wiſſenſchaftlicher Ausbild ung 221

nes Schloſſers oder Kunſtdrehers, noch in einem Komtoir erlernen kann.

Eben ſo wenig koͤnnen die e e. Gewerbe, welche eigentliche Zweige der techniſchen Chemie ſind, der Wlſſenſchaft entbehren. Zwar laſſen ſich in derſelben auf muͤhſam empyriſchen Wege oft richtige Manipulationen auffinden, oft hilft der Zufall auf eine unerwartete Weiſe; aber wenn es auf Verbeſſerungen oder Vereinfachung der Operationen, auf weiteres Vorwaͤrtsſchreiten, auf eigen hoͤhern Schwung des Ganzen ankommt; da kommt derjenige, der mit den Gruͤnden der Sache vertraut iſt, und mit Scharfſinn ihre An wendung ſucht, in einem Tage weiter, als der bloße Empyrkker in einem halben Jahrhundert. Vor züglich iſt dies der Fall bel der Faͤrberei und Zeug⸗ druckerei, deren ſaͤmmtliche Operationen nichts als wahre ſchemiſche Prozeſſe ſind. 1 557

Es gab eine Zeit, in der die Chemie, ſelbſt noch in ihrer Kindheit, ſich beinahe nur mit Gold- machen beſchaͤftigte, und wo nur guͤnſtige Zufälle fuͤr die Vervollkommung der Gewerbe ſorgen muß⸗ ten. So muſte ein am Fenſter haͤngendes mit Koͤnigswaſſer gefuͤltes Glas zerbrechen, die Fluͤſ⸗ ſigkeit an den mit Zinn verlötheten Fenſterrahmen herablaufen, und in eine zufaͤlligerweiſe untenſte hende Jufuſion von Cochenille traͤufeln, um die Veranlaſſung zur Entdeckung des Scharlaches zu geben. Heut zu Tage iſt es anders; die Wiſſen⸗ ſchaft hat ſich vewundernswürdig gehoben, und ſich nach allen Seiten wohlthaͤtig verbreitet; und da⸗