Ausgabe 
9.12.1914
 
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Mittwoch, den 9. Dezember 1914.

7. Jassrganll

eur Tageszeitung

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CtTUflanftgort ftrttbbeifl. Sdmftleifamq «mb MrrUg SrtcMcrn lHeffen). hanaueritiatze 12. Fernsprecher 48. Poitfch.ck.Coato Nr. 4859. Amt Franks,et a.

M.

Die Duffen im schnellen Rncknift.

Bei Lodz 5009 Rnffen qefanaen «nd 16 Geschütze erbeutet. 5000 Ruffen von den Oester reichern gefangen. Getäuschte Hoffnungen Rußlands ans dem Balkan.

Der deutsche Generalstab ' = meldet: ==l

WTB. Grosses Hauptquartier, 8. Dez., vormittags. Amtlich.

An der slandcrilchcn Front bereitete die durch die letzten Regengüsse verschlechterten Vodcnberhältnissc den Truppen- bewcgungen große Schwierigkeiten. Nördlich Areas habe,, wir einige kleine Fortschritte gemacht.

Das Kriegslazarett in Lille ist gestern abgebrannt. Wahrscheinlich liegt Brandstistung vor. Verluste von Men- schenlcben find aber nicht zu beklagen.

Die Behauptung der Franzosen über ein Vorwärts­komme» im Argvnnrnwalde entspricht nicht den Tatsachen. Seit längerer Zeit ist dort überhaupt kein französischer An­griff mehr erfolgt. Dagegen gewinnen wir fortgesetzt lang­sam Boden.

Bei Malancourt östlich Varennes wurde vorgestern rin französischer Stützpunkt genommen. Dabei ist der größte Teil der Besatzung gefallen. Der Rest, einige Offiziere und etwa 150 Mann wurden gefangen.

Ein französischer Augriss gegen unsere Stellungen nörd­lich Nonen wurde gestern abgcwiesen.

Im Osten lieeg» oo» der oftprcußischen Grenze keine be­sondere Nachrichten vor.

In Rorbpo!«» folge» die deutschcn Truppen dem ältlich UN» lädäsllich Lodz schnell zurückweichenbrn Feind unmittelbar. Außer den gestern schon gemeldeten ungewöhnlich starken bluti­gen Verlusten haben di« Ruhen bisher etwa 5000 Gefangene nd 16 Geschütze mit Munitionswagen verloren.

In Südpolcn hat sich nichts wesentliches ereignet.

Oberste Heeresleitung.

Die Erkrankung des Kaisers.

Berlin, 8. Dez. Der Kaiser leidet, wie beinahe in jedem Spätherbst, an einer Erkältung mit etwas Fieber, was zur Schonung zwingt, aber nichts Bedenkliches hat. Der Schonung wegen bleibt er noch einige Tage in Berlin. Auch der Reichskanzler ist hier noch anwesend.

Ansprache des Kaisers

an deutsche und österreichisch« Truppen.

Breslau, 8. Dez. Der Chef des Eeneralstabs der Ar­meeabteilung Woyrsch übermittelt derSchlesischen Ztg." mit der Bitte um Veröffentlichung folgende Ansprache, die der Kaiser vor den Abordnungen der zur Armccabteilung Woyrsch gehörenden Truppenteile und der österreichisch - ungarischen Truppen gehalten hat:

Kameraden! Ich habe mir Deputationen der im Osten lämxsendcn Truppen hierher bestellt, weil cs mir nicht möglich ist, auch all- vorn in den Schützengräben begrüben zu können, lleberbringt eueren vorne kämpfenden Kameraden meine herz­lichsten Grüße sowie meinen kaiserlichen Dank und den Dank des Vaterlandes für euere heldenhafte Haltung und Ausdauer, die ihr in den letzten drei Monaten der russischen llebcrmacht bewiesen habt.

Bei uns zu Hause spricht man mit Recht, dab jeder in Osten kämpfende ein Held ist. Ihr habt die Ehre, Schulter an Schulter mit dem Heere Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef, meines Freundes und geliebten Vetters, zu kämpfen für eine gerechte Sach-, für die Freiheit, für die Existenzberechtig­ung einer Nation und einen zukünftigen langen Frieden. Wenn es auch noch lang- dauern kann, wir dürfen dem Feinde keine Ruhe lasten. Wir werden weiter kämpfen mit dem Erfolge wie bisher: denn der Himmel ist aus unserer Seite. Mit Gott werden wir uns einen langen Frieden erkämpfem Denn un­sere Nerven sind stärker als die unserer Feinde.

Mein kaiserlicher Freund hat mir schon mehrfach die Tapferkeit der mit unseren österreichischen Brüdern zusammen- kümpfcndcn Truppen hervorgehoben und, wie ich sehe, euch durch allergnädigste Verleihung von Auszeichnungen seinen Dank gezollt. Wenn ihr zurückkchrt in eure Stellungen, nehmt eueren Kameraden meine herzlichsten Grüße mit und saget ihnen: Wenn ich auch wieder nach dem Westen muh, dag meine Gebauten stets bei euch sind und meine Augen stets aus euch ruhen, als wenn ich hinter euch stände.

Und nun zum Echlutz, laßt uns unseren fteudigen Gefüh­len Ausdruck geben, indem wir rufen: Seine Majestät Kaiser Franz Josef und fein Heer hurra! hurra! hurra!

Di« Breslauer Zusammenkunft. Wien, 8. Dez. (W. B.

Nichtamtlich). Der Kriegskorrespondent desFremdcnblattcs" erfährt noch folgende Einzelheiten von der Breslauer Zusam­menkunft am 2 Dezember: Kurz vor der Rückfahrt des Erz­herzogs Friedrich und des Erzherzogs Thronfolgers Karl Franz Josef sowie des Chefs des Gencralstabcs Freiherr» Conrad v. Hötzcndorf waren Kaiser Wilhelm und die Säfte zu ei­nem intimen Frühstück vereinigt. Während der Tafel erhielt der Kaiser ein dringendes Telegramm. Der Kaiser öffnete es, stand auf, erhob sein Glas und brachte ein Hurra auf die österreichisch-ungarische Armee aus. Dan» verkündete er hoch­erfreut die Rachrichl vom Falle Belgrads. Die Zusammen­kunft wählte von früh bis 2 Uhr mittags. Der Kaiser hatte die Gäste am Bahnhof erwartet und geleitete sic bei der Ab­fahrt wieder an den Zug.

Unser Sieg bei Lodz.

Freude in Oesterreich. Wien, 8. Dez. (SB. B. Nicht­amtlich). Die Blätter heben die militärische und moralische Bedeutung der Besetzung von Lodz sowie der von den Ver­bündeten auf dem östlichen Kriegsschauplätze erzielten Erfolge hervor. DieNeue Freie Presse" glaubt, in Frankreich mahle die beklemmende Frage aufgeworfen werden, ob die Politik der Rache noch nicht zusammcngebrochcn und die Menschen, die ihr Leben für sic hingeben, nicht ohne Nutzen für ihr Land ge­opfert wurden? Diese Erkenntnis müsse nach den durchgreifen­den Erfolgen in Polen zu reisen beginnen. Auch auf dem Balkan habe niemand mehr Glauben an Ruhland, besten inne­res Wesen alle dortigen Völler kennen würden, auch jene, in deren Städten zuweilen Kundgebungen für die moskowitische Despotie stattfindc», und denen der Rubel nicht immer ganz ftemd sei.

Auswärtige Stimmen. Konstantinopel, 8. Dezbr. (SB. B. Nichtamtlich). Die Nachricht von der Einnahme von Lodz hat hier ebenso wie die in dem heutigen Communique des Osmanischcn Hauptquartiers mitgetcilten, in der Gegend non Batum und Aserbeidschan errungenen Erfolge bei der türkischen Bevölkerung große Freude hervorgcrufen.

Ein schweizerisches Urteil. Basel, 8. Dez. (W. B. Nichtamtlich). Bei der Besprechung der Kriegslage stellt die Nationalzeitung" fest, daß der Slrtikel des Generals Lacroix imTcmps" vom 4. Dezember zwar sehr interessant sei, aber Irrtümcr ausweise. Das Blatt findet cs auch auffallend, datz in diesem Aussatz Lacroix den Bormarsch der neuen Armee von Kalisch und den Angriff über Noworadowsk »nd Pctrikau mit keinem SBorte erwähne. Das Blatt bespricht den Abmarsch der früher bei Czenstochau stehenden Slrmee der Verbündeten, der nicht, wie man dem Croquis derTimes" und desFigaro", das auf de» ersten Blick als eine Fälschung erkannt werde, ent­nehmen müßte, gegen Schlesien, sondern gegen Pctrikau gerich­tet sei. Das Blatt schließt, es sei wohl mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Russen den Spieß nochmals umkehren »nd, von ihrer llebcrmacht Gebrauch machend, den Schaden heilen würden: von schlimmer Vorbedeutung für die Slussichten einer solchen Reparatur sei aber der Vorfall, der Rennenkamps in das Gefängnis geführt habe und vor ein Kriegsgericht bringen werde, der Umstand nämlich, daß die russische Armee laut ei­nem Bericht des Petersburger Korrespondenten derTimes" schreckliche Entbehrungen ausgestanden habe und bereits in ei­ner Verfastung zu sein scheine, die schnell- Märsche und Ma­növer nicht begünstige. So imposant die absolute Alkoholabsli- nenz der russischen Armee fei, so sei damit noch lange nicht al­les getan: man dürfe den Soldaten wohl das Trinken abge- wöhnen, aber nicht das Essen.

Der Eindruck in Norwegen. Kristiania, 8. Dez. Die hiesige Presse bcspriäst in ausführlichen Betrachtungen ihrer miltärischen Mitarbeiter die deutsckic Besetzung von Lodz.

, Morgenbladet" sagt, nicht allein militärisch sei dieser Sieg sehr bedeutend, da nunmehr die Deutschen die Eisenbahn nach Warschau vollkommen beherrschten, sondern noch schwer­wiegender sei die inoralische Bedeutung dieses deutscher WnsfcncrfolgeS. Die Eroberung von Lodz H ein fühl­barer Schlag für die gesamte russische Welt, iw die Stadt der zweitgrößte Ort Polens und der bedeutendste Mittel- Punkt der russisch-polnischen Industrie' sei und schließlich auch deshalb, weil sich um Lodz die gewaltigsten Kämpfe der Niesenschlacht im nördlichen Polen konzentriert hatten. Beide Gegner hätten hier ihre stärksten Kräfte eingesetzt und ihre äußerste Kraft angespannt. Aus dieser Probe 'eien die Deutschcn also als Sieger heroorgcgangen.

Mißstimmung der Engländer. London, 8. Dez. Wäh- rend bisher die englischen Zeitungen immer noch fortfahr-», die Erfolge der Russen in Polen berauszustteichc» lallt es

auf, daß dieDaily Mail" vom Montag jetzt in Fettdruck ihre Rubrik übcrfchrcibt:Die ruffifcfjc Flanke in Gefahr". I» den, bctreffeiidcn Artikel heißt cs: Tie Deutschen der- fuc^cn herauszusindeu, welche der russischen Flanke in Pole» die schnmchere ist» und sie sind bereits in der angegebeneii Meise von beiden Flanken von Plock bis Jloiv ans der Rech- len und bis z» einem Punkte westlich von Piotrkow aus der Linken vorgerückt. Ju einem Artikel des Petersburger Korrefpondcntcn desselben Blattes heißt cs:Lodz ist wäh rend einiger Tage bouibardiert" worden. Einzelne Nächte lang gab es tatsächlich einen Straßenkanipf in eine», weit hinausgezogenen Vorort von Lodz. Eine kleine Abteilung vcn Deutschen versuchte unter jeder Bedingung festen Fuß zu behalten, aber sic wurde zurllckgetriebcn und vou der Kavallerie verfolgt, die dann die Nackiricht brachte, daß eine Menge anderer Abteilungen anrückten »nd daß der Feind sehr stark sei, Ter Plan des deutschen Gcneralstabs scheint nun zu sein, sich im Zentrum mit zwei oder drei Rrmec- korps festziisetze», Ivährcnd an jeder Flanke eine Hecresmacht voll wahrscheinlich vier oder fünf Armeekorps die Stärke des russischen Widerstandes ausprobicren sollte. Ter Zweck dieses Vorgehens ist, herausznfinden, an welcher Flanke ei» Unigchungsversuch mit bessere!» Erfolg als bisher ge- niacht werden kann."

TerDaily Telegraph" schreibt: Der Operativ,ispla.i der Deutschen ist so kühn, daß ein zum mindeste» zeitweiliger Erfolg nicht ansbleibc» kann. Das Vordringen der Deut­schen auf Lodz ist ein Ossensivmarsch ohne Beispiel in den Annalen des Krieges. Rein theoretisch gcsprorben zeigt der deutsche Plan glänzende Strategie. Er könnte der Slruiee des Generals Nußki einen tödlichen Schlag versetzen. Wenn ihre Operationen glücken, könnten die Dcutscheii mit eini­gen! Recht behaupten, daß sie durch ihre eigenartig günstige Stellung die numincrischc lieberlegenheit der Russen aus­geglichen haben.

Die Kämpfe in Flandern.

Amsterdam, 8. Dez. Der Korrespondent derDaily Mail" meldete am Sonntag aus Nordsrankrcich: Der große Kanipf hatte seinen Mittelpunkt in der Umgebung von El- verdiughe. Die Kanonade, die am Samstag und Sonntag am stärksten war, wurde durch einen furchtbaren Gewitte» sturn, unterbrochen. Die Blitze erhellten die Gegend ge- sponsterhaft, »nd Hunderte von Menschen glaubten, die Tcnt- scheu käinen mit Kanone» enormen Kalibers und einer neuen Bclcuchtungsart heranmarschiert. Der Sturni, dec Schnee und Regen vor sich hertricb, machte das über­schwemmte Land südlich Dixmiiide» noch undurchdringlich.,. Die Deutschen haben sich als besonders gute Scharfschützen erwiesen. In einem Falle wurde ein ganzer Transport von einem einzigen Deutschen angehalte», der viele Mannschaf­ten und Vscrdc verwundete. Es >var unmöglich. daS Ver­steck des Mannes zu entdecken. Tic Gründlichkeit der Tcnt- schcn erregt Erstaunen. Zuni Beispiel kennen sic mit mathc- matisckicr Genauigkeit die Punkte zwischen den Laufgräben, an den unsere Soldaten mit Munition oder Proviant vor- überkommcn müssen. Es bedeutet fast den sicheren Tod, an diesen Punkten vorübcrzugehcn.

Unsere Hilsskecnzer bei der Arbeit. London, 8. Dezbr. lW. B. Nichtamtlich). Das Reutcrfche Bureau meldet au» Santiago de Chile: Die Hafenbehörden von Papudo bei Val­paraiso melden, daß der HilsslreuzerPrinz Eitel" die Be­mannung des englische» DampfersCharcas" ans Land gesetzt hat, den er aus der Höhe von Corral versenkte.

i Der österreichische Generalstab !

!i- tt meldet:

Wien, 8. Dez. Amtlich wirb orrlautbart: 8. Dez. mit­tags: Die Kample in Weftgalizien nehmen an Heftigkeit zu. Nunmehr auch »an Weste» her angreifend verjagten unser- Truppen den Feind -US feiner Stellung Dobezycc-Wik- iieza. Der eigene Angriff bauert an. Die Zahl brr Gefaugc- nen läßt sich nach nicht übersrhen. Bishrr wurbrn L»-r 5000 . darunter 27 Offiziere, abgeschaben. In Polen würben cr- »cute Angriffe der Rüsten im Raume fäbnxstlich Piotrkow v-n unseren und deutschen Truppen überall abgrwiese». In den Karpathen hat sich nichts von Bedeutung ereignet.

Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstabs: v. Hüter, Generalmajor.