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Donnerstag, den 3. Hercmber L^t4. 7. Ial,rgan
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Belgrad gefallen!
80000 Russen in drei Wochen gefangen! — Einmütigkeit des deutfchen Reichstags. — (<iue
fran;össfche Niederlage in Marokko.
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Der deutsche Generalstab b==== meldet:
LS. T. B. Trostes Hauptquartier, de» 2. Tezeniber. vormittags. Amtlich.
Im Westen wurde«» kleine Borstöste des Feindes adgctviesen.
Im Llrgonncnwalde wurden voin württ. Infanterie-Regiment Nr. 120, dein Regiment Sr. Majestät des Kaisers, ein starker Stützpunkt genommen. Dabei wurden 2 Offiziere und annähernd 300 Mann zu lSefangenen gemacht.
Aus Ostpreußen nichts neues.
In Rordpolcn nehmen die Kämpfe ihren normalen Fortgang.
In Südpolen wurden feindliche Angriffe zuriilkgeschlagen.
Oberste Heeresleitung.
WTB. Großes Hauptquartier, 2. Tez., vormittags. Amtlich.
Die in der ausländischen Presse ver- breitete Nachricht, das; in der von uns ge- ,neideten Zahl von 40000 rnssifchcir Gr- fangcnc»« die bei Kntno gemachte«» 23 000 enthalten seien, ist unrichtig. Tic Ostarmee hat in den Kämpfen Wloclatvcc, Kutno, L!od; und Isowiez vom 1l. Novc,nber bis 1. Tezenkber »nehr als 80 000 nnverivnn- dete Rnfsen gefangen genommen.
Oberste Heeresleitung.
Der Stand der Schlachten.
Zur Lage im Weste» schreibt ine „Times":
Hinter dein nndurchdriiiglicheit Vorhang der öcutjcljcii Artillerie, die mit nichr oder weniger Wucht andauernd bonibardicrt, bereitet sich der Feind zu einem Siege vor. Er ist noch lengc nicht geworfen und Hot noch lange nickst die Hosfiinng aufgegcben, die Küste zu erreiche». Wenn auch bei Llpern die deutsche Jnsanteric mit doppelter Kraft wieder tätig ist, so scheint doch Arras der Mittelpunkt des Stnrnies werden zu sollen. Tie Verbündeten sind hier auf den Sturm vorbereitet und voller Zuversicht, datz dem Feinde der Turchbruch nicht gelingen wird.
Dir Schlacht im Ostc». Paris. 2. Tez. Nach einer Meldung des „Matin" aus Petersburg nimmt die Schlacht zwilchen Warthe und Weichsel einen immer weiteren Uin- fong an. Die Deutschen setzten diesmal ihre Verstärkungen nicht auf einen Schlag sondern stückweise ein. Diese Verstärkungen betragen insgesamt zwölf Armeekorps, autzer. dim die siebente österreichische Reiterdivision unter General Kard.
Tic glänzende Heldentat der Deutschen. Ans EhrisOa- nia wird dem „Bcrl. Tagebl." berichtet: Eine Depesche der „Times" aus Petersburg berichtet die Zeitung „Rjetsch", das; die zwei deutschen Armeekorps, die in der vorigen Woche durch die neu erschienenen russischen Streitkräste bei Brzcziny mit Umfassung bedroht wurden, in solgcnd.-r Weise dnrchgcbrochcn sind: Tic Dentlchen sandten noch zwei ArineckorpS durch eine Oeffnung in den russischen Um- fassungsring hindurch dorthin. Was für zwei Korps gefährlich war, gelang jetzt den vier. Sie brachen durch, wenn auch unter Verlusten.
Tic „Post" schreibt:
Wir erfahren aus Mitteilungen unserer Obersten Heeresleitung, datz Teile unserer östlichen Streitkräste in der Tat durch starke russisck>e Kräfte die östlich von Lodz von Süden und Osten her vorgingcn, ernstlich bedroht waren. Ihre Lage wurde durch die Uebermacht des Feindes aufs cußerste gefährdet. In heldenmütiger Weise ist es nun unseren Truppen gelungen, sich in dreitägigen erbitterten Kämpfen der drohenden Umklammerung zu entziehen, den Ring zu sprengen und dem Gegner obendrein bei diesem
todesmutigen Ringen eine geradezu vernichtende Niederlage zu bereiten.
j Der österreichische Generalstab *====== meldet: ---
Wie», 2. Dez. (31?. B. Nichtamtlich). Amtlich wird »er lauibart: Die Ruhe in unscrer Front, in Wcstgalizie» und in Russisch-Polen hielt im allgemeine» auch gestern an. Zn der vergangenen Nacht wurde ein rusiischer Angriss nordwestlich von Wolbrom abgewiesen. Die Kämpfe im Raume westlich Rewo, radomsk und bei Lodz find in günstiger Entwicklung begriffen. Vor Przemysl bliebe» Oie Rügen unter dem Eindruck des letzten Ausfalles passiv. Mehrere seinditchc Flieger warscu er- solglos Bomben ab. Die Operationen in de» Karpathen sind noch zu keinem Abschlust gekommen.
Die Nachricht von dem Einrückc» unserer Truppen in Bel grad löste auf dem nördlichen Kriegsschauplatz unaussprechlichen Jubel aus.
Der Ele,vertretende Lhcj des Gcneralstabs:
«. Hofer, Generalmajor.
SIS ich, 2. Tez. (31?. B.) Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: Da der Feind im Rllckzuge ist^saaden gestern keine gröstere» Kämpfe statt. Die vorgetricbcncn Nachrichtenabteilungen sticstcn auf feindliche 'Nachhuten und machten mehrere hundert Gefangene.
Belgrad gefallen!
Wien, 2. Dezember, (Nichtamtlich).
Der Kaiser erhielt von General Frank, dem Kommandanten der 5. Armee eine Huldigungsdepesche, in der es heißt:
Ich bitte Eurer Majestät an« Tage der Vollendung des 86. Rcgiernngsjahres die Meldung zu Füßen legen zu dürfen, das; die Stadt Belgrad heute von den Truppen der 5. Armee in Besitz genonitnen lvnrde.
Stadt und Heftung Bclgarad.
„Prinz Eugen, der edle Ritter, wollt' dein Kaiser wiederum kriegen Stadt und Festung Bclgarad." So singt man heute noch in deutschen Landen zur Erinnerung an die Masfentaten des tapferen Sawoyer-Prinzen. Und zweihundert Jahren nach dessen Walsentaten haben imserc Der- bündetc» abermals Stadt und Festung Belgrad gekriegt u. werden es hoffentlich nimmermehr herausgeben. Mit lebhafter Genugtuung wurde die Kunde davon in Deutschland und mehr noch in Oesterreich ausgenommen. Glaubte doch Mancher cs ginge zu langsam mit der Zernicht,mg des ruchlosen Staates, der den änderen 'Anlatz zu dem Weltkrieg gegeben hat. Aber wohi nwogen sind die Oesterreich:r vorgegangcn. Zunächst haben sie sich ihre Grenzen im Norden und Osten gegen die mit uncrmetzlichcn Massen vor- dringenden MoSkowiterhorden gesichert und als dieses soweit gelungen war, dann konnte die 'Abrechnung mit Serbien beginnen.
Nicht über die Donau her, sondern von Nordosten bc- gcnn der Einmarsch der Oesterrcicher. Schlag auf Schlag ging es vorwärts. Slus den festesten Stellungen wurden die Serben herausgcworscn und heute belindet sich ein Viertel von Serbien, der Winkel zwischen Donau u. Dring int Besitze der Oesterrcicher, so datz ihnen Belgrad, tvic cs scheint, mühelos als reise Frucht in den Schob gesallen ist. lieber 100,800 Serben, über ein Drittel des Heeres, sind gesallen oder gefangen genouimcn worden, der Rest, wenn auch nach zähem Widerstand leistend, ist nickst mehr im Stande den Gegner aufzichalten. Verzweiflung und Hoss- nnngslosigkcit herrscht im Lande, die durch Hungersnot ge- steigert werden. Tic blutbefleckte und fluchbeladene Regierung, die sich zum niederen Werkzeug der niederträchtigen Pläne Englands und Rutzlands mitzbrauckien lies;, bat bereits zu Beginn des Krieges Belgrad verlassen und ist nach der alten KönigSstadt Kragujewatz übergesiedelt: auch diese Stadt wurde beim Hcrannahcn der Oesterrcicher von der Ncgicrnng fluchtartig verlassen und die Stadt Risch, wo man-sich aber auch bereits nicht mehr sickwr fühlt, als Zufluchtsort erkoren.
Serbien steht also vor dem Ende, nichts hat ihm, wie stark er auch tat, der Dreiverband gebolsen. Gleichwie
Belgien dahin sank, ohne datz ihni England die versprochene Hilfe leisten konnte, Io wird Serbien vernichtet und die fo schiilichst erwartete russische Hilfe bleibt aus. Tie Haupt- stadte der beiden Verbündeten des Dreiverbandes sind in, Besitze Deutschlands und Oestercrichs, das kennzeichne! die Lage. ES ist eine furchtbare Warnung alle» denen, d, Nutzland und England vertrauen und ihre Massen gegen die Centrnlmächte kehren.
jUiit den, Fall Belgrads wird sich das schtietzliche Schicksal Serbiens rasch vollziehen. Das Land, in den, der lionigsinord eine gefestete Einrichtung ist, wird offenbar bald der Vergangenheit angehören. Tie Erinnerung an Serbien wird, wie jüngst ein bulgarisches Blatt betonte, niemals das Gefühl des Beileids erwecken, sondern es w'ird allgenuin mit Genugtuung emvfnndcn werden, wen» die Vorsehung Unrecht und Laster bestraft. Heimtücke, Erösi.n wahn. Räuberei und Meuchelmord hotten in der 'Seele de» gimzcn Volkes Boden gesunde» und diese Eigenschaften reisie» jetzt das ganze Volk mit i» den Abgrund.
Kaiser Franz Jofef.
Berlin, 2. Dez. (SB. B. Nichtamtlich). Die „Noidd Allg. Zeitung" schreib!: Die heutig- 6«. Wiederkehr des Ta- »es, an dem der Kaiser und König Franz Josef den Thron be< stieg, lenkt die Gedanken, nicht allein der Völker Oesterreich, Ungarns, sondern auch der weilcstc» Kreise in Deuilchland vas den ehrwürdigen Herrscher, der sich als treuer Bundesgenosse von drei Hoheuzollernlaiscr» bewährt hat. Der Tag sällt dics- mal in eine Zeit gewaltiger weltgeschichtlicher Ereignisse. Das Bündnis Deutschlands mit Oesterreich,Ungarn, das in langcn Friedensjahren als eines der bedeutsamsten Jatioren im politischen Dasein unseres Weltteils sorgsam gepslegt und entfaltet worden ist, zeigt sich jetzt der Welt in der ganzen Kralt -seiner Unerschüttcrlichkeit. Mit besonderer Genugtuung vermag der Kaiser und König auf die vceslosscnen Kricgsmonate auch des. Haid zurückblicke», weil sie eine» weithin leuchtenden Beweis erbracht haben, wie berechtigt das Vertrauen des Herrschers zur Treue seiner Völker war. Zn diesen Monaten schwerer, aber notwendiger Opfer für des Reiches Sicherheit und seine künftige Blüte, hat die hingebende Anhänglichkeit der Volksstämme Oesterreich-Ungarns an die Krone- alle gegenteilige» Vorher- sagunoen seiner Widersacher zu schänden gemacht und die denk- . bar ernsteste Probe glänzend bestände». In fester Hand hält der dsiuhrige Monarch das Ruder des Staates. Die neuen schweren Pflichten, die ihm der Krieg auscrlcgt hat, haben den greise» Herrscher nicht gebeugt. Mit bewundernswerter Frische des Körpers und des Geistes lenkt der Kaiser und König die Geschicke seines Reiches durch die brandenden Wogen dem Ziele entgegen, das seinen treue» Pollern eine Epoche kraftvollen Aufschwungs verbürgt.
iHinilirrpräfM (6raf Am iilirr die faar.
Budapest, 30. Rov. (SB. B. Nichtamtlich). Abgeordnetenhaus. Bei der Beratung des Berichts belieft send die Verwendung der Honveds und des Landsturms auster- halb des Staatsgebietes ergriff Ministerpräsident Gras Tisza das Wart und führte aus: Man kann jetzt auf Grund der Erfahrungen der letzten Monate sagen, datz der Krieg absolut unvermeidlich war. Einzelne Staaten neideten Deutschland seine graste wirtschaftliche Entwicklung, andererseits wurde unsere Friedensliebe als Schwäche gedeutet und daraus zurückge- sührt, dast die Monarchie unfähig und schwach sei, während tatsächlich unsere Politik von der Friedensliebe aller leitenden Faktoren der Monarchie und namentlich von dem ftiedliebend- sten Monarchen der Welt diltiert war. (Zustimmung). De» Krieg ist heute mehr als jemals nicht nur ein Ringen der Armee», sondern der Völker und Skationen. Zn diesem Ringen haben die ungarischen Truppen und die ungarische Ration austcrordcntlichcs geleistet, wie dieses auch der Höchstkomnie,- dicrcndc, Erzherzog Friedrich, ausdrücklich bezeugt hat. Der Ministerpräsident sagte daraus, er sei glücklich, aus Grund unmittelbarer Eindrücke sagen zu können, dast auch die leitenden Falioren der grasten deutschen Ration von Anerkennung und Vertrauen sär die ungarische Armee erfüllt seien. (Lebhasie Zustimmung). Der jetzige Klieg sei auch der erst- unier dem dualistischen Regime. Der Dualismus hat nunmehr die Feuer, probe bestanden, und dabei durch die Wahrheit erhärtet, dast nur eine solche Gestaltung der Monarchie im Stande sei, Ne höchste Leistungsjähigteit zu bewahren, welche Ungarns berechtigten Setdständigleitsbestrebungen Rechnung trage und oen- noch die Einheit der Eesllhle und Bestrebungen verbürge. Gras Tiszn erltärte lchliestlich, er glaube den Eesühlen aller Ausdruck zu geben, wenn er sage, da» in Strömen vergossene


