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liefen infolgedessen wieder alle nach dem Kreuz. Die Stimmung war etwas gedrückt, denn dem Dummsten mußte es einleuchten, daß das, was wir getan hatten, nicht recht war. Durch Prahlerei suchte jeder sein Ge⸗ wissen zu beschwichtigen, und wenn es auch anfänglich denen, welche die meisten Schei⸗ ben eingeworfen hatten, schmeichelte, von den anderen zu hören, daß sie die meisten Treffer zu verzeichnen hätten, so wollten sie dieses Ruhmes doch nicht so recht froh wer⸗ den und suchten ihr Verdienst bei der wie ein Alp auf ihnen lastenden Sache abzuf chwächen. Am meistenEhme(Angst) hatte Fried Noll, weil er die Kastanien gestellt hatte, und es schwante ihm, daß er sie nun auch für die anderen aus dem Feuer holen müsse. Er drückte sich deshalb etwas früher. Als ich, der ich im gleichen Hause, imStern auf der Mäusburg, wohnte, zur Haustür herein⸗ trat, hörte ich, wie im Hintergrunde unaus⸗ gezogene Kleider ausgeklopft wurden, und überlegte mir ernsthaft, ob ich mir nicht einen Pappdeckel verschaffen und unterlegen sollte. Aber woher nehmen? Meine ganze Kreuzer Kameradschaft war bei der Werferei beteiligt, und jeder hatte zweifellos augen⸗ blicklich mit sich selbst zu tun. Als ich noch unschlüssig im Hausgang stand, kam Fried Nolls älterer Bruder aus dem Hintergrund und sagte zu mir im Vorbeigehen:Mach', daß du enauf kömmst; dein Vater wart' auf dich! Das war für mich ausschlaggebend. Ich lief zu einer in einem anderen Stadt⸗ viertel wohnenden, mit der unsrigen befreun⸗ deten Familie, deren Jüngster mit mir in die Franzeschul' ging. Ich klagte mein Leid und fand dafür Verständnis. Die Mutter meines Freundes hielt mir zwar eine Vor⸗ lesung über das Unrechtmäßige meiner Handlungsweise; ich durfte aber dableiben. Der eine der beiden Brüder der andere war noch nicht eingetroffen lief zu meinen Eltern, um sich die Erlaubnis für meine Uebernachtung zu erbitten, und meine Mutter setzte sie durch trotz des Protestes meines Vaters, jedenfalls in dem Gedanken: kommt Zeit, kommt Rat. Meine gedrückte Stim⸗ mung schwand allmählich, zumal der Vater meines Schulkollegen bei meiner Ankunft bereits ausgerückt war, denn wir schrieben Samstagabend, und da geht der Gießener Bürger zum Stammtisch, und wenn es Mühlsteine regnet. Ich hatte etwas Angst vor diesem Herrn, denn in der Bestrafung von Ungezogenheiten waren die Gießener Väter solidarisch. Wir unterhielten uns noch eine Zeitlang durch Lottospiel und gingen dann in die Mansarde hinauf, um uns schlafen zu legen. Jetzt erschien auch der zweite Bruder meines Freundes, dem die Sachlage auseinandergesetzt wurde und der damit einverstanden war, daß ich das Bett mit meinem Freunde teilte, also seinen Platz

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einnahm, denn er schlief sonst bei diesem. Er legte sich dann zu seinem älteren Bruder, und so schliefen wir bald ein.

(Fortsetzung folgt.)

Beim deutschen Beskidenkorps.

2. Die Kämpfe um Przemysl. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns der Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert

in Gießen.

9. Mai 1915. Gestern nachmittag um 1/6 Uhr setzte sich die Abteilung in Richtung auf Lupkow in Marsch. Zwischen Lupkow und Neu⸗Lupkow fuhren wir ein großes Stück auf dem Eisenbahndamm. In beiden Orten hatten die Russen die Bahnhöfe und Lager angezündet. Unsere Truppen waren damit beschäftigt, Hafer, große Fässer mit Fischkonserven usw. noch zu retten. Es war Nacht geworden, und es ging nur langsam vorwärts, da wir uns in einem schmalen Tal auf sehr schlechten Wegen befanden. Unser Beobachtungswagen fiel in einen Bach, und unsere Schlafdecken wurden durchnäßt. Um ½10 Uhr bezogen wir bei Smolnik Biwak, kamen aber erst um 12 Uhr zum Schlafen. Um 3 Uhr wurde geweckt, und dal es gestern kein warmes Essen gegeben hatte, gab es heute früh um 4 Uhr Suppe und Rindfleisch. Um 6 Uhr begann der Vormarsch in dem sehr schönen Oslawatal. Es war etwas neblig, regnete auch zeitweise, was aber zum Marschieren angenehmer war wie die Hitze und der Staub am gestrigen Tage. Hinter Preluki stießen unsere Vortruppen wieder auf den Feind, und es entwickelte sich ein Gefecht. Ta das Tal sehr schmal ist, können wir aber nicht viel Artillexie entwickeln. Vielleicht geht der Feind auch in der Nacht wieder zurück. Seit gestern früh sind wir etwa 25 Kilometer vorgekommen, und vieles, was wir sahen, deutet darauf hin, daß der Aufbruch des Feindes rasch und in Hast erfolgte.

Am Nachmittag bestieg ich mit meinem Adjutanten die über unserem Parkplatz sich erhebende steile Höhe 636. Von hier aus übersahen wir das Gelände weithin. Der Feind steht bei Szezawne. Kurz vor diesem Ort stoßen die Täler der Oslawika und Oslawa zusammen. In letzterem ist unsere Division vorgegangen, im Tal der Osla⸗ wika, links von uns, die 35. Reserve⸗Divi⸗ sion und davon links die 4. Division. Hier hat uns nun der Feind einen Riegel vorge- choben und nimmt aus seiner Stellung bei Szezawne die dort zusammenstoßenden Täler unter Feuer. Er kann mit wenigen Geschützen große Heeresteile aufhalten. Wir hatten von der Höhe das Panorama einer neuzeitlichen Schlacht vor uns. Man sah die feindlichen Schützengräben, auch eine feindliche feuernde Batterie, hörte ringsum, Kanonendonner, Maschinengewehrseuer und Gewehrgeknatter. Die Höhen und Wälder