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Nachrichten aus der Leipziger Oſtermeſſe 233
Beſondere Aufmerkſamkeit' erregten in dieſer Meſſe die aus der großen Pariſer Fabrik des Hauſes Store(urſprünglich aus England) Coquerel und Legros d'Anizy zum erſtenmal auf den Platz gebrachten Por zellane und Fayance mitt aufgedruckten ſchwor⸗ zen und kolorirten Kupfern. Ein auf die ſchon vollendete Form abgeklatſchter wirklicher Kupferſtich laßt, wenn das Pagter verzehrt iſt, den ganzen Eindruck zurück, die Sache iſt auch früher ſchon in der Meißner Jabrik und anders wo, mit Erfolge verſucht, aber nie in ſolcher Ausdehnung, und Präciſion dusgeführt worden, als hier. Es ſcheint, daß dieſe gedruckten Porzellane und Favancen, wovon unter andern der unternehmende Buchhaudled Scholl aus Paris ſehr einladende Muſter mitgebracht hatte, bald einen großen Umſchwung bekommen dürften, da das Gefällige ſich auch mit dem Wohlfeilen vereinigt, und die größte Mannigfaltigkeit Statt findet, ſo daß man ſchon jetzt 2000 Teller und Schalen, wovon jedes einen andern Abdruck hat, erhalten kann.“) Die Unternehmer haben gro- ße Vorräthe von olten Kupfertafeln zu den Voyages pittores- ques, Lafentainiſchen babeln, Leben und Porträts großer Man⸗ ner und Frauen, umgebungen von Paris u. ſ. w. gekauft, und können die Abdrücke aus ihren eigenen Fonds ſo oft, als es beliebt, vervie fältigen. Daher die außerordentliche Wohlfeilheit, die, wenn jeder Kupferſtich dazu erſſk gekauft werden ſollte, nicht zu erreichen wäre. ueberhaupt fanden alle Fayance oder ſogenannten terres de pipes einen großen Abgang im Verhältniß ibrer Feinheit und Leichtigkeit, da das ächte engliſche Steingut nur noch in Auktionen zu erkaufen iſt. So macht die Hubertsburger Steingutfabrik in ihrer Art faſt größere Geſchäfte als die konigl. Porzellanfabrik zu Meißen.— Ein anderer gleichfalls von Frankreich aus ſehr viel vertriebener, Artikel ſind die geſchmak vollen Glasarbeiten und Kryſtallgefaße, die allgemein unter der Benennung Kryſtallwa⸗ ren vom Mont Cenis bekannt ſind, groößtentbeils aber anch in und um Laris verfertigt und geſchliffen werden. Doch wettei⸗ fernde Wiener Kryſtallgläſer mit den Pariſer n in Form und Reinheit des Glaſes, und auch dieſe fanden in Leipzig großen Abſatz, greßern noch in den bohmüſche n Bädern erwartend. In Paris hat eine Handlung: Krauſe& Compagnie angefan⸗ gen dieſe Gläſer auf eine ganz neue Art zierlich zu bemahlen. Die Mahlerey vereinigt ſich mit dem lebhafteſten Farbenſchmelz, Dauer und Geſchmack in der Wahl der Gegenſtände. Man kann kaum etwas Zierlicheres ſehen, als eine gläſerne Schale mit ſolcher Ma⸗ lerev. Nichts geht bekanntlich über die Vergoldung der Bronzen und Metallarbeiten der Pariſer. Allein das ausgeſogne, geldarmt Deutſchland kann itzt an ſo koſtbares Ameublement wenig denken. Mit Vergnügen ſah man in Berliner Handlungen Löffel und Be⸗ fiecke von dem neuerlichen durch den Medailleur Loos erfundenen Es caldarium, wodurch das edelſte Metall bis zur Tauſchung nach ⸗ geahmt wird. Es gleicht dem Vermeil ungemein, und wurde von *) S. das alles Wiſſenswürdige im Fache neuer Erfindungen um⸗ faſſende, und an die Stelle der bekannten engliſchen Re⸗ pertory of arts zu ſetzende, Magazin aller neuen Erfindungen(Leipzig Baumgärtner) Nro. 50, n. XIII.
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