Ausgabe 
2.1.1914
 
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bei den Agenten monailich SO Pia. f-iniu tritt tzoslgeduhr oder Träger,ohn. An,eigen: Lruntneile 20 Psg iolale 15 Ptg, Aineig'n von aurwäns werden durh t>o,Nachnahme erhoben ttifiiUungsott Friedberg. SchrMIeitoag und Herlag Fricdberg (hesieni, Hanaueritraße 12. Fern precher 48. Posticheck.Lonlo Nr 4859, 91ml Frankfurt a. Ul.

Hfbcrftdit.

Fürstbischof Kardinal l>r. v. Kopp, der an einer bluten Magenverstimmung erkrankt war, ist fast völlig wie­der genesen.

Ten Angehörigen des Infanterie-Regiment» Rr. 99 tu« Zaber,, wurde» aus allen Teilen Deutschlands Liebes­gabe» in (iielb und anderen Geschenken übermittelt. Tie Geldgeschenke belaufen sich aus über 3000 M, die unter die Zoldate» verteilt werden.

Wie dieDaily Mail" nietbet, wird König Christian von Dänemark von Kopenhagen aus mit der Königin, wohr- idKinlicf) auf dem nenerbautcn Riejenpassagierdampscr

König Friedrich VIII. eine Reife nach den dänisch-west­indischen Inseln antrelen.

TieMona Lisa" ist gestern wieder glücklich in Pari« kingrtrossen. Sie traf um 3 Uhr 15 Minuten Berliner Zeit morgens aus Mailand rin. Das Bild wurde von amt» I ch-r Seite als mit dein der geraubtenMona Lisa" identisch erklärt.

Tie Testa,nentcasiäre dcö verstorbene» Kardinals Rampolla ist seht i» eine Phase getreten. Die Polizei hat die Angelegenheit deS verschwundenen oder entwendeten Testamentes der Slaatsanwaltschast übergeben.

Amtlichen Mitteilungen zu folge ist nunmehr den Handrlsschjssen die Einfahrt durch die Dardanellen bis nach Tschndalscha frei gcgcbrn, doch wird der 'Jlat erteilt, mit der Linfahrt nock, einige Tage zu Ivarlen, weil noch nicht alle Creminen beseitigt sind.

Die bulgarische Sobranja ist gestern Vormittag durch den König niit einer Thronrede eröffnet worden.

Im Prozess gegen den Pfarrer Schmidt in Rewhork, der bekanntlich seine Braut Anna Anmüller ermordet hat, sonnte kern endgültiges Ergebnis erzielt werben. Die Eie.

tmrtfn ftft ©TTlrtfJPTT, oljltc T)nf5 ctni* CTTTTIVfüiiU über den Geisteszustand des Angeklagten erzielt worden wäre. Ter Prozeß werde infolge dessen annulliert werden und ein neues Verfahren gegen Schmidt beginnen.

Die mexikanische Polizei verhaftete zwei Personen, die verdächtig sind, ein Komplott gegen Huerta angczettelt zu haben, das am Nenjahrstage zur Aussllhrung gebracht werden sollte.

Mexikanische Revolutionäre sprengten ans der Jntercosanibahn, 170 Meilen östlich von der Stadt Meriko, einen Zug mit Truppen in die Lust und schnitten die Tele- graphcn Verbindungen mit der Stadt Mexiko ab. Einzel­beiten sind unbekannt.

Eine Jlchr!'»» »drr1-Erir»i»er»iilfl.

Im Verlag von Gg. Wigand z» Leipzig ist eine Reihe den Büchern erschienen, die sichAus vergilbten Perganien- tui" betitelt. Die Bücher behandeln ohne Ausnahme Er­innerungen ans der Franznsenzeit und von Deutschlands Er- , chung vor hundert Jahren. Beim Lesen desTagebuches nes Freiwilligen", in dem alle Kriegserlebnisse aus deut- , ein und französischem Boden bis zur Einnahme von Paris ' schildert sind, wurden wir unwillkürlich an die Vorgänge in Zobern gemahnt. Ter Freiwillige, ein junger Pfarrer, ee'logt bitter die übergroße Rücksichtnahme, die man bei der - l oberung von Paris, aus die verwöhnten Bewohner der e-auptstadt Frankreickfs genommen und die zur Folge batte, daß die deutschen Soldaten unter allerlei Spott der Pariser zu leiden hatten. Doch geben wir dem einstigen Freiheitskämpfer selbst das Wort:Dabei sollte der Soldat mit den Franzosen böslich und manierlich umgehen, LebenL- irl zeigen und den bösen Ruf zn Schanden macken, als seien die Deutschen Klötze. Er sollte Edelmut da beweisen, wo ihm das Laster nnd eine empörende Selbstsucht entgegentrat, und um Verzeihung bitten, daß er es wage, sie zu belästigen. Man sah uns recht deutlich an, daß uns das Gefühl des Siegers noch ganz ne» war und uns daher preßte und schnürte. Wir konnten uns in das neue Verhältnis zn Fiankrcich noch gar nicht finden, von dem wir Befehle anzu- rhmen gewohnt waren. . . . Anders muß der Franzolc ge­nommen werden, als es von uns geschah. Mit Ernst und Bestimmtheit, Kraft und Festigkeit richtet man viel bei ihn, aus, mit halben Maßregeln, Schüchternheit und Blödig­keit ni <btsI Nur einer, und das war der alte Fürst Blücher, verstand das französische Volk zu nehmen, allein ihm waren die Hände gebunden. Auch der gemeine Soldat wußte sieh in das rechte Verhältnis zu dem Besiegten zu setzen, selten die Führer oder diese dursten sich wenigstens nicht wagen um nicht in Ungnade zu fallen. So galt denn » cn uns, was der Jäger in Wallenstcins Lager sagt:

Es ging mir schlecht, ,

sollten strenge Manneszucht halten durilen nicht recht als Feinde walten, mußten des Kaisers Schlösser bewachen viel llmständ und Komplimente machen führten den Krieg, als wär's nur ein Scherz. ...

^ 'Sitte Umstände nnd Komplimente hatten dann zur Folge, daß man sich über »nS lustig machte, daß rinn uns freiwillig keinen Trunk Waller reichte und mitten

im Kriege von den Siegern die Beobackstnng aller der Regeln verlangte, die der tiesste Friede nur den, Kommiß- Helden vorschreibt. S e I b st unbärtige Knaben machten sich über uns lustig. . . . Die Sieger Fiankreickss, obgleich sie sich au? Bescheidenheit nicht so nennen mochten, sanden wir mitten in der Stadt im Freilager sehr deniiitig und über die Maßen bescheiden, ein Spott des übermütigen vorneh­men und gemeinen Pöbels, den sie mit tiefem Unwillen er­tragen mußten, um einer ohne Grund gefürchteten Bartho­lomäusnacht vorznbeugen. Ta war der Lohn so vieler An- strengungen, Beschwerden und Gefahren! In zerrissene» Röcken schlichen sie einher und b-knmen Wasser nnd Brot und für schweres Geld ein Glas Wein zn ihrer Eranicknng, während die Einwohner sich gütlich taten. R.uhe. sonst die erste Bürgerpflicht, stand hier an der Spitze militärischer Tugenden, die hier als erkünstelte Mäßiostüt, Großmut und Artigkeit zur Schau getragen und ansgestellt wurden.

Kurz, die Verbündeten traten wie ein unerfahrener Liebhaber auf, den die erfahrene Scheine rupft und hinhält, während er ihre» Schwüren traut. Als sie das Jahr dn- rauf zuin zweitenmal kamen, hatten sie schon siegen gelernt und flöhten den Parisern, völlig Achtung ein, da alle Wachen scharf geladen hatten nnd »nbesanaen und kaltblütig den riederschossen, der sich imterfing, sich über sic lustig z» machen. Ernst inid feierlich zog damals, 1815, eiu preußi­sches Regiment mit klingendein Spiel ein, bekleidet von einer geschlolsencn, niutwilligen und übermütigen Menoe. Der Flügelmann eines Zuges gleitet zufällig a«t3 »ntz fällt. D>i erbebt sich ein tobendes Gelächter. Der Soldot springt auf nnd rennt den einen dieser Spötter annenblicklich mit dem Bajonett nieder und alle find soateick' still und niemand ver- zieht eine Miene. So will der Pariser behandelt sein.

Soweit der Freiwillige von 1813. Es scheint, ols ver­stäuben sich die Teutleben uaA 100 Fahren immer noch nicht in der Rolle de? Siegers.

Linslilche A,raciidiicks"o!i1ik.

Die rnssischc Politik befifM sich wieder einmal, trotz­dem unverkennbare panllawistische Sfröinungen nach wie vor andauern, im Stadinni einer gewissen Konzentration, die fast einen allgemeinen El-arokt-r hat. Dazu träat b"i. daß die Zersplitterung d"r L>"irob!sten. die ans die Rcichsdnnig eine starke vermittelnde Einwirkung hatten, auch dos B!>d der inneren Zerrissenheit beeinträchtiote. Man versucht zwar die Neuaestaltuna d»r Derbästnisse der Reichsduma zn überwachen, o^er man hält es nicht für geboten, mit einiger Reserve dem Kommenden entgegen zn seben. So Hot man znm Beilviel für den polnischen Anteil Rnßlonds eine ge­wisse Selbstverwglfung nnd das Recht einer polnischen Amts­sprache innerhalb derselben durchsetzen wollen, ein Plan, der ziemlich ungeschickt war und auch bald endgültig erledigt sein dürste. Während es in Finntend nach wie nar unrnbig ist und eine weit verzweigte volitische Errealheit sich >» Liv­land und Kurland z-'-t. während in der Mongetei die van Rußland mit vieler Miibe ae'aperten Monaolenstirsten anls neue sich zu einem laten .stiisammenaebe,, mit Gbina cinrich. ten. während schließlich die ganze Bolton- nnd die russische Kteingii-nvalitir sich nach dem Dreibund bin ar!»nl!ert. macht sich die vaslavistiich- Tend-nz doch nach wie vor in dem Ginndoedonken 8er russisch"» Augenbsickspoliiik kweit. Da­zu aeßert vor ov",n die nach wie vor mis großer Ilgaeniers. beit betriebene Sviau.age Ruk-'ands an seinen Grenzen, wie si" ans den großen österreichisch"» Affären so z»r Ge»-"oo be­kennt ist s"rn»r die verzweifele Arbeit, überall wo slawische Zunae kl-not, zuote-cki russavbite Eerrschasto-aenen zu schatten, wann ist Rußland stets bew'ibt. sich selbst van an- deren Mächte» streng ohz»sondern. während es andererseits

Es ist klar, daß eine derartige Pelitjk g»f eine R"!be van Erlolge», ja g»i Eriolge ilberhai-vt, nickt rechnen kann. In Hilten Tga-n schweben nun ouch zwischen De--ischl»»d »nd Rußland Verbandlnngen. die unter Metern Gesichtswjgfes s-llen hg N-e-londnabsgsüg für die Erlaubnis des Fluaes Massiiiews über Deutschland arbeiles. gbue daß es den hent- sck"n Flieger» und Lustlabrzeuge» ähnlich» Bergünstiaunaen ncstgsien w-ll: es wird ans deutsche Luitiahrzeuge nach wie Var von den Grenzfolock-n scharf geschallen. Gleichzeitig wird mit mehr interner Zähigkeit die Auseinandersetzung der fseinastgsischen Frage betrieben. Rußkand ließ geae» die Wirksamkeit der deutschen Milttörmsssion in Stemb-l olle Minen snringe» und sucht nun offenbar, hg ihm Me L-ll-mg dcs türkisch-n Problems nicht van statten ai»a D""tichland i» eine versteckte scheinbare Aiilleilungsvolitik hin"!uzu- z-'ehen. um he» Einkreisu»gsgedausen miss ne-e >» beteben. Dies dürste schwerlich gelingen wnn inan grade im aeae». wnrttgen Auaenblick !» Teuttchland gegen Souderwünsche Mp-M.

Avkrlki trhmiches von -kr |Ifild)yrfi5fnqurtf.

Tie liberale Fleischnotpresie gesollt sich im allgemeinen in der falichen Torstellunq, als ob die langen Beratungen der Fleisck>enouete.Kommis!ion ausgcgangen wären wie das Hornberger Schießen, trotzdem ober veriuckt man einzeln-

für Händler- und städtische Interessen verwendbare Rosinen aus dem angeblich mißratene» Kuchen herauSzu'laiibrii. So berichtet z. B. dieFreisinnige Zeitung", der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Freiherr von Wangenheim, habe in der Konimission erklären müssen:

Was aber ferner aus der Sack>e hervorgeht, ist doch ganz klar das, daß der Viehhändler mit außerordentlich großen und riskanten Schwantnngc» z» rechnen hat, und daß er deshalb gezwungen sein wird mit einer star­ken Risikoprämie zu rechnen, um nicht, wie es diese Aus. stellung zeigt, stets zusetzen z» müssen."

TnS Fortschrittsblatt meint nun weiter, dieses notge- drungene Zugeständnisdes obersten BündlerS" werde der agrarischen Presse sehr uiiaiigcnehm sein, da sie nun nicht mehr, wie bisher, den Zwischenhandel für die Fgleischteue- rung verantwortlich machen dürste.

Daß dieregulären Viehhändler" mit großen Preis- schwankunge» aus den Märkten und häufigen Verlusten zu rechnen halten, daS ist nie von einem Agrarier bestritten worden. Es >var »nS nur zu wohl bekannt, daß diese Hand- lei bestrebt sein mußten, mit einer starken Risikoprämie jii rechnen, »nd deshalb bei günstiger Marktlage entsprechend bohe Gewinne einznkassieren, wenn sie im Durchschnitt> ihre zurzeit unentbehrliche Vermittelungstätigkeit einen an- gemessene» Lohii cinheimscn tvolllen. DaS muß ihnen im ollgenieineii dach Wohl gelungeii sei», denn ohne Pralil. nur mit Verlusten, raucht nicht nur kein Schornstein, sondern hon- delt mich kein Händler. Diese bei den zurzeit so unsicheren, schwankende» Absatzverhältnissen aus den großen V'."hmäikten notwendige hohe Risilopräniie war es eben, die ohne Ver­schulden derregulären Händler" verteuernd auf die Fleilch- Preise einwirken mußte. Deshalb sind von agiaritcher Seite ja auch schon Versuckre gemacht, durch bessere, gleichmäßigere Verteilung des DichangebotS aus die verschiedenen Märkte lLichzentrale) diese für alle Beteiligten schiidlicken großen Preisschwankungen von einem Markttage zum andere» ber- al>zuminder», um so ohne Sckraden kür den legitiiiien Zwisck>enhandel eine Ermäßigung der hohen Risikovrnm'e zn ermöglichen. Wenn diese agrarischen Bestrebiingen iioch keinen größeren Erfolg gehabt haben. Io liegt dos besonders a» dem geringen Entgegenkoinmen von der anderen Seite Sehr verick>ärtt wurde übrigens da« kostspielige Risikc der Viehhändler noch durch die übermäßig hohen Unkosten für überständiges Vieh aus den städtischen Viebhösen. die weit mehr preisverteuernd wirkten als die Schlachtholge- bllhren.

Gegen dieseregulären" Viehhändler haben die Agrarier den Vorwiirf übermäßiger Preisverteuerung nicht erhoben, foubern nur gegen den irregulären, überflüssigen Zwischen­handel, der so viele Stück Vieh schon durch zwei oder drei Hände gehen läßt, ehe sie in Besitz dcS regulären Händlers gelangen.

Ausfallend war eS, daß man in den absprechenden Kri­tiken der Linkenpresse über die Fleilchenquete-Kommission die interessanten Mitteilungen des Herrn Stadtrats Berndl über die Erfahrungen mit der ausländischen Fleischeinsuhr te wenig berücksichtigt. Freilich sehr erfreulich niag es diesen lauten Rutern nach Auslandssleisch nickt geklnnaen haben, wenn ihr Stadtrat etwa folgendes berichten mußte:

Sicher ist aber, daß keine allgemeine und leine nach­haltige Wirkung überhaupt erzielt worden ist. Ter Großhandel in Berlin ist durch diese Einfuhr nur un­wesentlich beeinflußt, der Kleinhandel erheblicher nur in unmittelbarer Nähe der Verkaufsstellen (des Auslands- sleischesl, sür alle übrigen Teile der Stadt ist die Ein­fuhr ohne jeden Einfluß auf die Preisaestaltung geblie­ben. Sämtliche diesbezüglichcn optimistisck>en Erwartun­gen haben sich nicht erfüllt."

Noch lehrreicher war die Erklärung des Vertreters von Berlin-Wilmersdorf:

Als Berlin im April ds. Js. nicht genügend russische Schweine erhalten konnte, Hot man in Wilmersdorf der Fleischhalle den Ankauf inländischer Schweine gestattet, dieses inländisckie Schweinesleisch konnte zu denselben Preisen verkauft werden, wie das russische."

Gleichzeitig ist jetzt die Kostenrechnung für das dema- kratisch-sreinnnige Experiment mit der Einfuhr ausländi­schen Fleisches zur Ausschaltung der deutschen Produzenten bekannt geworden. Sie beläuft sich aus 150 000 Mark, den die Großberliner dafür zuzablen müssen, daß sie Gelegenheit hatten, russisches Fleisch zu Preisen zu erproben, für die -fl in Wilmersdorf auch solches deutsches Ursprungs erhalten konnten. Nun, die reichen Großberliner Steuerzahler können ja schon so eine Bagatelle von 150 000 Mark daran wenden, um ihrer Mißgunst den deutschen Viehzüchtern (das sind doch aber überwiegend Bamrn!) gegenüber einmal tatsäch- lichen Eindruck zu geben. An allzu häufiger Wiederku lung solcher Erperimente wird ihnen aber doch wohl nichts ae legen sein.

TagesülrerNcht.

Dentlches Ueläk-

:: Zuritckzichimg »« d'»tsch«n Besatznngstenpp-!,*>

Norbchina. Aus Diioater fluelle erfährt tez Korreloondcnl bcs

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