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Mittwoch, den 4. November 1014.
7. Iahrganc
Uene Tageszeitun
Die „rieue Tageszeitung ' erscheint leben Werttag. Regelmäßige Beilagen „Drr Kauer au» Hessen", „Die Kpinnssube". KklUgopreis: Bei den Postanstatte» vierieliährtich 'Mit. 1 ,90 lei den Agenten nionallich 50 Pig. hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Auieigrn: Erundzeile 20 Psg., lokale 15 Psg, Anzeigen von auswärts werden durch Pastnachnahm.' cr>obe» Erfüllungsort Friedberg. SchriMeitung und Verlag Friedberg (Hessen), hanauerstrage 12. Ferniprecher 48. Poftfcheck-Lonto Nr. 4859, Amt Frantsurt a. M.
Anhaltende Kampfe im Westen.
2300 Engländer gefangen. — Barbarische Kriegführung der Rnfien. — Der neue Türkenkrieg.
Zur Kriegslage.
Tic Vorgänge ans dem westlichen Teile des Kriegs. lchanl'lotzcS lcriscu erkennen, dah wieder eine lebhaftere Bewegung eingesetzt hat. Ans der ganzen ausgedehnten Fcsnt, die von Belsort bis zur Nordsee reicht, werden mehr oder weniger heftige Kampfe gemeldet, Ersrcnlichcrweise besolden sich unsere Truppen überall im Vordringen. Wie wahrheitsgetreu unsere Heeresleitung berichtet, beweist der Umstand, das; wir selbst eine kleine Schlappe, wie die voraussichtlich stattgehabte Oiesangennahme von einigen hundert Mann, die doch i,t dem Millioncpkampf ohne jede Be- deutung ist, gewissenhaft verzeichnet wird.
Am heftigsten tobt die Schlacht im Nordwesten. Auch dort dringe» unsere Heere, wenn auch im heftigsten Kampfs, stetig vor. Tort steht uns die Hauptmacht der Engländer gegenüber, dic sich verzweifelt wehrt, dah tiitsere Krieger Eakais zu nahe kommen, von wo auS dic cnglifcl>e Küste zu erblicken ist. -Mit ganz besonderer Freude wird cs crjüll.-n, daß die Engländer tagtäglich an Boden verlieren und bei ihr.n ungeheueren Verlusten eine grobe Anzahl von Gefangenen ilnd Geschütze an uns abgcbcn müssen.
Tab die Verbündeten dic ganze Uingcgcnd. von Nien- pert unter Wasser gesetzt inib die Ländereien auf Jahrzehnte si-nmis verwüstet haben, ist bezeichnend: einmal deshalb, tt'ci! es wieder einmal beweist, wie gering dic Engländer Hab und Gut des ihnen verbündeten Belgien:. einschitze» wenn nur ihre eigenen Zwecke gefördert werden; und dann, weil daraus hervor-geht, dah die Stellung unserer Feinde sich gegen den Angriff unserer Truppen mit Waffengewalt nicht mehr halten konnte.
Wir geben nachstehend daS Urteil eine? Blattes, aus der neutralen Schweiz, der „Züricher Neuesten Nachrichten" i Cer die Lage wieder:
Vor beiläufig hundert Jahren verbrannten die Russen „m diese Zelt herum mit eigener Hand Moskau, die ihnen teuerste Stadt, uni die Armee Napoleons I. ihrer Winter- quartiere zu berauben. Tas war ein Akt klugen Heroismus. Heute durchstechen die Franzosen und Belgier ehre Dämme und setzen das Kanaldreieck unter Wasser, soweit cs geht, damit die Deutschen sich nicht ain Kanal festseyen können. Tics ist eine Tat unkluger Aufopferung bei Be- ginn des Monats November. Wohl bereiten sic damit den Deutschen Erschwcriiligen, sich selber aber auch. Tiefe Er- hwerungen sind zudem vorübergehender Art, ein lctztes ittcl der Verzweiflung in der Verteidigung. Was -ine Erschwerung für beide Teile ist, wird binnen wenig Wochen ein einseitiger Vorteil für die Tcutfchen sein. Wenn erst dic Schnee- und Eisperiodc komnit, schlägt dic künstliche Ilcberschwemninng zum sckiwcren Nachteil der Verbündeten aus. Tiese Periode kann schon in verhältnismäßig kurz.-r Zeit da sein. Dann kommen auch die Schützengräben nur noch in reduzierterem Matze zur Geltung: viele andere Teck- ungsgelegenheitcn fallen dahin: der ossen: Feldkampf nimnit wieder dic erste Stelle ei»: dic Skier werden eine Rolle spielen tiiid die besseren und besten Schuhe vielleicht dic größte. Für wen all dies Chancen bedeutet und für wen es dos Verhängnis werden kann, braucht nicht erst noch gesagt zu werden. Tie Tatsachen haben darüber scbon jetzt ent- schieden, von Nieuport weg bis Verdun ui-d Toni. Tic Teutickien könnten sich im Grunde riihig auf die cntsch-sd.me Verteidigung ihrer jetzigen Stellling beschränken, bis der ei- gentlichc Winter kommt, der ihren Sieg definitiv gestalten wird, während die Verbündeten die Teutsche» in der allernächsten Zeit bis weit nach Belgien, Luxemburg und Deutsch- Lothringen zurückwerscn müßten, nn, einer Winter-K.it>- st-.opbe zu entgehen. So stehen dic Tinge.
Militärisch stehen dic Tagcs-Chancen für die Teutsche:, am Kanaldrcicck sowohl als im Zentrum und im Osten der Ricsenschlacht ohnehin besser als !ür die Verbündet'!,. Ans dem östlichen Kriegsschauplatz haben die Lesterreicher in Galizien nnd angrenzenden Gebieten wenn auch keine entscheidenden, so doch gewichtige Erfolge erzielt, ebenso tn Serbien, während dem Genie Hindcnbnrgs die Neu-Aus- stellnng seine ungclchwächten Heeres in Russisch-Polen in überraschend kurzer Zeit gelungen ist, ohne daß die Rn's'N eine Störung der Operation z» unternehmen vermocht hät- tcn, an der sie sich nun die Zähne ansbeißen können.
Der deutsche Generalstab ■ h- ______ , — meldet: ______—= t
W. T. B. (ürostcs Hauptquartier, den 3. November, vormittags. Amtlich.
Die Uebcrschwcmiiiuiigkn südlich Nieuport schließen jede ^ Operation in dieser Gegend aus. Die Ländereien sind für lange Zeit vernichtet. Tas Wasser steht zum Teil über mannshoch. Unsere Truppen sind aus dem überschwemm tri, Gebiete ohne jeden Verlust an Mannschaften, Pferden, Geschützen sowie Fahrzeugen heransgezogen.
Unser Angriff ans Upern schreitet vorwärts, lieber 2300 Manu, meistens Engländer wurden z» Gefangenen gemacht und mehrere Maschinengewehre erbeutet.
In der Gegend westlich Rohe fanden erbitterte, für beide Seite» verlustreiche Kämpfe statt, dic aber keine Veränderung der dortigen Lage brachten. Wir verloren dabei in einem Torfgcscchtc einige 100 Mann nls Vermißte, und 2 Geschütze.
Von gutem Erfolg waren »nscrc Angriffe an der Aisnc. Oestlich Soissons nahmen unsere Truppen trotz heftigem feindlichen Widerstand mehrere stark bcseftigtc Stcllangcn im Sturm, letzten sich in den Besitz von Ehavonnc u. Soupir, machten über 1000 Franzosen zu Gefangenen und erbeuteten 3 Geschütze und 4 Maschinengewehre. Neben der Käthe- dralc von SoissouS brachten die Franzosen eine schwere Batterie in Stellung, deren Beobachter aus dem Kathcdrnlcturm erkannt wurde. Tic Folgen eines solchcu. Vitsahrcns in dem ein System erblickt werden m»ß, lieg » ans der Hand.
Zwischen Verdun und Toni wurden verschiedene Angriffe der Franzosen abgewicscn. Dic Franzosen trugen teilweise deutsche Mäntel und Helme.
I» den Vogesen i» der Gegend von Markirch ist ein Angriff der Franzosen abgeschlagen. Unsere Truppen gingen hierauf zum Gcgennngriss über.
Im Osten sind die Operationen noch in der Entwicklung. Zusammenstöße fanden nicht statt.
Zur Fortnahmc einer zur Tpreugting vorbereltet-nl Brücke trieben am 1. November die Russen (1. sibirisches Armeekorps) dic Zivilbevölkerung vor ihrer Vorhut her.
jj Der österreichische Generalstab j 1 "=== meldet: ==l
Wien, 3. Nov., mittags, (Nichtamtlich). Amtlich wird vcrtautbari: In Rusiisch-Poten brachen unsere Strcitkräste, ats sic dic starke feindliche Armee zur Entwicklung gezwungen batten, die Eesechtc aui der Lysa (Sara ab, um dic nach den Kämpicn vor Iwangorod b-sohtcncn Bewcguuge» fortzu- fctzc». Die Lage IN Galizien ist unverändert. Aus den Kämpfe» der letzte» Tage südlich von Stary Sambor und nordwestlich von Turla wurden bisher 2500 gcsaugcne Rüsten einge- brachl. lScstcrn früh überfiele» Husaren bei Sybnik im Strgj- tale eine feindliche Munitioliskolonne nnd erbeuteten viele Wagen mir Artillericmunitio«.
Der Stellvertreter des Chefs des Eencralstabcs: v. H ö s e r , Generalmajor.
Die Niederlage der Serben.
Wie«, 3. Neu. (Nichtamtlich). Amtlich wird vcrlaut- barl: 3, Nov.nnbcr. Erst jetzt läßt sich der in der Macoa errungene Erfolg voll überblicken. Dic dort gestandene zweite fcibifche Armee unter General Stepanovic mit vier bis fünf Divisionen lonnte sich nur durch Lberciiigcn Rückzug, wobei sie Boriäte aller Art und ihre Trains im Stiche lasten muß!- »nd zahlreiche Gefangene verlor, aus der bedrohlichen Situation retten. Der Feind ist, ohne i» fciac» vorbereiteten rückw' cti- gcn Stellungen neuerdings Widerstand -u leisten, in eni-m Zuge bis i» das Hügelland südlich von Sadac zurgckgewichen. Er leistete nur noch bei Sabac, welches in der Nacht vom 1. auf den 2. November von unsere» lapferc» Truppen erstürmt wurde, hartnäckige«, aber vergebliche» Widerstand.
P o t i o r e k, Feldzengmcister.
(Ürfolgrfiflje Kiiüizife nrgni die INiitfiirgriftrr.
Budapest, 3. No». Hebet die Kämpfe gegen die vereinigten montenegrinisch-französische» Truppen, welche in den letzte» Oktobertagen wiederholt Bersuche unternahmen, Eat- laro, Jgale, Teodo und Castclmuopo zu stürmen, liegen jetzt nähere Mittelungen vor. Bis zum 21. Oktober wurden die
Monlencgrincr stets in die Flucht getrieben. Unter dem Schutz eines großen Unwetters versuchte» die Montenegriner einen »eucrlichcn Angriff, der jedoch zurückgcworsc» wurde. In diesen Kämpfen gab cs zahlreiche sranzösischc Tote, Berwundcle und Gefangene.
Die Beschießung von Tsingtau.
Tokio, 3. Noo. (Nichtamtlich). Amtlich wird bekannt gegeben, daß die Beschießung vo» Tsingtau »»dauert Die meisten deutsche» Forts sind zum Schwcigrn gebracht, nur zwei beantworten unaushörlich die zu Wasser und zu Lande uuter- »ommenen Angriffe der Verbündeten. Das Bombaroewe»! verursachte eine Feucrsbrunst in der Nähe des Hafens und tue Explosion eines Ocltanks. Da» Fort Eicochaushau sieht in Flammen. Ei» deutsches Kanonenboot, das den Schornstein verlor, ist nicht mehr sichtbar.
..Karlsruhe" arbeitet rüstig weiter.
Wie Lloyds aus Para (Brasilien) gemeldet wird, hat dort der deutsche Dampfer „Assuncion" die Passagiere und Mannschaft des belgischen Dampfers „van Dyck" und der cn. '.'scheu Dampfer „Hurstdale" und „Ganton" an Land gesetzt. Die Dampsar sind von dem deutschen Kreuzer „Karlsruhe" erbeutet worden.
Der Tiirkenkrieq.
Der Seekauips im Schwarzen Meer, Die „Neue Fr. Presse" crsährt von maßgebender türkischer Seite: Nach Berichten des türkischen Ministeriums war der Scckamps im Schwarzen Mer: viel ernster, als die eisten Nachrichten «»nehmen ließen Gm kleiner Teil der türkischen Flotte, der Hebungen im Schwarzen Meer machte, wurde zunächst von russische» Kri«gs- schissen beobachtet und dann verfolgt. Die russischen Kriegs- schisse gingen bald daraus zum Angriff aus die türkische Fielt» über. In den Kämpfen gegen dic russiichc Flotte tat sich besonders das Linienschiss „Tourgud Reiß" hervor. Dic Erfolge der türkischen Flotte lassen sich folgendermaßen zusammenjassen Fünf russische Kricgsschissc wurden in Grund gebohrt, 19 Trans- porsschissc versenit. Auf den Transporischisscn besanden -ich, wie dic gesangenen russischen Marmesoldaten aussagten, nickt wenige» als 1799 Minen, dic im Schwarzen Meer oerscnlt werden sollten. Schon diese Tatsache beweist die feindselige Ab sicht der russischen Flotte. Bei der Beschießung der Häsen nur den 55 Speicher, die Petroleum und Getreide enthielten. Vernichter, und zwar SO in Sebastopol und Noworossijsk und iunj in Odessa.
Beschießung der Dardancllensorts. Dic „Franlj. Feiinng" nicidei ans K o n st a n t i n o p c 1 vom 3. No».: Heute seich nach Spnnciiaujgang crössnete ein aus neun Schissen beste -Ildes cnglisch-französiiches Geschwader aus einer Entscrnun-Z von 15 Kilometern ein Bombardement ans die Dardancllensorts Dic Beschießung, dic von den türkischen Werten erwidert wurde dauerte 20 Minute»; sic richtete keinen Schaden an
Eine türkische Note an Rußland, Petersburg, .:. Nov. Der cttomanische Geschäftsträger las am 1. November denn Mi- nister des Acußcrcn solgcndc Depesche des Eroßvesirs vor: Ucbcrmiltcln Sie dem Minister des Aeußern Sasianouo den Ausdrur. unseres tiefen Bedauerns über den Abbruch der guten Beziehungen zwischen den beiden Mächten, der durch der seindlichen Alt der russischen Flotte herbcigcsiihrt worden ist. Sie tonnen der Kaiserlich russischen Regierung versichern, daß die hohe Psorte nicht verfehlen wird, eine angcmcsiene Lösung dirsci Frage zu jinden, daß sie olle Maßnahmen ergreifen wird, um die Möglichkeit einer Wiederholung solcher Vorkommnisse zu vermeiden. Schon jetzt können Sie dem Minister des Aeußern irtlärcn, daß tue ottomansiche Regierung beschlossen bat, ihrer Flotte zu verbieten, das Schwarze Meer zu verlasse». Un- screrscits hassen wir, daß dic russische Flotte nicht an unseren Küsten kreuzen wird. Ich hasse scsi, daß die Kaiserlich russische Regierung in dieser Angelegenheit denselben Geist der Veriöhn- lichtert wie wir zeigen werde im Iiiteresic der beiden Länder. -- Noch Anhörung dieser Depesche erwiderte Sassanow den: ol- tomanischen diplomatischen Vertreter, er stelle sormell in Ab r-.de, daß die Feindseligleiten vcn der russischen Flotte begonnen worden seien. Er halte es für zu spät, irgend welche Bcr- -h-ndiungcu anzuknüpscn. Rur wenn die Tiirtci sogle-.ch alle deuischcn Beamten aus der Armee und der Marine ausgestoßen hätte, würde es möglich gewesen sein. Verhandlungen über die Entschädigungen d.-r Leute zu beginnen, dic durch de» hini.-rliiii- !>«!! Anglist an den russischen Küsten gelitten habe». Da 0:e Mitteilung des türkischen Geschäftsträgers nichts an der Lage ändert, teilte Sassanow Fahieddin mit, daß er am folgenden Tage seine Pässe erhalten werde, um Petersburg zu verlassen.
Der geplante russische Ucberfall auf die türkische Flotte. K o n s: a n t t n o pe t, 2. Rov. Eine amtliche Mitteilung gibt


