Nummer 276
Dienslag, den 24. November 1614.
7. Jahrgang
Ueue Tageszeitung
D» ,,r>r»» ««r»»>rit«ng" tiidicint itficr SOdltag. Regelmäßige Beilagen „tz>»» Kauer MI» $«ITra“, „Pi» Hpinnitsd«". s»,ug«prei« . Bei de» 'poganstoiten vietiellaqlli.y Hit. J,w5 b«t den Agenten monoili* 50 Vtp. ^>n,» tritt 'l ohfi«bnl)i »der Irägetiolm. An,eigen i Grundteile 20 Mg- lokale 15 Pig, Air,eigen von auswäns wetden vut.h Palnahnahme erhoben _ErlüNvnosort Fri«db»rg. ZcheiNieitnng und Peel«, Fttedbetq (Hesien), Hanauetiraß« 12. Fern ptecher 18. Slostimeck-Tont» Re. 4R.i9, Amt ^rontfurt o. AI.
Zchrilt für Slhrilt llHMärlli in dkl, AWiliini.
Neue russische Armeen in Polen. — Wieder 2160 Rnfien von den Oefterreichern gefangen. —
England in Not.
Der deutsche Generalstab I L-.. . - meldet:
WTB. Groszcs Hauptquartier, 23. Nov. vormittaqs. Amtlich.
Die «ämpfc bei Nieuport und ?)pern dauern fort. (*»» kleines englisches Geschwader, das sich zweimal der »rüste näher- te, wurde durch unsere Artillerie vertrieben. Das Keuer der englischen Marinegc schütze blieb erfolglos.
Am Argonneuwald gewinne» wir Tchritt für Schritt Boden. Gin Llljützen- grabcn nach dem andern, ein Stützpunkt nach dem andern wird den Aranzosen entrissen.
Täglich werden eine Anzahl Gefangene gemacht. — Eine gewaltsame Erkundung gegen unsere Stellung östlich der Mosel wurde durch unseren Gegenangriff verhindert.
In Ostpreußen ist die Lage unverändert.
In Polen schiebt das Auftreten neuer russischer Kräfte aus der Richtung von Warschau die Entscheidung noch hinaus.
Ln der Gegend öklich CienKochau und nordöillich Krakau wurden die Angriffe der verbündeten Eruppcn fortgesetzt.
Oberste Heeresleitung.
Der österreichische Generalstab — meldet: ■-= »
2100 fficfottftcttt in Russisch Polen. Wien, 22. Nov. lW. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 23. Nov. Mittags. In RussisckpPolen ist noch keine Entscheidung gefallen. Die Verbündeten setzten ihre Angriffe östlich gegen Ezenstochau und nordöstlich Krakau fort. Bei der Eroberung des Ortes Pilica machten unsere Truppen gestern 2100 Gefangene. Das Feuer unserer schweren Artillerie ist von mächtiger Wirkung. Die über den unteren Tunajec vorgedrungcnen russischen Kräfte konnten nicht dnrchdringen. Tic Kriegslage brachte es mit sich, bah wir einzelne Karpothenpässe dem Feinde vorübergehend überließen. Am 20. November drängte ein Ausfall ans Przc- mysl die Einschließungslruppen vor der West- und Tüd- westfront der Festung weit zurück. Der Gegner hält sich nunmehr anher Gcschützertrag.
Der Stellvertteier de« Eliess de« tSeneralistabes: von Höser, Generalmajor.
Tic Kämpfe in dcn Karpathen. Budapest. 23. N-w. Wie bereits gemeldet worden ist. sind gleichzeitig mit den £ perationen in Russisch-Polen auch in den Karpathen größere Kämpfe im Gange. Diese Kämpfe sind durch einen Vorstoß ziemlich bedeutender ruslischer Truppen gegen die Karpathen veranlaßt warben. Unsere zum Schube der Karpathen beorderten Armectcile haben östlich von Wojnie, gestützt auf die Karpathen, den Kamps ans der ganzen Lime mit den Russen ausgenommen. Es sind alle Vorbedingungen kür unseren Erfolg gegeben, umsomehr, als- die Nus- sen moineutan zwischen drei Fronten eingeprcßt sind.
Die Kämpfe iu Serbien. (SB. B Nichtamtlich). Infolge der starken Verluste der Serben in den letzten Kämpfen im Abschnitt von V a l I e v o stnd wieder über 800 Verwundete nach Monastir gebracht worden, wo die Serben bereit; Prioat- wohnungcn reguiricrt haben.
Belgrad vor dem Fall. U j v i d c k, 23. Nov. Die Ein- nähme von Belgrad kann stündlich erwartet ir erden. Au« Semlin wird die Festung ununterbrochen bombardiert. Aus der Höhe de« Kalimegdan sind sämtliche Mili- tärgkbäude, io auch da; Hau; de« Eenctalstabes. eingestürzt. Der Konak und viele Gebäude im Innern der Stadt sind arg beschädigt. In Belgrad sind noch immer mehrere Tausend Soldaten, die sich, wenn sie sich mit der serbischen Armee nicht vereinigen können, was wahricheinlich ist, ohne Kampf werden ergeben müsien. In der Stadt ist der Lebensmittelmangel
sehr gtoß. Besonders fehlt das Brot, da kein Mehl vorhanden ist, lDeutschc Tageszeitung).
Drr UJfltbrirg im fiditr rinro llrntralni.
Die „Züricher Neueste Nachrichten" schrcibcn vom 2l. Nov.:
Die Berichte von den Kriegsschauplätzen sind heute teilweise zu Wetterberichten geworden. Der Vorwinter war noch immer eine schwere Zeit für dcn Krieg und doppelt dreifach hart und anstrengend sür die Truppen. Im modernen Krieg mit seinen vielen schweren Vehikeln ist er doppelt ichwiciig, und die Tcrrainvcrholtnisse müsien noch ängstlicher inBciiickjich tigung gezogen werden. Jeder Fehler in solcher Berechnung kann sich zum Unheil gestalten. Dies gilt für jede der krieg- jührenden Parteien und sür alle Kriegsschauplatz« im Zeichen Maße, am meisten wohl süi jenen draußen am Kanal mit seiner Unzahl von Wafferläufe» und Ueberschwemniungsgedieien. Ucber die Lage läßt sich zur Stunde nichts Neues lagen. In Frankreich ist die deutsche Stellung fester denn je. jo fest, daß man deutscherseits ruhig dcn richtig erscheinenden Moment zum entscheidenden Vorstoß, ohne daß dieser zu große Opser an eigenen Kräften «rsordcrt, abwartcn kan». Die Berichte neutraler Sachoerständiger laute» auch übcrcinstinimend dahin, daß eine Osscnsivc der Verbündeten aussichtsloser als je geworden lei. Dieser letztere Umstand lcnnzelchnct die Situation zur Genüge: keine Aussicht aus ersolgreiche Lstensioe sür die Vcrblln- detcn heißt — „verlorene Parici" sür sic. Freilich meint die Lendone: „Daily Mail", der Vormarsch der Verbündeten nach den Rhein beginne erst nächsten Sommer und darausyin müsie England 800000 Mann bereit halten. Ein großes englisches Blatt, — und solch« Klndskopjerei. In Russisch-Polen und damit auch in Galizien leuchten Deutschen und Oesterreicher Heller denn je gute S eine. Jeder Tag kann von dort ein« wichtig« Sicgcsbotschnst dringen. — In Serbien geht der Krieg in das Stadium des letzten verzweifelten Widerstandes über und dann konimt ein ungeheurer Krach. — Die Türtei tritt über Erwarten kräftig IN Aliioii und scheint bis je«! sowohl gegenüber Rußland als England im Vorteil zu sein, wobei sreiiich noch lcinerlei Ereignisie von irgendwelcher cntichcidcn- den Bedeutung zu melden sind.
England iii Not.
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel mag die Nachricht in London gewirkt haben, baß die Türken bereits den Suezkanal erreicht haben. Zwar war es beim Ausbruch des
Krieges der Türken gegen den Dreiverband bekannt, daß die Tiirlen die Engländer in Aegypten zn fassen versuchen würden, doch man hätte nicht geglaubt, daß ihnen so schnell der Turchniarjch durch das Wüstengebiet der Sinaihalbinsel gelingen würde. Daß dies gcsthehen. daß sie nicht nur den Widerstand, dcn die Natur in der dortigen Gegend leistet, sondern auch den bewaffneten Widerstand der Engländer überwunden haben, beweist, daß ein neuer Geist in die Türken gefahren ist und daß sie den jahrhunderte währenden Schlendrian, der ihr Reich an dem Rande des Abgrunds gebracht hat, noch zn rechter Zeit überwunden haben, ehe cs zu ipät ward.
Wenn die Türken bereits am Suezkanal angelangt sind, so muß cs ihnen ein leichtes sein, die Schiffahrt ducts dcn Kanal zn sperre» und das wäre ein schwerer Schlag sür England, denn seine Verbindung init Indien wäre dadurch auf's cmpiindlichstc gestört. Alle Schiffe würden gezwungen werden, dcn weiten Um» cg uui das Kap der guten Hossnung zu machen und der Weg würde dadurch um Wochen verlängert werden. Mit dem Snczfanal ist aber auch der Besitz von ganz Aegypten a»f das schwerste gefährdet und die jahrzehntelangen Beniübungen der Engländer, das alte Wunderland der Pyramiden ganz und gar unter ihren Einslnß zn bekommen, binnen weniger Tage gescheitert. Schon der erste Napoleon bat die große Bedeiikimg des ein- stigen Pharaonenreickics erkannt tmd vergeblich versucht eS unter Frankreichs Einfluß zu bckcnimen. Sein schwacher Nachfolger. Napoleon III., setzte dv-ch die Erbauung des Snczkanals. der mit sranzösischcm Geld erbaut worden ist, diesen Versuch glücklicher fort, bis durch den Zusammen- biuch von Sedan im Jahre 1870 Len Franzosen mit vielen andern auch die in Aegypten geernteten Früchte verlustig gingen. Seitdem ist England nnbestritten an Frankreichs Stelle getreten und. der Kriegsausbruchs hat gezeigt, daß England mit dem Kanal am Suez schaltet und waltet nach Belieben. Daß dies nun alles ein Ende haben soll, das ist bitter für England.
Aber auch sonst mebreu sich EnalewdS Nöte. Trab
aller amtlichen Ableugnuiigen, laßt sich nicht verhehlen, daß der Burenaufstand m a r! ch i e r t. Wenn wir auch die Nachricht, daß sich bereits 100.000 Buren um dcn hochgemuten De >vct geschart hätten, sür iibettrieben halte», so steht doch lest, daß die Schare» derer, die die Burenlande vcu, englischen Joch befreien möchten, täglich wachsen und daß ihre Aussichten die besten sind. Es ist bekannt, wie vor 11 Jahren Großbritannien alles aufbieten nnißte, um der Buren Herr zu werden. Auch damals marschierten Indier, Kanadier und australische Lanzenreiter aus und Irotzdeni ist es kaum gelungen. Heute hat England in Europa alle Hände voll zu tun: es ist in Aegypten übergenug beschäftigt und blickt voll Sorge auf seine mohnn- meininischen Untertanen in Indien, im Sudan u. and r?» wo. Heute kann England nicht den jrfmten Teil der Mas- sen nach Südafrika senden, die ihm im Burenkrieg zur Verfügung gestanden haben. Deshalb sind die Aussichten dec Freiheitskämpfer im Transvaal und im Freistaate nicht zn unterschätzen.
Hossentlich nahet die Stunde der Abrechnung. Ber'its ist Old-Englmid verschwunden: die ewigen Kolonial-Kriege haben die Besten des Volkes ausgcrieben, das angelsächsische normannische Edelvolk ist verschwunden und hat dem Packvolke der Grey's »nd Lloyd George's, dcn Wälschm, Platz gemacht. Das Iteutige England bringt keinen Shakespeare, keinen Dickens, keinen Earlyle mehr hervor, sondern nur uock> Kouiödianien vom Schlage eines Churchill und Haldane. Old-England ist nicht mehr und dem Kränier- u lf von heute beginnt die Stunde zu schlagen. Der Tag aber an den, dieses verrucht« SMf zei-lchpi.-ttert am Boden lwech ist der Tag der Befreiung für die Menschheit.
Von der Front im Westen.
Englische Bcrftärkungen. Rooscndal, 23. Nov. Au»
Eale.is wird berichtet: Der Präsekt von Bethune hat di« Bevölkerung ausgesordert, die Stadt zu verlassen UN» sich nach südlichen Departements zu begeben. Entsprechend« Maßnahmen zur Besörderung der Flüchtlinge sind von der Regierung angeotdnct worden. In Bethune liegen zurzeit 20 000 schwerverwundete Franzosen und Engländer, darunter meh-:r« bekannte Generäle. In Boulogne trafen zwei Transportschisf» mit englischer Artillerie und Ableitungen d«r Raval-Royal» Garde ein. Die bedeutenden Verstärkungen sind teils !ur einen Ofscnstvstoß im Gebiete von Lille—Armcnlicres, teils für einen Gcgcnangriss aus die den Derbündelen abgerungcncn Punkt« zwischen Ppern und Neupott bestimmt.
Alle Spitäler «berjüllt. Berlin, 23. Nov. Da» „Bert. Tageblatt" meldet aus Rom: Dem „Mesiagero" zusolg« lei» det das französische Heer sutchtbar unter der Kälte. All« Spitäler seien mit Sterbenden und Kranke» überfüllt. Man sülchtet, daß der Winter ebenso rauh werden wird, wi» der von >870. Die Fahrstraßen sind sehr unwegsam, so daß tc» Verkehr der Munitionskolonnen säst unmöglich gemacht wird. Nach Ansicht militärischer Kreise wird der Krieg sür die Alliierten immer schwieriger und fordert immer noch größer« Opser als bisher.
Verluste der indischen Truppen. Rotterdam, 23. Now Die „Times"melden aus Calais: In der Gegend von La Bas» sec standen mehrere indische Divisionen an mehreren Tage» im Feuer und mußten schreckliche Angriffe der Deutschen aus» halten. Fast täglich wurden ihre Reihen infolge der snrchtba» een Kanonade und des Maschinengewehrseuer» der Deulschcn dünner. Unter Liesen Umständen hatten sie keine Gel»gcnheit, ihre Geschicklichkeit im Bajonettangtijs und im nächtlichen Schlcichangrisf (!) zu zeigen. Bisweilen sind die im Lazarett cinlrefsenden Fcldambulanzen ausschließlich gefüllt mit indischen Truppen.
fo tfljlt lifin dkulschkg Ilntrrlffboot.
Berlin. 23. Nov. (SB. B. Nichtamtlich.) Vor ctw, acht Tagen brachten englische und französische Blätter die auch in einen Teil der neutralen Presse übcrgegangene Nachricht, daß im englischen Kanal zwei, nach einer anderen Lesart drei deutsche Unterseeboote vernichtet Word.'» seien, davon eines durch einen französischen Torpedoboots- zcrstörrer, der mit nur einer leichten Beschädigung am Bug in Dünkirchen cingelausen sei. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, fehlt kein deutsches Unterseeboot. Sollten doher im englischen Kanal Unterseeboote gesunken sein, k» könnte cs sich bloß tun englische oder französische handeln.


