*
318 Juſt Pölners Abentheuer
Seiten um. Die Natur behauptete ihr Recht; ein geheimer Schau— der ergreff ihn beim Anblick meh erer Gegenſtände, die ſelbſt eine nicht unbewachte Vernunft erſchuttern konnten. a
Auf einem mit grünem Tuche bebeckten Tiſch ſtand, ein metallnes Krucifix, nebſt einem Tobtenkopfe. Daneben lag ein gro⸗ ßes, ſchwarzeingebundnes Buch mit meßingenen Beſchlagen, die aber grün angelaufen und kaum für Metall zu erkennen waren. An den Wänden herum hingen 1 alte Waffen und Ruſſungen. In einer Ecke ſtand eine la glichte Kiſte mit darinn ſteckendem Schlüſſel, und neben in einem Alkoven ein ordentlich geded tes, aber vor Alter unſcheinbares Bette. Kurz, alles verkündigte einen Ort, den ſeit mehrern Me nſchenaltern der Aberglaube zu betreten nicht gewagt hatte.
Einer ſchüchternen Einbildung würden dieſe Merkmale hin-
reichend geweſen ſeyn, die Nähe irgend eines Geiſtes außer Swei⸗ fel zu ſetzen; allein Pollner, den die Erfahrung mit den Krinmn⸗ men der menſchlichen Verſchlagenheit bekannt gemacht hatte, zog daraus Schlüſſe von ganz andrer Art. Das aufgeſchlagne Buch reitz⸗
te ſeine Neugterde. Er las und fand, daß es in einer peralteten
Sprache eine ſpan iſche Mittergeſchich te enthielt, worinn viel von Meluſinen und verwünſchten Konigstochtern vorkam. Das Buch war
mit Holzſchnitten verſehen, die alles darſtellten was eine regell ſe
Phantaſte erſchaffen konnte. Allein das Merkwürdigſte war ein ſchlech?
tes Gemählde, welches hinten eingeklebt war und einen Litter in altdeutſcher Tracht mit einem Dolch in der Hand vorſtellte— gera⸗ de ſo, wie man ihm das Geſpenſt beſchrieben hatte. N g Pöllners Blicke forſchten nun weiter umher. Er oͤffne⸗ te die Kiſte, und entdeckte recht nach ſeinem Wunſche eine Samm⸗ lung alter Kle⸗du— gsſtücke. Beſonders ſchien ihm ein Fingerring mit einem feuerrothen Tafelſteine zu ſeinem Vorhaben ſehr bequem. Die Ideen zur Ausführung ſeines Plans hatten ſich allmählig geord⸗ net, jeder Reſt von Bedenklichkeit war verſchwunden. Ex zog eine ſchwarze Ritterfleidung an, deren goldne Be—
ben Schärpe, die mit ſchwarzen Schnüren umwun den war. Als⸗ dann rieb er ſich das Angeſicht mit abgeſchabtem Kalk von der Mauer bis es eine völlige Todtenblaſſe erhielt. Endlich ſetzte er ein ſchwarzes Barett mit rothen Federn auf, die ihm tief in das Geſicht herabhingen.
0 Nachdem er das Licht auf den Tiſch geſetzt hatte, warf er ſich ſo ausgerüſtet, in einen Armſeſſel um über ſeinen Plan zu brü⸗ ten, und die zur Ausführung deſſelben beſtimmte Mitternachtsſtunde
abzuwarten. Ein balſamiſcher Schlummer entfernte bald mit dem a
Bewußtſeyn, alle noch übrigen Reſte von Furcht. Er hatte nur eine kurze geit in bieſem Suffande hingebracht,
als ein heftiges Zuſchlagen der Stubenthür, das ſich in ein rollen⸗
des Getoſe verlor, den Sichern weckte. Er ſprang vom Stuhl auf, und ſuchte mit ängſtlichen Blicken den Gegenſtand, den er ſcheute. Aber nirgends war eine Spur eines belebten Weſens. Nur ſtand neben dem Todtenkopfe ein kleiner mit Blut angefüllter Becher; ein blinkender Dolch lag auf der Erde. a 5
2—
ww ²˙Ü0¹ͥ


