Ausgabe 
28.11.1914
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 283

gekämpft und mitgefochten und mitgeholfcn zu Deutschlands Siegen, auch er hat mitgcholsen, die deutschen siegreichen Waf- sen hineintragen in das Findesland. Und wehe uns allen, wenn unsere in der Feldschlacht gefallenen Söhne auf heimat­lichem Boden in heimischer Erde eine Ruhestätte fände», denn dann stände der Feind auf deutschem Boden, dann loderte der Kriegsbrand hell auf im deutschen Lande und verwüstet wür­den unsere gesegneten deutschen Fluren, Einfach und schlicht wird wohl sein Grab sein. Da mahnt kein Marmorlrcuz, sein Stein, kein Kranz, kein sinnig Blümlei» an den Heldennamen dessen, der darunter seine Ruhestätte gesunden hat, ein ein­faches schlichtes Holzkreuz wird darauf stehen, wie es ihm die Kameraden gesetzt haben, ein Seitengewehr und Helm darauf zum Zeichen dafür: Hier ruht ein wackerer deutscher Soldat, der seine Pslicht getan hat, getreu seinem Eott, getreu seinem Vaterland, getreu seinen Lieben in der Heimat, getreu bis in den Tod.

Wie ist auch er vor wenigen Wochen gleich den vielen an­deren voll Begeisterung und voll Siegeszuversicht ausgezogen, wie hat sich sein junges Herz begeistert für die Größe des wie hat sich sein junges Herz begeistert für die Größe des scheu Massen." Wie hat auch er vor wenigen Wochen in düste­rer Todesahnung vom Vaterhaus und seinen Lieben Abschied genommen, in düsterer Vorahnung seines nahen Heldentodes, Auch ihm gingen da die Worte durch das Herz: Wer weiß, ob ich euch wiederseh. Und noch einmal sah er beim Abschied vom Zuge aus aus sein Heimatort, wo er seine Jugend verlebte, wo er so froh, frei und glücklich war, noch'einmal sah er zurück aus den Kirchturm seines Heimatsortes und sprach in düsterer Todesahnung die bedeutungsvollen Worte: Wer weist, ob ich ihn noch einmal seh in »keinem Leben, So war ihm das Bild seiner Lieben, das Bild seiner geliebten Heimat, das ihm in dem alles überragenden Kirchturm verkörpert war, tief in die Seele geprägt und es ging mit ihm auf langem schier endlosen Marsch in drückender Sonnenhitze, es war bei ihm bei den nächtlichen Biwakseuern, wo er mit seinen Kameraden zu- sammensast und erzählte von der Heimat und den Lieben, wie sie zu Hause auch beisammensitzen, an sie denken, für sie sorgen, für sie beten. Dieses Bild von der Heimat und den Lieben ging mit ihm hinein in die heiste Schlacht, und in Gedanken an die Lieben in der fernen Heimat ist er den Heldentod, den ehrenvollen schlichten Eoldatentod gestorben.

Und wer als Held sein Blut sür der Freiheit Gut Seinem Land und seinem Volke gab, der schläft süß im Grab, Es ist nicht so, wie man noch vor Jahrhunderten sagen konnte: *

Hunderttausend Kugeln pfeifen über meinem Haupt hin Wo ich fall, scharrt man mich nieder Ohne Klang und ohne Lieder, niemand fraget wer ich bin. Nein, hier sind Herzen, die in Treue und Liebe dein ge- eenken, sür die dein Herzblut geflossen ist, du sollst ein Denk­mal haben, das nicht verwittert und zerbröckelt und der Zahn der Zeit zernagt, es ist das Denkmal in unseren Herzen, das da bleibt und nicht vergeht. Wie er im Leben war, so wollen wir auch den Toten im Herzen bewahren. Jedem ist sein Ge­dächtnis fest und unauslöschlich ins Herz gegraben, wie er war, treu wie Gold, freundlich und zuvorkommend, hilfsbereit und tapfer, ein guter Kamerad: Ja der Krieg verschlingt die Besten,

Aber bei unserer Klage lastet uns auch nicht vergesten den Trost über unseren gefallenen Helden, Die alten Griechen hat­ten ein Sprichwort, das hiest: Wen die Götter lieben, dem schenken sie einen frühen Tod. Ja es gilt auch heute noch für unser« Zeit: Wen Eott lieb hat, dem schenkt er einen frühen Tod, er nimmt ihn weg von dieser Erde, wo man doch nur Kamps und Streit, Not und Elend kennt und führt ihn in sein himmlisches Reich, wo Freude, Friede und Ruhe die Fülle ist, und wo man Schmerz, Sorge und Herzeleid nicht kennt.

Wohl ist euer Sohn gefallen von tödlicher Kugel, die ohne Wahl sein Opfer trifft, und euer Herz möchte fragen: Warum gerade er unter Hunderten und Tausenden? Aber er ist nicht gefallen ohne Gottes Willen, ohne den Willen desten, der die Menschen lüstet sterben und spricht: Kommet wieder Menschen­kinder. Darum sprich im Glauben: Des Herrn Wille ge­schehe. Und, wenn im Kugelregen der Schlacht, wenn auf blu­tiger Wahlstatt diesem ehrenvoll gefallenen jungen Krieger oas Bewusttsein beseelte: Ich wag« mein Leben im Dienste der Pslicht. ich vergieste mein Blut für Kaiser und Reich, fürs Va­terland u. für meine Lieben daheim, sollte nicht auch euch, liebe Leidtragende, der Gedanke erheben: Unser Sohn ist den schönsten Tod gestorben, den Heldentod aus dem Felde der Ehre. Wir haben unser Teuerster und Liebstes zum Opfer gebracht, weil Eott es gewollt, und Gottes Wille geschehe.

Und wir, die wir hier an dieser Stätte trauernd uns vrr sammelt haben und dabei der vielen, vielen Toten gedenken, wir wollen uns hier geloben, niemals unserer teuren Toten zu vergesten, auch niemals der unermcstlich grasten Opfer, die sie gebracht haben. So wollen wir auch Dich nicht vergesten, Tu getr Wir schmücken auch Dich mit dem Lo,bet­

reib d -, Sieger«. Bleib Du im ewigen Leben mein guter Ka­mel d So wollen wir auch Dein gedenken und nimmer ver­gesten, So woll.-n wir auch Dich zum letzten Mal grüsten von Deine: gekielten n warst der Unsrige und sollst

auch stets der Unsrige bleiben.

Und wenn vor 100 I ihren der begeisterte Sänger der Freiheitskriege todrsahnend sein Do!k an seine teure» Toten gen 'Hut hat ihrer niemals zu vergesten. Io gelten auch heute noch feine Wort« sür unsere Zeit, für diesen Fall:

Und sieb» du einsi, mein Volk, bekränzt vom Glücke I» deiner Vorzeit hcilgem Siegesglanz Vergist der teuren Tote» nicht und schmücke Auch unsere Urne mit dem Siegeskranz. Amen.

Chronik^ .** efchiiflt.

20. Noveruber.

I» Russisch-Polen schritt uns:- - ff südlich Plozk fort. Die über Mlawa und Lipno zurückgegangerun Teile des Fein­des setzten ihren Rückzug fort.

Neue Tageszeitung. Samstag, den 28. November 1911

Die Schlacht in Polen zwischen unseren Verbündeten und den Rüsten nahm einen günstigen Fortgang,

Wiederum schwere Verluste der Rüsten vor der Festung Przemysl,

Lord Newton gibt den englischen Eesamtvcrlust aus 80 000 Mann an.

21. November.

Ucbcr die Zeppelinwerft in Friedrichshafen (Bodeusce) warfen zwei englische Flieger Bomben herab; einer wurde her- untergeschosten. Die Werst bleibt unversehrt.

In der Gegend westlich von Ezenstochau kämpfen deutsche Truppen Schulter an Schulter mit den Oesterreichern und ge­wannen Boden, auch bei Lodz machten die deutschen Angriffe Fortschritte.

Die Oesterreicher haben in den letzten Schlachten in Rus­sisch-Polen über 15 000 Gefangene gemacht.

Schwere Berluste der Engländer in Deutsch-Ostasrika, Ihre Eesamtverluste betragen dort bisher 900 Mann.

Die serbische Regierung zieht sich angesichts des österreichi­schen Vorgehens nach llesküb zurück.

Sieg der Türken über die Rüsten in Transkaukasicn bei Otwin und Lima».

Bei Schett el Arab schlugeir die Türken die Engländer, die schwere Verluste erlitten.

22. November.

Zwischen der deutschen Regierung von Deutsch-Südwest und dem Burcngeneral Maritz soll ein Vertrag zustandegekommen sein, der die Unabhängigkeit der Burenstaaten zum Ziel hat, Bormarsch der Türken gegen den Suczkanak,

Die deutsche Besatzung von Kiautschau ist in ein Konzen­trationslager nach Japan gebracht worden,

2Z. November.

In Polen schob das Auftreten neuer russischer Kräfte aus Warschau die Entscheidung noch hinaus.

Die Oesterreicher haben in der zur Zeit noch andauernden grasten Schlacht in Polen und Galizien weitere 2100 Russen gefangen.

Russische Truppenteile besetzten wiederum einige Karpa- thenpässe.

Im Argonnenwalde machen die Deutschen ständige und erfolgreiche Fortschritte.

Ein kleines englisches Geschwader, das sich zweimal der slanderischen Küste näherte, wurde jedesmal von unserer Artil­lerie vertrieben.

Die Engländer sind unter starken Verlusten von den Tür­ken bei Kantara am Suezlanal geschlagen worden,

21. November.

Die englischen Schisse beschostcn Zeebrügge und Lombard-

zyde

Der deutsche Angriff in Russisch-Polen schreitet nördlich von Krakau fort'

Das deutsche Unterseeboot17 18" wurde in der Nordküste Schottlands zum Sinken gebracht.

In Deutschland wird die Nachricht bekannt, daß der eng­lisch« UeberdreadnougbtAudacions" am 29, Oktober, auf eine Mine gelaufen und gesunken sei.

In Oesterreich befinden sich 110 000 Kriegsgefangene,

Die Franzosen erlitten in Marokko eine bedeutende Schlappe gegen die Aufständischen,

Aus der englischen Insel Man lehnten sich die gefangenen Deutschen gegen die Engländer auf, wobei 1 Deutsche den Tod fanden.

Die Schweiz erhebt in Bordeaux und London Protest gegen das völkerrechtswidrige Uebersliegcn der schweizerischen Grenze bei dem Ueberfall auf Fridrichshasen.

25. November.

Bei Arras machten die Deutschen Fortschritte,

Die Ecgenossensive der Rüsten ist in der Gegend t r Lowycz-Strykow-Brzezyny gescheitert. Auch in der Gegend von Ezenstochau brachen sämtliche russischen Angrisse vor der deut­schen Front zusammen.

Die Oesterreicher machten in der Schlacht in Russisch Po­len bisher 29 000 Gefangene und erbeuteten 19 Maschinenge­wehre,

Die Türken errangen bei Moroni einen neuen Sieg,

Der kurdische Stamm der Schahscoenen hat Täbris fKau- kasus) besetzt,

20, November.

In der Gegend von St. .Hilaire und Souain wurde ein mit starken Kräften angesetzier, aber schwächlich durchgeführter französischer Angriff unter grasten Verlusten sür den Gegner zurückgeschlagen.

In den Kämpfen der Truppen des General» v, Mackensen ; bei Lodz und Lowicz hoben Cie 1. und 2. und Teile der 5. rus- I fischen Armee schwere Verluste erlitten. Auster vielen Toten und Verwundeten hoben sie über 10 090 unverwundelc Eesan- ! gene, 70 Geschütze und 158 Maschinengewehre, 100 Proviant­wagen verloren, o sterdem wurden 30 Geschütze unbrauchbar ge- ! macht. Auch in diesen Kämpfen haben sich die deutschen jungen ! Truppen trotz grostcr Opfer auf das glänzendste bewährt.

Das Einsetzen weiterer russischer Verstärkung schob die Entscheidung hinaus.

Das englische LinienschisjVulwark" ist mit etwa 750 Mann Besatzung bei Shernest in die Lust geflogen.

In den Kämpfen an der Kolubara wurde bei Lazarewatz das Zentrum der serbischen Stellung durchbrochen. Die Serben verloren 1500 Gefangene, drei Geschütze und drei Maschinen­gewehre.

^enilche Feld' riefe.

Ueber die Wirkung des Tum-D»mgeschostes

gibt ein Feldbrief des Cesr. H o r a ch, eines Sohnes des Bei­geordneten Horach in Reichelsheim in der Wetterau interestan« ten Einblick. Der Brief lautet:

Lorgies, den 1. 11. 11.

Liebe Eltern und Schwestern!

Gestern habe ich Brief und Palete erhalten und daraus er­sehen. daß es Euch allen gut geht, was bet mir auch der Fall

ist. Ich will Euch nun einiges über unsere Einrichtung schrei­ben. Lorgies ist etwa mit unserem Heuchelheim zu ver­gleichen; am Nordostausgang befindet sich ein grösterer Guts-

Hof, der mit Sümpfen umgebe» ist. Im Innern des Dorfes befinden sich kleinere Gehöfte, In einem der besten von den vielen Ställen haben wir 11-10 Pferde untergebracht; es ist einer der schönsten Ställe, die ich in Frankreich antras; er hat Mauern von drei Backsteinlängen und ist außerdem noch durch starke Pfeiler geschützt, er bietet also säst vollkommene Sicher­heit, Auch wir haben darin Logis bezogen, im großen Gang stehen neben Futterkästen die Betten, Tische, Bänke und Stühle, Vor dem Stall befinden sich vier Feldlüchen, neben der Türe ist unser Herd, ans dem wir koche», er ist verfertigt aus dem Teil einer Zrck-Zack-Egge. Hinter der Hosrrite stehen unsere Patroncnwagen und die Eescchtsleb.'.ismittelwagen, alles die­ses ist Eefcchtsbagagc der zweiten Tefechtsftaffel, ihr lchlie- ßen sich beim längeren Anhalten einer Schlacht die Offiziers- pserde an. Abends gehen die Küchen- und Brotwagen zu deu Schützengräben, Die vier Küchen und die Patroueuwagen stehen unter dem Besch! eines Feldwebels Außer einem Ge­freiten und einem Arbeilcr habe» wir in jeder Küche auch ei­nen Metzger, der jeden Tag eine Kuh oder zwei Rinder schlack, tet. Dabei hatten wir Gelegenheit, die Wirkung eines Dum-Dum-Eeschosscs festzuftellc». Es ging uns näm­lich ein Rind durch, da nahm ich ein englisches Dum-Dum-Ge- schoß und der Gefreite vom Patronenwagen schoß und tras da­mit das Rind ins Borderblatt, später 'chotz ich cs mit deut­sche: Munition durch de» Kops, etwa handbreit unter den Hör­nern, tot. Beim Zerteilen der Rindes schnitt der Metzger das stcckcngeblicbene Dum-Tum-Geschoß heraus und so konnten wir die Schußwirkung genau seststellen. Das englische Dum- Dum Geschoß sicht so aus:

Aus der Zc» ; ergabt |iri>, das Blei-Geschoß abge- schnitten und seine Spitze durch eine aus Aluminium ersetzt ist. Das ganze ist mit dem Slahlmantel umhüllt. Das Geschoß batte sich nun folgendermaßen entwickelt. Es hatte den Schul­terblattknochen zersplittert, der Keschoßmanicl blieb davor hängen, die Bleisüllung flog durch und beides sah nachher, wie folgt aus:

of/rt/Mfj- 3/ec.

/rtarrff/'. "

Man sicht - . j o,. Geschoßmantel durch die Züge

eingerissen und durch den Einschnitt b, ganz herumgebogen wurde. Die Bleikugel druckte, sich beim Aufschlag ganz zusam­men und trat aus dem Stahlmantel heraus.

Dies grausame und barbarische Geschoß stellt England ln bas rechte Licht.

Gefreiter Horach.

Der Briefschreiber sendet uns auch ein Gedicht, dem wir als Stimmungsbild folgende Verse entnehmen:

Eald'ner Friede herrscht aus Erden Hirten hüten ihre Herden.

Zu der goldenen Sommerzeit,

Niemand denkt an Völkerstreit.

Deralte Mann" zählt die Parole Noch 80 Tag! Dann:Eott besohle".

Plötzlich zuckt es jäh aus am Himmel.

Ueber'm Balkanstaatgewimmrl.

Den Frieden stör'n die bösen Serben,

Oesterreich'» Thronfolger muß sterben,

Doch unser Kaiser ist bereit.

Oesterreich-Ungarn hat's bewiesen,

Wie treue Wassenbrüder schießen.

Tapfer kämpst's mit seinen Heeren,

Kaum kann Rußland sich erwehren.

Wenn Deutsche sich mit Oesterreich paaren. Dann wird der Zar schon was erfahren.

Jetzt droht des Gewitters Schwere, England pocht an deutscher Ehre.

Aus! spricht Erey zum grankenreiche, Rüttle an der deutschen Eiche,

Hast Du 70 die Blamage,

Fordere Dir doch jetzt Revanche!

Der Franzmann damit einverstanden, Sieg!" sehr schnell in deutschen Landen. Sieht die deutschen Heere slieh'n Ist sehr bald auch in Berlin.

Geteilt wird dort dar Deutsche Reich Mit La Russte und England gleich.

Der deutsche Michel denkt: Run ja! Kommt nur her. ich bin schon da!

Schon ist der Franzmann in Mülhausen, Da hört er deutsche Kugeln sausen.

Fahr wohl du schöner Traum: Berlin,

Ich muß jetzt schnell den Belfort hin.

Die Schwaben. Hessen, Sachsen, Bayeo», Mit Preußen ihren Bund erneuern.

Hier ist kein Bangen, kern Verzagen,

Ein Jeder will den Franzmann jagen.

Und schon in mancher großen Schlacht,

Hat man ihm höllisch heiß gemacht.