3 Fauſt Pöllners Abentheuer
weiteres Schickſal. Der ſüße Bändiger aller Sorgen, ein wohlths⸗ tiger Schlummer drückte ihm bald die Augen zu. Pollner ſchliefß ſo ſanft, als ob er auf Roſen läge. f 5
Er hatte etwa zwei Stunden in dieſem Zuſtande zugebracht, als ihn ein Gerauſch erweckte. Haſtig ſprang er auf, erholte ſich aber bald, als er fand) daß es blos ein durchs Geſtrauch ſetzendes Wild geweſen war 9
Der Vorfall, ſo unbedeutend er war, hatte indeſſen ſeine Folgen. Pollner, deſſen Blicke die Furcht geſcharft hatte, glaubte zwiſchen den Bäumen den Schimmer eines Lichts wahrzunehmen. Er ſchloß daraus! auf die Nähe eines Dorfs, oder ſonſt einer menſch⸗ lichen Wohnung, und hatte das Herz, trotz aller Bedenklichkeiten, die ſich einer ruhigern Ueberlegung anbieten mußten, dieſem uner⸗ warteten Führer zu folgen.
5 Mit neuangeſtrengten Kräften arbeitete er ſich durch das Dickicht des Waldes und wenn die Rerpen ihm faſt ihre wer tern Dienſte verſagen wollten, ſo belebte der immer näher kommende Lichtſchein ſeinen Muth mit neuer Hoffnung. Endlich öffnete ſich die Ausſicht; er gelangte bald auf einen Fußpfad, der, wie er zu ſeinem Vergnügen fand, nach einer mit vielen Lichtern erhellten Wohnung führte. 8
Muthig ging er nun immer vorwärts; das Nachdenken er⸗ griff ihn nicht eher, als etwa hundert Schritte vor der weit o nen Thüre des Hauſes, dem er ſich näherte. Plötzlich ſtand er ſtille. Er ſah eine ganz einſame Wohnung, deren verdächtige Auſſenſeite noch durch die hinter ihr hervorragenden Ruinen eines alten Berg- ſchloſſes verſtärkt wurde. Alles, was eine durch Erzählungen von Aäuberwohnungen aufgeregte Einbildungskraft Abſchreckendes hat, ſtand vor ihm; allein der Gedanke, daß er nichts zu verlieren habe, floßte ihm neuen Muth ein, und als er näher kam, zerſtreute das Rauſchen eines Mühlrades alle ſeine noch übrigen Zweifel. Ueber— dem gab ihm ein ausgehängtes Schild zu erkennen, daß hier für
die Bedürfniſſe der Menſchen auf mehr als eine Art geſorgt werde. Er trat entſchloſſen zur Thür hinein und fragte nach dem Herrn des Hauſes. Riemand ſchien ſich um ihn zu bekümmer n., Ei⸗ ne gewiſſe Aemſiokeit und die feſtliche Kleidung aller Perſonen, die er erblickte, ſpannte ſeine Aufmerkſamkeit. Ein junger Bauernburſch, an den er die Frage zum andernmale that, maß ihn mit einem flüch⸗ tigen Blick, und ging darauf in ein Zimmer, deſſen Thüre auf die Hausflur ſtieß. N.
Es währte nicht lange, ſo trat ein wohlbeleibter Mang im blauen Kamiſol und weißer Schürze heraus. Er hielt in der— einen Hand ein großes gefülltes Bierglas, auf dem oben ein Stück Kuchen lag, und nachdem er mit der andern die rothe Pelzmüge ein wenig gelüftet hatte, ſprach er in einem gewiſſen ſelbſtzufrieb— nen. Tone:„So ſpät noch ein neuer Gaſt? Nu ein Labetrunk bringt Gottslohn, da nimm Er! Heute ſoll ſich alles in meinem Hauſe freuen; es iſt Verlobungstag meiner Gretel, daß Ers weiß! Aber Sapperment! welch ein Aufzug? Er trieft ja, wie mein Nußbaum am Allerheiligen Tag, und iſt von Dornen ganz zerfetzt. Was iſt ihm Leids geſchehen?“ 1


