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ringsum staken voll von unserer Infanterie, die sich langsam vorarbeitete. Die 5. Bat⸗ terie, die in Stellung gegangen war, wurde von der feindlichen schweren Artillerie derart eingedeckt, daß die Bedienungsmannschaft die Geschütze verlassen mußte. Nach Eintritt der Dunkelheit wurden die Geschütze dann weiter nach rückwärts in Stellung gebracht. Auch zwei Geschütze meiner Batterie kamen abends am Hang der Höhe 636 in Stellung. Wir schlafen wieder im Zelt bei den Protzen, es ist sehr naß, dazu sind auch die Decken immer noch feucht.
10. Mai 1915. Um 4 Uhr aufgestanden und dann wieder auf Höhe 636 geklettert. Infolge des Regens glitt man auf dem kurzen Gras leicht aus. Im Schweiß ge⸗ badet kam ich um 5 Uhr oben an. Es war neblig und regnete. Schon seit 4 Uhr don⸗ nerten die Geschütze, oft setzte heftiges In⸗ fanteriefeuer in den Wäldern ein. Aus den russischen Schützengräben hier oben suchten wir uns Zeltbahnen und wollene Decken zusammen und schlugen ein einfaches Zelt auf, das uns gegen den Regen schützte, es wehte ein kalter Wind.
Etwa um 9 Uhr wurde es hell, die Sonne beschien die schöne Landschaft. Von meiner hochgelegenen Beobachtungsstelle aus konnte ich sehr weit sehen und wichtige Meldungen über Artilleriestellungen und rückwärtige Be⸗ wegungen des Feindes machen. Nach Nor⸗ den, wohin unser Vormarsch geht, kommen wieder sehr hohe Gebirgsketten, die wir auch nehmen müssen. Ich sah geschlossene Truppen abmarschieren und Trains zurück⸗ fahren. Nachmittags sollte unsere Infanterie die feindliche Stellung nehmen. Ich sah hinter den Wäldern unsere Infanterie sich sammeln. Während sie sich dann während vieler Stunden an den Feind mühsam heran⸗ arbeitete, beschoß unsere gesamte Artillerie die stark ausgebauten feindlichen Stellun⸗ gen. Kurz nach 6 Uhr sahen wir unsere Infanterie auf dem 759 Meter hohen Su⸗ lita erscheinen, schon mit vielen Gefangenen. Da schwenkten die Russen in den nächsten Gräben weiße Tücher, kamen zu Hunderten heraus und ergaben sich. Die Teile der Gräben, in denen der Feind noch Stand hielt, wurden bis zum Dunkelwerden weiter von uns beschossen. Dann hörte man noch längere Zeit Infanteriefeuer. Es war ein außerordentlich interessanter Tag für mich gewesen, und wie schön schloß er ab. Der Feind war aus seiner starken Stellung zurückgeworfen, der Sieg Tausende Gefangene gemacht worden. Da⸗ bei waren die Verluste unserer Infanterie ganz gering. In froher Stimmung saßen wir abends um das Lagerfeuer.
(Fortsetzung folgt.)
Uleine Mitteilungen. In Tierschutzzeitschriften liest man jetzt die Mahnung, daß man Zugtiere nicht un⸗
errungen und
nützerweise dem Sonnenbrande aussetzen soll. Diese Mahnung ist natürlich durchaus am Platze. Man sollte aber auch nicht vergessen, daß man jetzt kleine Kinder vor dem Glut⸗ hauch der Sonne behüten soll. Aber wie oft nimmt man wahr, daß größere Geschwister den Kinderwagen mit dem kleinen Bruder oder der kleinen Schwester lange Zeit auf der Straße stehen lassen, wobei das zarte g in schwer zu leiden hat. Auch pflichtvergessene Kindermädchen und leider auch Mütter, denen es an der erforderlichen Einsicht fehlt, tun das gleiche. Vorübergehende, die darauf aufmerksam werden, wagen oft aus Furcht vor unhöflicher Erwiderung nichts zu sagen. *
Auf dem alten Gießener Friedhofe ist ein Grabdenkmal zu sehen, das gewiß schon vielen Besuchern des Gottesackers aufgefallen ist; man findet es, wenn man vom Haupt⸗ eingang den Weg geradeaus geht, in ziem⸗ licher Nähe der Kapelle. Der Grabstein ist eine stumpfe, mit Ornamenten verzierte Säule, auf die ein Würfel mit der Ecke auf⸗ gesetzt ist. Die Grabinschrift lautet:
Christian Theodor Groß Vergebens kämpften Jugendkraft und Ge⸗ sundheit mit den Wellen der Lahn. Bruderliebe und Freundschaft errichteten
dieses Denkmal. Sanft schlummre des Vaterlandes Sohn nach kurzer Wallfahrt.
Wie unser Kirchenbuch ausweist und auch die Grabinschrift erkennen läßt, so liegt hier ein Jüngling bestattet, der beim Baden in der Lahn ertrunken ist. Es war der sieb⸗ zehnjährige Gymnasiast Christian Theodor Groß, Sohn des Pfarrers Groß zu Specks⸗ winkel bei Marburg. Er ertrank am 29. Juli 1819, nachmittags 3 Uhr und wurde am 30. Juli, abends 6 Uhr, zu Grabe gebracht.
Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 7. August. 11. nach Trinitatis. Kollekte für die Innere Mission.
In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarr⸗ assistent Ramge.— Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrer Becker.— Montag den 8. August, abends 8/ Uhr: Helferversammlung der Markusgemeinde.
In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Ausfeld.
Wartburg⸗ Verein.
Sonntag den 7. August, Tagestour nach Waldesruh! Abmarsch 6 Uhr Lahnbrücke; abends 8½¼ Uhr: Vortrag im Heim.
Evang. Arbeiterverein.
Sonntag den 7. August: Familienspazier⸗ gang nach der Rindsmühle. Abmarsch 3 Uhr Ecke Frankfurter und Liebigstraße.
Nerantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen nwersttäts⸗Buch⸗ und Steindruckere R. Lange, Gießen


