300 Eine Excurſton nach Tieſchan
Noch geßſel mir, daß dem Dieh ſo vlel ge⸗ geben wird, als es freſſen will. So nothwendig es bei Oekonomſen ſeyn mag, wo das Futter
ſpaͤrlich, und das Geſinde diebiſch iſt, die Porti⸗
onen abzuwiegen und zu meſſen; ſo gewiß iſt es narurgemaͤßer, wo dieſe aͤngſtlichen Ruͤckſichten nicht gebieten, dem Ochſen der da driſcht(nach der Sentenz) und der Kuh, die da melkt, ſo wie dem Kalbe das da waͤchſt, das Maul nicht zu binden. Das geſchieht aber oft da, wo es ſo gar angſtlich nach der Schnur geht. Es iſt mit dem Vieh wie mit den Meuſchen. Wie kann man an elner nur etwas ſtark beſetzten Tafel mit gleichen Portionen bei ſo verſchiedenen Conſtitutionen aus⸗ langen! der Elne bedarf mehr, der andre weniger Reſtauratſon. In Spitaͤlern gehen ficher die mei⸗ ſten bei der Reconvalescenz wegen der aͤngſtlichen oft noch verkürzten Porzionirung zu Grunde. Bei dem Thier ſpricht noch das fuͤr Freiheit und Genuß, daß es ſich ſelten uͤberfrißt und hierinn nur zu oft den weiſen Menſchen beſchämt. Darum ſorge man, wie hier in Ti eſchan, fuͤr reichliche Futter Vorräthe und laſſe dann davon nach Hergensluſt zehren! g Vergeſſen darf ich nicht dle reichliche friſche Einſtreu, die ich uͤberall in den Staͤllen und auf
den Miſtſtätten fand; die freilich durch ſo reiche
Kornfluren ſehr erleichſert wird. Aber ich ſah in noch geſegueteren Gegenden ſich das Vieh im Kos the waͤlzen, aus Mangel an Aufmerkſamkeit, Nach⸗ ſicht und Ordnung.


