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Beilage zurNeuen Tageszeitung".

27,6 | __Samstag, den ol. Oktober 1914. I 7. Iahrgau

Ans meiner Dortlrirche.

Lukas K. 18, B I8. Er jagte ihnen aber ein Gleichnis davon, daß man allezeit leben und nicht laß werden solle und sprach. Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen, Es war aber eine Witwe in derselbigen Stadt, die kam zu ihm und spracht Rette mich vor meinem Widersacher, Und er wollte lange nicht. Darnach aber dachte er bei sich selbsl. Ob ich mich schon vor Gott nicht sülchte, noch vor keinem Menschen scheue, dieweil aber diese Witwe mir so viel Mühe machet, will ich sie retten, daß sie nicht zuletzt komme und betäube mich: Da sprach der Herr: Höret hier, was der ungerechte Richter saget, sollte aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu Ihm Tag und Nacht rufen, und sollte et's mit ihnen verzeihen? Ich sage euch, er wird sie erretten in einer Kürze,

Soll ich dir, lieber Mitchrist, diese Geschichte einmal aus »nseren Tagen erzählen? So höre zu! Es ist ein Richter, hoch tberm Sternenzelt, der sich freilich weder vor Gott noch de» Menschen zu fürchten braucht, denn er ist selber Gott! Aber »r ist kein ungerechter Richter, sondern der allgerechte und weise aber gütige Richter der Welt, Vor diesen Richter treten die Völker der Erde, Da kamen die Franzosen und Iprachen: Herr, wir waren doch immer die edelsten, das große Volk voll Ruhm und Ehre, vor dem sich die anderen beugten! Aber da sind nun diese Deutschen, die wallen sich nicht mehr vor UNS beugen, ja sie wollen UNS Ruhm und Ehre wegnehmen sollen wir UNS das gefallen laßen, Herr? Und dann kamen die Engländer und sprachen: Herr, wir haben den Erdkreis bedient, wir haben den Handel gehabt in der ganzen Welt, und alle Völler haben mit uns Geschäfte gemacht, und nun kommen die Deut­schen und wollen »nseren Handel an sich reißen, der doch uns gehört! Herr, müssen wir uns das gefallen laßen? Und dann kamen dte Rußen und Serben und sprachen: Herr, wir sind ein großes Volk und brauchen viel Land und haben auch nach Vrüder im Hemden Land, aber die Oesterreicher und Deutschen wollen uns das Land nicht geben! Herr, mäße» wir uns das gefallen laßen? Und dann kam die Gegenpartei, die Deutschen und Oesterreicher, die sagten: Herr, hils UNS doch, wir wollen ja gar nichts, wir wollen ja nur leben: aber wir können uns doch nicht in, den Wald und unter die Felsen verkriechen, wir haben doch auch noch ein Recht aus der Erde! Da sah der Welt­richter die Streitenden an und sprach: Von euch meint jeder, er habe Recht, und wenn ich einem sagte, du hast Unrecht, er würde es doch nicht glaube». Darum will ich die Entscheidung euch selber in die Hand geben Höret: Man kann nicht wirk­lich beten im Unrecht, in Haß und Sünde: darum: wer von

euch am treuesten und tiefsten, am gottergebendsten und glau­bensstärksten beten kann: bei dem ist das Recht, zu dem will ich mich »eigen, Run gehet hin und betet!

Za sie bete» alle, die Engländer und Rußen, und sogar die Franzosen! Und auch wir! Wir können über das Beten un­lerer Feinde nichts sage», nur das: darauf dürfen wir uns nicht verlaßen, daß ihr Gebet schlechter sei als unseres, nur das gilt, daß wir uns mühen, daß unser Gebet noch bester sei als ihres! Es ist ein doppeltes Ringen, das eben durch die Welt geht, das Ringen aus dem Echlachtseld mit den Waffen, und das Ringen der Beter daheim! Wollen wir unseren treuen Soldaten die ungeheuren Kräfte, die wir ihnen durch unser Ge­bet zuweisen können, versagen?

Freilich, wir mäßen uns dabei eines sagen: es ist hier nicht getan mit dem Beten von Worten und Versen, ob's nun ein altes oder neues Gebetbuch ist, aus dem sie stammen: das wäre, als wen» die Witwe dem Richter täglich einen Bitt-

Betr: Feldbereinigungsmeliorationen Stammheim.

Krbtits- und firfmiitaoufrarbnng.

Mittwoch, den 4, November 1914 vormittags 117: Uhr sollen im Rathause zu Stammheim die nachverzeichneten Arbeiten und Lieferungen vergeben werden,

Voranschlag 6010,27 MI. 3377,2b . 1588,90

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Los 2. Las 3. Los 4.

Wiesenmeliorationsarbeiten desgl. desgl.

Lieferung von Zementröhren, Böichungs- stülken, Rohrschleusen und eines Dramage- ausnrünlnrngsstückes frei Verwendungsjtelle Herstellung der Lachegräben Herstellung von Drainagen im Oberholz Lieferung von Tonrohren frei Baustelle Lieferung von Drainröhren und Ver­bindungsstücken la fiel Bahnhof Ran­stadt oder Altenstadt Los 0. Anjuhr der Drainröhren Los 10. Rodung des alten Lacheweges Los 11. Rodung in der Bel,Hecke

Verschleifung des Raines in ,zlur XIX V(>.

16 1 ( 10-20 (oberer lei!)

Fuhrleistungen bei der Ausführung von Meliorationsarbeiten Herstellung einer Pflasterrinne cmderHa: raite der K. Heppner II Wwe,

Los 15. Lieferung von 7 cbm Basalt Pflastersteinen 2 Sorte frei Baustelle .

o 05 10. Lieferung von 8 cbm ton- nrd lehmireien Grubensand frei Baustelle Los 17. Rodung des alten Zimmerplatzes

Interessenten werden die einzelnen Oo n-e .7- Rooember vorgezeigt. Zusammenkunft voemrt.ars - Schtoßsihute. , . x

Die Verdingungsunterlagen liegen bei und bei »er

Bürgermeisterei Stammhei», zur Einsicht oßen, ^Ungebote in:+*<>_ zenten des Voranschlags sind bis ,um obigen Termin 0 e.,-ul-,,iN und mit der Aufschrift: Angebot Feldbere.mgi.ng -tninmhcmr vr>- sehen, der Gr. Bürgernreisterei Stammhenn e.nzureichen.

Friedberg, den 28. Oktober 1914.

Eroßh, Kulturinspekiion Z «. Hauck

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bries hätte schreiben wollen: Rein, sie ist selber hingegangen! So dürfen auch wir nicht Worte schicke» vor Gottes Thron, son- dern wir mäßen selber hin, unser Herz muß hin! Und hier liegt die Schwierigkeit! Denn unser Herz will nicht zu Sott! Es spürt zu deutlich, daß es vor dem Licht an Gottes Thron nicht bestehen kaim, daß da all seine Fehler zu deutlich zu Tage treten: Aber es hilft nichts wenn unser Gebet etwas wert sein soll im große» Völkerringen der Erde, dann muß unser Herz beten: mag es das tun i» Zittern und Zagen, i» Angst und Verzweiflung vor dem heiligen Gott: es ist vielleicht sogar gut, wenn es gerade so geschieht: aber geschehen muß es. Und noch eins: Ein Gebet ohne Herz ist wertlos wir mäßen uns darüber klar sein, daß es sogar ein Gebet geben kann, das die großen Gebetslräste unseres Volkes hindert und stört. Wenn einer unter UNS beten wollte mit Haß und Fluch: Wir sind gewiß: Gott würde solches Gebet umkehren und Haß und I Fluch aus den Beter und sein Volk selber zurückwerfen! Das ist eben das Wichtige, daß uns unser Gebet fei machen soll von Unrecht und kleinlichem Haß. daß es uns zu Gott führen »nd vor Gottes Angesicht die rechte, allumfassende Gerechtigkeit lehren soll: Dan» täusche» wir uns da nicht: Das Volk, das endgültig über die Erde herrschen soll, kan» nur sein das Volk der großen, vorstehende», göttlichen Gerechtigkeit! Das Volk, das über die Erde in Zukunst herrschen will, darf nur ein Volk sein, das die Menschheit vorwärts bringt auf dem Weg zum Reich Gottes: zum Reich der echten Gerechtigkeit und Liebe. Die Reformation war ein Schritt aus diesem Weg: denn nicht das ist ihre Bedeutung, daß sie Katholiken und Protestanten geschieden hat, sondern, daß sie ein ganzes Volk Katholiken und Protestanten zum Suchen nach Gott gebracht hat daß dieser Krieg ein weiterer Schrit! werde auf dem Weg zum Reich Gottes das gebe Gott: aber er kanns nur geben, durch unser Gebet. Drum: Gehet hi» und betet. Amen.

Gebet:

Vater im Himmel, du allmächtiger und allgerechter, mit dem Heer der Beter in unserem Volk treten wir vor deinen Thron, um zu flehen und zu ringen um deine Gnade! Herr, wir flehen dich an, sei du mit unserem Volk und Vaterland, wenn wir »ur dich haben, dann fragen wir nichts nach Himmel und Erde! Wir wißens ja wohl, daß wir nicht wert sind, daß du dich zu uns neigest, wir spüren, daß wir erröten und bren­nen mäßen vor Scham und Angst, wenn dein Licht in unsere Herze» hineinleuchtet, und unsere Fehler und unser Unrecht offenbar werden. Aber du Herr, kennst ja uns Menschen besser als wir selber, und wolltest du nicht Mitleid und Gnade an uns üben, so müßten wir schon längst verloren sein Darum höre unser Flehen und erbarme dich unser! Laß unser Volk und Heer deinen Willen erkenne» und dein Ruse» hören in dieser schweren Zeit, bewahre unsere Soldaten draußen ebenso vor Mutlosigkeit wie vor Roheit und Hartherzigkeit, gib ihnen in der Schlacht einen unüberwindlichen Mut, der den Sieg da­vonträgt, und »ach der Schlacht ein frommes und erbarmendes Herz, damit sie die Not nicht noch größer machen. Gib unserem Kaiser, und denen, die um ihn sind, einen guten starken Rat zu jeder Zeit, und schütze auch unseren Großherzog in der Kriegsgefahr. Schütze alle unsere Lieben mit deiner starken Hand, nimm du dich besonders der Verwundeten, Sterbenden und Gesangenen an. Wir bitten dich auch für unsere Feinde! Herr, wir können ja nicht darum beten, daß sie uns besiegen.» und vernichte» sollen, du verlangst das auch nicht von uns wir können nicht darum beten, daß das Unrecht siegen soll aus Erden: Aber wir bitten dich, laß auch sie in diesen Tagen erkenne», daß du der Herr bist im Himmel und aus Erden, laß sie erfahren, daß dein Walten allezeit gerecht, gütig und voll

Liebe ist, ja laß auch sie durch die Ersahrungen dieser To . aus den Weg zu dir kommen!

Herr, komme über uns wie ein großes Wasser! e Wasser des Lebens, das bei »ns seinen Anfang nehme, und » wer weiter unser ganzes Volk und Heer durchdringe, ja jchlw. lich über die Grenzen unseres Volkes hinaus die ganze W.lt überflute «nd hineinzwinge in dein Reich: Za Herr, l.:, dein Reich kommen ans Erde», dann wird alles, alles g>. Amen.

Ehronilra der frrirgsge/chicht?.

26. Oktober.

Das am Kampfe an der sranzöfisch-belgifchen Küste sich be- s teiligende englische Geschwader wurde durch schweres Artillerie teuer zum Rückzug gezwungen. Drei Schiffe » erhielten Volltresser. Das ganze Geschwader hielt sich darauf außer Sehweite.

Z» erbittertem Häuserkamps erlitten die Engländer große Verluste und ließen über 500 Gefangene in unsere» Hände». Nördlich Arras brach ein heftiger sran zösischer Angriff in unserem Feuer zusammen: de,

Feind hatte st a r k e V e r l u st e.

Die Oesterr-ficher schlugen bei Visegrad die vereinten Serben und Montenegriner, die außer vielen Gefangenen. 4 Maschinengewehre und 000 (Gewehre verloren.

In dein Kampfe bei Jwangorod machte ein öslekrvich- isches Korps allein 10,000 Russen zu Gesangenen, aiijjeiü.'i't erbeuteten sie 19 Maschinengewehre.

27. Oktober.

Langsame Fortschritte in der westlichen Völkerschlacht an der Nordsee.

Neue russische Armeekorps überschreiten nördlich Zwungoron die Weichsel, um sich an der große» Schlacht in Russisch-Polen zu beteiligen.

Der KreuzerEmden" hat das japanische Schiss Kama- tala Mewa versenkt.

28. Oktober.

Die Schlacht an der Nordwestgrenze Flanderns hält an. Es beteiligen sich wieder 16 feindliche Kriegsschiffe an den Känipfen. Bei Lille ist unser Vorgehen im Forifch.ei­ten: ebenso im Argonnenwald.

In Polen wichen die deutsch-österreichischen Truppen neuen russischen Kräften aus »nd werden sick) der Lage eist sprechend neu gruppieren.

In Galizien haben österreichische schwere Geschütze niest rere i»jsiscl>e Batterien vernichtet. Den Serben wurde abermals eine schwere Niederlage beigebracht: e-5 wurden

ihnen dabei 4 Gesmütze, 8 Maschinengewehre und 500 Ge­fangene abgenomme».

29. Oktober.

Tie Völkerschlacht in Flandern schreitet erfolgreich fort 16 englische Offiziere und 300 Mann wurden gefangen, 4 Geschütze erbeutet. Ein französischer Verstoß bei Vor dm, wurde unter großen Verlusten für die Frguzoseu zurück worfen. Im Gegenangriff besetzten unsere Truppen die seindlickze Hanptstellung

In den letzten 3 Wochen wurden bei den Kämpfen in Rnssisch-Polen 13,500 Russen gefangen, 30 Geschütze und 39 Maschinengewehre erbeutet.

Die Türket greift .in de» Krieg ein. Dir türkische- Flotte donipste in-; Schwarze Meer._

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