Beilage zur „Neuen Tageszeitnu
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*!*. 27
Samstag, den 21. Itovember 1911.
7. ^aisrgang
^atcnlontttag.
Der Himmel trauert tief verhangen,
Das Feld sa öde, grau und leer,
Die Einsamkeit lammt selbst gegangen Still über unsere Fluren her.
Und Friede, Friede, hcil'ger Friede Schwebt hossnunge-voll ob der Natur,
Er iegnct alles, was verblühte Auf einst so hossnungsgrüner Flur,
lila» grauen Mauern jn» »mschlone«
Liegt dort ein sorgenloses Feld,
Die Blume», die dort einsam sprossen,
Sie blühen einer andern Welt Was einst mit Trane» saust geborgen Ties in der Erde kühle» Schatz,
Es kennt kein Heut, es kennt kein Morgen,
Ihm blüh« das ew'ge Lebenslos,
Nur schlichte, graue Eräbersteine verkünden, das, hier einsam ruht,
Der Leib so vieles in dem Schreine,
Der Leib von unserni Fleisch und Blut Wa» einst geglanzt aus unsrer Erde Bersank zur wahren Nichtigkeit,
Bus Glanz und Ruhm solgt dar Gesährte Di« grotze, tote Einsamkeit,
3« dieser Stätte [afft uns trete»
Mit Demut, allen Stolzes bar,
Zu Gott, zu dein die Ahnen slehten,
Ringt auch die Hände dieses Jahr,
Berges,«, was irdisch ist und wankend,
Söhnt euch jetzt mit dem Himmel aus,
Preist Gott den Herrn — ihm ewig dankend Zieht einst ihr ein ins Vaterhaus,
Die seine in der sremde» Erde Als Heiden ewig lebend ruh»,
Sie ritz der Tod ans flüchtiger Fährte Hinweg vom heldenhaften Tun,
Wenn wir auch nicht die Augen schlossen De» Lirben bei dem Sterbengeh'n,
Steht doch in »nser Herz gegossen:
Datz alle, alle auscrstch'n. —
Albert Wols.
Ans meiner Dorflrirche.
Totensonntag.
Ev Ioh, Kap, 5, B, 25, Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Er lammt die Stunde und ist schon letzt, datz die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes höre» — und die sie hören, die werden leben,
Liebe Gemeinde!
Wenn inir jetzt geschehen sollte, was einst dem jungen Könige Salomo geschehen ist, datz Gott mir eine» Wunsch sieistelltc, de» er crsüllen wollte, ich wützte gleich, was ich wünschte' Liebe Gemeinde, ich wünschte nicht, datz der Krieg anshörle — nicht, Latz das Massensterben ein Ende nähme: Denn so sehr Nlir dieser Wunsch am Herzen liegt, so ist cs uns doch allen viel zu sehe zur Gewitzhcit geworden, datz sich in diesen Dingen eben Gottes Willen vollzieht, scheetklich ge- Miß. aber doch auch heilsam: aber wenn ich wünschen dürste,
dann wollle ich wünschen, was jetzt einen Menschen zum Glück- lickpte» ans Erden machen mutzte Datz Gott mir verleihen möge, all die Tränen zu trocknen, die eben slietzcn, in all' die traurigen Herzen einen Schein hellen Himmclslichtes hinein- sallen lasjei, zu können. Wer das eben könnte, datz er durch die Gagen unb Häuser ginge, und wo er einem Traurigen in
die Augen blickte, da würden die Augen hell und die Trauer schwände im Sonnenschein — wahrlich, das mutzte ein Mensch sein, wie der Sonnenschein selber, wer di« Kraft in sich trüge, der hätte ein Glück so grotz, datz man Essen und Trinken, krank und müde sein, ja datz man alles, alles darüber vergessen könnte! Es gibt eine schreckliche Geschichte von einem Bruder und einer Schwester — der Bruder wird weggeruse» und die Schwester, von Unruhe getrieben, läuft ihm nach, von Zimmer zu Zimmer — bis sie auf einmal vor einer schweren eisernen Tür steht, die sich nicht öffnen lägt, — dahinter ist ihr Bruder verschwunden, weinend und klagend steht sie vor der Türe, mit allen Kräften stemmt sie sich dagegen, rüttelt und schüttelt ~ aber es Hilst nichts, di- Türe bleibt zu — und dies« schreckliche Geschichte erleben eben tausende in unserem Volk! Ihre lieb sie» Angehörigen, die von ihnen gegangen sind in strahlender Zugendkrast, verschwinden hinter dem Tor des Todes, dos sich nie mehr öffnet — alles Klagen und Auflehnen gegen das Furchtbar- ist umsonst! Es gibt ja so mancherlei Trostgründe für die Zurückgebliebenen, und sie werden gewitz oft al s wohlmeinendstem Herzen gespendet: datz es eben sür's Vaterland
ist —und ist gewitz schön und voll Ehren so zu sterben — daß noch so viele, viele andere es auch tragen müsien, wir haben vielleicht alle schon versucht, in solcher Weise — andere zu trösten — aber gerade da liegt es ja: so schon und wertvoll uns solcher Trost Vorkommen mag, solange es sich um anderhandelt: Wenn's erst einmal um die eigenen Lieben geht, dann spüren wir. wie diese Worte wirklich sich als das zeige», was sie sind: Worte — schöne Worte — oft sehr schöne Worte — aber auch weiter nichts: Nein, wer uns wirklich trösten wollte, wer cs wirklich schaffen wollte, datz wieder Licht hin- einsalle in die Finsternis dieses Herzeleides, der mutzte imstande sein, das eherne Todcstor zu brechen, damit wir wieder eins werden könnten mit unseren Lieben! Zwar nach einer Seite ist dies Tor ja von jeher offen gewesen: Sterben müsse» wir alle! Das kann uns schon über eines kosten, nämlich, datz wir nicht sagen müssen: Die von uns schieden sind unglücklich, weil sie sterben mutzten: so brauchten wir nur zu sagen, wenn wir sortsahren könnten: wir aber müsse» nicht sterben! Und wir alle mästen doch sterben! Und auch die nun gefallen sind, sie hätten ja doch sterben mästen — vielleicht etwas später! — aber doch sterben! Und wie manchen unglücklichen Lebendigen haben wir doch schon gekoffen, der beim Gedanken an eine grotzc Gefahr, d-r er früher einmal entgangen war, sprach: ach, wäre ich doch damals gestorben, dann hätte mich jetzt das Unglück nicht! — Darum wollen wir uns damit das Herz nicht schwer machen. Für die Gesallenen hat Gott gesorgt. Aber das ist das Schreckliche: datz wir von
ihnen scheiden mutzten, datz w i r jetzt ihre liebe Nähe entbehren müsten, datz sie uns genommen find! Und auch das offene Todestor, von dem wir bisher redeten, hilft uns da nichts, denn wenn wir ihnen auch Nachfolgen wollten in den Tod wir würden sie doch nicht finden, sondern einsam liegen wie sie! — Nein, wer uns wirklich unser Leid in Freude wandeln wollte, der mützte ein anderes Tor öffnen: ein Tor, durch das wir unsere Lieben wiederjinden!
Und liebe Gemeinde, da ist die Freudenbotschaft des Totensonntags, die Botschaft, die ocn Totensonntag macht zum Totenfest! Es ist einer da, der diese» sehnlichsten Wunsch un sercr Herzen erfüllen kann: Der Mann am Kreuz, — der Mann der Auferstehung! Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, datz die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie hören, die werden leben! Wir mästen uns auch hier vor den Worte» hüten! Es gibt wunderbare Worte und Gründe von der Unsterblichkeit des Menschen, davon datz all' die gute» Eigenschaften eines Gestorbenen nicht plötzlich verschwunden sein könnten — u. s. f. Aber wo es einmal ernst wird, wo hart auf hart kommt, da wird sich doch immer wieder zeigen, datz auch das nichts weiter sind als Worte! Und das Sterben eines Menschen, der uns lieb ist, ist eine so sürchlcrliche Wirksamkeit und Tatsache, daß dagegen
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Montag, den 23. d. Mts. sollen nachverzeichnetc Grundstücke anderweit aus 9 Jahre verpachtet werden und zwar:
Vormittags uni lll Uhr di- Grundstücke der Gemarkung Friedberg im Saale über den städtischen Pserdeställen sEin- gang vou »er Haagstratzej.
— 3252 qm, am Ringgraben die sog. Koppel- 5 Abteilungen.
a l48öqm) htr Ohrlochs- und Schlagweg.
339 qm. Weg hinter der Blindenanstalt.
1825 qm, Wiese im Usaseldchen.
.--4« qm, Acker am Psaftenbrunaen.
9480 qm, WieiedieSauerweideinbAbteitungen ll:l qm, Erabland hinter dem Friedhof.
1929 qm, Grabgarten im Nojenchal.
2I8t qm, Wiese der Königsstuhl.
, im vu,......
= 2109 qm. Acker am Friedhot in 4 Adtcil 9750 qm, Grabla nb >cher der Wehrbach t Nvn-
Flur H.
Mr. 135
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Nachmittags
Stadtteils z»»erd»
Flur XXiil. Nr. 13t
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Nr. 391
dol) in 8
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Worte und Gründe völlig wcrilos werden: Gegen diese sllrch- terlichc Wirklichkeit kann nur etwas helfen, das selber Wirklichkeit ist: und wir haben es selber in schwerem schmerzhaftem Suchen erfahret«' es gibt nur ein Ding, das so wirklich und so stark ist, datz es mit dem Tod fertig werden kann: das ist: Jesus Christus der Auserstand-nc! Wer ihn einmal neben sich Hai gehen spüre» im Lebe», der weitz, datz des Todes Gewalt gebrochen ist! Aber wir müssen wohl bedenken: Mi: werden Jesus nie finden, wenn wir »ns fclbstfüchtig in uns selber zu- rnckziehen, um nur unscren Schmerz und unseren grübelnden Gedanken zu leben: Er hat ausdrücklich gesagt: wo zwei
oder drei zu-famme» sind i» meinem Namen, da bi» ich mitten unter ihnen! Drum gehe hi» zu denen, die Gott dir noch gelassen hat, oder die er dir gerade jetzt in den Weg schick« und lasse sie deine ganze Liebe spüren: dann wirst d» aus einmal erfahren, wie Jesus neben dir steht und in ihm wirst du alle die wieder finde», die der Tod dir cntrisscn Hot! Und dann wirst du mit Freude erfahren: Die Toten hören die Stimme des Sohnes Gottes und leben. Amen
Ishrouilra der Kriegs,, eichichlc.
13. November.
Am Äser Abschnitt, bei Nieuport, brachten unsere Marine- truppen dem Feinde schwerste Verluste bei und nahmen 70« Franzosen gefangen. Bei Ypern wurden weitere 1100 Mann gefangen genommen.
An der oftpreutzischen Grenze bei Eydtkuhnen und löblich davon, östlich des Scenabfchnittes haben sich erneute Kämpfe entwickelt.
Die östcrrcichichen Truppen sind in Verfolgung »er Serben vor Valjewo angckommen.
Die Türken sind bereits 3 Stunden über die russisch- Grenze am Kaukasus vorgerückt.
14. November
Erfolgreiche Gefechte um Ypern westlich von Lille und I* den Argonnen, 850 Gefangene.
Bei Stallupönen wurden 590 Nutze» gefänge». Bei Wlok- lawc« wurde ein russisches Armeekorps geworfen und dabei 1500 Gefangene gemacht und 12 Maschinengewehre erbeutet.
Die Oesterreicher machte» bei Przemnsl erfolgreiche Ausfälle, sie drangen bei Valzewo (Serbien) trotz heftigem Widerstand vor und nähern sich Belgrad.
Die Zahl der in Oesterreich gefangene» Feinde beläuft sich auf 92,727 Mann und 887 Offiziere.
Das türlifche Hauptquartier meldet einen Sieg über die Russen bei Küeprikoei am Futze des Kaukasus. Die Rotzen ,vur den unter schweren Verlusten (zkka 8 509 Mannj aus befestigten Stellungen zurückgeworfe».
15. November.
Wegen »»günstigen Wetters wurde» bei Ypern nur geringe Fortschritte erzielt und dabei einige hundert Franzosen und Engländer gefangen. Fm Argoi.nenwaldc wilrdc ei» wichtiger Slützpunkt der Franzosen genommen.
Die englische Regierung fordert eine» neuen Krieg-Kredit von 4X Milliarden Mark.
Deutschland protestiert gegen amerikanische Kriegslieferungen an England und Frankreich.
18. November.
2»I Argonnenwalde errangen wir grotzerc Erfolge
Erotzer Sieg bei Kutno im Osten! 28 000 Russe» gc- sange», zirka 80 Geschütze und Maschinengewehre erbeutet. Die Armee Hindenbur.z hat hiermit an der Warte einen enischei denden Schlag gegen die russische Osscnsioe an der Grenze von Posen geführt Auch bei Soldau, Lipno und Stallupönen san- dcn für uns siegreiche Gefechte statt.
Die österreichische Armee in Serbien hat die Linie 20ieno- wotsch-Valjcvo mit diesen beiden Städte» besetzt.
Die Türken machen am Kaukasus Fortschritte und rückten
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