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9iene Tageszeitung. Samstag, den 24. Oktober 1914
Sfrte 4.
Grnn ttnd I!|e.
Nontan von D. Leugner. tSchlog).
Cie schwieg erschöpft urö ihr« sanften Blicke um- lagen die beiden ihr so lieben Menschen.
„Ilse! Ilse!" rief Roderich fleher>d, „deine Worte treffen mich wie eine schwere Anklage."
„Eine Anklage? Roderich, wer könnte dich an- klagen? Du Haft als Mann gehandelt, warst mir die glückverheißende Sonne meines Lebens, deine Briefe erfreuten und erquickten mich wie Himmelstnu das lechzende Blümelein. Das Blümlein ist verwelkt, aber di« Sonne strahlt riner anderen Blum«, die ich als ein Teil meines eigenen Selbst betrachte — Erna — meiner Schwester — ihr Glück ist auch das meine — und die Liebe, die dich mit ihr verbindet, gilt auch mir und in diesem Sinne wird mir di« letzte Stunde, die Stunde des Scheidens leicht — "
„Latz uns die letzten Augenblicke nicht entweihen," bat er.
„Entweihen? — Nein, weihen! — — Nodcncb, weiche mir nicht aus — ich weitz es wohl — du willst mich nicht verletzen, aber eine Frage habe ich noch an dich zu richten, die du mir wahrheitsgetreu beantworten sollst — denke daran, das; cs eine Sterbende ist, die dich fragt! — — Liebst du Erna noch wie einst?"
Roderich gab keine Antwort. Einen durchdringenden Blick warf er auf Erna, als wollte er in ihrem Herzen lesen, als sollte sein Blick ihr die Antwort übermitteln aus Ilsens Frage. Aber Erna kam ihm mir keiner Miene ihres stolzen Gesichtes zur Hilfe. Hoch aufgerichtet stand sie vor ihm in kalter Schönheit, in niarmoiner Ruhe. Nur ihr Busen wogte stürmisch auf und nieder, Zeugnis ablegend von dem wildert stampfe, der in ihrem Innern tobte.
„Roderich, antworte mir doch," bat die sanfte Stimme der Sterbenden.
„O Gott, Ilse — ich — ich — ich verweigere die Antwort
„Erna — er ist dein! ich weitz es und bin glücklich und will gerne sterben."
Ein Frösteln durchlief Ernas schlanke Gestalt. Auch dem stärkstem Eeniiit ist es auf die Dauer unmöglich die Freude und das Glück in sich zu verschließen und so vermochte auch Erna nicht länger stälte zur Schau zu tragen, wo doch glühende Leidenschaft die Herrschaft hatte. Ihr Blick tauchte tief in den Rode- richs, diesem eine Welt von Liebe und hehrem Glück oerheitzend. Zur Hellen Flamme schlug empor, was solange tief verborgen glimmte. Doch sofort hatte der Ernst der Situation wieder alle erfaßt, denn die Mahnung an die Vergänglichkeit alles Irdischen, alles Schönen wirkte ernüchternd auf ihr vor Freude und Glück überquellendes Gemüt, und es ergriff der heilige Ernst, der an Sterbebetten weilt, die beiden Liebenden. Der Augenblick war nicht für sützen Liebesrausch geschaffen. ____
Ilse lag selig lächelnd mit geschloffenen Augen da, ein Bild holder Unschuld und Reinheit — der Lilie vergleichbar, die berest ist den Garten Eden zu
schmücken.
Jetzt öffnete sich die Tür, und die vor Schmerz gebeugte Gestalt des Vaters trat an das Bett seines Kindes.
Er begrüßte Roderich nur flüchtig. Tränenschweren Blickes betrachtete er die mit geschloffenen Augen Da- liegende und „Ilse, Ilse," murmelten seine zuckenden Lippen.
„Vater," hauchte diese und öffnete die mattglänzenden Augen, „Vater — ich — mutz gehen — küsse — mich noch einmal — so." Sie hielt erschöpst inue
Laut schluchzend knieten alle drei vor dem Bette.
„Vater," begann sie wieder, „du bist nun allein
— ich wäre so — gern — bei dir — geblieben, aber
— Mutter ruft mich — Vater — lebe wohl — Rode- rich — Erna — lebet wohl — und werdet glücklich
— lebt wohl — Mutter — ich —komme — Mutter
— Mutter — "
Ein tiefer Atemzug hob die gequälte Brust, ein letzter flackernder, überirdischer Blick traf die Weinenden — dann schlossen sich die Augen für immer, das treue Herz hatte aufgehört zu schlagen, die Kraft versagte ihm, das Blut noch weiter im Kreislauf durch den Körper zu treiben — — Ilse war tot !
Tot dies himmlische Wese»! O nimmersatter unbarmherziger Tod, was tatest du? Warum brachst du nicht eine morsche, lebensmüde Hütte und ließest nicht den stolzen schönen Bau, das herrlische Kunstwerk der Natur unversehrt? Du Vernichter des Lebens, der Schönheit, des Glückes, du Schnitter mit furchtbarer Maske, dich lockten die Reize der holden lieblichen Braut! Frohlockend eilst du von dannen mit der erjagten Beute, hinunter zum düsteren Hades!
In mildem zügellosem Schmerz warf sich der Rittergutsbesitzer über sein totes Kind und küßte es wild und leidenschaftlich, bis endlich der Paroxismus des Schmerzes einer stillen Ergebung, einer stoischen Ruhe wich.
„Dein Wille, o Gott geschehe," murmelte er, und „Gott tröste Sie," fügte Roderich mit zitternder Sttmme hinzu.
Drei Tage später verkündeten dumpfe Elocken- klänge, daß Ilsens sterbliche Hülle zur letzten ewigen Ruhe bestattet werden sollte.
Wie sütz, wie lieblich klingen die Glocken, wenn sie ein liebendes Paar zuin Altar rufen, — und wie klangen ffe heut! Wie ergreifender Träuergesang aus ehernem -Runde — wie die Klage unsichtbarer Geister, die in ihnen wohne», eine Klage um ewig verlorenes Glück, einer Welt voll Liebe!
Auf dem stillen Friedhofe, unter einer mächtigen Trauerweide bettete man die Entschlafene an der
Seite der so früh dahingeschiedenen Mutter zur letzte»» Ruhe.
Als der Geistliche seine ergreifende Rede beendet
hatte, erklangen die lieblichen Töne des Trauerchoies: Das Leben gleicht dem Sammeltag Voll Licht und Sonnenschein —
Da grollt des Schicksals Wetterschlag Und Dunkel bricht herein'
O wie schnell entflieht die Zeit Welche hier der Herr uns beut!
Was man welk am Abend sieht —
Hat am Morgen schön geblüht!
Kirchliche Anzeigen.
Evangelische Gemeinde.
20. Sonntag nach Irin., 25. CItobc*
Erntedankfest.
KoücaSicnjt in der Stadttirche.
Vorm. Stk Uhr: Herr Direktor Scho eil.
Mitwirkung der Chorschule. — Anschließend Beichte und HI. Abendmahl.
Abends 8 y, Uhr: Herr Pfarrei Klebcrgcr,
Gottesdienst in der Burgkirche.
Vorm. >l Uhr: Kmdergolkesdicnst: Herr Pfarrer D i e q l. Nachm. o'A Uhr: Herr Kandidat Heiland.
In Fricdbcrg KvUekte für die Stadttirche.
Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach.
Vorm. 10 Uhr: Herr Pfarrer Zatzmann.
Katholische Gemeinde.
21. Sonntag nach Pfingsten, 25. Oktober. Bcichtgclcgenhcit am Samstag nachmittag von I Uhr und Sonntag früh von Uhr an.
'AI Uhr: Frühmesse.
8 Uhr: Militiirgottesdicnst (Singmcffe).
1-10 Uhr: Hochamt mit Predig». >
Nachm. 2y, Uhr: Roscnkranzbruderschaft.
Während der Woche täglich abends 8 Uhr Rosenkranz» andacht.
Feierabend Friebberg.
Sonntag, den 25. Oktober, nachm. 3 Uhr: Teilnahme an
den Ucbungen der Jungwehr: abends Sy, Uhr: Besuch des
Abendgottesdienstes.
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