Ausgabe 
27.11.1914
 
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Jlr. 279

Mene Xngeejeitung. Freitag, den 27. November 191«

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Re«« deutsche Vorstöße? Ein Telegramm desTempr" aus Holland meldet, daß die Deutschen ln Flandern grobe Truppenbewegungen ausfiihren. Man erwarte, daß die Deut­schen bald wieder energischer vorgehen würden, da der Winter «ine Verlängerung der jetzige» Lage unmöglich mache. Der Frost hindere die Anlage neuer Laufgräben. Verschiedene Zeichen sprechen dafür, daß sehr bald eine Veränderung eintre- ten werde.

Der österreichische Äeneralstab meldet: -----------------

Wien, 26. Noo. (W. B. Nichiamtlich). Amtlich wird verlautbart: 26. Ndvember, mittags. Die Schlacht in Rus­sisch-Polen hat an einem groben Teile der Front den Charakter eines stehenden Kampfes angenommen. In Weslgali- zicn wehren unsere Truppen die über den unteren Dunajec oor- gedrungenen russischen Kräfte ab. Auch die Kämpfe in den Karpathen dauern fort.

Der Stellvertreter des Chefs des Ecneralstabs: v. Hofer, Generalmajor.

Nene Niederlagen der Serben'

1500 Gesungene. Wien, 26 Nov. (SB. B. Nichtamtlich). Pom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich unter dem 26. No­vember gemeldet: In den Kümpfen an der Kolubara ist seit gestern ein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen. Das Zen­trum der feindlichen Front wurde in einer starken Stellung bei Lazarevalsch von den durch ihren Elan rühmlichst beiann- te» Regimentern Nr. 11. 7» und ll)2 erstürmt. Hierbei wurden 8 Offiziere und 1266 Mau» gefangen genommen und "ei Geschütze, vier Munttionswage» und drei Maschinenqe- hre erbeutet. Auch südlich des Ortes Ljig gelang cs, die istlich des gleichnamigen Flusses gelegenen Höhen zu nehmen >nd 860 Gesungene zu mache». Die von Daljewo südwärts wrgerückten Kolonnen stehen vor K a s j c r i c t.

Letzter Widerstand der Serben. Nach Mitteilung eines ge­angenen serbischen Offiziers an einen Mitarbeiter desHrv. ^ncwnik" in Sarajewo beabsichtigen die Serben einen energi­schen Widerstand nur noch bei Risch zu entfalten, wo drei Verteidigungslinien angelegt sein sollen.

Die Kämpfe in den Karpnthen.

Vertreibung der Russen. Budapest, 26. Nov. (W. B. Nichtamtlich.)Az Est" bringt einen Bericht seines Spezialberichterstatters über die Käinpfe im Komitat Zem- plin. Danach haben die Einwohner die durch den Anmarsch der Russen gcsährdeten Gebiete in voller Ruhe verlassen. Unsere Truppen, von Artillerie unterstützt, begannen ans vortrefflichen Stellungen heraus den Angriff gegen die Russen am 24. November. Ein heftiger Kampf sand in dem nur einige hundert Meter breiten Tale des Laborrz- Flusses statt; die Russen verloren viele Tote und Verwun­dete und mußten schließlich den Rückzug antretcn, der noch andauert.

Eine andere osterreichisch-ungarische Abteilung llber- riiinpclte einen von den Russen besetzten Grcnzort durch das Feuer ihrer Geschütze und Maschinengewehre, die im Walde vortrefflich aufgestellt waren und znglcick, mit der Infan­terie da? Feuer eröffnet«». Nach kurzem Widerstande er­griffe» die Russen die Flucht nach der Grenze unter Hinter­lassung sehr vieler Toter und Gefangener.

Am 25. November konnten der Eisenbahn- und Postver­kehr bis Kockocez wiederhergestcllt werden. Die Nachricht, daß die Russen das Schloß de? Grafe» Andrassy zerstört hoben, ist falsch. Ein Versuch der Russen, diirch den lizoker Paß cinzndringen, wurde abgeschlagen. In dein Komi­tat llng befindet sich kein Russe.

Das türkische Hauptquartier

-r^-777-. meldet:

Konslantinvpel, 26. Nov. DaS Hauptquartier gibt be­kannt: Im allgemeinen hat sich auf den Kriegsschauplätzen nichts verändert. Heute wurde sestgestellt. daß wir dem Feinde bei Morghal vier Geschütze abnahmen, von denen zwei unbrauchbar gemacht worden waren.

Der Heilige Krieg.

Das Vorrücken der Türken. K o n st a n t i n o p c l, 26.

November: Ter Obeikommandicrcnbc des türkischen Heeres, Envcr Pasck>a. und der Marineminister Dschemal Pascha sind zu den gegen Aegypten operierendcii Truppen abgereist.

R o ni, 26. Nov Nachrichten aus Kairo besagen, die Engländer sperrten die Karawanenstraße ans der Cyre- naika nach Aegypten mit Schanzgräbcn. Die türkische Armee unter Jzzct Pa«, 66.06» Mmiil und 10, »00 Bp. duincn mit f>000 Kamelen rücken auf der Bahnstrecke nach Mekka auf Maan vor. 80 Kilometer von der Grenze. Die Senussen bauten eine Feldbahn nach der Oase cl Stall. 100 Kilometer vom Kanal. Die Engländer verfügen über 50,000 Mann außer den Garnisons- und Sicherheits-Trup- Pen.

Am Suezkanal. Nach dem röniischen BlatteJtalia" bestätigt, es sich, daß die tnrkiscktc Vorhiit den Suezkanal überschritten hat und mit Verstärkungen ihres Heeres durch die ansässigen Stämme gegen Bubastis vorrückt. Der Suezkanal sei tatsächlich gesperrt. Jedoch werde allen ita­lienischen Schiffen freie Durchfahrt gestattet. Das Vcr- bleiben der englischen Flotte aus dem Golf voii Suez sei unbekannt. DaS englische Geschwader ist vor 8 Tagen be- reit? nach Port Said zurückgezogen worden, wo es aber zur­zeit nicht mehr liegt.

Rom, 26. Nov. Aus Port Said wird gemeldet, daß

den Belästigungen der englischen Kontrolle im Kanal besor- dirs holländische Schiffe ausgeseht sind. Die einer hollän­dischen Gesellschaft gehörende Baggermaschine wurde >v:i- geschafft, weil die Engländer fürchten, daß sie versenkt werde, um den Kanal zu sperern. Die Einkünfte der Sues- pesellschaft blieben seit dem Krieg um etwa vier Millionen Mark hinter der entsprechenden Zeit des Vorjahres zurück.

Die Vorgänge in Täbris. K o n st a n t i n o p e 1, 26. Nov. kW. B Nichtamtlich).Terdjuman-i-tzakikai" bestätigt die gestern Abend hier eingelausene Nachricht, daß in Täbris 3666 Rüsten von Angehörigen persischer Stämme ermordet worden sind.

K o n st a n t i n o pe l, 28. Rov. Die Regierungsblätter

Tanin",Tasvir-i-Eskiar" undTcrdsiman-i-Hakikat" bestä­tigen heute aus Grund von der Psorte zugegangenen diploma­tischen Depeschen aus Teheran den Ueberfall von Täbris. Die persischen Tribus, die den Handstreich aus Täbris aussührten. setzen die Verfolgung des Feindes fort; sie hoffen in kürzester Zeit die Russen aus der ganzen Provinz Ascrbeidschan vertrei­ben zu lönncn. Nähere Details aus dem Norden Persiens feh­len, da die Briefpost von dort überhaupt nicht mehr und der Telegraph nur unregelmäßig funktioniert.

Die Haltung der Scnufsi. K o n st a n t i n o p e l, 26. Rov. iW. V. Nichtamtlich). Der Scheich Mehmed el Senuffl, ein Resse des Großen Scheich, und der Scheich Geschir ei Senussi, die hier eingctrofscn sind, erklärten gegenüber den Vertretern türkischer Blätter, sie seien drei Monate vor der türkische» Mo­bilmachung abgcreist. Sie hätte» sich in Sollum eingcschisjt und seien über Alexandrien. Port Said und Damaskus nach Medina gereist und sodann über Aleppo zurückgekehrt. In al­len türkischen Städten ^cicn sie mit großen Ehrenbezeugungen empfangen worden. Der Große Scheich habe bereits vor der Prollamierung des Heiligen Krieges allen Zaujas in Marokko und Tunis besohlen, den Heiligen Krieg gegen die Franzosen zv eröffnen. Der Krieg dauere seit Prollamierung des Dsckii- had fort. Auch die Zaujas in Aegypten erhielten denselben Befehl. In diesem Augenblick durste der Heilig« Krieg gegen die Engländer bereits begonnen sein. Wir wollten, sagten die beiden Senussi, den Dschihad schon lange vorher eröffnen, aber eine innere Stimme gebot uns, eine günstigere Zeit abzuwar- ten. Dis senusstschen Slreitkräste, die gegen die Engländer marschieren sollen, belausen sich aus einige hunderttausend Krie­ger. Alle wurden ansgefoidert, ihre Psiicht zu crsüllen. um den Islam zu letten. Auf die Frage, ob der Krieg gegen Zta- lie» foridauern werde, sagten die Senussi: Da die von dem Khalisat erlaffenen Fetwas den Heiligen Krieg nur gegen die kriegführenden feindlichen Mächte proklamiert haben, wäre es unmöglich, gegen eine Macht vorzugehen, dick heute mit dem Khalifat freundschastliche Beziehungen unterhalte. Die Senussi richteten also ihren Haß gegen die Mächte, welche die Feinde des Khaiisais seien.

Der Ausruf zum Heiligen Krieg. Konstantinopel, 26. Siov. sW. B. Nichtamtlich). Die Regierung ließ den Blättern eine vom 21. November datierte Proklamation betreffend den Heiligen Krieg karabisches Datum: 2. Muharrem 1333) zu- peh-n. Tie Proklamation trägt oben den eigenhändigen Ra- menszug des Sultans und darunter die Worte: Ich befehle, daß diese Proklamation in allen muselmanischen Ländern ver­breitet werde. Sie ist gezeichnet vom gegenwärtigen und drei früheren Scheichs ü> Islam, sowie von 24 hohen geistlichen Würdenträgern. Der Proklamation geht eine Bemerkung vor­an, in der sestgestellt wird, daß der Heilige Krieg gegen die Feinde des Islam gerichtet ist, dir ihre Feindseligkeit durch An­griffe gegen das Kalifat kundgegeben haben, während für die Staatsangehörigen der übrigen Mächte, welche die Verträge beobachten und ihre Freundschaft bekunden, die islamitischen Grundsätze der Gerechtigkeit und des Friedens wechselseitige gute Beziehungen erheisch».

Die Pläne der Engländer. Konstantinopel, 28. Nov. lW. B. Nichtamtlich). Wie das BlattTuran" erfährt, verfol­gen die Engländer mit ihrer Truppenlandung an der Küste bei Fao den Zweck, auf diese Weise indirekt den türkischen Vor­marsch gegen den Suezkanal zu hindern. Die Engländer seien zu der Erkenntnis gelangt, daß sie in Aegypten keinen ernstli­chen Widerstand werden leisten können, sondern dort eine Nie­derlage erleiden werden. Sie beabsichtigen daher, die Türken durch die Bewegung einzuschuchtern, die sie mit einigen nicht- muselmanischen indischen Truppen ausführen in der Meinung, sie könnten die Türken veranlassen, auf die Besetzung Aegyp­tens zu verzichten. Das Blatt meint jedoch, daß die Englän­der damit kein Gluck habe» werden, und daß die Türken bei Bassoiah über genügende Etreitkräfte verfügen.

Ans Frankreich.

Die Lebensmittelversorgung Frankreichs. Basel, 24. Nov. kW. B. Nichtamtlich). DieNationalzcitung" bringt einen Bericht über die wirklichsten Bedarfsmittcl in Frankreich. Das einheimische Korn ist zurzeit sehr rar. Die Bevölkerung furch­tet ein teilwciscs Zuruckhalten des Getreides und fordert Gcgcnmaßregcln dagegen, von denen die Requisttion die mil­deste fein würde. Der offizielle Preis des Alkohols ist 6686 Franke», was einem Aufschlag von ungefähr 2.66 Fr. in den letzten Tagen gleichkommt. Die Brennereien kämpfen fortwäh­rend mit großen Schwierigkeiten. Sie ziehen es vor, ob Ver- sandbahnhof zu verkaufen, statt lieferbar Paris. Der Zucker ist sehr rar. Die Schwierigkeit rührt daher, daß die Reqvisi- tion alle Zufuhren bedroht, wodurch auch die Händler das Risiko laufen, für ihre Waren weniger bezahlt zu erhalten, als der Einkaussprcts betrug. Bezüglich der Weine wird aus vie­len Gegenden eine starke Enttäuschung gemeldet, sowohl was die Güte wie die Menge anbetrisft. Das Ergebnis bleibt weit hinter der wirklichen Ernte zurück. Trotz aller Anstreng­ungen, die Flußschifjahrt noch tm Gange zu hatte», ist ver Verkehr stockend, darunter leidet besonbtrs bte Kohkenzusuhr. In Paris sind sämtliche Vorräte für öffentitche Zwecke requi­riert worden, sodaß großer Mangel herricht. Die Preise sind ganz beträchtlich gcksttegen. fodaß st« vielfack, nnerlchwingN»

geworden sind. Die Regierung will abhelfen und Eisenbahn­wagen für Kohlenttansporte ab Ronen zur Beifügung stellen.

Aus England.

Ein englischer Offizier, der ans Indien zurllckkehete, gab seine Verwunderung Ausdruck, wie cs England gelinge, mit 6070,000 Mann W-is«» und 100,000 Dian» Einge- borencntruppcn die Hu.iderte i-.m Millionen Inder zusr n> meuzuhalten. Aber «ich l,u-r muß die Unsick)erl,e,t beziig- ftch der Afghanen große Sorge Hervorrufen, meinte dieser Herr.Es ist sichm", sagte er,daß cs den Engländern bisher gelungen ist, die Inder über d:e wahre Lage hinweg, zutüuschen, woraus siel» die zahlreichen Sympathiekundgeb­ungen indischer Fürsten und indischer und selbst inoham- nicdanischer Kreije erklären lassen. Aber wird man es ver- hindern können, daß uuiselmanftche Emissäre über Klen,- asicn, Persien und Afghanistan ihren Wog nach Indien sin- den? Die Afghanen sind äußerst tapfere Leute. Sie sind Krieger vom Scheitel bis zur Sohle und äußerst blntdür- stig. Sollten sie wirklich in Indien einsallen, so bleibt cs unsere Hoffnung, daß sie derart hausen, daß das indische Volk einen Abscheu vor ihnen bekoinnit. Stellt sich aber ein kluger und energischer Befehlshaber an ihre Spitze, der Mord und Plünderung zu verhüten weiß, Io muh man be­fürchten, daß die eingeborenen iuobammcdanisck>cn Truppen mit den mohammedanischen Afghanen gc»ieinsck>asiiiche Sache machen, und daß auch die stets zur Widersetzlichkeit geneigten Hindus in Bengalen in Aufruhr kommen. Die Inder sehen eben nicht ein, daß, wenn es gelingen würde, die englische Oberhoheit abzuschlltieln, unter der das Land gioße Fortschritte gemacht hat und die Lage der Inder selbst außerordentlich verbessert worden ist. wieder­um ein Rückschlag kommen würde, der für das indische Volk selbst am fatalsten wäre.

Man kann sich nicht verschleiern, daß die Lage ernst ist für England »nd daß die Zukunft Indien» als die bedroh­lichste Angelegenheit für England in diesem Augenblick zu erachten ist. Kommt es aber wirklich zur Gäbrung in In­dien, so ist es fraglich, ob die jetzigen Männer bei der Re­gierung in England die den Krieg gemacht haben, am Ruder bleiben können »nd ob die Kriegsbereiischaft dann noch anhält.

EineNation von Heuchlern." Amsterdam, 26. Nov. In Falmouth hat ein Gentleman namens Samuel Phillip ein kleines Mädckien vergeivaltigt. Der Richter nec- urteilte diesen Herrn lediglich zu einer Strafe von 10 Schil­ling und zu I2y 2 Schilling Kosicnersatz ,da sich der betref- ende Verbrecher als englischer Soldat an die Front zu be­geben hatte. DieTruth", die diesen Fall mitteilt, macht auf die Entrüstung aufmerksam, die in England über die Missetaten entstanden ist, die die Deutschen angeblich be­gangen haben sollen, und erklärt:Man imrd sich »licht wundern, wenn die Deutschen sagen, daß wir eine Nation von Heuchlern sind "

England am Abqrnnde.

Unter dieser Ueberschrist veröffentlicht der wirkliche Geh. Lberregierungrrat und Ministerialdirektor im preußischen Mi­nisterium des Innern, Dr. Freund, einen Aufsatz im ..Wie­ner Deutschen Volksblatt", dem wir folgendes entnehmen.

Die Schleier fallen. Der Welt gehen die Augen aus. Das stolze Land, in dem, wie einst im Reiche Karls V., die Sonne nicht unterging, war aus seinen Lorbeeren eingeschlasen. Es erwacht und sicht sich am Rande des Abgrundes. Jhering, der große Jurist, hat einmal ausgesprochen, daß ebenso wie der Ein» zclmensch ein Volk atmen wüste. Denn das Atmen ist Aus. »ahme des Fremden und Verarbeitung mit dem Eigenen. Rur ein solches Atmen ist Entwicklung. England hat in seinem Schlaf das Atmen verlernt. Wie China wollte cs sich aus sich heraus entwickeln und erkennt nun zu spät, daß es ein Opfer der Verletzung des wichtigsten physiologischen Naturgesetzes ge­worden ist.

England hat im Kampfe der Barone mit den Königen den Parlamentarismus geschaffen. Die Welt hat ihn wie ein Dogma angebetet und in hundert Spielarten nachgcahmt. Der Parlamentarismus sollte gleichzeitig die Stimm« und die Kraft des Volkes darstellen. Die Geschichte der jungen Freund­schaft zwischen England einerseits und Frankreich und Ruß­land andererseits lehrt, daß die Stimme des Bolkes im Parla­mente gefälscht worden ist. Eduard VII. und Lord Erey sind lächelnd über das ohnmächtige Parlament hinweggegangen. Das englische Volk muß. wenn es an seine Macht aus früheren Zeiten denkt, tief beschämt sein Haupt verhüllen. Mit schwäch­lichen Seufzern und bangen Zweisein entlädt sich das Herz des englischen Volkes, das einstmals in dem verantwottlichen Par­lamente schlug, jetzt in einer unverantwortlichen Tagespreste. Es steht feine Söhne sich verbluten, seine Schisse in den Grund gebohrt, seine Küsten bedroht, seinen Kredit erschüttert, seinen Reichtum schwinden. Er weiß, daß alles dies das Wer? leicht­fertiger Könige und Minister gewesen ist und schämt stch, daß das Parlament zum Spielball dieser Abenteurerpolitik sich hat erniedrigen lasten. Der Parlamenterismus atmet nicht mehr, er ist zur Form versteinert. Und gerade er war da» Ideal, das in Deutschland jahrzehntelang bewundert wurde. Männer wie Gneist haben geglaubt, uns diese Jnstitutton als ein Pal­ladium der Freiheit der Böller Vorhalten zu dürfen. Und nun ? Das englische Parlament ist eine wesenlose Gestalt. Es ahmt wohl äußerlich die Eefichtszüge des Bolkes nach, aber ihm kehlt das Herz. Wehe dir, Englandl

Englands Wirtschaftspolitik ruht auf dem Individualis­mus, das heißt, aus dem Prinzip der Einzelwirtschaft, der Ein» zcldienstes im Gegensätze zur Eesanitwirtfchest, dem Gesamt­dienst«. Der wirtschaftlich« Individualismus verkörpert stch t« der Figur des englischen Kaufmannes. Auch der englisch« I»- dividnalism»« hat das Atmen verlern». >1» die Gesellschaft de^