Ausgabe 
2.12.1914
 
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Unmmer 883

Mittwoch, den 2. Dezember 1914.

7. Aaqrgang

Tageszeitung

Di- -tzl.or e-sr-!ett«ng" erscheint ,eben Werttag. Regelmäßige BeUagenDer Sauer -u» Hell»»". ..Ate Spin»t,»bk". S.sug-prri«: Be, den Postanstalten vicrieliädrucki Mk 185 de, den Agenten monatlich 50 P!g. Hinzu tritt Postgebühr -der Träger,ahn. -»teigen- Grund,eile -o Psg., totale 15 Psg, Anzeigen von auswärts werden our.t, Pocknachnah.ne erhoben _ ^-ttullungsott errtedberg. KchriMeituug und Verla, äriedberq (Hesicni. Hanaue rittaß« 12. Fernsprecher 18. Pollscheck.Conto Sir. 185 ». Amt Front,urt o. '.VI.

Eine öriiHrijr liflörnint in iii,lfilil|'J!olrii.

-Sieder 9500 Ruffen gefangen und viele Kriegsbeute gemacht. Hoffnungslosigkeit in Serbien.

Griechenland bleibt neutral.

Der deutsche Generalstab =.... meldet: .

W. T. B. Grostes Hauptquartier, den 1. Tezember. vormittags. Amtlich.

Auf dem westlichen Kriegsschauplatz nichts neues.

Auch in Ostpreußen und Südpolen herrschte im allgemeinen Ruhe-

In Nordpolen südlch der Weichsel steigerte sich die Kriegsbeute in Ansnutz» ung der gestern gemeldeten Erfolge. Tie Zahl der Gefangenen vermehrt sich um etwa die der genommenen Geschütze

um 18, autzerdem sielen 28 Maschinenge­wehre und zahlreiche Munitionswagen in unsere Hände.

Oberste Heeresleitung.

Glänzende Waffentat.

Großes Hauptquartier, 1. Tez. (Anittich). AnknüpscuL an den russischen Generalstabsbericht vom 2». November wird »der «in« Episode aus den für Sit dkutlchc» Wasfe» I» erjolg- »eichen Kämpjen bei Lodz sestqest-llt: Di« Teile der deutjchen «roste, welch« in der Gegend östlich Lodz gegen rechte Flanke and Rücken der Rullen im Kamps waren, wurden ihrerseits wieder durch starke, von Osten und Süden her »orgehende eus- stlche Kralle in, Rucken ernstlich dedroht. Die dcutlche» Trup­pen machten angesichts de» vor ihrer Front stehenden Feindes kehrt und schlugen sich IN dreitägigen erbitterten Kämpfen durch den non den Rulse» bereits gebildeten Ring. Hierbei brachten ste noch 12 0 0 0 gelangen« Rulle» und 25 eroberte Ge­schütze mit, ohne selbst auch nur ein Geschütz einzubüßen. Ami säst alle eigenen Perwundete» wurden mit zurückgesührt. Die Verluste waren nach Lage der Sache natürlich nicht leicht, aber durchaus keine ungeheuren. Gewiß eine der schönsten Wasseu- laten des Feldzuges.

Oberste Heeresleitung.

Der Kaiser in Ostpreußen.

Grones Hanptqnartier, 1. Dez. (Amtlich.) Ter Kai­ser besuchte gestern bei Gumbinnen und Darlehmen unsere Trusipcn in Ostpreußen und deren Stellungen.

Oberste Heeresleitung.

Berlin, 1. Tcz. Nach einer Meldung derVossischin Zeitung" ist der K a i s c r gestern Mittag in In st c r b u r g etngetrosscu und bat lion dort aus im Krasttvagen die in Ostpreußen kämpfenden Truppen besucht, die den oberst!» Kriegsherrn mit Jubel begrüßten. Abends »m 7 llhr setzte der Kaiser die Reise fort.

Die Kämpfe in Flandern.

Amsterdam. 1. Tez. DasHandelsblad" weiß zu bc- richten, daß die Kämpfe an der Ajcr-Linie von neuem be­gonnen haben. Die Deutschen hätten dort 120,000 Mann, uni einen kräftigen Versuch zu machen, bei Calais durchzu­brechen. Tie Bcsetzungstruppcn in Belgien seien aus ein Minimum gebracht worden, um den Verbündete», die bei Zonnebcek-Langcmarik vordrangen, entgegenzuarbeiten. Tie Beschießung von Seebrügge habe wenig geschadet. Ein Hotel, die Post. Schule, Schleusen und übrige als stratcgi- ' Ich- Punkte geltende Bauten und Werke seien beinahe -in- l-erührt geblieben. An der Solvat, Coksfabrik seien ledig- lich die Gasrohren zerschmettert. Ta die deutsch» Ge- schütze von Hetzst das Feuer beantworteten, ebenso die 0!e- schütze bei Blankenberghe, fei-das (stcschiitz englischer Krcit- zcr rasch zum Schweigen gebracht tvorden.

Die Kriegslage im Osten.

Bern, 30. Nov. (W. B. Nichtamtlich.) Zu der Krieg, läge bcnierkt der BernerBund": Die Entichidung lieg! noch immer bei dem Offensivflügcl Hindenburgs, dessen wuchtiger Stoß noch viel weiter südlich gedrungen ist, ols die deutschn Meldungen erkennen liehen. Die Russen er- wähnen selbst Tuszyn, das 20 Kilometer südöstlich von Lodz liegt. Das Zurücknehmen dieser Vortruppcn hatte anschinend die Unterlage zu den letzten russischen Sieges-

Meldungen abgegeben. Doch sind dieses Teilerfolge,, welche nur dann von Bedeutung sind, wen» de» Russen eine Um- fassung oder Eindriickung glückt. Tic russische Leitung scheint, im Vertrauen aus die Massen, überuil die Truppen vorzutrcibcn, nach altem russischen Brauch keine Verluste scheuend.

}mt\ nriif tinitidir llrrftärhunfifn.

Die angesehensten.Fachleute der groß,» englischen Presse sind sämtlich in der Annahme einig, daß ein furchtbarer Angriff der Deutschen gegen die Stellungen der Verbiin tcten bei Calais unmittelbar bevorsteht. Die Militärt. tiker schließen das aus den umfassenden Vorbereitungen, die die Deutschen in den letzten Tagen dort getroffen haben.

Tiuies" undCvening News" veröffentlichen von dort folgende Informationen:Täglich kommen riesige Militär­züge aus allen Städten Belgiens mit ungeheuren Truppen- Massen in der vordersten Reihe der Schützengräben an. 00 solche Züge haben Gent, 28 Brügge, 30 Mons, 10 Mau beuge und 50 Brüssel verlassen, alle in der Richtung nach dem nordöstliäzen Belgien. Ganz frische Truppen sind in Tizmuiden, Aper» und Ostende angclanqt, darunter große Mengen Kavallerie aus Braunschweig. Die Deutschen haben mit dem Bombardement von Ramscapclle begonnen. Ein deutscher Aviatiker versuchte zu wiederholten Malen dos englische Hauptauartier in Popperinghe zu zerstöre». Seine Absicht gelang ihm nicht, jedoch töteten leine Bomben eine große Anzahl von Personen. 200 neue Geschütze von 32,5 Kaliber find ebenfalls nach Nordflandern gebracht worden, außerdem 50 Panzcrautomobile, alle geleitet von Kruppschen Ingenieuren. In Zccbrügge sind eine Reihe neuartig konstruierter Unterseeboote aus Kiel eingetroff.ni, sowie eine Anzahl sehr schnell gepanzerter und mit Schnell- feucrkanonen versehener Motorboote.

Tic Presse begleitet diese ihre Tclegranunc mit äußerst gedrückten Kommentaren. Cs ist sehr bezeichnend, daß kein Blatt sich zn der Annahme ansschwiugt, die Verbündeten könnten etwa eine Kegenosscnsivc wagen. Ihre einzige Hoffnung besteht darin, daß, wie dieTimes" sagt die Ver­bündete» stark genug sei» werden, »m auch noch diesen furchtbaren Ansturm der deutschen Kräfte auszuhalter. Können wir nur dies cincmal noch standhalten, so wird Wehl der Winter auf längere Zeit ein Ziel setzen. In­zwischen müssen wir denn immer mehr und mehr neue Männer ins Feld schicken, denn davon allein hängt schließ­lich der Endcrsolg ab.

Freiwillige Mvtortzootslottillcn. Berlin, 1. Tez. Das freiwillige Motorbootkorps hat sich, wie derVossischnr Zeitung" aus dem Osten gemeldet wird, auf den ostprcu- ßischcn Flüssen lebhaft am Kampfe beteiligt. Auf der Me- incl, auf dem Kurischen Haff und vor allen, auf der Weich- scl sind Matorbootslottillen unterwegs gewesen. Auf der W-cickisel hatte» sie regen Anteil an der großen Schlacht kei Dloclawek. Sechs Boote waren hier auf vorgeschobeneui Posten, bestimmt, den I'nkcn deutschen Flügel zu decke». Sic haben mit Maschinengewehren sich tapfer am Kampfe bcteiligt und auch Landungskorps entsandt. Ein Boot er- hielt einmal in kurzer Zeit 10 Treffer. Das schwierige Fahrwasser der Weichsel mit ihren Sandbänken machte den Booten besonders zu schaffen. Obgleich die Boote auf der Wasserfläche dem Feinde immer ein gutes Ziel boten, ist kein Boot verloren gegangen. Leider ist jetzt dnrch den Frost und die Eisverbältnisse die Tätigkeit der Motorboote im Osten gehemmt.

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Der österreichische Generalstab [ meldet: ==!

Ans Wcslgalizien und Ruisijch-Pole». Wien, t. Dezbr. (20. B. Nichtamtlich). Amtlich wird verlautbart: t. Dezb.',, mittags: An uxserer Front in Westgalizie» und Russisch Po­le» im allgemeinen auch gestern ruhiger. Bor P e z e m n s l wurde der Feind bei einem Versuch, sich der »öldliche» Por- jeldstelliingcn der Festung zu nähern, durch einen wegenangriss der Besatzung , u r ii ck g e s ch l a » - n. Der Kamps in den Kar­pathen dauert fort.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Generalmajor.

Eesolge gegen die Serben. Wien, k. Dez. lW. B. Nicht- amtlich). Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemel­

det: Aus »ein südlichen Kriegsschauplatz hat »in weiterer Ab. schnitt i» de» Operationen seinen siegreiche» Abschluß gefunden. Der Gegner, welcher schließlich mit den gejanitcn Streitkräjten östlich der Kolubara und des Ljig mehrere Tage hindurch tzart- näainstc» Widerstand leistete und wiederholt versuchte, selbst zur Ossensiue überzugehen, wurde aus der ganzen Linie gewor. sen und zum Rückzüge gezwungen. Er erlitt neuerdings c,»p> sindliche rterluste. Aus dem Gesechlsseldc von Konotice allein fanden uuscrc Truppen zirka ««« »nbccrdigte Leichen, desglei­chen bedeuten die zahlreichen Gefangene» »nd inalcricllen 2!er. lüste eine »a»,haste Schwächung, denn seit Beginn der letzten Olsensioc wurden über 10,080 (besungene gemacht, 17 Rlaschi- nengcwcbre, 1« Geschütze und za,streiche« sonstiges Material er­brütet.

Budapest, t. Dez. Die Serben entfalten an der Kragujcwatsch Verteidigungslinie einen erbitterten Wider­stand »nd versuchen »«er Aufbietung aller Mittel, unsci« lenigs der dortigen Sähen siegreich vordringcndc» Truppe» aus.zuhaltc». Dadurch wird der Vormarsch unserer Armee wohl erschwert, aber in keiner Weife verhindert,nd der sich um die Serbe» schlietzeude Ring wird immer enger. Durch die Einnahme der Hohen von Lazarematsch waren die Serben zum Rückzug ans die Jasenulschaer Höhen gezwungen, die nur mehr wenige Kilometer von Arandjelowatsch liegen. Auch unsere südöstlich von Valjewo vorrückenden Truppe» kommen siegreich vorwärts und beherrschen bereits die Straße nach Milano- watsch.

Hosinnnqslosigkeit »> Serbien. 2« i c » , 1. Dez. DieKor­respondenz Rundschaa" meldet über Kopenhagen: Der gegen­

wärtig in Petersburg weilende Vertrauensmann des serbischen Ministerpräsidenten Paschitsch, Marko Zcmovitsch, schreibt i» bcrRowoje 20rcmja": Vertusche,, hilft nichts mehr. Die Serbe» habe» bisher mindestens hunderttausend Soldaten vc, lorcn, fast ein Drittel ihrer Armee. 20as Serbien droht, Ist hundertmal ärger als das Schicksal Belgiens. Serbien steht vor der Gefahr der völlige» Vernichtung. Run muß man die volle Wahrheit enthüllen. Jene, die glaubte», dt» Serben sei durch die Ersüllung der Forderungen Bulgariens z» nützen, weshalb Serbien diese» Forderungen »achgeben solle, wollen Serbien ei» Begräbnis erster Klasse sichern. Für diesen Ausweg ist es heute auch schon zu spät.

Absetzung eines serbische» Hecrsührers. Wien, 1. Dezbe. General Bojooic, der Führer der ersten serbischen Armee, Ivuide wegen seines Rückzuges pensioniert: an seiner Stelle

wurde General Mi sic ernannt, der bisherige Stellvertreter ii» Oberkommando.

Rückzug der Russe» aus de» Karpathen. B u d a p e st , 1. Tcz. Die über Homonna hinaus verjagten Russen zogen sich in die nördlichen Teile des Zcmplincr Komitats zurück, wur­den jedoch von unsereii Truppen abermals angegristen und un­ter neuen Verlusten weiter zurückgeworfen. Jetzt sind die Rüsten hier in vollem Rückzug und werde» von den Unseligen verfolgt. Die im Unger Komitat und bei Uzsok ve, sprengten Russen suche» sich zu vereinigen, was unsere Truppe« in bisher crjolgreichcn Kämpfen zu verhindern trachten.

Budapest, ,. Dez. (SB. B. Nichtamtlich).Az Est. meldet: Aus den Zempliner Berichten geht hervor, daß sich die Russen nach dreitägigen Slohkämpsc» samt ihrer Artillerie fortgesetzt zurückziehen. Unsere Truppen folgen ihnen auf dem Fuße. Sie bringen in langen Reihen die Kriegsgefange­ne»: jeder verlangt gleich zu csten. Gestern begruben unscrr Sanitäistruppen in der Umgebung von Hommono eine große Anzahl von Russen.

Das türkische Hauptquartier - - meldet:

Die gestern veröffentlichte amtliche Mitteilung des Großen Hauptquartiers besagt: Am 2!>. Slovcmber haben an der per­sischen Grenze unbedeutende Zusammenstöße mit den Russen stattgesunden.

Die Känipse bei Batum. Petersburg, 1. Dez. Der

Tiflijer Korrespondent desSlowo" meldet, die russischen Truppen südlich von Batum hätten stellenweise gegen eine zehnfache türlische Uebermachl (?) unter Marschall Lima» v. Sanders zu kämpscn.

Die Lage am persische» Gols. Konstantinopel, 30. Nov. Dem englischen Vorgehen aus Vasra wlrd hier nur ge­ringe Bedeutung beigcmcssc». Die Engländer wisten genau, daß sie ihre Positionen am Schatt el Arab nur kurze Zeit zu halten vermögen. Sobald die türkischen Truppen heranmar­schieren. muß die Lage der Engländer dort höchst kritisch sich gestalten. Es bedeutet eine unerwartete Enttäuschung für die