Ktuc Tageszeitung. SonnetMag, de» 26. N»»embrr 191*
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Nr. 27« _____
Der Burenaufftand.
Oberst Maritz an Kolonel Brlts. Oberst Maritz hat leinen Vertrag mit dem deutschen Gouverneur von Deutich-Sübwest- asrila mit solgendem Schreiben an den Kommandeur der Re- oierunastruppen, Oberst Brits. übersandt:
K e l m o e g , 18. Oktober 1911. iln den Obersten Koenbrits!
Lieber alter Freund! Es gab einmal eine Zeit, in der wir gemeinsam gekämpft und gelitten haben für die heilige Sache unserer Landes und Volkes. Wir haben jetzt wiederum die Möglichleit, für das gleiche Ideal zu kämpsen. Ich weiß. daß Eie ein treuer Asrikaner sind, und dag Ihr Herz »ach ebenso warm siir unser Volk s chlägt. Anbei werden Sie einen Vertrag finden, den ich mit der deutschen Regierung eingegangen bin. und ich bitte Sie, uns in dieser Angelegenheit ihren Beistand zu leiheii. Unter unserer Schar ist eine Stelle für den alten Kämpfer für die Freiheit der Buren, General Brits, offen, und das Volk der Buren ruft Sie auf. der Stimm- des Volkes Gehör zu geben. Ihr früherer Waffenbruder
gez. A. E. Maritz, Oberst.
Ans Frankreich.
Pessimismus in Paris. Mailand, 25. Nov. Aus Paris wird gemeldet, datz dort im Volke pessimistische Gerüchte i:m. liefen, sc z. B., datz Soissons und Eompicgne von den Deutschen genommen seien. Vielleicht hat das Verbleiben der Re- gierung in Bordeaux oder di- Meinung mancher Militärkriti- ker über die Möglichkeit eines großen deutschen Angriffs diese pessimistische Aussasiung der Lag- veranlaßt. Li- Presse be- ämpft sie jedenfalls. Außerdem veröffentlicht die Negierung >,n ..Bulletin des Armees" ein- ausführliche Darstellung der Kämpf« in Flandern, die beweisen soll, daß alle bisherigen deutschen Angriffe dort ergebnislos geblieben seien: die offiziöse Darstellung behauptet auch, Kaiser Wilhelm hätte am 1. November in Ppern einziehen und dort die Annexion Belgiens verkünden wollen. Die Stärke der Deutschen aus dem westlichen Kriegsschauplatz wird mit 58 Armeekorps angegeben.
Französische Märchen. Pariser Blätter hatten behauptet, die Deutschen hätten während des Friedens die Steinbrüche von Soisionr angekauft und dort eine Ehampignonzucht angelegt. tn Wirklichkeit aber Befestigungen hergestellt. Der „Ma- tin" wollte sogar wißen, daß kein anderer als der Generaloberst von Kluck (!> damals in Zivil die Steinbrüche desich- tlgt und den Ankauf vollzogen habe. Dieser Unsinn wird jetzt energisch dementiert: Die Besitzer der Steindrüche seien durchweg patriotische Franzosen: niemals habe vor dem Kriege der Fuß einer Deutschen die Steinbrüche betreten. Der Maire von Coisions protestiert energisch gegen die Klucklegende des „Matin", di« er als völlig erlogen bezeichnet. Solche Lügen beleidigen das französische Volk.
Ans Rußland.
Die Absperrung Rußlands. Köln, 25. Nov. Der „Köln. Zeitung" zufolge dürste in diesen Tagen Rußland von der übrigen Welt adgeschnitte» werde». In Archangelsk, dem einzigen Ausfuhrhafen feit der Beherrschung der Ostsee durch die Deutschen und der Schließung der Dardanellen durch die Türkei, ist heftige Kälte cingctrcte», sodaß selbst die stärksten Eisbrecher das Fahrwaffer nicht offen zu halten vermöge». Viele Dampfer dürften bei dem starken Verkehr in Archangelsk eingeschlosien werden. England hat über Archangelsk namentlich Getreide, Holz und Eier bezogen und für sein 41 Millionen- Volk einen erheblichen Teil seines Bedarfs am Weißen Meer- gedeckt. Für Rußland war dieser Warenabsuz eine Lebensfrage. Mit der Sperrung von Archangelsk hört der Warenverkauf Rußlands nach dem Auslände auf, da die Ausfuhr über Wladiwostok und nach Kjachta für das europäische Gebiet nicht in Frage kommt und zudem Wladiwostok -l Monate durch Eis gesperrt ist.
Russische Schandtaten. Die „Politische Korrespondenz" veröffentlicht genaue Daten über die vielen Ausschreitungen, deren die russischen Truppe», besonders die Kosaken, sich gegen die Sanitätsanstalt-n des österreichisch - ungarischen Heeres schuldig ''gemacht haben. Danach habe» die Rußen trotz der Fahnen mit dem blote» Kreuz auch bei Tageslicht Wage» mit Verwundeten und den begleitenden Eanitätsmannschaften weggenommen, die Wagen verbrannt, di- Pferde niedergeschosien, die Verwundeten mißhandelt, mit Füßen getreten und mit Sä- bcln verwundet. Derartige Bestialitäten sind wiederholt vor- gckommen.
Ein russischer General gefallen. Während der Kämpfe in Polen ist am 12. November der russische General von Brießen gefallen.
„Alte Bekannte". Unter dieser Ueberschrift schreiben die ..Oberh Volksblätter": Der gefangene Gouverneur von Werschau. Baron v. Korff. hat. von Wiesbaden lonimcnd, in srü- Heren Jahre» auch Bad-Rauhcim vielfach be'-cht. Er ist ci» Schwager der früheren Frau Kurdirektcr Baronin von Staick. welche kurz vor Ausbruch des Krieges etwa» unerwartet nach Rußland überfiedelte.
Ans England.
Englische Klagen über eine „drutjch-freuudlich- Eliqae" in Rußland. Der Petersburger Korrespondent der „Morning Post" drahtet seinem Blatte: Eiiie kleine aber unglückbn». «ende Clique in Rußland, von der im Ausland irrtümlich an genoinmen wird, daß sie einen größeren Einfluß besitze, solle schwach angebeutet haben, man könne jetzt von Rußland sagen, daß «» genug ausgerichtet habe, und Deutschland sei. alles wohl libeelegt. doch sein nächster Slachbar. Der Leiter dieser Clique ' ' ein deulfchsreuirdlicher früherer Staatsmann, der niemals
au, seiner Verachtung für di« Rationen, di« jetzt di« Alliierten der Rußen sind, ein Hehl gemacht habe. (Gemeint ist Gras Witte. D. R-d.s.
Die englischen Verluste. London, 25. Nov. Die „Times" klagt in einem Leitartikel, daß sie erst am Freitag Abend eine lange Liste von SU Spalten über die weiteren Verluste erhielt, welche die Royal Raval Division bet Antwerpen erlitten hat. Nur der kleinste Teil der Namen war mit einem Stern versehen. was bedeutet, daß der Träger dieses Namens sich in deutscher Eesangenschaft befindet. „Was ist aus den anderen Vermißten geworden?" so fragt die „Times". „Am 7. Oktober wurde Antwerpen geräumt und die englische Admiralität hätte also schon längst wißen mllßcn, wie groß die Verluste der Royal Raval Division sind oder bcßer noch, sie hätte wißen mäßen, welche Teile »och nach England zurllckgebracht werden köirten."
Mehr Kranke als Verwundete. Die „Times" berichlet weiter: Bei der Ruhe, die in den Kriegsr-^ ationen ringe» treten ist, gab cs in den letzten Tagen mehr Kranke als Verwundete. die nach den Spitälern übergeführr wurden. Eine große Anzahl kommt von den Berbindungswegen und daraus geht scheinbar hervor, daß die bei dem Kampfe herrschende Spannung die Mannschaften weniger zugängig für Krankheiten macht. Rur kommt zu einigen Fällen von erfrorenen Gliedern Dysenterie und Rheumatismus. Zn normale» Verhältnißcn hätten sich die Leute sicher erkältet.
Portugal mobilisiert. Die großmächtige Republik aller Diebe und Gauner, der Raubstaat Portugal, rüstet sich nun auch, in den Weltkrieg als Vasall Englands einzugreifen.
Das Reutersche Bureau meldet aus Lißabon vom 21. ds. Nachdem der Ministerpräsident vor den Abgeordneten und Senatoren eine Erklärung abgegeben hatte, nahm der Kongr-ß einstimmig einen Gesetzentwurf an. durch welchen die Regie, rung ermächtigt wird, auf Grund des Bündnißes mit England in oem gegenwärtigen internationalen Konflllt in einer Wiiie zu intervenieren, welche ihr als die geeignetste erscheint. Die Regierung wird ferner ermächtigt, die hierzu erforderlichen Maßregel» zu ergreifen. Rach Mitteilungen der Presie wir» ein Erlaß, durch welchen eine teilweise Mobilisierung verftigt wird, morgen oder übermorgen erscheinen. Zugleich wird der Kriegsminister einen Aufruf an das Land richten.
Ein Zwischenfall bei den Internierten in Donglas. London. 23. Rov. Reuter meldet: In Douglas auf der Infel Man kam cs unter den dortigen »ternierten zu einem Zwischenfall, bei dem fünf Personen getötet worden. Zweitausend Eefongene kamen dort aus ein gegebenes Zeichen in dem großen Spcifefaal zusammen, überfielen die Wachtposten und suchten zu flüchten. Die Wache gab zunächst Schüsse in.die Luft ab: als dies nichts fruchtete, wurden zwei Salven auf die Gefingc- nen abgegeben, durch die vier Mann getötet oder tätlich rer- wundet und zwölf andere schwer verletzt wurden. Diese wurden nach dem Krankenhaus gebracht, die anderen Gefangenen ergaben sich. Ein Mann, der auf das Dach geklettert va-, um zu flüchtn, fiel herunter und brach sich den Schädel. Ueber den ganzen Vorgang ist eine Untersuchung eingeleitet.
Girier GkliindheitsMan- nnirrrr Nripprn.
Genoralobcrarzt Medizinalrat Dr. von Scheurlen, dir jetzt als Divisionsarzt in der Gegend von Upern tätig ist, schreibt im „Wllrttembergischen Staatsanzeiger", daß in siühercn Kriegen die Zahl der an Seuchen und inner:» Krankheiten Gestorbenen diejenige der durch die Waffen des Feindes Getöteten weit überschritten habe. Noch im Kriege von 1866 sei das der Fall gewesen, wogegen im Feldzug vo»1870—71 die Za bl der Gestorbenen nicht mehr ganz die Zahl der Gefallenen erreicht hohe. Dieses Verhältnis dürfte i:n gegenwärtigen Feldzug sich noch wesentlich günstiger gestalten, und zwar vor allein, wekl der Gesundheitszustand der mobilen Truppen ganz ausgezeichnet fei. Ter Krankenstand der württenibergischen Armeekorps sei tvahrend des ganzen Feldzuges stets so niedrig gewesm, daß er den durchschnittlichen Krankenstand in der Garnison nie überschritten habe. In diese günstigen Verhältnisse habe nur eine Durchfallcpidemie eine Aenderung vor kurz:r Dauer gebracht, die mit dem Negcnwetter Anfang September eingesetzt und sich über die Tag und Nacht in den Schützengräben liegenden Truppen verbreitet habe, gegen Ende des Monats aber erloschen sei. Typhus sei nicht beobachtet worden. Dieses erfreuliche Ergebnis sei um so mehr zu begrüßen, als die hygienischen Verhältnisse in den Gegenden, in denen die Truppen zu kämpien batten, vor ollem die Wasserversorgung, die Abortverhältnissr und die Einrichtungen zur Beseitigung der Abfallstofse, tief unter denen unserer Heimatlandes ständen.
Deutsche Feidbriefe.
Folgenoen Feldbricf. der in packender Weise ein nnver- j hcsstcs Wiedersehen im feindlichen Belgien schildert,, wird | uns von den! Vater des Briefschreibers, Herrn W e i n •
• in n n i! zu Holzhaufen v. d. H. zur Verfügung gestellt.
Biederen Royal-CIubhaus, Nachts.
Mein treues Herz!
Vorhin habe ich Dir eine Karte geschrieben, da mir jetzt aber der «chlaf mit Gewalt tommt, so halte ich mich damit munter und reiße ein Blatt aus meinem Wachbuch um Dir ein paar Zeilen zu schreiben. Für uns ist jetzt wieder eine aufregende Zeit angebrochen, denn die Engländer versuchen hier zu landen, was ihnen natürlich nie gelingen wird Selbstverständlich muffen wir besonders Nachts auf der Hut fei», tln der ganzen Küste liegt Alan» an Mann im Sand vergraben. fadaß die Granaten uns wenig anrichten können. Die ganze Nacht hält das mörderifche Feuer an, Schlag auf Schlag, sodaß die Fensterscheiben dauernd zittern. Dazu eine stürmische rabenschwarze Nacht und der Regen peitscht nur so aus die braven Kameraden, die hier ihr Vaterland beschützen, stet, den Tod vor Angen. Trotzdem hörst du kein Murren, jeder tut
seine Psticht, wie es eben nur ein Deutscher kann. Wenn man dos miterlebt, so ist man allem Zweisei überhoben, wo man den Sieg zu suchen hat. Doch cs ist auch im Krieg nichr alle» grau, so rechne ich den gestrigen Tag zu den schönsten n-eines Lebens. Ganz besonders den Moment, wo ich gestern in den Armen meines Bruders Georg lag. Die Fkrude und das Erhebende läßt sich in Worten nicht schildern. Du kannii mir es aber sicher nachfühlen. Du bist gespannt, wie ich Georg getros- sen habe, das sollst Du wißen. Vor allem war es kein Zusall, sondern das muß eine Fügung Gottes gewesen sein. Also höre G. ist mein Zeuge.
Gestern Mittag erhielt ich einen Brief von Lieschen, voll Kummer und Sorgen erfüllt über ihren armen G.. der in drei Wochen nichts von sich hat hören laßen. Sie schickte mir einen Brief für E. mit. da er doch auch in Bclgien wäre und ich denselben schneller besorgen könnte. Ich betrachte mir nie Adreße und sehe mit Staunen, daß er zu demselben Armeekorps gehört, wo wir beigegeben sind. Ich will unseren Kommandanlen fragen, wo die stecken können. Mit dem Gedanken trat ich ans der Tür. als ein Soldat mit einer Mainzer Uniform vor mir stand Ich iragte ihn, wozu er gehörte? Prompt raffelte er mir feine Adreße. die auch die Georgs war. herunter. Ich frage ihn schon staunend, ob er vielleicht einen Weinmann kenne: daraus jagte er, das ist ja unser Kolonnensührer Ich war wie vom Blitz getroffen, ich versprach khm 5 Franken, wenn er mir meinen Bruder hierherbrächte. „Kamerad, da» kannß Du billiger haben, setz dich auf dein Fahrrad und gondle mit mir", war die Antwort. Gesagt, getan! ohne Urliub, Iclbst auf die Gefahr hin, bestraft zu werden, gings 'os. 18 Kilometer weit von Ostende nach Eonkeiaere. wo E. lag. Lieschens Brief halte ich mir noch schnell eingesteckt. Als ich an- kaw. feierten E. und feine Kameraden Schlachtfest, wobei cs frifche deutsche Wurst gab und belgischen Rotwein. Ich sah G. schon von weitem. Er mich nicht. Es war Inzwischen dunkel geworden. G. saß am Wachtfeuer, und ich konnte unbemerkt hcranschleichen. Als ich hinter ihm stand, rief ich: Schorich- Ohne mich gesehen zu haben, mit Blitzesschnelle ries er Otto und wir lagen uns in den Armen. Du kannst Dir denken, was wir alles uns zu erzählen hatten. G. Ist von Frankreich hier hcrgelommen. Er steckt schon sechs Wochen tn seiner Kleidung und ein Bett hat er überhaupt noch nicht gehabt. Dagegen fehlt cs an Eßen und Trinken nie. Wir blieben die Nacht zusammen und schliefen in einem Munitionswagen aui einem Haufe» Granaten den Schlaf des Gerechten. Nie werde ich', vergecßn. Den anderen Morgen fuhr ich dann wieder zurück, meine Kameraden hatten dafür gesorgt, daß nichts vc-r meinem Fehlen bemerkt wurde. Ich habe meinem Gott gedenkt für diese schönen Stunden und mich dazu gefreut, daß ich Lieschen schreiben konnte, ihren Briei persönlich besorgt zu haben. Mache Dir keine Sargen um mich, es geht mir gut. Vielleicht kannst Du den Brief hier nach Holzhausen schicken, damit sie sehen, wl« ich E. getroffen Hobe. Ich kann jetzt nicht gut lange Briise schreiben, habe meine Last genug, daß Du zuftu-o-n gestellt wirst. Nun noch herzlichen Gruß und Kuß an Dich und Anita. Dein Ott»
Unser lieber Mitarbeiter Bernhard Lenz, der .üs Lazarctt-Unterosfizlcr in der Nähe von Lille tätig ist. sendet folgenden Feldbrief:
Bo »du er, 15. Noo. 1811.
Lieber Freund Karl!
Soeben habe ich die von Dir und meinen Freunden gestis- teten Liebesgaben erhalten. Recht herzlichen Dank. Lieber Karl' Danken lernt man wieder in dieser ernsten Zeit, uian dankt für ein Stllck trockenes Brot, man dankt für einen Schluck Waßer, wieviel mehr muß man danken, für Liebesgaben au» treuer Freundeshand, aus weiter Feine, aus der geliebten Heimat. Bon mir kann ich keine großen Heldentaten berichten. wenn man dazu verurteilt ist. feine Kräfte einem Lazarett bezw. dem Samariterdienst zu widmen, so kann man weiter nichts als barmherzig und mildtätig fein. Mllßcn wir doch die Wunden zu heilen suchen, die so ein Krieg schlägt. Da» Elend, das man fast tagtäglich steht, ist unbeschreiblich. Unsere Verwundeten sind alle Helden. Die größien Schmerzen halten sie stunden- ja tagelang aus ohne zu murren und ohne zu klagen, oft mllßcn sie 15—28 Kilometer und noch mehr zu Fuß wandern, bevor sie in ein Lazarett ausgenommen werden, dabei sind sie alle mit dem Wunsche beseelt, recht bald geheilt zu werden, damit sie wieder ihre Kräsie dem Vaterland widmen können.
Auch unsere Kameraden in den Schützengräben, in denen sie bei diesem regnerischen neblichen Wetter tagelang zubringen müßen »nd ojt bis an die Knie im Waßer stehen, haben gerade keine Annehmlichkeiten. Es juckt bei ihnen in allen Knochen. sie sind manchmal kaum zu halten. Rur im Sturm wollen sie vorgehen »nd die feindlichen Stellungen, die alle ausgezeichnet befestigt und angelegt sind, nehmen. Um Menschenleben zu schonen, muß unsere Artillerie aber erst den Weg ebnen und sreimachcn und das geht unserer tapseren Infanterie niemals rasch genug.
Erzählungen von drei Verwundete», zwei Deutschen und einem Franzosen, will ich Dir noch schildern:
Ersierer ein Kriegsfreiwilliger, fast noch ein Mntterkind, im Vergleich zu den übrigen Verwundeten mit ihren allen etwas verwilderten Grsichtrzügen, ein biederer Württembergcr von 17 Jahren, hat den kleinen- und Ringfinger der linke« Hand durch eine» Echrapnelljchuß verloren. Siebzehn Kilome- ter ist er schon heute marschiert. Ich reiche ihm zur Stärkung ein Glas warmen The« mit Zucker und Rum, das ihm recht wohl tut. Wollte ihm etwa» Trost zusprechen, aber sofort erklärt er mir: „Ich bin nur ftoh, datz er nicht der Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand ist. Ich kann die Zeit nicht erwarten, wo ich wieder im Schützengreben gegen unser» Feind« kämpsen kann."
Ein Leichtverwundeter, der direkt au» de« Schützengrebe» kommt, erzählte mir: „Gtue» Morgens kommt von den, französischen Schützengraben un» gegenüber rin Mädchen im Alter von 8—18 Jahren heran und hat einen Brief, tn dem zu lesen ' war' Wenn die Dentichen die fest« Veiiichnung geben, datz


