2. Beilage zur „Neuen Tageszeitung"
ilt. 286 |
Samstag, den 5. Dezember 1914,
7 .Zahrgung
Cipro,»Lira der Kriegsgeschichte.
27. November,
Französisch« Angriffe in der Gegend Apremont östlich Et.
Mihiel wurden zurückgefchlagen.
Das englische Linienschiff „Bulwart" ist am 25. November bei Shcrneß in di- Lust geflogen, «an der etwa 800 Rann starken Besatzung wurden nur 11 gerettet.
Die Engländer haben in Südafrika im Kampfe mit den aujstäiidischen Buren eine Schlappe und starte Verluste erlitten.
28. November.
französische Angriffe in den Argonnen wurden zurückge- wicsen. Im Walde bei Aprcmont wurden dem Feinde einige Schützengräben entrissen.
Starke Kräfte der Russen in der Gegend westlich von Ro. woradowsk wurden zurückgefchlagen.
Der Oberbefehlshaber des deutschen Ost. Heeres v. hindcnburg wird zum Eeneealfrldmarschall. Eeneralstabsches v. L u d e n d o r s zum Eeneralleut- n a n t ernannt.
Die englischen Dampfer ..Malachite" und ..Primo" werden iin Westen des Acrmcllanals vor dem französischen Hasen Le Havre von deutschen Unterseebooten vernichtet.
Die Oesterrcicher drangen weiter in Serbien vor und erstürmten die beherrschende Stellung von Siljach, dabei wurden 900 Gefangene gemacht und drei Geschütze erbeutet.
Die Türken warfen im Tschorollal einen russischen Aus- fallsvcrsuch zurück.
28. November.
Vorstötzc der Russen in der Gegend von Lodz wurden ab- gewiesen, während unsere Gegenangriffe erfolgreich blieben.
Die Zahl der in den letzten Kämpfen von der Armee Hinbenburgs gemachte» Gefangenen hat sich auf über <>8000 erhöht, neben 150 Geschützen und Maschinengewch- * ren.
Trotz ungünstiger Witterung haben die Oesterrcicher in Serbien an der Kolobara weitere Fortschritte gemacht, (1201
Gefangene, darunter 2 Regimentskommandeure)z dagegen ha. den sie Gzernowitz wieder geräumt.
Der bisherige Gouverneur von Belgien, Frhr. v. d. Goltz, geht als militärischer Berater nach Konstantinopel.
Das russische Flaggschiff im Schwarzen Meer ist im letzten Kamps schwer beschädigt worden. Die Perser und Araber fchlictzen sich in Immer größerer Zahl dem heiligen Kriege an.
»0. November.
Der deutsche Kaiser hat sich aus den östlichen Kriegsschauplatz begeben.
Südlich der Weichsel im nördlichen Polen find wiederum 1500 Russen gefangen und 18 Geschütze erbeutet. Ein Ueber- fallsversuch bei Darlehncn führte zur Vernichtung der betreffenden russischen Abteilung.
Die südlich von Valjewo in Serbien vorrückenden Oester- reicher haben i» siegreichen Kämpscn die Sudobor-Höhen gestürmt und 1251 Serben gefangen genommen, sowie 11 Maschinengewehre erbeutet.
In den Karpathen wurden di« Russen unter schweren Verlusten zurückgeworfcn, sic verloren 1500 Gefangene.
1. Dezember.
Die Armee Hin den bürg hat wiedcruni 05 0 0 Rusfcn gefangen, 18 Geschütze und 20 Mafch > - nenge wehre erbeutet.
Ucber 80 800 Russen sind seit dem 1. November von der Armee Hindcndurg gefangen genommen.
Amtlich wird belannt gegeben, daß Teile der deutschen Armee in Rußland ernstlich bedroht waren, abgeschnitten zu werden. In heldenmütigen, dreitägigen Kämpfen durchbrachen sic den von den Russen gebildeten Ring und brachten »och 12 000 gesungene Russen und 25 feindliche Geschütze mit.
Ein Angriff der Russen ans Pizemysl wurde abgefchlagen.
Die Serben wurden östlich der Kolubara auf der ganzen Linie geworfen und zum Rückzug gezwungen. Seit Beginn der letzten Offensive wurden 19 000 Serben gefangen, 17 Maschinengewehre und 10 Geschütze erbeutet.
Nachdem in Portugal die teilweise Mobilmachung beschlos
sen wurde, sollen jetzt portugiesische Truppen zur Untcrstiitzubg der Engländer nach Aegypten gehen.
2. Dezember.
Im Argonncnwald wurde von dem wurttcmb. Regiment Nr. 120 ein starker Stützpunkt der Franzosen genommen und dabei 300 Franzosen gefangen.
Der deutsche Reichstag hat die Kriegsvorlage mit allen gegen die Stimme des Abg. Liebknecht angenommen.
Die Oesterrcicher zogen in Belgrad, der Hauptstadt Ser. biene-, ein.
Die Ei senbahnbrücke über den Wardas, die de» Verkehr von Serbien nach Salonilr verbindet, wurde von aufständischen Mazedoniern gesprengt.
Die Türken besetzte» die Stadt Ardonutsch. östlich d.s Tschorokh-Flusses.
3. Dezember.
Der Kaiser weilte in Breslau, allwo er eine Besprcch ung mit den österreichischen Heerführer» hatte, von da begab er sich zu den verbündeten Truppen auf das Kampffeld von Ezcnstochau.
Die Oesterrcicher setzten die Verfolgung der Serbe» fort, von Lenen sie einige hundert gefangen nahmen.
Der Burensührer, General De Wct, wurde von den Engländern gefangen.
Deutsche Kriegsbriefe.
von Paul Schwede!
Deutsche Kriegsbriefe von Paul Echlveder.
(Nnbcr. Nachdruck verbot?».)
Grosics Hauptquartier, 86» Rvv.
»ober Nacht ist bas Große Hauptquartier vollständig oi»geschneit. Tie Hänge der Ardennen, das schöne Maas- tal und die frcnndlicho Stadt, in der sich der Große Gouo- ralsiab und all die großen und kleinen Aemter znfaninii den ausländischen MilitürattachecO und den Kriegsbericht- crstattcrn befinden, liegt unter einer dichten weißen Deck?, die der an sich schon wundervollen Landsckmft noch einen erhöhten Reiz verleiht.
Nun beißt cs für die vielen Automobile, die hier täglich zu tun haben, vorsichtig zu fahren, denn der schwere »»fall des Prinzen Wilhelm zeigt, daß auch die von Napoleon angelegten schönen Heerstraßen der hiesigen Gegend ihre Tücken haben. Inzwischen ist Prinz Oskar wied?? hier eingetrofse». Er hat sich von dem Nervenchok, der ihn seinerzeit dienstunfähig machte, vollkomincn wieder erholt, doch ist es zurzeit noch unbestimmt, ob er sein altes Rc- g wcnt, die Liegnitzcr Königsgrenadiere, wieder übern.'h- men wird.
Eine traurige Pflicht erwuchs den Herren de? Großen Hauptquartiers am letzten Sonnabend, als sie der Leiche des so plötzlich verstorbenen Generalquartiermeisters von Voigt-Retz folgen mußten. Kann, war es ihm gelungen, sich als tliachfolgcr des Generalquartiermeisters von Stein einzi,arbeiten, als auch schon der Tod ihm die Feder aus der Hand nahm und die Ernennung eines dritten Gcnc- rnlquartierineistcrs nötig machte. 1870 haben wir lväh. rend des ganzen Feldzuges nur mit einem Generalqnar» tiermeister zu rechnen gehabt — dem General v, Podbi- eleli und diesnial bringen uns die ersten vier Monate des Krieges bereits den dritten Herren für dieses schwierige und verantwortungsvolle Amt.
Mit dem ersten Schnee haben sich im Großen Haupt« quartier auch einige
interessante Gäste ei»gesunden. Ta ist zunächst der türkische Botschafter zu nennen, der mit den beiden Söhnen des seinerzeit ,ur Ab- dankung gezwungenen Sultans Abdul Hamid imd ineh- reien türkischen Offizieren hier eingctrosfen ist und bereits eine Audienz bei dem Kaiser batte. Wenn der türkische Botschafter damals im Balkankriegc nicht verwundet worden wäre lind d»as Lazarett in Konstantinopcl hätte anf- suchcn müssen, wer weiß, wie anders dann vielleicht manche» iui letzten Türkcnkricge gegangen wäre. Aber auf jeden Fall wird es sich ja erweisen, ob da unten das alte Feuer noch glüht und ob die
Kruppschen Kanonen wlrklick, so wenig wert gewesen sind, wie cs frohlockend bi« Schneider-Erenzot-Prefse seinerzeit behauptete, dieselbe.« Kanonen, die jetzt in unscrcn Feldstellungen so gute Dienst« tilli, (>?s kommt hinzu, daß die türkische Armee Wohl nur noa, deutsche Geschütze hat, wodurch die Leistungsfähigkeit und Uebcrlegenhcit derselben sich ohne weiteres beweisen lassen lvird, und daß die Türkei bereits die Offensive ev» griffen hat — ein Umstand, bet erkennen läßt, daß der alt« Schlendrian anfgchört hat zu existieren. Welche unabsehbaren Folgen wird nicht auch sür die alten Gegner der Türkei dieser Weltkrieg im Gefolge haben!
Ein weiterer, gern gesehener Gast war der ungarisch« Ministcrprüsidcnt Gras Tisza, der hier ebenfalls vom Kaiser empfangen wurde und dann den österreichisch-ungari- tchen Militärbcvollmächtigten, dem Grafen von Stürgh lind beut Baron von Bienerth seine Aufwartung machte. Man hat Über den Zweck seines Besuches nichts zu erfahren vermocht.
Wie gern möchte manch einer von uns in diesen Tagen des großen Sieges über die Russen lieber drüben im Osten weilen, um die beiden Männer mit feiern zu Helsen, denen er auch diesmal *» verdank«» *•“**
Die Preise der 88 Plg.-Artikel sind rein netto.
88
werden fortgesetzt
„ Jbielm unerreichte Vorteile!
Grosse Posten Kleiderstoffe, Blusenstoffe, Bamenheniden, IPanicnhosen, Untertaillen, Reformliosen für Damen und Kinder, Ucibuiidseel-Anzüge, Kopfkissen, Hamen- und Kinder- Scliürzen, wollene Tücher, Shawls, Hauben, Sweaters, Korsetts, Gürtel, Kindermuffs und S B cIzc usw.
Coupons von 2 bis 3 Meter Velour, «fackenflanclle, Rlienanias, Hcmdcntuehc, weiss Piqu6 und Crois*, 3 bis 4 Meter Handtücher, 2 bis 4 Paar Strümpfe, Handschuhe, 1 bis 2 Stück Kinderwäsche, Frottierhandtücher, 3 Stück Kragen, Kravattcn. Ferner Handarbeiten, vorgezeichnet und gestickt. Erstlingswäsche, Kurzwnren, Gardinen, Taschentücher, Gläsertücher etc. zum Einheitspreis von 88 Pfg.
s BssMösrs Yirteilktlt! Für unsere Soldaten i Besniers wrteiliiil i §
I MiMi! fiMisen Hühner, I-eUiiA», !.üiWWl, üosf- irntl DtirensdiüSer.
Ich empfehle ferner Gelegenheitsposten öÄr KleiderltoHe, Schürzen, WäHche, HerrsnweHsn, Dainonweüen, Reformhclea, Tücher, Hauben, Mälzen, Rode!artihei, Knabensweaters, Pelze, Kindergarnituren.
88
88
Sämtliche Artikel haben höheren Wert!


