Nummer 279
Freitag, den 27. November 1914.
7. Jahrgang
eue Tageszeitung
•* tn« » a>. coieilung ' >> cheint leben Werttag. Regelmatzrge Beilagen „Lrr Bauer au» Hellen", „?ie Spinnilude". Seiugopreia: Be, den PoitanjlaUen oier-etmuiiny Ml für, C1 ltn '• r "’" n "»nMUch 50 Phr. in,u Mil -1 .ftgedähr ob« Trägerlobn. A«!.itzrn: Grund,eile 20 Pig„ lo'ale 15 Plg, An,eigen von ausmärt» roeraeu our.t, Potnachnayme «hoben
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40000 Russen gefangen, 70 Geschütze, sowie 156 Maschinengewehre erbeutet!
<*iu englisches Linienschiff mitsamt der Besatzung in die Lust gesprengt. — Nene Niederlage der
Serben. — Die Türken in Aegypten.
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Der deutsche Generalstab i b — meldet: — »
WTB. Großes Hauptquartier, 26. Nov. vormittags. Amtlich.
Tie Lage auf dem westlichen Kriegsschauplatz ist unverändert.
In der Gegen» 2t. Hitaire und 2ouain * wurde ein mit starken Kräften angesctztcr aber schwächlich durchgesüsirter französischer Angriff unter großen Verluste» für de» Gegner zurückgcschlagrn.
Bei Apremont machten wir Fortschritte.
In Ostpreußen ist die Lage unverändert.
2n den Kämpfen der Truppen des Generals von Mackensen bei Lodz und Lowicz haben die russische 1. und 2. Armee und Teile der 5. Armee schwere Verluste erlitten- Außer vielen Toten und Verwundeten haben die Russen nicht weniger als über 40 000 unverwunöcte Gesängen« verloren, 7g Geschütze, 160 Munitionswagen, 156 Maschinengewehre sind von uns erbeutet worden.
»0 Geschütze sind unbrauchbar gemacht worden. 'Auch in dreien Kämpfen habe» sich Teile unserer jungen Truppen trotz großer Opfer auf das glänzendste bewährt.. Wenn es ungeachtet des Grfolges noch nicht gelungen ist die Entscheidung zu erkämpfen, so liegt es an dem Eingreifen weiterer starker Kräfte des Feindes von Osten und Süden her.
Ihre Angriffe sind gestern überall abgewiesen. Ter endgültige Ausgang des Kamp,es steht aber noch ans.
Oberste Heeresleitung.
Bor der Entscheidung.
Noch ist in bem blutigen Ringen in Russisch-Polen leine Entscheidung gefallen, ober wir ahben die sestbcgrünbeie Zuversicht. daß sich der Sieg aus unsere Seite neige» wirb. Zwar ist es den Russe» abermals gelungen, bie Entscheidung hinauszuschieben, inbem sie wiederum, wie vor acht Tagen, starte Reserven in bie Kampjessroni gesanbt haben. Es wirb ihnen nichts Helsen, benn auch wir sinb nicht mützig gewesen unb haben in ben letzten Tage» gewaltige Verstärkungen nach bem Lite» geschasst, so bas, bie Russen ihre Meister sinben werben. Bereits sind uns unb ben Ocsterreichern Gesungene unb sonstige ftr.egsbiute in einer solch hohen Zahl in bie Hände gefallen, wie fieseither in ossener Felbschlacht noch nicht bagewesen ist.
Am 18, November würben aus ber Schlacht bei Wloclawer 23 088 Gesungene, 78 Maschinengewehre unb viel Geschütze als Gewinn gemelbet, gestern verzeichneten bie Oesterreich« 29 888 Russen unb 49 Maschinengewehre als Ergebnis und heute schl letzt bie Rechnung mit 48 888 Eesangenen, 1b« Maschinengewehre unb 78 Geschützen ab. Das ergibt also für bie Russen einen Verlust von 92 080 Eesangenen. 275 Maschinengewehren unb, ba auch noch 30 Kanonen unbrauchbar gemacht warben, weit über >88 Geschützen, Rechnet man bozu bie Zahl der Ee- sallrnen so ist ein halbes Dutzenb russischer Armeekorps wieder aus dem Gefecht gesetzt. Das finb doch sürwahr Ergebnisse, die es als vollauf berechtigt erscheinen lassen, batz wir von bem ficheren Sieg, ber in Aussicht steht, sprechen bürsen.
Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so scheint mit unseren Plänen insosern eine Aenberung eingetreten zu sein, als wir jetzt bie Enischeibung nicht im Westen, sonbern im Osten zu zu erzwingen gebenken. Unsere Stellung im Westen ist gul; wir haben Belgien, bis aus ein kleines Enbe, ganz in Händen, wir haben einen Teil von Frankreich, und zwar seinen fruchtbarsten gewerbereichste» Teil, besetzt, alle Versuche der Gegner, unsere Truppen zu verdrängen, sind gescheitert, sie stehen fest wie eine Mauer von Belsoil bis zum Norbseestrand Unter diesen Umstänben glaubt unsere Heeresleitung bie enlschei-
benben Schläge im Osten fühlen zu können, Sinb bie russische» Riesenhecre in ber gegenwärtig aus ber Ebene Polens tobenden Schlacht geschlagen, bann ist die russische Heeresmacht zertrümmert, Was ber Zar uns dann noch entgegenstellen kann, ist Bruch und die Türken werben ihr übriges tun, um den Kolatz nicht zur Ruhe kommen z» laiien.
Wir werben bann mit vollen Kräfte» im Westen vorgehen und dort die Abrechnung vornehmen können. Aber nicht mehr Paris dürfte bas Ziel unserer Bestrebungen sein, sonbern England. Ihm gilt ber ehrliche Hatz von Allbeutschland. Deshalb wurde unsere Freude über die gestern gemeloeten Ersolge gegen Rntzlanb »och um ein ganz gewaltiges gesteigert, als heute die Botschaft einlief, batz ein englisches Linienschiff, der „Bulwark" mit Mann und Maus versunken ist. So bekommen die Engländer am eigenen Leibe den Krieg zu verspüren, den sie frevlen Mu'.cs angestiftet haben. Auch sonst haben die Briten schwere Sorgen, Der Gewinn ber Entscheidungsschlacht in Polen wirb auch die Türken in die Lage versetzen, ihre Kräfte besonders den Engländern zu widmen, und England wird seine Last haben in Aegypten, wo heute schon alles drunter und drüber geht, IN Cübafrila, in Indien und anderswo. So wirb der Erfolg in Russisch-Polen weit über ben Osten hinaus seine Wirkling ausüben und wir können freudig feststellen, batz die Tinge gut stehen.
Gin engl. Linienschiff vernichtet.
London, 26. Nov. (W. T. B. Nichtamtlich.) In der gestrigen Sitzung des Untertzanses teilte Marineministcr Churchill mit, daß das Linienschiff „Bulwark" am 25. November morgens in Shernes; in die Lust geflogen sei. Zwischen 700 und 800 Mann sind umgckommen, nur 12 Mann wurden gerettet.
Die anwesenden Admirale berichlelen, sie seien überzeugt, dasz die Ur.ache eine innere Crplosion des Magazins war und keine Erschütiernng des Waffers erfolgte. Tao Schiff sank in 3 Minuten und war verschwunden, als sich die dichten Rauchwolken verzogen hatten.
Die Explosion war so stark, daß die Gebäude von Sherneß bis auf die Fundamente erzitterten und wurde nachher Meilen weit vernommen.
Das Linienschiff „Bulwark" stammte aus dem Jahre 1809, hatte 15 250 Tonnen Deplacement, 18 bis 19 Meilen Geschwindigkeit, vier 30,5, zwölf 15 cm. Geschütze und 750 Mann Besatzung.
GnglischeNicderlage in Ostafrika
Amsterdam, 26. Nov. Tie hier verspätet einge- trossene „Times" vom Dienstag verösfcntlicht folgende Erklärung des Staatssekretärs von Indien über die Operationen in Teuisch-Ostasrika:
Aus den letzten Mitteilungen ging hervor, daß einer der wichtigsten deutschen Eisenbahnpunkte sehr schwach bc- setzt sei, und es wurde daher eine Truppenmacht von Britisch Ostafrika hingcsandt, um die Eisenbahnstation zu erobern. A,» Abend des 2. November landeten anderthalb Bataillone in einer Entfernung von zwei Meilen vom Platze und gingen dort vor. Tic geringe Truppen,nacht der Engländer aber kam in ein hestigeS Gefecht gerade vor der Stadt, und da der Feind in der Uebcrmacht war. so waren die Engländer genötigt, sich zurückznzichcn und Verstärkungen abzuwarten. Am 4. November um 11 Uhr morgens wurde der Angriff erneuert, aber in einem Abstand von 800 Nords von der Stellung des Feindes kamen unsere Truppen unter ein hestiges Feuer. Auf dem linke» Flügel drang das 101. (?) Grenadier-Regiment trotz starker Verluste in die Stadt ein und kam mit dem Feind *
in eilt Bajonettgesecht, Das North Lancalhire-Regiment und die Kaschmir-Schützen ans der rechten Seite gingen ebenfalls unter hcstigem Feuer vor n»d erreichten die Stadt, aber sie wurden von einem Gewehrfcuer empsange.i, das von den Häusern aus aus sie gerichtet wurde, und waren jo genötigt, 500 Aards zurükkziiweichen, Tie Verluste Waren so schwer und die Stellung so stgrk, daß jeder weitere Angriff gls iiiihlos erachtet »iid die Truppcnmacht wieder eingeschisst wurde und zu ihrer Opergtionsbasis ziirück- kihrle, uni eine» neuen Angriff für später vorzubereite»,
London, 26, Nov. Bei dcni ergebnislosen Angriff dcr englischen Truppen auf eine Eisenbahnstation in Lst- cfrifa waren unter den 800 Mann des engiischen Verlustes 141 weiße Soldaten und Offiziere.
Die Helden von Tsingtau.
Berlin, 25. Nov, (M, B. Nichtamtlich.) Nach den blshcr vorliegenden 'Nachrichten beträgt die Zahl dcr beim Falle von Tsingtau Gefangen ge«iomnie»en etwa 4250 einschließlich 600 Verwundete. Tie Zahl der Gefallenen soll etwa >70 betragen, darunter 6 Ossiziere. Don dem öster- reichilch-ungarischen Kreuzer „Kaiserin Elisabeth" sind ei» Leutnant und acht Mann verwundet, acht Mann tot. — Tie Behandlung der Gefangenen in Japan soll gut sein. Tic japanische Regierung hat die baldige lleberscndung namentlicher Listen der Toten, Verwuiidete» und Gcfnngc- nen in Aussicht gestellt.
Wie drr iimiifr .Finden" rn fall Kinn.
Der Bericht des Kapitäns von Müller. Berlin, 25.
Nov. (SB. B. Nichtamtlich) Non dcni Koinmandantcii S, M. Schiss „Emden", Fregattenkapitän v, Müller, ist nachstehender telegraphischer Bericht über das Gefecht S. M. Schiss „Emden" mit dem englischen Kreuzer „Sidneh" bei den Kokosinseln eingetrossen. Dcr englische Kreuzer „Sidncy" näherte sich den Kokosinseln mit hoher Fahrt, als dort gerade eine von S. M. Schiss „Emden" ansgeschisste LandiingSabteilung das Kabel zerstörte. Tos Gefecht zwischen de» beiden Kreuzern begann sofort, lliiscr Schlehen war zuerst gut: aber binnen kurzem begann das Feuer der skliwcreren englische» Gclchütze, wodurch schwere Veilustc in uiiseren Geschiitzbedicnnngen cintraten, Tie Munition ging z» Ende, n»d die Geschütze mlisiien das Feuer einstellen, Trohdcni die Ruderanlage durch das feindliche Feuer beschädigt war, wurde der Versuch gemacht, auf Tor- pedoschußweitc an die „Sidney" heranzukommen. Dieser Versuch mißglückte, da die Schornsteine zerstört waren und infolgedessen die Geschwindigkeit der „Emden" stark herabgesetzt war. Das Schiss wurde deshalb in voller Fahrt an der Nord- (Luv-)Seite der Kokosinseln aus ein Riss gesetzt. Inzwischen war es dcr Landnngsabteilung gelungen, ans einem Schooncr von der Insel zu entkomme». Tct cngliscktz? Kreuzer nahm die Versolgung aus kehrte aber an Nachmittag wieder zurück und feuerte aus das Wrack S. M. Schiff „Emden". Ilm weiteres unnützes Blutvergießen z» vcrnieidc», kapitulicric ich mit dem Rest der Besatzung. Tic Verluste S M, Schiss „Emden" betragen: 6 Ossizie-e, 4 Tcckossizicre, 26 Unteroffiziere und 03 Mann gefalle»: 1 Unteroffizier, 7 Mann schwer verwundet.
Von dcr Front im Westen.
Der Verzweisluntzslamps in beu Argonnrn. Aus Le Havre
wirb berichtet: Mit bem Verlaus ber Kämpfe im Argonnen- walb zeigen sich bie von xrivaiei Seite unterrichteten Dep»- iierten sehr unzufrieben. Ein Deputierter legte bem Minister Sewbat Felbpostbricsc vor, in benen mehrere Ossiziere ber un> niatzaeblichen, hoch wohl erwogenen Meinung Ausbruck geben, ber Kampf im Argonnenwalb werbe leibet zu Gunsten bet Deutschen enden, „Wir opfern uns aus, doch wir wissen, batz unser Blut für eine verlorene Sache slietzi", schreibt ein Leutnant, Man versichert, batz auf sranzäsischrr Seite seit der Er- lberimg von Bienne le Chateau 12,888 Mann und eine erschreckend hohe Zahl von Offizieren im Argonnenwalbe gesal- ien ist. Fast alle Briese, die ans der Bretagne an Solbaien der Aigonnerlinie gerichtet werben, lammen mit dem Vermeil „Mort an chamo d'bonneur" an die Ablender zurück.


