke anders han deln, als ich gehandelt habe...

Uebrigens hat das Oberkommando in Frankfurt die Maßregel in sehr humaner Weise zur Ausführung gebracht, mich auf Ehrenwort allein reisen lassen, und ebeuso hat mich der hiesige Kommandant in wahr⸗ haft liebevoller Weise empfangen. Ich bin sehr wenig beschränkt. Daß die Briefe, die ich schreibe und empfange, dem Herrn Komman danten vorgelegt werden, versteht sich von selbst; es ist deshalb am besten, wenn in den an mich kommenden Briefen die gegenwär⸗ tigen Vorgänge in Gießen und Oberhessen, die mich allerdings sehr interessieren, gar nicht erwähnt werden, damit nicht der Herr Kommandant wieder seinen Willen genötigt würde, mir einen Brief vorzuenthalten.... Ich kann mir nicht denken daß mein Aufenthalt hier lange dauert, da die Frie- densverhandlungen in Berlin jedenfalls Keinen raschen Verlauf nehmen, trage die Sache mit Ruhe und Ergebung; der Beamte muß für seine Ueberzeugung, seine Dienstpflicht einstehen und auch Stürmen

männlich die Stirne bieten; wir sehen uns, des bin ich überzeugt, bald und vergnügt D 13. August. An seinen Vater

Bei meiner Verhaftung wurde mir gesagt, ich sei Kriegsgefangener. Da aber die an den hiesigen Kommandanten gelangte Verfügung dies nicht ausdrücklich erwähnte, so muß dieser mich als Staatsgefangenen, nicht als Kriegsgefangenen behandeln, wo durch ich mancherlei dem letzteren zukom mender Vergünstigungen verlustig gehen

muß, insbesondere darf ich nicht frei in der Stadt herumgehen. Ich habe deshalb heute

in einem Schreiben an den Herrn Komman danten nicht allein den Protest gegen meine Verhaftung überhaupt wiederholt, sondern auch dagegen protestiert, daß ich nicht als Kriegsgefangener behandelt werde.

Meine Wohnung ist ein Stübchen in der Zitadelle mit einem Bett, Tisch, Schrank, drei Stühlen. Den Kaffee bekomme ich von der Frau des Hauswärters, welche auch die sonstige Bedienung besorgt. Abends esse ich ein paar Eier, die mir ebenfalls die Frau

besorgt, und das Mittagessen bekomme ich

aus dem Offizierslasino, ein sehr reichliches und gutes Essen(Suppe, Ochsenfleisch, Ge müse mit Beilagen und Braten) zu Silbergroschen(30 Kreuzer). In dieser Be⸗ ziehung fehlt mir also nichts. In dem sehr großen Hof der Zitadelle kann ich, wann und so viel ich will, ohne Aufsicht spazieren gehen, und ich mache hiervon aus gedehnten Gebrauch. Gestern war ich, mit Erlaubnis des Kommandanten in der Kirche.

Ihr werdet über die Nachricht von meiner Verhaftung sehr erschrocken sein.... Ich habe eine derartige Maßregel erwartet, nachdem mir Herr von Briesen auf meine dringende Bitte, unser Gewissen, zu schonen und den nahe bevorstehenden Friedensschluß abzuwarten, gesagt hatte, daß dies unmög lich sei. Von seinem Standpunkt aus war nunmehr die äußerste Strenge nötig; ob dieselbe und namentlich dieses Vorschreiten gegen mich ihn bei den anderen Beamten zum Ziele führt, bezweifle ich sehr. Hof- fentlich dauert meine Haft und überhaupt der ungewisse Zustand, in welchem Oberhes sen jetzt schwebt, nicht lange.

Außer mir ist der hannöversche Kammer- herr von Bock hier; er ist schon seit dem 26. Juni in Haft. Sodann sind viele Oester⸗ reicher und Bundestruppen als Kriegsgefan gene hier, darunter auch verschiedene Hessen Darmstädter'). Unter anderen habe ich gestern einen Artilleristen aus Brensbach gesehen.

14. August. An seine Schwägerin.

Meine Reise hierher ging gut von statten, in Köln restaurierte ich mich tüch⸗

tig und kam um vier Uhr hier an. Das

) 108 an Zahl, außerdem neun Hessen Homburger.