Ausgabe 
5.12.1914
 
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1 Beilage zurNeuen Tageszeitung".

!!r. !iM(} [ _ Samstag, den 5. Dezember 1914.

7. Jahrgang

Aus meiner Dorfkirche.

Deutsche Zukunft.

Jcsaija Kap. 2, V. 15. Din ist',, da, Jesaija. btr Svhn tco Amoz. sah von Juda und Jerusalem. E, wird zur letzten Zeit der Berg, da der Herrn Hau, ist, sest stehen, höher den» alle Berge, und über alle Hügel erhaben werde»: und werden alle Heiden dazu lausen, und viel Böller hingehcn und sogen: Kommt, Iaht uns aus den Berg des Herrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege, und wo wir wandeln aus seinen Steigen! Denn von Zion wird da, Geietz «usgehcn, und des Herrn Wort von Jerusalem. Und er wird richten unter den Heiden, und strasen viel Böller. Da werben sie ihre Schwerter zu Pslugscharen und ihre Spietze zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere ein Schwert «ushcbcn und werden hinsort nicht mehr kriegen lernen. Kom­met nun, ihr vom Hause Jakob, Iaht uns wandeln im Licht des Herrn!

Liebe Gemeinde!

Es ist für uns Pfarrer eben in döesen Tagen eine ganz ei­gene Zeit: Eine schöne und doch eine fürchterlich« Zeit. Wir find in der Lage wie eine Ordonanz, die mitten in entscheiden­der Schlacht aus schweißtriefendem Pserd zum Generalstab ge­sagt kommt, und hat eine Nachricht, an der das Leben von vielen Tausende», an der der Sieg selber hängt, und wie sie hcranlommt, da sieht fie, wie eben auch noch andere Boten ge­kommen sind, hohe Herren, die vorgehen nach Rang und Ord­nung, und sie soll mit ihrer Nachricht warten und kann dich nicht warten. So ist es uns eben, es ist fteilich kein Grneral- stab, mit dem wir reden wollen, sondern es ist unser deut­sches Volk selber, sein Herz und seine Seele, und was wir zu sagen haben, ist so wichtig, so wichtig, daß wir meinen, wir müßten verzweifeln, wenn die Leute uns nicht hören wollen: denn wir wissen, cs hängt unseres Volkes ganze Zukunft, gan, * je« Dasein davon ab, was wir zu sagen haben: Und darum ist es uns, als müßten wir schreien, daß es den Menschen in den Ohren gellt: und wissen doch, das Schreien hilft nichts, mir müssen geduldig abwarten, ob Gott unserem Volk viel­leicht die Ohren und die Herzen öffnet, für unsre Worte: Aber was ist's denn, was wir zu sagen haben? Eben das ist es, wovon unser Teztwort geredet hat: Rufen möchten wir es Aber das ganze Land hin: Du deutsches Volk, hör zu: Der Herr. Dein Gott und Deiner Väter Gott, will Einkehr halten dei Dir! Du bist in einem gewaltigen Krieg begriffen, wie noch keiner über die Erde gegangen ist, du bist draus und dra», den Sieg zu erringen in diesem Riesenkrieg, du bist seither schon ein großes Volk gewesen und sollst noch viel größer wer­den: So sehe» wir deinen Weg in gewaltiger Freude und segne» deine» Weg und doch, du deutsches Volk, noch ist das Höchst- und Größte noch nicht gesagt: Dein Herrgott will zu Dir kommen, wie willst Du ihn empsanaen? Das größte Volk, das höchst- und vornehmste Volk der Erde sollst b» werden, wenn Gott bei dir wohnt! Die Heiden und Völker von allen Eudc» der Erd- sollen zu dir kommen, du deutsches Volk und sollen sprechen' Wir suchen Gott den Herrn Himmels und der Erde, kommt und zeigt ihn uns! Zu de» Engländer» sind die Völker bisher gekommen, haben ihnen gebracht ihr Geld und habe» gesucht Handel und Waren, Ge­schäft und Firlesang. Nun komme» sie zu uns! Aber nicht Geschäft und Waren sollen sie bei uns suchen, sondern Gatt, »>cht ihr Geld und Hab und Gut solle» sie uns lasten, sondern «hr Herz! Wie eft haben sie über uns Deutsche gespottet und gelacht, weil wir unser Herz an solch- Dinge gehängt haben, wie Wahrheit und Gerechtigkeit und haben uns Träumer ge­gönnt, weil wir nicht wie sie »ach dem Geschäft gegangen sind, weil wir nicht Geld und Gut mitnehmen wollten, wo wir's fanden, auch wenn's unehrlich war! Und wir hatte» «ns in den letzten Jahre» beinahe von ihnen betören lasten, «nd wollten auch so werden wie sie, und nur reich werden,

aber t» «n, blutete unser Herz und wollte nicht laste» von Wahrheit und Gerechtigkeit. Und nun soll', uns in die Hand gegeben werden, daß wir zu sagen haben aus Erden, und tu» dürfen, wie wir wollen! Und schon kommen die Teufelsrat. schlägc und reden uns in's Ohr. was wir aber reiche Leute werden konnten, wenn wir nun erst einmal die Macht haben, was die besiegten Völker uns für Milliarden zahlen sollen, was wir nachher ungestört in der ganzen Welt viel Geld ver­dienen könnten u. s. f. Gewiß werden und sollen vielleicht so­gar diese Dinge nach errungenem Sieg auch kommen: aber darum kämpfen wir doch nicht! Da ist uns doch das Blut un­serer Männer und Söhne und Brüder da draußen vi e l zu wertvoll, daß es fließen sollte, damit nachher die Uebrig- bleibrnde» recht reich werden und ein Leben in lauter Genuß und Vergnügen führen könnten! Da ist uns unseres Volkes Seele, da sind wir uns selbst doch viel zu gut dazu, als daß wir nach soviel Blut und Wunden nichts weiter werden soll­ten als die Allerweltsgeschäftemacher und Geldverdiener, als die Allerwcltszusammcnkratzer und Geizhälse und was da­raus, wie wir an unseren Feinden sehen, immer wird: die

Allcrweltsbctrüger und Gauner! Nein, wir wollen etwas viel Besteres, viel Adligeres werden: Wir wollen werden: die

Richter der Welt, die die Könige richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit Recht, die nicht dulden und nicht zu dulde» brauchen, daß den Wehrlosen und Friedfertigen Unrecht ge­schieht vom bösen Nachbar, wir wollen werden die Ordner der Welt, die dafür sorge», daß Wohlstand und Gesittung »inkehrt auf Erden, und nicht nur für die Vornehmen, soiidern gerade für die Geringen und Bedrü-Iten, wir wollen werden die Führcr der Welt zu Wahrheit, Recht und Liebe mit einem Wort: zu Gott Einstmals vor Jahrtausenden hat Gott sei­nem Propheten Jesaijas das Bild gezeigt feines Volkes, das jo walten sollte aus Erden, wie wir eben geschildert haben: Das Volk Israel sollte dies Volk Gottes sein voll Herrlichkeit! Aber als dann Gottes Sohn kam, um Gottes Wort wahr zu inachcn, haben sie ihn an's Kreuz geschlagen! Heute kommt Gott zu uns i»> Dröhnen des Weltkriegs! Bietet uns an, was das Volk Israel ausgeschlagcn! Wollen mir Gottes Sohn auch an's Kreuz schlagen? Wolle» wir auch sagen: Wir wollen Macht und Ehre dieser Welt und können Dich nicht brauchen, Dann wird es uns geradeso und vielleicht noch schliniiiicr gehen, als dem Volk Israel. Gott will zu UN» kommen, o deutsches Volk sei bereit, ihn zu empfange». Amen.

vit ßftrifb&frgrbnilTf brr noin Jünbroirtldialtöbaiiinifr^AuöliJüifi für (Obfrijfflfn »nltrhaltmki,

3unpifl)= und loljlritiufibfn in 1914.

Die Eröffnung der Obcrhessischen Jungviehweidcn er- folgte am 28. »nd 29. April und am k. und 2. Mai 1911. Bcsahstcirke und Weidedauer der 1 Provinzial-Jung-

piehweidcn siiid aus nachstehender Zusammenstellung ersicht­lich:

Größe

Besatz stärke

Bezeichnung der Weiden

der

Weide-

Rinder

Fohlen

Bullen

Kühe

Lahr-

ochsen

pro ha Lebend-

Ausirieb

Abtrieb

Anzahl

der

fläche

gewicht

am:

am:

Weidctg.

da

Stück

Stück

Stück

Stück

Stück

Ke

Tiergaiten.......

49,25

119

34

2

4

964

2A./4.

6./10

161

Zell.........

29.00

70

24

2

1237

2./6.

26.,9.

147

Lcuterbach.......

39,0»

16

47

6

2

2

918

1./5.

5./10

157

Wernings.......

30,00

75

24

2

1134

29.; 1.

2J./9.

153

Summe . .

147,>5

316

129

8

4

10

1008

Die Anineldungen von Johlen für die diesjährige Weideperiode liefen außerordentlich zahlreich ein: so wur­den z. B. siir Tiergarten über 70 Johlen geineldet, während die Besatzstarke dieser Weide nur 35 Stück beträgt. Da auch die Anineldungen von Rinder» für die Weiden Tiergarten Wernings und Zell die vorgelchcne Besatzstarke erreichte», inußtei, die für diese Weiden angemeldete» Wallachfohle» und Fohlen ohne Abstainmungsnachweis zurückgcwicsc» be- zw. der Weide Lauterbach überwiesen werden. Letztere Weide war mit Rindern nur zur Hälfte besetzt, weshalb man sich entschloß, ausnahmsweise eine stärkere Besetzung mit Fohlen vorzunehmen und so den auf den anderen Wei­den zurückgewicfcncn Fohlcnbcsitzcrn Gelegenheit zu gebe», ihre Tiere auf die Lauteibachcr Weide auszutrciben.

Ihrer Herkunft nach gehörten die Weidetiere, wie aus nachstehender Zufaminenstcllung hcrvorgeht, vorzugsweise den Kreisen Alsfeld, Büdingen, Friedberg und Gießen an, wogegen die Kreise Lauterbach und Schotten mehr oder w>

Kreis Alsfeld

24

56

Büdingen

30

62

Fricdberg

27

70

Gießen

25

!X)

Lautcrbach

16

36

Schottcii

7

2

' Summa

12!)

316

Während im Kreise Schotten das Weidcbedürfnis in« folge eigener Ausübung des Weidegauges weniger vorhan­den ist, ist die geringe Beschickung der Lauterbachcr Weide ans deren »»mittelbaren Itingebung noch vielfach aiis Vor­urteilen gegen den Weidcbctrieb hcrvorgeruse» durch die Vvii den Weidebeschickern selbst verschuldeten Mißerfolge im Weidegange, zurückzuführen.

Die Futtervcrhältnisfe waren durch die bis Anfang Mai anhaltende warme, trockene Witterung recht günstig. Plötzlich schlug jedoch das Wetter um, und es folgte ein an­dauernd kühler und nasser Zeitabschnitt, was de» Rückgang des Graswuchscs zur Folge hatte, eine längere Aufstalliiiig der Wridctiere bedingte und die Beitütterung von He» zur Notwendigkeit niachte. Da infolge der naßkalten Witter­ung der Graswnchs bedenklich »achließ, erachtete man es vorsichtshalber für nötig, durch Zupachtung von weiterem Wiescngelände sich den erforderlichen Hciivorrat zu sick>erii und die Möglichkeit zu schaffen, den Weidcticren die ganze Weide einräumen zu können. Besonderer Erwähiiung ver­diene» noch die in den Monaten Mai und Juni fallenden wolkcnbruckiartigeu Regen, die zum Teil die Weiden und Stallungen unter Wasser setzten, größeren Schaden jedoch nicht anrichtctcn.

Glücklicherweise änderten sich die Verhältnisse mit An- fang Juli, wo durch Einsetzung wärmerer Witterung die Vegetation sich üppig entwickelte. Das von da ab bis zum

^Hl

Er war so lieb und gut, Er starb zu früh,

Wer ihn gekannt hat. Der vergißt ihn nie.

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Auf dem Felde der Ehre fand den Heldentod fürs Vater­land unser 2. Turnwart im Alter von 20 Jahren

ilhelm Euth

Eardist im I. Carde-Regiment zu Fuß, 6. Komp.

Wir verlieren in dem Dahingeschiedcnen einen treuen Freund, eines unserer tüchtigsten Mitglieder und eisrigen Förderer der ^ Tur-nache.

Ein ehrendes Andenken werden wir ihm stets bewahren.

Erbftast, den 5. Dezember 1914.

Der Jlorßaub des Turnvereins. R

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