Beilage
303
zur „Neuen Tageszeitu ng
Donnerstag, den 34. Dezember 1014.
Weihnachten 1014.
44
7. Jahrgang
Als des Himmel» Tore sich erschlossen.
Mit der heilgcn Engel süß:m Liede'
War der Zanustcmpcl zugcschlosien,
Und im römischen Reiche herrschte Friede'
Damals ließen sroh der Engel Heere Jubelnd ihr erhabne» Lied erschallen!
„Gott dem Herren in der Höh' sei Ehre.
An den M-nscheniindern Wohlgesallen — Völkersriede aus der schönen Erde"
So llang's aus den gottgeweihten Herze» —
Und die Menschheit, frei von Kriegsbcschwerde Sah der ew'gen Liebe Flammenherzen! —
Dürfen heute wir die Hymne singen.
Die entströmt der Engel hetlgem Munde,
Wo im Kamps« große Völker ringen,
Wo manch Herz empfing di« lobeswunde?!
Za! Denn Gott ehrt auch der Helden Sterben Die in dieser großen Epopöe Ihre Leben opsern ihren Erben! —
Katt dem Herrn sei Ehre in der Höhet Ist Er Herr nicht über Tod und Leben?
Hauchte Er uns ein nicht Seine Seele?
Er darf nehmen, was Er uns gegeben —
Startes Herz, sing Ihm au» voller Kehle'
Steht die ganze Welt im Kriegesbrande,
Will Er doch den Herzen Frieden schenken Bis Er einst als König aller Lande Alle kann mit Seinem Szepter lenken!
Eott gesollt gerechter Männer Kämpfen —
Gott spricht auch im Donner der Kanonen,
Den gerechten Streit mag Er nicht dämpscn, Heldenmut wird Gott einst reich belohnen!
Nun, so komme denn vom Himmel wieder, Weihnachtssest, Du frohe» Fest der Liebe —
Klingt, ihr Herzen zubelvolle Lieder —
Tief verkläre alles Dunkle, alles Trübe!
Armin Kraft.
Ans meiner Dorfkirche.
Weihnacht.
Eoonq. Zoh. c. Z. V. 16: Also hat Gott die Welt gelicbet. daß er seinen eingeborenen Sohn gab. aus daß alle die an ihn glaube», nicht verloren werden, sondern da» ewige Leben haben.
Liebe Gemeinde!
Die Wcihnachtsglockcn klingen durch unser Tal und ans de» Fenstern der Kirche strahlen die Hellen Weihnachtslichter m die finstere Nacht hinaus! Dürfen denn in diesem No! ,abr auch Weihnachtsglocken klingen und Weihnacht-lichter leuchten? O >a, sie dürfen es, denn sie wollen ja von nichts anderem erzählen, als von dem einzigen Heilmittel da» es gibt für all die Wunden, die der Krieg geschlagen hat: von r großen unendliche» Liebe! Wir denken an unsere Mäu »er. die an diesem Abend, da die Heimat so ganz besonder >»st, draußen stehen müsien, auf der Wacht vor dem Feind: Sie sichen dort aus Liebe! au» Liebe zum Vaterland, aus Liebe zu uns. ihrem Volk: sie stehen dort, daß uns vie innig lrntsibe Weihnachtsfeier nicht soll geraubt werden können von fremder Art: Und was sie tun in Liebe, ist wahrlich uns- Liebe wert: Unsere Liebe muß sie Tag für Tag füllen m neuer Kraft! Wie die Weihnachtsglocken hinausklingen in Tal, so muß unsere Liebe hinausklingen zu den Brüdern o:> »er Grenze und im Feindesland, wie Weihnachtslichter di Kirche füllen mit hellem Glanz, so soll unsere Liebe den Treue ' da draußen die Herzen füllen mit Leuchten und Glänzen ia cs muß dies Fest gerade ein Weihnachtsfest werden, w:.
't Zabren keines gewesen ist! Denn all die Zähre seith i engen die Kinder — die großen wie die kleinen zu Wcihna.'
Was bekomme ich?! Das war die Selbstsucht im F' »re Lieb«! Diesmal fragen sie: was darf ich hinausscuo und können» nicht abwarten, daß er sortkommt: so kam- :>ie Liebe gerade in diesem Jahre zu ihrem Recht: Da: t : ;l.n wir gern die Weihnachtslichter brennen und die We >!» 'lsglocken klingen lasten in diesem Zahl, klingen und si. gen. brenne» und leuchlcn sollen sie von der Liebe' Za > Liebe, die viel tauiendmal größer ist als all unsere M. d »liebe: Also hat Gott die Welt geliebet! Gottes Liei i' freilich keine weichliche Schwache nein Gottes Liei
r- int auch den heiligen Zorn! Gottes Liebe weiß, daß u., Höchsten und wertvollsten Dinge nur mit dem eigenen L. lau erreiche» kann! Darum wolle» wir nicht fragen, wie Gottes Liebe solchen Krieg zulasten mit seinen Schrecke», i »der» wollen »ns daran freuen, wie gerade in den Schrecke' res Kriegs Gottes Liebe am hellsten zu leuchten beginn ilio hat Eott die Welt geliebet, daß er seinen eingeboren. Sahn gab! Liebe Gemeinde, von der weichlichen, schwächlich, > !R«nj,hienlieb« aus gesehen, wäre das Weihnachtrfest kein Fe-, der Freude, sonder» des Weinens und Klagen»! Denn dl gab ein Vater seinen lieben Cohn! Gab ihn hin in allen Zaminer der Älkelt! Gab ihn hin zum Martertod am Kren! ,!l»> hinter all diesem Schrecklichen, von dem un» da» Wen, a,»!- seit redet, steht die Liebe! Die leuchtende Liebe, die al :r Zammrr der Welt nicht verdunkeln kann, die starke Liebe, die selbst den Tod überwindet! Darum ist da» Weihnachtsf 1 -in Fest des Zubein», und cs jubelt um jo Heller, fe größer d> Nor ist, denn es bringt ja die Liebe, vor der all« Not wci »en muß! Dürfen wir Weihnachten keiern? trugen wir vor
hin und nun antwortrn wir: Za wir müssen Weihnachren seicrn — keine Weihnachten der glanzende» Geschenke — >o.r müßten uns ja solcher Geschenke schämen, wenn si« jetzt aus u» serem Tische lägen —aber ein ßvethnachte» der Liebe, der Liebe Gottes und der Menschen. Wir werden im kommenden Zahl Liebe brauchen, bergehoch, darum laßt uns heute am Fest der Liebe, die Liebe häusen so hoch wir können: Laßt uns treten an die Krippe in Bethlehem und unser Herz dort mit Liebe süllen, daß für nicht» anderes mehr Platz bleibt! Wir Menschen haben ja auch unsere Art von Liebe: Aber eben das sollen wir am heutigen Weihnachtssest lernen, und da» tut uns so bitter not: Menschenliebe will nehme». Gotte» Liebe will geben: die Mutter, die um ihren Sohn betet, die Gattin und Braut, die um den Geliebten zittern und zagen, der draußen im Krieg steht: sie alle denken im letzten Grund doch an ihr eigen Glück, da» zerstört wird, mit dem Tode des sen, den sie lieb haben: Darum ist die Menschenliebe immer wieder mit soviel Leid vermählt, weil sie im letzten Grund eigensüchtige Liebe ist! Der Vater im Himmel aber, der sei nen Sohn hingiebt in Leid und Tod. der Mann Zesus, der
den bitteren Weg geht, hinaus nach Golgatha, sie denken nicht
einen Augenblick an ihr eigene» Glück, sie kennen keine eigen süchtige Liebe! Menschenliebe ist cs, die dich beten lehrt. Gib mir ihn wieder: Gottesliebe wäre es. wenn du beten könn test: Führ ihn zu feinem Heil und Glück, und wenn ich auch selber darüber leiden müßte, daß er von mir gerissen wird' Denn Eotteslicbe ist die Liebe des Hergcbcn» und Opsern»' Solche Eotteslicbe will uns das Weihnachtssest lehren: oie
Liebe des Vaters, der seinen eingeborenen Cohn gab, für
uns! Es mag wohl sein, daß unser Menschenherz sich aus bäumt und von solcher Eotteslicbe nichts misten will: Aber
wenn cs einmal wirklich ihre Macht gespürt hat, dann wer den wir erkennen, wie wir selbst in solcher Goitesliebe reiner und glücklicher als in aller Menschenliebe, und dann wird in unserem Herzen da» Wcihnachtslichi zu strahlen ansang,p Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Cohn gab. aus daß olle die an ihn .Hauben. nicht verloren werde», sondern das ewige Leben haben. Amen.
Die Glocken von Flandern.
Bon Kart Bertling.
Schwer ruht die Nacht aus dem flandrischen Land. Wie ein Fluch, oer keine Erlösung fand.
Zertreten, verheert sind Habe und Gut,
Der Himmel gerötet von Flammenglut.
Die Flur ist zerwühlt, die Ernte zerstampst.
Und warmes Blut von dem Boden dampft An den Kanälen knallt Schuß aus Schuß,
Die Deutschen senden de» eisernen Gruß.
Sie lasten Tod und Verderbe» spcih'n,
Den Feinde» ins slanorijche Land hinein Wer treibt die Burger von Hos und Haus 'Mt Weib und Kind in die Nacht hinaus?
Wer macht die Lande den Wüsten gleich?
Der feige Krämer vom Zusclrcich.
Der herzlose Brite trägt alle Schuld,
Er sicht seinen Sieg in de» Himmel» Geduld:
Er prägte dein Schicksal, er wais den Brand Der Krieges in dein krtedlichcs Land.
Dein Elend heult. Es wiuimcrt roui Turnt Mit bebender Stimme: Feuer und Sturm.
Es wimmert und ächzt mit gcbeocheuem Klang,
Der Tod zieht selber am Glockeustiang.
Es klagt iu den Liizte», cs stöhnt aus dem Feld. Aus zerjchoijcucin Erz eine Stimme geilt:
„Weh. England, dir, deine Krämeibrul Soll ersticke» in dem vergossene» Blut.
Wie Spreu deine Macht iu de» Wtudeit zerbricht,
'Aus dciucir Trümmern tagt Gottes Gericht.
Und wer dich nicht haßt und verderben mag.
Der sei verflucht bis zum jiiagstcn Tag."
Als Sieger wandelt im Morgenrot Durch ausgebrannte Fluren der Tod,
Dort wogt seine Ernte, d:::n reis ist die So'!,
Soll fruchtbaren Aehren, der Schnitter najl.
Sein Schlachtlied brüllt au» ehernem Mund,
Die Erde erzittert bi» aus bcu Grund,
Er stürml : die Gräbs t, cs reißt seine Hand Geschütze zermalmend in blutigen Sand.
Z n Kugelhagel, im Puluerdamps,
Führt England dort den Berzweislnngskamps,
Doch wie ce sich wendet! und drehen mag,
Er steht in den Reihen un» Schlag aus Schlug Mäht blutige Garbe» des Schnitters Zorn Mit riesiger Sen>e durchs brbet'de Korn.
Hast, arme» Flandern, d» nachgedacht,
Wer dich zum Leichenjelde gemacht?
Hast, Flandern, du aus die Glocke zehört '
Kennst du den Heuchler, der dich betört?
Er hat dich verlaust, er übt- Beirat,
Für ihn siel im Felde die blutige Saat,
Er will dein Verderbe», er spottet brr Not.
Du bist verloren, du blutest zu tot.
Die Städte sinken in Schutt »nd Brand,
Zu, Sturmschritt eilt das Entsetzen durch» Land,
Doch mahnend llingt durch da, Schlachtgebrauß Eine Stimme vom brennenden Gotteshaus,
Sie klinget wie England» Sterbelted Und wieder der Tod an den Strängen zieh«:
„Weh, England, Du Haft kein Eewisten mehr,
2>i Schmach und Schande verfinkt Deine Ehr.
Den Meineid lohnst Du mit blutigem Gold,
Das Dir durch die schmutzigen Finger rollt.
Dein Heil ist di« Lüge, Betrug Dein Gebet,
Und wert, daß mit Dir es untergeh«,
Weh. England, Dir, Deine Krämerdrut Soll ersticken in dem vcrgostenen Btut.
Wie Spreu Deine Macht in den Winde» zerbricht. Auf Deinen Trümmern tagt Gottes Gericht.
Und wer Dich nicht haßt und verderbe» mag.
Der sei verflucht bi» zum jüngsten log."
So Nage» dieElocken am brandenden Meer,
So rufen die Land«, verwüstet und leer,
Do schreit Dein Bewohner, dem Wahnsinn nah.
Der Flanderns Verderben durch England sah.
Zn diesem Rus eine Stimme lag Wie eine Ladung zum jüngsten Tag,
.'um Tag des Gerichts, das mit eiserner Hand ö>n Stcrnenrichter den Rächer jand.
HU ihm trug den Fluch Deiner Opfer der Wind, Er zählte die Tränen von Weib und Kind,
Er hörte di« Toten, er nahm sie aus,
Er läßt der Vergeltung den Siegeslauf.
Sie lammt durch die Lust, sie kommt durch das Meer Mit Riesenschritten zermalmend einher.
Sie hemmt kein Gebet und kein Heldenmut,
Denn himmelhoch lodert die deutsche Wut,
Sie schlingt hinab den gekauften Knecht Und nahm ab mit dem Krämergeschlecht.
Der bleiche Glöckner am Strang« zieht,
Er läutet Britannien» Totenlted.
Er läutet und zcrtt an des Schicksal» Strang Er läutet Verderben und Untergang.
Er kam als Rächer für Flandern» Not.
Als Herr der Vergeltung. Dir läutet der Tod.
Und übers Meer weht ein leiser Klang.
Wie Flanderns Glocke» und Geistcrsang:
..Weh, England, Dir, Deine Krämerbrut Soll ersticken in dem vergostencn Blut.
Wie Spreu Deine Macht in den Winden zerbricht. Aus Deinen Trümmern tagt Gottes Gericht.
Und wer Dich nicht haßt und verderben mag.
Der sei vcrslucht bi» zum jüngsten Tag."
Dom Seekrieg.
Wenn wir die englischen und deutschen Schiss-verluste, soweit dieselben bekannt geworden sind, zusammenstellen, dann ergibt sich das folgende Bild: dabei sind Torpedo- und Un- terseeoote, die aus beiden Seiten ungesähr in gleicher Anzahl verloren gingen und im übrigen schnell wieder ersetzt werbe» können, unberücksichtigt geblieben. Es haben verloren:
England
Deutschland:
Linienschisse.
ckudaciou»
23370 Tonnen.
Bulwark
15270
Panzerkreuzer.
Ereg'y
12100 Tonnen
Scharnhorst 11600 X.
Aüoulir
12 100
Gnetsenau
11 BIX) 2.
Hogue
12 190
Port
9 500 T
Goodhope 14 310
Monmouth
'060
Geschützte Kreuzer.
Hawke
7 470 Tonnen
Leipzig
3 350 T.
Hermes
5 7»)
Hela
2040 T
Pegasus
2170 „
Ariadne
2660 I.
Bathsinder
206<,
Nürnberg
3 400 1 .
Amphion
2 500 ..
Emden
3 8 0 T.
Mainz
4 550 I
Köln
4 350 T.
Magdeburg
4330 T
121 300 Tonnen 80 750 T.
Der Verlust England? nach dem Tonncngehalt der vernichtete» Schisse ist also doppelt so groß als derjenige Deutschlands. Legt man aber die Gefechtsstärke zugrunde, so wird der Vergleich für England noch viel ungünstiger: denn die beide» verlorenen Linienschisse allein, insbesondere der Uederdreao nougbt ..Andacious", haben in einer Seeschlacht «inen größeren Kampswcr» als die ausgezähltc» englischen Kreuzer zusammen genommen.
Ferner darf nicht vergcste» werden, daß wir die cnglisrhcn Verluste in rhrcm ganzen Umsange nicht genau kennen. So weigert sich z. B. der britische Admiralestab, di« eigenen Ver- Inste im letzten Kamps mit unseren braven Kreuzern „Scharn- herst" und „Eneisenau" bckanntzugeben. Wenn keine zu oer- .'cichnen wären, läge sicherlich kein Griind für solch« Heimlich- :eit vor. Auch schon srüher sind unbestimmte Nachrichten durch- gedrungen, beispielsweise über den Zustanb der englischen Krcu, zer..Warrior", ..Elourester" und „Glasgow".
Dann sind neben den englischen auch noch verschiedene rus- flsche Kriegsschiffe von unserer Flotte vernichtet worden.
Endlich muß man berücksichtigen, daß es sich bei den deutschen Verlusten bisher vornehmlich um unsere Aurlandslrei zer handelt, die vereinzelt und ohne jegliche Stützpunkte, abge- ichnitten von der Heimat, einer erdrückenden Uebcrmacht gegen- überstanden. Trotzdem haben sie Glänzende» vollbracht. Ein Wott de» bei den Falklandsinjel» mit seinen beiden Söhnen untergegangenen Amiral» Grasen Spee ist in Erfüllung gegangen. Als derselbe vor zwei Jahren die Heimat zur Auslandsreise verließ, wurde er von Verwandten gefragt, was er tun werde, wenn inzwischen Krieg ausbrich«. Er antwortet«: „Dann hosfe ich. mich mit vtelen Engländern aus der« Meeresgründe wiederzusinben." Da» ist ein tapsere» See-


