bei der großen Zuckertheuerung 133

Die erſten Verſuche wurden 1796 im Thiergarten zu Ber tin mit fünfzehn Bäumen von der Lenne, die man auch Spitzahorn nennt Acer platanoides und ber Oere, Acer pfeudo platanus zwei inländiſchen, und zwar den gemeinſten Ahornar⸗ ten veranſtaltet. Sie gaben häufig Saft, der durch bloßes Abdün- ſten zu kriſtalliniſchem Zucker gerann.

Die großen Verſuche zu Harbke mit dreihundert Ahorn baumen wurden in den Monaten Jänner und Hornung angeſtellt, weil Herr Hermbſtädt glaubt, daß dieſe Monate die günſtigſten zum Anzapfen der Baume wären; obſchon Kalm, der uns zuerſt in den Abhandlungen der koönigl. ſchwebiſchen Akademie der Wiſſen⸗ ſchaften XIII. B. S. 149 von der Bereitung des Zuckers aus Ahornen in Nordamerika, wo er ſich lange als Raturforſcher aufhielt, eine ſehr vollſtändige Rachricht ertheilte, ausdrücklich ſagt: daß man im Frühjahr, wenn der Schnee fortzugehen anfängt, und die Baume voll Saft ſind, dieſelben anbohre.)

Um das Aus fließen des Safts zu veranlaſſen, wurden die Bäume nach der Mittag, Morgen und Abendſeite zu, mit einem gewohnlichen eiſernen Hohlbohrer von einem halben Zoll Durchmeſſer bis auf den Anfang des Holzes angebohrt. In jede entſtandene Oeff nung wurde ein von ſeinem Marke befreites Stück Hollunderholz befeſtigt, und zwar ſo, daß ſolches ſich gegen den Boden henneigte, worauf unter jeden Zapfen ein irdener Topf zum Auffangen des Safts geſetzt wurde. Die Höhe der Bohrlöcher wurde allemal 18 Zoll hoch vom Boden auf gerechnet.

Je nachdem die Witterung, vorzüglich Sonnenſchein gü⸗ ſtig war, je nachdem ging das Ausfließen des Safts gut von Stat ten. Zwiſchen dem Gefrierpunkt und fünf Grade darüber ging das Ausßießen des Safts bei Tag am beſien vor ſich, und wenn bei Nacht die Kälte nicht unter 2 Grade unter dem Gefrierpunkt des Reaumurſchen Thermometers ſiel, ſo floß er auch noch. Bei Tage floß bei einer Kälte von vier Graden unter dem Gefrierpunkt noch Saft, wenn nur heitere Luft und Sonnenſchein waren.

Der aus den Bäumen fließende Saft war vom Anfang bis zum Ende der Operation farbelos, klar und durchſichtig wie Waſſer, hatte einen reinen, milden, ſüßlichten Geſchmack, und hielt ſich im Zimmer bei 1s Grad Wärme fünf Tage lang, ohne zu gähren;

dann aber ging er in die Wein- und Eſſiggährung über, 5 Die Zeitperiode, während welcher ein Ahornbaum Saft austropft, dauert gegen fünf Täge Kah m ſagt: drei Wochen.

Im Anfange iſt die Ausbeute großer als zuletzt. Die Menge des Safts richtet ſich blos nach der Höhe und dem Durchmeſſer des Baums. Ein Silbenahorn(acer daſycarpus) von 30 Fuß Höhe und 18 bis 20 Zoll Durchmeſſer lief erte in fünf Tagen 33 Wiener Maß. Ein Eſchenahorn(Acer negundo) von 18 Zoll Durch⸗ meſſer lieferte 21 1ſ4 Maß. Eine Lenne mit 14 Zoll Durchmeſſer 24 3ſ4 Maß, und eine Dere mit 1s Zoll Durchmeſſer 29 iſe Maß.

Der Saft, welcher von den verſchiednen Ahornarten ge zapft wurde, unterſchied ſich aber ſehr merklich in Hinſicht ſeines

*) Man mird weiter unten ſehn, wie weit dies gilt. D. H.